Gesundheit Yoga steigert das Ego

18:00  27 juni  2018
18:00  27 juni  2018 Quelle:   bernerzeitung.ch

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Yoga steigert das Ego © Bereitgestellt von Berner Zeitung Yoga steigert das Ego

Die indische Lehre macht nicht demütig, wie eine neue Studie zeigt. Im Gegenteil. Warum das nicht weiter schlimm ist.

Auf dem Weg zu Glück und Wohlbefinden grätscht einen regelmässig das Ego um. Wer sich nämlich selbst zu wichtig nimmt, so die Vorstellung, kann kein erfülltes Leben führen. Die Idee geistert seit Ewigkeiten durch die Köpfe: Schon im Griechenland der Antike galt ein Ich-bin-wichtig-Gefühl als Stolperstein, und auch das Christentum brandmarkte Selbstverherrlichung als Todsünde.

In der Gegenwart hat die Vorstellung vom giftigen Ego im philosophischen Überbau der so populären Yoga- und Meditations-Bewegung ein fruchtbares Reservat gefunden. Wer sich in einer Form dieser Körper-Geist-Praktiken übe, so das Versprechen vieler Vordenker dieser Techniken, bändige sein Ego, erlerne Demut sowie Bescheidenheit und erlange darüber Wohlbefinden.

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Statt des Egos grätscht nun die Wissenschaft dazwischen: Sehr wahrscheinlich verhalte es sich genau andersherum, argumentieren Psychologen um Jochen Gebauer von der Universität Mannheim in einer Studie im Fachblatt «Psychological Science». Nach Experimenten mit Yogis und Meditierenden, sagen die Forscher: Beide Tätigkeiten sorgen dafür, dass die Beteiligten sich auf ihr Selbst fokussieren sowie eher selbst überschätzen – von wegen Ego überwinden!

Und das sei auch nicht einmal schlecht, so die Psychologen um Gebauer, im Gegenteil: Das überstiegen positive Selbstbild nach den Yoga-Stunden oder Meditations-Einheiten sei nämlich genau jener Faktor, der die Wohlbefindenseffekte beider Tätigkeiten auslöse. Yoga und Meditation tun also gut, aber eben aus anderen Gründen als angenommen. «Dieser Mechanismus gilt übrigens auch für jede andere Tätigkeit, etwa für Fussball oder Radfahren», sagt Gebauer, «das ist nicht spezifisch für Yoga oder Meditation.»

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Von wegen Demut und Bescheidenheit

William James, so etwas wie der Vater der modernen Psychologie, formulierte bereits 1907 das sogenannte «Prinzip der Selbstzentralität». Diese fundamentale Annahme der Psychologie postuliert einen Vorgang, der im direkten Widerspruch zur Idee der Ego-Minderung durch Yoga oder Meditation steht: Üben Menschen eine Fertigkeit – Kochen, Klavierspielen, Fussball, Yoga oder etwas anderes – werden sie besser darin und damit wächst zugleich die Bedeutung dieser Aktivität für den jeweiligen Menschen.

Sich in solchen Achtsamkeitsübungen zu ergehen, aktivierte also Selbstkonzepte, statt sie irgendwie in wohliger Transzendenz aufzulösen.

Das klingt auch ohne empirische Überprüfung einleuchtend: Was einem wichtig ist, weil man es oft und gut macht, wird zu einem wesentlichen Bestandteil des Selbstbildes. Nach diesem Schema fokussieren auch Yoga oder Meditation die Aufmerksamkeit auf das Ich, nicht weg davon, wie das buddhistisch inspirierte Ideengerüst hinter beiden populären Praktiken suggeriert.

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Die Psychologen um Gebauer überprüften in ihren Experimenten praktisch zwei Annahmen: einmal die These der Selbstzentralität nach William James; und zum anderen die Idee der Ego-Überwindung aus dem Yoga-Meditations-Reich. Für die Studie begleiteten die Forscher mehr als 200 Teilnehmer, die entweder Yoga oder Meditation betrieben. In beiden Fällen zeigte sich, dass diese Tätigkeiten wichtig für die Vorstellung vom eigenen Ich der Teilnehmer waren. Sich in solchen Achtsamkeitsübungen zu ergehen, aktivierte also Selbstkonzepte, statt sie irgendwie in wohliger Transzendenz aufzulösen.

Schliesslich fragten die Psychologen zusätzlich ab, wie die Teilnehmer ihre eigenen Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen Yoga-Freunden oder Meditierenden einschätzten. Die überaus meisten gaben an, sie seien besser als der Durchschnitt ihrer Gruppe – was unmöglich ist. Wenn nämlich fast alle sagen, sie seien überdurchschnittlich, geht das schon rechnerisch nicht auf. Mit anderen Worten: Auch Yoga und Meditation befördern Selbstüberschätzung oder – vorsichtiger formuliert – ein leicht überstiegen positives Selbstbild, von wegen Demut und Bescheidenheit.

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«Die allermeisten Menschen neigen dazu, sich selbst zu überschätzen.»Jochen Gebauer, Universität Mannheim

«Die allermeisten Menschen neigen dazu, sich selbst zu überschätzen - wenn auch meistens nicht dramatisch», sagt Gebauer. In der Psychologie wird das Phänomen als Better-than-Average-Effect bezeichnet. Dieser tritt mit zwei Einschränkungen ein: Zum einen bricht diese Form der Hybris nur in Zusammenhang mit Tätigkeiten aus, die einem wichtig sind und die eine wesentliche Rolle für das Selbstbild spielen. Wer noch niemals jongliert hat, wird seine Fertigkeit darin kaum in den Himmel loben. «Wenn Sie aber eine Umfrage auf einem Welt-Jonglage-Treffen machen würden, sähe die Sache sicher anders aus», sagt Gebauer. Zum anderen neigen lediglich tendenziell gut gestimmte Menschen zur Selbstüberschätzung. Depressivität lässt die Ego-Seifenblase hingegen platzen - und in diesem Umstand steckt vielleicht schon ein Indiz dafür, dass ein etwas übertrieben rosiges Selbstbild positive Auswirkungen haben könnte.

Es tut gut, sich grossartig zu finden

«Die Forschungsliteratur zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen stärkerer Selbstüberschätzung und höherem Wohlbefinden», sagt Gebauer. Das verdeutlicht eine Metaanalyse mit Daten von mehr als 120'000 Probanden, die Psychologen um Michael Dufner von der Uni Leipzig und Gebauer gerade im Journal Personality and Social Psychology Review publiziert haben. Wer nicht ganz abhebt, profitiert von ein wenig persönlicher Übersteigerung. Wer sich hingegen selbst nicht schätzt, kann auch seine Leistungen in egal welchem Bereich schwer gut finden.

Das alles spricht nicht dagegen, Yoga oder Meditation zu praktizieren, im Gegenteil. Es spricht nur gegen die Annahme, dass die beiden spirituell angehauchten Achtsamkeitstechniken wirken, weil sie die Fesseln der menschlichen Psyche sprengen und das Ego auflösen. Im Gegenteil: Sie wirken wohl ausgerechnet deshalb, weil sie das Ich aktivieren und sich die Beteiligten anschliessend selbst eher grossartig finden. Und das ist auch gut so.

Warum Sie am Wochenende mehr schlafen sollten .
© Getty Images Schlaf Eine neue Studie aus dem Journal of Sleep hat ergeben, dass diejenigen, die an den Wochenenden, also über acht Stunden, mehr Kip bekommen, niedrigere Sterblichkeitsraten haben. Tatsächlich kamen sie zu dem Schluss, dass Erwachsene unter 65 Jahren, die durchschnittlich fünf Stunden oder weniger pro Nacht schliefen, eine 65% höhere Wahrscheinlichkeit für einen früheren Tod hatten als diejenigen, die an Wochentagen ein oder zwei Stunden mehr bekamen.

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