Gesundheit Omikron: Funktionieren die Schnelltests noch?

19:31  13 januar  2022
19:31  13 januar  2022 Quelle:   zeit.de

Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte

  Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte Kann die neue Corona-Variante auch Geimpfte und Genesene infizieren? Noch fehlen Labordaten. Aber was Forscher aus dem Erbgut von Omikron lesen, versetzt sie in Sorge. © Rithwik photography/​Getty Images Erst Daten aus dem Labor werden Klarheit bringen, wie stark Omikron dem Zugriff durch Antikörper entgehen könnte. Gerade jetzt, da viele Staaten mit der Pandemie kämpfen wie nie zuvor, da Delta die Infektionszahlen in bislang ungekannte Höhen treibt; gerade jetzt ist sie aufgetaucht: die neue Corona-Variante namens Omikron.

Omikron könnte zu Beginn der Infektion vor allem den Rachen befallen. Muss man sich nun anders testen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

In einer Kinderteststation in Amsterdam: Dort werden extra weiche Tupferstäbchen für die Kleinen benutzt, damit es nicht so wehtut. © Remko de Waal/​ANP/​AFP/​Getty Images In einer Kinderteststation in Amsterdam: Dort werden extra weiche Tupferstäbchen für die Kleinen benutzt, damit es nicht so wehtut.

Omikron ist da, die Infektionszahlen steigen exponentiell und mit der sich auftürmenden Welle wächst der Bedarf an Tests: um zu wissen, ob man für andere infektiös ist, ob man Menschen in Innenräumen treffen darf, ob hinter den Anzeichen einer Erkältung Corona steht, ob man womöglich in Quarantäne oder Isolation muss. Aber noch stellen sich viele Fragen, wenn es um Schnelltests und Omikron geht. Wie zuverlässig sind ihre Ergebnisse? Was sich schon sicher sagen lässt und was noch nicht: ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Omikron: Mildere Infektionen machen noch kein harmloses Coronavirus

  Omikron: Mildere Infektionen machen noch kein harmloses Coronavirus Zahlen aus Südafrika deuten an, dass Omikron weniger schwere Infektionen verursachen könnte. Stimmt das wirklich? Für Deutschland wäre das ohnehin keine Entwarnung. © Emmanuel Croset/​AFP/​Getty Images Viele Omikron-Infizierte in Südafrika erwischt das Virus nicht so schwer wie befürchtet. Ob das auch in Deutschland eintritt, ist offen. Seit Omikron Ende November in Südafrika entdeckt wurde, hält sich eine Erzählung hartnäckig: Die neue Coronavirus-Variante könne sich zwar besonders gut verbreiten, sei aber nicht so schlimm.

Können Schnelltests auch Omikron erkennen?

Die Antwort ist ein klassisches: Ja, aber. Schnelltests sind auch in der Omikron-Welle in der Summe sehr wertvoll. "Wir haben Antigenschnelltests und wir wissen eigentlich, die Antigentests, die helfen gegen dieses Omikron-Virus gut, so gut wie gegen die anderen Viren auch", fasste es Christian Drosten in seinem jüngsten NDR-Podcast zusammen.

Das ist die beruhigende Nachricht. Fast alle in Deutschland verbreiteten Antigenschnelltests fahnden nicht nach dem Spikeprotein, das bei Omikron stark verändert ist, sondern nach dem Nucleocapsid-, kurz N-Protein, das sich bei Omikron nur ein bisschen verändert hat. "Das Coronavirus exprimiert im Körper große Mengen dieses N-Proteins", sagt Björn Meyer, Virologe und Experte für Virusevolution an der Universitätsklinik Magdeburg. "Selbst wenn das N-Protein bei Omikron ein wenig anders aussieht, können die Tests es erkennen."

Omikron-Variante: Noch kein Hinweis für schwerere Omikron-Verläufe bei Kindern

  Omikron-Variante: Noch kein Hinweis für schwerere Omikron-Verläufe bei Kindern Dort, wo Omikron-Infektionen stark ansteigen, müssen derzeit viele Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Wie besorgniserregend ist das? Was Fachleute bisher wissen © Annice Lyn/​Getty Images Auch nach der Entdeckung der Virusvarianten Alpha und Delta gab es die Befürchtung, Kinder könnten schwerer betroffen sein. Diese haben sich nicht bestätigt. Erst seit gut fünf Wochen ist der Welt bekannt, dass sich eine neue Coronavirus-Variante ausbreitet: Omikron.

Und tatsächlich deuten alle ersten Ergebnisse in genau diese Richtung. Kaum war die Variante als besorgniserregend eingestuft und mit dem Namen Omikron versehen worden, veröffentlichten Virologinnen auf Twitter erste Befunde aus dem eigenen Labor, die zeigten, dass gängige Schnelltests zum Glück auch den Neuling erkennen: etwa die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek, die die ersten Omikron-Fälle in Deutschland untersuchte, und die Genfer Expertin für Coronaviren, Isabella Eckerle.

Inzwischen werden auch erste Studien zu dieser Frage veröffentlicht. In einer Untersuchung mit rund 700 Teilnehmerinnen, die von Fachkollegen allerdings noch nicht begutachtet ist, kamen US-Forscher vor wenigen Tagen zu dem Schluss, dass einer der gängigsten Tests in den USA im realen Leben Omikron offenbar gut identifiziert (Preprint medrxiv: Schrom et al., 2022).

Gleichwohl: Einige neue Aspekte sind bedeutsam mit Blick auf die Schnelltests: seit es Omikron gibt – und seit viel mehr Menschen geimpft sind.

Karl Lauterbach warnt vor Omikron-Welle: »In sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften«

  Karl Lauterbach warnt vor Omikron-Welle: »In sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften« Omikron verbreitet sich rasend schnell – aber der Zug für Ungeimpfte sei nicht abgefahren, sagt Gesundheitsminister Lauterbach. Schon eine erste Impfung senke die Risiken einer Infektion deutlich. © Kay Nietfeld / dpa Das RKI meldet derzeit wieder einen langsamen Anstieg der Neuinfektionen, aber die Experten sind sich weitgehend einig, dass sich das Infektionsgeschehen dramatisch verändern kann, wenn sich die ansteckendere Omikron-Variante des Coronavirus durchsetzt. Derzeit verdoppelt sich die Zahl der Infektionen mit der Mutante etwa alle vier Tage.

Wie sollte ich mich jetzt am besten testen?

"Omikron ist anders", sagt Meyer. Die Variante habe eine etwas andere Biologie als all ihre Vorgängerinnen. "Sie frisst sich anscheinend nicht so gut nach unten in die Lunge durch", sagt Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Omikron hänge eher als die anderen Varianten in den oberen Atemwegen fest. Die veränderten Merkmale könnten ein Grund dafür sein, dass die Covid-19-Erkrankungen unter Omikron leichter ausfallen, neben dem Hauptgrund für die derzeit oft milderen Verläufe, den Impfungen.

Falk und Meyer gehen davon aus, dass Omikron zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion vor allem den Rachen befällt. Während der Coronavirus-Wildtyp und die Varianten Alpha und Delta zu Beginn der Infektion prominent in der Nase zu finden sind, scheint die Omikron-Variante dort erst mit einiger Verzögerung voll anzukommen. Das bedeutet: Es ist jetzt wichtig, auch im Rachen einen Abstrich zu machen, um Omikron gegebenenfalls früh zu erwischen.

Coronavirus: Omikron weiter auf dem Vormarsch – neue RKI-Daten

  Coronavirus: Omikron weiter auf dem Vormarsch – neue RKI-Daten Die Corona-Variante Omikron breitet sich in Deutschland stark aus. Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts liegt ihr Anteil jetzt schon bei 44,3 Prozent. © Manngold / IMAGO Die Feiertage haben in Deutschland für eine deutliche Verzerrung der Coronafallzahlen gesorgt. Mal wieder ist der Kampf gegen die Pandemie hierzulande in den Blindflug übergegangen, unter anderem verspätete Meldungen sorgen nach wie vor für ein unvollständiges Bild.

"Man gewinnt bei einer Omikron-Infektion ein bis zwei Tage, wenn man den Schnelltestabstrich auch im Rachen macht und nicht nur in der Nase", schätzt der Virologe Meyer.

Und auch die Immunologin Falk sieht das so: "Es ist aus bevölkerungsmedizinischer Sicht ja das Ziel des Testens, möglichst viele Hochinfektiöse möglichst früh zu erwischen. Daher ist es jetzt ratsam, den Schnelltestabstrich nicht nur auf die Nase zu beschränken." Sondern ihn in zwei Schritten auszuführen: erst im Rachen und dann in der Nase.

Wie mache ich einen Rachenabstrich parallel zum Nasenabstrich?

Als Laie postiert man sich dazu am besten vorm Spiegel oder nimmt einen Handspiegel zu Hilfe.

Dann macht man den Mund so weit wie möglich auf, atmet durch den Mund ein und senkt dabei die Zunge etwas, so als ob man gähnen wollte. Nun kann man den weichen Gaumenbogen gut sehen, an dem das Zäpfchen hängt. Links und rechts lassen sich vielleicht die Mandeln erkennen. An diesem weichen Gaumenbogen, hinten beim Zäpfchen, streicht man an verschiedenen Stellen mit dem Stäbchentupfer entlang, möglichst ohne dabei Zähne und Zunge zu berühren. An den Zähnen nämlich, sagt Falk, könnten Bakterien kleben, die das Ergebnis verfälschen. Insgesamt ist es wichtig, vorher nicht gerade klebrige Erdnussbutter oder Sahnetorte zu essen, weil die Fette und Proteine darin den Test ebenfalls stören könnten. Wenn man sich regelmäßig morgens testet, empfiehlt es sich, das vor dem Zähneputzen zu tun.

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Ist man mit dem Rachen fertig, geht man mit demselben Stäbchentupfer in die beiden Nasenlöcher. Dabei hält man das Stäbchen möglichst flach. Denn der Nasengang geht im Inneren nach hinten und nicht nach oben, anders als es äußerlich scheint. Mit diesem flachen Einführen des Stäbchens, parallel zum Gaumen, vermeidet man, dass es sich unangenehm anfühlt. Man kommt auch weiter nach hinten und erwischt so das bessere Probenmaterial. Dort hinten angekommen kreist man ein paarmal langsam mit dem Stäbchen und schabt dabei jeweils sanft an der Innenseite der Nase an der Schleimhaut entlang.

Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency hat für die Bürgerinnen und Bürger ein Video aufgenommen, das den Rachenabstrich gut demonstriert. Auf der Website der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität zeigt ein Video für medizische Profis, wie sich ein Abstrich an der Rachenrückwand durch die Nase machen lässt.

Wie dieses nun wohl klügere Testen – Rachen plus Nase – funktioniert, müssten jetzt nur sehr schnell viele Menschen erfahren, fordern die Immunologin Falk und der Virologe Meyer: in Schulen, Büros und Testzentren. "Man kann das der Bevölkerung wirklich zutrauen", sagt Christine Falk. "Die Menschen bekommen das hin, man darf sie nicht unterschätzen, man muss sie nur kompetent machen." Dass sich mit Laientests ebenso gute Ergebnisse erzielen lassen, also wären Profis am Werk, wenn man die Menschen nur gut schult, bestätigt eine Studie aus Berlin (European Respiratory Journal: Lindner et al., 2021).

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Natürlich bedarf das einiger Kommunikation und Gesundheitsaufklärung – und das am besten sehr schnell wegen der extrem hohen Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron. Schließlich haben die meisten Menschen gerade erst den vorderen Nasenabstrich gelernt.

Kann ich für den zusätzlichen Rachenabstrich die bisherigen Tests benutzen?

Der alleinige Nasenabstrich ist aus Sicht von Praktikern wie Christine Falk noch nie der Goldstandard gewesen. "Es ist immer besser, erst im Rachen abzustreichen und danach in der Nase." Dass die Laienschnelltests als Nasentests zugelassen sind, sei dabei kein echtes Problem: "Auch wenn die so zugelassen sind, benutzen wir die bei uns im Labor seit jeher für Rachen und Nase – mit sehr guten Erfahrungen. Und mitten in der Welle ist vielleicht eher Pragmatismus als Perfektion gefragt", sagt Falk. Ähnlich pragmatisch sieht es Virologe Björn Meyer.

Christian Erdmann, ein Mitglied des wissenschaftlichen Thinktanks Rapidtests, schrieb dazu jüngst in einem Aufsatz, er rate zwar nicht explizit zu diesem Umfunktionieren der Tests, bei dem man die Nasenstäbchen einfach zusätzlich für den Rachen benutzt. Er betont aber auch, dass viele der frei verkäuflichen Laientests dieselben seien, die für den professionellen, medizinischen Bereich zugelassen sind. Für Laien würden diese Tests mitunter nur mit anderen Stäbchen ausgeliefert.

Wer beide Versionen schon in der Hand hatte, weiß: Die Laienstäbchen sind mitunter kürzer oder sie besitzen weichere, dickere, komfortable Tupfer an der Spitze, damit sie einfach, sicher und angenehm in der Nase anzuwenden sind.

Viele Profis, die einen Test durchführen und dafür die PoC-Version benutzen (für: Point of Care), streichen auch schon jetzt die Rachenschleimhaut mit ab: entweder indem sie durch die Nase bis zur Rachenrückenwand gehen oder indem sie durch den Mund an den Rachen gelangen. Wenn man die Rachenrückwand via Nase erreichen will, braucht man freilich die langen Stäbchen.

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  Angst vor der Omikron-Welle +++ Inzidenz über 800! +++ Wie gefährlich ist die Virus-Variante wirklich? +++ Virologin: Das Risiko, sich zu infizieren, war nie größer Eine immense Omikron-Welle rollt durch Deutschland, längst ist die Virusvariante vorherrschend. Was sicher scheint: Omikron verbreitet sich zwar besonders schnell, schwere Verläufe sind aber seltener. Im Podcast „Coronavirus-Update“ des NDR fasst Virologin Sandra Ciesek zusammen: Nie sei das Risiko, sich zu infizieren, größer gewesen - zugleich sei das Risiko für eine schwere Erkrankung, wenn man geimpft oder geboostert sei, niedrig wie nie. Wie Omikron das individuelle Risiko bei einer Infektion verändert – und warum Experten weiter zu Vorsicht mahnen.

Omikron scheint zudem etwas besser als die Vorgängervarianten im Speichel zu finden zu sein. "Noch ist das nicht ganz klar, aber wenn sich das als richtig erweisen sollte, könnte den Speicheltests künftig eine größere Bedeutung zukommen", sagt Björn Meyer. Diese Spucktests galten bislang als nicht so empfehlenswert. Die bisherigen Virusvarianten waren besser in der Nase aufzuspüren. Sollte sich die Vermutung bewahrheiten, könnten in der Omikron-Welle Lollipoptests in Schulen noch hilfreicher werden, als sie es bisher schon waren.

Wie gut wirken die Tests bei Geimpften?

Bei geimpften Menschen seien Schnelltests von Anfang an "geringfügig ein bisschen schlechter sensitiv" gewesen, sagte der Virologe Christian Drosten in seinem jüngsten NDR-Podcast. Dieser Befund hat also nichts mit Omikron zu tun. Außerdem sagte Drosten: "Das sind alles vernachlässigbare Effekte."

Björn Meyer erklärt diesen Mechanismus so: "Zum einen ist bei Geimpften die Viruslast womöglich etwas geringer und zum anderen entfernt ihr Immunsystem das Virus schneller aus dem Organismus, was ja auch Sinn der Impfung ist." Das Immunsystem Geimpfter arbeite wie eine Art Hausmeister, es halte Ordnung in den Schleimhautzellen, was dazu führe, dass gar keine so hohe Konzentration des N-Proteins aus den infizierten und geplatzten Schleimhautzellen freigesetzt werde. "Es hält die N-Protein-Konzentration in Schach." Das führt dazu, dass die Schnelltests dann manchmal noch zu wenig N finden, um anzuschlagen. Selbst dann, wenn ein Geimpfter bei einer Durchbruchsinfektion schon Symptome verspürt.

Aber ist das ein Problem? Nicht unbedingt. Denn eine niedrige N-Konzentration könnte schließlich auch bedeuten, dass der Geimpfte in diesem Moment weniger ansteckend ist. Weil sich dann in der Schleimhaut weniger ganz zusammengebautes und damit erst infektiöses Virus findet. Christine Falk: "Es geht beim Schnelltesten vor allem darum, die Hochinfektiösen herauszufischen. Das bringt am meisten, um die Infektionsketten möglichst effektiv zu unterbrechen. Und bei den Hochinfektiösen schlagen die Tests fast immer gut an."

Das ist bei einem PCR-Test anders. Mit einem PCR-Test lassen sich Infizierte auch unabhängig davon finden, ob sie ansteckend sind. So erklärt die Immunologin Falk etwa die jüngsten Ergebnisse von New Yorker Forscherinnen: Die Wissenschaftlerinnen hatten 30 geimpfte und zum Teil geboosterte Patienten untersucht und stellten fest, dass bei ihren Probanden mit einer bereits hohen Viruslast zwar der PCR-Test schon zwei Tage lang anschlug, die Antigenschnelltest hingegen noch nicht (Preprint medrxiv: Adamson et al., 2021).

So wichtig solche akademischen Fragen sind, für die Praxis spielen sie derzeit noch keine so große Rolle. Noch überwiegt der Nutzen der Schnelltests ihre Begrenzungen. Das gilt für Geimpfte wie Ungeimpfte. "Schnelltests sind viel besser als ihr Ruf, wenn sie verantwortlich durchgeführt werden", sagt Christine Falk.

Und die Genfer Virologin Isabella Eckerle twitterte den Tipp, die Tests unbedingt auch jetzt beherzt einzusetzen, weil bei den derzeit hohen Inzidenzen ein positives Schnelltestergebnis "sehr, sehr wahrscheinlich" eine echte Sars-CoV-2 Infektion bedeute.

Um das Maximum aus den Tests herauszuholen, sind nach Falk und Meyer zwei Dinge entscheidend: Am wichtigsten sei es, die Probe gut und korrekt zu entnehmen wie oben beschrieben. Daneben sei eine hohe Frequenz wichtig: also häufig und regelmäßig zu testen, mindestens zwei-, dreimal die Woche. "Wenn ein Test bei einer Infektion nicht sensitiv genug ist und ein falsch-negatives Resultat ergibt, erhöht man die Chance auf ein richtiges Ergebnis mit dem nächsten Test", sagt Meyer: "Die Genauigkeit kommt hier mit der höheren Frequenz."

Welcher Test erkennt Omikron am besten?

Leider ist der Markt für Schnelltestprodukte hierzulande wenig reguliert und sehr unübersichtlich. Die Angaben zur Güte der Tests beruhen meist auf Herstellerangaben. Die beste Übersicht in diesem Wildwuchs gibt bislang eine Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) mit Tests, die das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf Tauglichkeit geprüft hat.

Was Omikron angeht, schreibt das PEI auf seiner eigenen Website aber lediglich: "Auf der Grundlage der aktuellen Datenlage geht das Paul-Ehrlich-Institut davon aus, dass die allermeisten der in Deutschland angebotenen und positiv bewerteten Antigentests eine Omikron-Infektion nachweisen können." Deshalb wünscht sich etwa Christine Falk: "Wir brauchen für Omikron dringend ein Update des Bfarm, sowohl für die Selbsttests als auch für die Profitests, etwa beim Arzt." Dabei reiche, sagt Falk, eine Art Testsiegel für die hiesigen Verbraucher, aber auch die Labore aus. Exakte Angaben zur Sensitivität seien "für die Praxis oft zu kompliziert".

In den USA immerhin hat die Arzneimittelbehörde FDA bereits ein paar Tests wegen mangelhafter Qualität auf den Index gesetzt. Gesundheitsminister Karl Lauterbach forderte vor diesem Hintergrund das zuständige Paul-Ehrlich-Institut am Wochenende auf, zügig eine Positivliste für hiesige Schnelltests zu erstellen.

Auch wenn Schnelltests Omikron im Prinzip detektieren, bleibt es eben wichtig, zu wissen, ob das auch für den Test gilt, den man gerade in der Drogerie kauft – oder ob er einer der sehr wenigen sein könnte, die den Omikron-Härtetest womöglich nicht bestehen würden.

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