Gesundheit Karl Lauterbach warnt vor Omikron-Welle: »In sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften«

21:11  02 januar  2022
21:11  02 januar  2022 Quelle:   spiegel.de

Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte

  Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte Kann die neue Corona-Variante auch Geimpfte und Genesene infizieren? Noch fehlen Labordaten. Aber was Forscher aus dem Erbgut von Omikron lesen, versetzt sie in Sorge. © Rithwik photography/​Getty Images Erst Daten aus dem Labor werden Klarheit bringen, wie stark Omikron dem Zugriff durch Antikörper entgehen könnte. Gerade jetzt, da viele Staaten mit der Pandemie kämpfen wie nie zuvor, da Delta die Infektionszahlen in bislang ungekannte Höhen treibt; gerade jetzt ist sie aufgetaucht: die neue Corona-Variante namens Omikron.

Omikron verbreitet sich rasend schnell – aber der Zug für Ungeimpfte sei nicht abgefahren, sagt Gesundheitsminister Lauterbach. Schon eine erste Impfung senke die Risiken einer Infektion deutlich.

  Karl Lauterbach warnt vor Omikron-Welle: »In sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften« © Kay Nietfeld / dpa

Das RKI meldet derzeit wieder einen langsamen Anstieg der Neuinfektionen, aber die Experten sind sich weitgehend einig, dass sich das Infektionsgeschehen dramatisch verändern kann, wenn sich die ansteckendere Omikron-Variante des Coronavirus durchsetzt. Derzeit verdoppelt sich die Zahl der Infektionen mit der Mutante etwa alle vier Tage.

Für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt es ein wirksames Gegenmittel: Er sieht auch bei Corona-Erstimpfungen schon eine große Schutzwirkung gegen Omikron. »Die erste Impfung senkt bereits nach 14 Tagen das Sterberisiko drastisch«, sagte er der »Bild am Sonntag«. Mit einer Steigerung der Erstimpfungen könnte auch in der »Omikron-Welle« die Zahl der Coronatoten wirksam gesenkt werden.

Omikron: Mildere Infektionen machen noch kein harmloses Coronavirus

  Omikron: Mildere Infektionen machen noch kein harmloses Coronavirus Zahlen aus Südafrika deuten an, dass Omikron weniger schwere Infektionen verursachen könnte. Stimmt das wirklich? Für Deutschland wäre das ohnehin keine Entwarnung. © Emmanuel Croset/​AFP/​Getty Images Viele Omikron-Infizierte in Südafrika erwischt das Virus nicht so schwer wie befürchtet. Ob das auch in Deutschland eintritt, ist offen. Seit Omikron Ende November in Südafrika entdeckt wurde, hält sich eine Erzählung hartnäckig: Die neue Coronavirus-Variante könne sich zwar besonders gut verbreiten, sei aber nicht so schlimm.

Das Gefühl vieler Ungeimpfter, dass der Zug für sie ohnehin abgefahren sei, stimme nicht: »Lassen Sie sich impfen«, lautet sein Appell.

Studien zeigten, dass sich die Omikron-Variante wesentlich schneller verbreite als die Delta-Variante, aber auch etwas weniger schwere Fälle verursache. »Das ist aber keine Entwarnung für ältere Ungeimpfte«, betonte Lauterbach. Er warte auf weitere wissenschaftliche Studien. In Dänemark und Großbritannien, wo Wissenschaftler mildere Krankheitsverläufe bei einer Omikron-Infektion meldeten, liege die Impfquote bei Älteren deutlich höher als in Deutschland.

Auf Twitter schrieb Lauterbach, dass Omikron in Großbritannien zu »sehr vielen« Krankenhauseinweisungen führe. Einweisungen auf die Intensivstation stiegen hingegen langsamer.

Omikron-Variante: Britische Studien bestätigen offenbar mildere Verläufe bei Erkrankungen

  Omikron-Variante: Britische Studien bestätigen offenbar mildere Verläufe bei Erkrankungen Zwei Untersuchungen aus Großbritannien legen minderschwere Erkrankungen bei Omikron-Infektionen nahe. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte sank im Vergleich zu Delta teils drastisch. Eine Entwarnung ist das aber nicht. © TOBY MELVILLE / REUTERS Weltweit wird die rasante Verbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus mit größter Sorge beobachtet. In zahlreichen Ländern – darunter die USA – hat die Mutante bereits die bisher vorherrschende Delta-Variante verdrängt. Unklar war bisher allerdings, wie die Krankheitsverläufe bei der neuen Variante ausfallen.

Großbritannien hatte zuletzt 189.000 Neuinfektionen am Tag gemeldet. Eine »Tragödie« sei dort bislang ausgeblieben, weil die Älteren eine hohe Impfquote hätten und 75 Prozent geboostert seien. In der »BamS« zeigte sich Lauterbach »sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften« in Deutschland.

Lauterbach bekräftigte auch den Nutzen von Masken – dieser habe sich durch die neue Variante sogar noch gesteigert: »Die Viruslast der Infizierten ist bei Omikron niedriger, deshalb wirken Masken besser.« Insbesondere in der Schule sei das Tragen der Masken »ein absolutes Muss für alle Klassen«, sagte er der Zeitung.

Der Statistiker Christian Hesse von der Universität Stuttgart prognostizierte der »BamS« zufolge ein Durchsetzen der Omikron-Mutante binnen weniger Tage: »Bereits jetzt ist in einigen Bundesländern wie Niedersachsen die Omikron-Variante dominant. In einer Woche wird sie das in ganz Deutschland sein.«

Verliert Corona durch Omikron an Schrecken?

  Verliert Corona durch Omikron an Schrecken? Wird die Pandemie dank Omikron „endemisch“? Wie hoch ist die Ansteckung, wie schwer der Verlauf? Experten geben Auskunft.Hoffnungsträger: Auch wenn erst wenige Studien zu Omikron vorliegen und die Lage in Deutschland nur bedingt mit der in anderen Ländern vergleichbar ist, mehren sich die Stimmen, die mittelfristig von etwas Entspannung durch Omikron ausgehen. Die Idee dahinter: Durch Omikron könnte – das ist aber bislang nur eine Hypothese – eine endemische Situation näher rücken. Die hohe Übertragbarkeit könnte dazu führen, dass die Bevölkerung als Ganzes vergleichsweise schnell eine höhere Immunität erreicht.

Einige Ärzte und Forscher sehen in der Verbreitung der – mildere Symptome auslösenden – Mutante auch eine Chance. Der Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), Michael Weber, erhofft sich von der Omikron-Variante des Coronavirus eine deutliche Entlastung des Gesundheitssystems. »Wenn sich die Omikron-Variante auch bei uns so stark durchsetzt wie in Südafrika, Großbritannien oder Dänemark und die Infektionen so überwiegend mild verlaufen wie dort, besteht eine realistische Wahrscheinlichkeit, dass die Pandemie auch hierzulande zu einer Endemie wird«, sagte Weber der »Welt am Sonntag«.

Die stark mutierte Omikron-Variante war vor gut einem Monat erstmals in Südafrika nachgewiesen worden. Seitdem hat sie sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in etwa hundert Ländern ausgebreitet. In mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich und Portugal, entwickelte sich Omikron bereits zur vorherrschenden Coronavariante.

Virologe Drosten warnt vor Deltakron: „Alles andere als sicher“ .
Omikron – Für viele sorgt die Virusvariante für einen Hoffnungsschimmer. Virologe Christian Drosten warnt nun davor, dass sich Omikron bald weiterentwickeln könnte.Virologe Christian Drosten jedenfalls ist da skeptischer und warnt in einem Interview: Es sei keinesfalls sicher, dass Omikron in diesem abgemilderten Zustand bleiben wird.

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