Gesundheit Neues Medikament: Fortschritt bei Alzheimer-Therapie

19:40  30 november  2022
19:40  30 november  2022 Quelle:   merkur.de

Spermidin - Deutsche Forscher entdecken Marker im Blut, der auf Alzheimer hinweist

  Spermidin - Deutsche Forscher entdecken Marker im Blut, der auf Alzheimer hinweist 120.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jährlich an Alzheimer. Für einen möglichst milden Verlauf ist die Früherkennung der Erkrankung elementar. Eine Studie hat nun einen neuen Biomarker im Blut identifiziert, der die Alzheimer Diagnostik erheblich erleichtern könnte. © Getty Images/Science Photo Libra Bei der Alzheimer-Krankheit funktioniert die Kommunikation zwischen den Neuronen nicht mehr richtig, nach und nach sterben immer mehr Nervenzellen ab.

Alzheimer © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa Alzheimer

Neues Medikament: Fortschritt bei Alzheimer-Therapie

Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Orientierungsprobleme - Alzheimer zeichnet sich durch einen langsamen Abbau der geistigen Fähigkeiten aus. Heilbar ist die Demenz-Erkrankung nicht. Kann ein Antikörper zumindest den Verlauf bremsen?

New Haven - Ein neuartiges Antikörper-Medikament verlangsamt einer Studie zufolge das Fortschreiten von Alzheimer. Das berichtet ein internationales Wissenschaftler-Team nach der Untersuchung von knapp 1800 Patienten im frühen Stadium der Demenz-Erkrankung im „New England Journal of Medicine“.

Medikament kann Alzheimer verlangsamen

  Medikament kann Alzheimer verlangsamen Bei der Suche nach einer Therapie stehen Antikörper im Fokus. Nach mehreren Enttäuschungen gibt es nun erste positive Ergebnisse Es gibt Diagnosen, die von vielen Menschen besonders gefürchtet werden. Krebs gehört dazu – und Alzheimer. Doch während die Therapie von Tumorerkrankungen in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, lässt sich die häufigste Form der Demenz nach wie vor so gut wie gar nicht behandeln. Bisher ist kein Medikament in der Lage, das unerbittliche Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen, geschweige denn, sie zu heilen.

Der Antikörper Lecanemab könne Alzheimer nicht heilen oder aufhalten, aber den geistigen Abbau relevant verlangsamen, urteilt der deutsche Alzheimer-Forscher Frank Jessen vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der nicht an der Studie beteiligt war. Er spricht von einem „historischen Meilenstein in der Alzheimer-Forschung“.

Die Sicherheit der Behandlung müsse in längeren Studien weiter untersucht werden, schreiben die Forscher. Sie berichten von Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen und Mikroblutungen im Gehirn. Todesfälle seien als Folge der Behandlung nicht aufgetreten. Vor wenigen Tagen erschien allerdings im Fachmagazin „Science“ ein Beitrag über einen Todesfall im Zusammenhang mit der Therapie, insgesamt sei es der zweite. Dies müsse man sehr genau beobachten, sagte Jessen. Er könne sich vorstellen, dass es bei einer Zulassung Beschränkungen für bestimmte Patientengruppen gebe, etwa für Menschen mit erhöhter Blutungsneigung.

Alzheimer: Neues Medikament bremst geistigen Abbau

  Alzheimer: Neues Medikament bremst geistigen Abbau Alzheimer zeichnet sich durch einen langsamen Abbau der geistigen Fähigkeiten aus. Heilbar ist die Demenz-Erkrankung nicht. Kann ein Antikörper zumindest den Verlauf bremsen? © dpa-Zentralbild Ein neuartiges Antikörper-Medikament verlangsamt einer Studie zufolge das Fortschreiten von Alzheimer. © dpa-Zentralbild New Haven. Ein neuartiges Antikörper-Medikament verlangsamt einer Studie zufolge das Fortschreiten von Alzheimer. Das berichtet ein internationales Wissenschaftler-Team nach der Untersuchung von knapp 1.800 Patienten im frühen Stadium der Demenz-Erkrankung im "New England Journal of Medicine".

Beschleunigtes Zulassungsverfahren wird geprüft

In den USA wird Lecanemab bereits in einem beschleunigten Zulassungsverfahren geprüft. Auch in Japan und Europa ist ein Antrag auf Marktzulassung bis Ende März 2023 geplant.

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz, nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen haben Alzheimer. Es kommt dabei zu einem Absterben von Nervenzellen im Gehirn, was zu Vergesslichkeit, Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Orientierungslosigkeit führt. Die Krankheit schreitet langsam fort, so dass der Alltag für die Betroffenen zunehmend schwerer zu bewältigen wird. Charakteristisch für die Erkrankung sind Ablagerungen von Eiweißen im Gehirn Jahre bevor erste Symptome auftreten.

Lecanemab wird von dem US-Unternehmen Biogen zusammen mit dem japanischen Pharmaunternehmen Eisai entwickelt. Der Antikörper Lecanemab fängt im Gehirn der Patienten das Eiweiß Amyloid-beta (Abeta) ein, das sich dort in Form sogenannter Plaques ablagert. Diese Plaques sind ein maßgebliches Kennzeichen von Alzheimer und gelten als Mitursache der Erkrankung. In die Studie wurden 1795 Menschen im Frühstadium von Alzheimer eingeschlossen - eine Hälfte bekam in zweiwöchentlichem Abstand den Antikörper, die andere ein unwirksames Scheinmedikament. Die Studie wurde an 235 Zentren in Nordamerika, Europa und Asien durchgeführt.

Neuer Bluttest soll Alzheimer früh erkennen können

  Neuer Bluttest soll Alzheimer früh erkennen können Je früher Alzheimer diagnostiziert wird, desto besser können Therapien helfen. Nun haben Forschende einen Bluttest gegen Alzheimer entwickelt. Seattle – Alzheimer ist eine tückische und bisher unheilbare Krankheit. Sie bahnt sich lange im Voraus an – eine Studie hat gezeigt, dass man erste Alzheimer-Anzeichen bis zu neun Jahre vor der Diagnose erkennen kann. Das ist möglich, weil Alzheimer im Gehirn bereits Jahre oder gar Jahrzehnte vor den ersten typischen Symptomen beginnt, sich zu entwickeln.Das Protein Amyloid-Beta wird falsch gefaltet und verklumpt sich im Gehirn.

Verlangsamung des Abbaus um durchschnittlich 27 Prozent

Die Forschenden prüften in regelmäßigen Abständen den Verlauf der Erkrankung und testeten etwa die Gedächtnisleistung, das Orientierungsvermögen und die Problemlösekompetenz der Patienten. Bei den Patienten, die den Antikörper bekommen hatten, verlangsamte sich der Abbau der geistigen Fähigkeiten um durchschnittlich 27 Prozent: Sie schnitten also bei den Tests nach 18 Monaten besser ab als die Probanden der Kontrollgruppe. Allerdings war auch bei den mit Lecanemab behandelten Menschen die Krankheit vorangeschritten.

„Diese Effektstärke liegt im Rahmen dessen, was man in der Alzheimer-Forschung zuvor für ein ausreichend wirksames Medikament festgelegt hatte“, sagt Jessen. Mit dieser Studie sei erstmals überzeugend gezeigt worden, dass sich mit einer Behandlung, die an einer der Ursachen der Erkrankung ansetzt, eine Verzögerung des klinischen Fortschreitens erreichen lasse.

„Die Ergebnisse stimmen vorsichtig optimistisch“, sagt auch Linda Thienpont, Leiterin Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative. „Lecanemab greift in die Mechanismen der Alzheimer-Krankheit ein und reduziert nicht nur die schädlichen Amyloid-Ablagerungen, sondern verzögert auch den Krankheitsverlauf. Das ist das ausschlaggebende Kriterium für die Patientinnen und Patienten - und das hat bisher noch kein Wirkstoff geschafft.“ Die Verbesserung der Kognition sei allerdings nur sehr moderat. Es sei fraglich, wie stark dieser Effekt für Betroffene spürbar sei und tatsächlich im Alltag einen Unterschied mache. Menschen mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf würden zudem von der Antikörper-Behandlung nicht profitieren.

Engmaschige ärztliche Kontrolle

Thienpont betont - auch mit Blick auf die beiden berichteten Todesfälle -, dass genau abgewogen werden müsse, ob Nutzen und Risiken in einem vertretbaren Verhältnis stehen. „Im Falle einer Zulassung des Medikaments wird eine engmaschige ärztliche Kontrolle bei der Behandlung nötig sein. Es muss außerdem genauer eingegrenzt werden, welche Patientinnen und Patienten für eine Behandlung in Frage kommen.“

Es sei zudem wichtig, auch andere Forschungsansätze zu verfolgen, die sich mit weiteren Merkmalen der Erkrankung beschäftigen, etwa Ablagerungen des Tau-Proteins oder entzündliche Prozesse, so Thienpont. „Denn wir werden die Alzheimer-Krankheit vermutlich nicht mit einem Wirkstoff heilen können, sondern es werden Kombinationstherapien gebraucht, die individuell an unterschiedlichen Krankheitsmechanismen ansetzen.“ dpa

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17. September 17 (UPI)- Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und einem höheren Risiko für die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit bei Menschen über 65 gefunden. Case Western Reserve University School of Medicine. 1/2 Objektträger © SFAM_PHOTO/SHLATTERSTOCK Menschen mit COVID-19 waren innerhalb eines Jahres nach ihrer ersten Diagnose ein signifikant erhöhtes Risiko für eine neue Diagnose der Alzheimer-Krankheit, so die Studie.

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