Kochen & Genuss „Glühwein müsste eigentlich noch teurer sein“

07:10  01 dezember  2022
07:10  01 dezember  2022 Quelle:   saechsische.de

Schmeckt nach Weihnachten - Leckeren Glühwein ganz einfach selber machen

  Schmeckt nach Weihnachten - Leckeren Glühwein ganz einfach selber machen Die Weihnachtsmärkte haben zu und der Glühwein aus dem Supermarkt schmeckt nicht? Der Weihnachtswein lässt sich auch ganz einfach selbst herstellen. Wir zeigen, worauf Sie achten sollten. © dpa/Florian Schuh Zu stark sollten Hobbyköche ihren Glühwein nicht erhitzen. Ab 78 Grad entweicht der Alkohol. dpa/Florian Schuh Glühwein gibt es fertig zu kaufen - er lässt sich aber auch leicht selbst herstellen. Die Basis bildet ein kräftiger, fruchtbetonter Rotwein, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).

Sommelier Silvio Nitzsche im Interview über steigende Preise auf Sachsens Weihnachtsmärkten, schlechte Qualität und woran man guten Glühwein erkennt.

Silvio Nitzsche in seiner Weinkulturbar in Dresden. © kairospress © kairospress Silvio Nitzsche in seiner Weinkulturbar in Dresden. © kairospress

Herr Nitzsche, viele Weihnachtsmarktbesucher kritisieren, dass Glühwein jedes Jahr etwas teurer wird. In Chemnitz kosten die meisten Glühweine jetzt 3,50 Euro statt 3 Euro, in Dresden und Leipzig sind es nun oft 4,50 Euro. Ist eine Tasse Glühwein diesen Preis wert?

Wenn man die Inflation und die gestiegenen Kosten für Logistik, Energie und Mindestlohn nimmt, müsste Glühweine in diesem Jahr eigentlich noch teurer sein. Das geht leider oft zulasten der Qualität. Die meisten Glühweine auf Sachsens Weihnachtsmärkten sind unterirdisch.

Kopfschmerz und Koma: Warum Glühwein wirklich das ekligste Getränk der Welt ist

  Kopfschmerz und Koma: Warum Glühwein wirklich das ekligste Getränk der Welt ist Aber es geht noch schlimmer: Probieren Sie Hot Aperol oder andere Scheußlichkeiten auf den Weihnachtsmärkten zwischen Alexanderplatz und Schloss Charlottenburg.Gibt es ein schlimmeres Getränk als Glühwein? Für mich nicht. Die Idee ist jedes Jahr für ein paar Minuten ganz anheimelnd, Lichterglanz, Tannenzweige und dazu einen schönen heißen Becher Glühwein, hach, das wärmt von innen, den Bauch und die Seele.

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Was heißt unterirdisch?

Nun, viele Glühwein-Standbetreiber sind Händler oder Schausteller. Ganz klar, dass da mehr Kostendeckung und Umsatz als das Produkt zählen. Die Grundweine an solchen Ständen sind in der Regel reine Industrieweine, die von überall auf der Welt billig zugekauft werden. So ein Grundwein kostet im Einkauf in der Regel nur 50 bis 60 Cent pro Liter – also viel weniger als ein Liter Benzin. Der Wein wird dann einfach geschmacklich gepimpt. Das entspricht ja im Prinzip auch der Entstehungsgeschichte des Glühweins: Wein, der nicht so toll geraten war, sollte aufgebessert werden. Die Folgen spürt man dann oft am nächsten Tag – in Form von Kopfschmerzen.

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Liegt das nicht aber auch daran, dass beim Glühwein schnell mal zwei, drei, vier Tassen getrunken werden?

Sicher, damit der Glühwein nicht kalt wird, wird er oft zügig getrunken. Da kommt schnell viel mehr Alkohol zusammen als bei einem Essen, das man mit einem Glas Wein begleitet. Meist ist es aber der hohe Anteil Schwefel, der billigen Grundweinen zugesetzt wird. Denn Schwefel ist wie ein Antibiotikum für den Wein, es stabilisiert den „kranken“ beziehungsweise schlechten Wein. Wenn dann noch jede Menge Zucker und künstliche Aromen dazukommen, wehrt sich der Körper halt irgendwann dagegen.

Gibt es denn keine Vorschriften, was in Glühwein rein darf und was nicht? In Deutschland ist doch alles geregelt.

Glühwein zählt nicht zu den Lebensmitteln, sondern zu den Genussmitteln. Insofern besagt die Vorschrift nur, dass Glühwein aus Rot- oder Weißwein bestehen muss. Seit diesem Jahr kann es auch Rosé sein. Zucker, Sirup, Aromen und Gewürze dürfen zugesetzt werden. Bei den Gewürzen sollten es aber hauptsächlich Zimt und Nelken sein. Und die Aromen dürfen nicht dominieren. Ansonsten regelt die EU-Glühweinverordnung nicht den Geschmack, sondern nur den Alkoholgehalt. Er muss zwischen 7 und 14,5 Prozent liegen. Und damit sich der Alkohol nicht verflüchtigt, darf Glühwein nicht über 78 Grad erhitzt werden. Seit den Durchlauferhitzern halten das die meisten ein.

Mit dieser Geheimzutat schmeckt jeder Glühwein besser

  Mit dieser Geheimzutat schmeckt jeder Glühwein besser Egal, ob selbst zubereitet oder gekauft: Mit der Zugabe einer bestimmten Zutat können Sie geschmacklich jeden Glühwein aufpeppen © ISTOCKPHOTO Mit dieser Geheimzutat schmeckt jeder Glühwein besser ISTOCKPHOTO Die Glühweinsaison ist eröffnet! Nicht nur auf den Weihnachtsmärkten ist das alkoholische Heißgetränk jetzt ein Hit, sondern auch bei vielen zuhause. Roter Glühwein, weißer Glühwein – sie sind die Klassiker. Aber auch andere Varianten wie z.B. leckerer Vanille-Glühwein oder Rosé-Glühwein gewinnen immer mehr an Beliebtheit und sind blitzschnell zubereitet.

An einigen Ständen steht der Zusatz „Winzerglühwein“. Dieser ist dann meist teurer. Kommt aber nicht jeder Wein vom Winzer?

Nur wenn der Wein vom Winzer selbst angebaut, aromatisiert und vertrieben wird, darf er sich „Winzerglühwein“ nennen. Leider erfährt man an vielen Hütten nicht, von welchem Winzer der Wein kommt. Etwas anderes sind Glühweinstände, bei denen der Winzer selbst mit seinem Namen für seinen eigenen Glühwein steht und ein Konzept lebt. Der achtet dann schon auf Qualität.

Gibt es solche Stände auf sächsischen Weihnachtsmärkten?

Auf einigen wenigen Märkten wie dem Striezelmarkt oder in Radebeul sind auch wieder sächsische Winzer vertreten – zum Beispiel die Weingüter Fourré, Gerhard, Wackerbarth, Hoflößnitz, Schuh und Schwarz. Leider habe ich auf kleineren Weihnachtsmärkten – egal ob in Seiffen, Leipzig, Chemnitz, Bischofswerda, Bautzen oder Dresden – kaum Lokalmatadore finden können, welche die Lanze für den Glühwein brechen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr werden. Schließlich gibt es inzwischen selbst im Discounter einen Trend zu gewissen Qualitätsnormen.

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  So geht italienischer Glühwein Ein heißer Punsch darf an einem geselligen Winterabend nicht fehlen. Wie wäre es mal mit Italian Glühwein? Wir haben das passende Rezept © MARTINI® Dieser Glühwein hat's in sich MARTINI® Glühwein ist lecker, keine Frage. Ab und an kann der Winterklassiker aber etwas Pepp vertragen. Wie wäre es mal mit Italian Glühwein? Hier paart sich das kräftige Aroma von Martini Rosso mit trockenem Spätburgunder, verfeinert wird das Ganze durch die fruchtigen Noten von Orange und Zitrone sowie weihnachtlichen Gewürzen.

Sind denn da Weihnachtsmärkte in anderen Bundesländern schon weiter?

Bestenfalls in den traditionellen Weinregionen wie der Pfalz oder im Badischen. Nördlich von Sachsen, in Berlin oder Hamburg, sieht es mit der Glühweinqualität dagegen noch trüber aus als bei uns.

Einige Händler bieten auch heiße Obstweine an, die meist etwas preiswerter sind. Eine gute Alternative?

Auch ein Obstwein kann etwas Wunderbares sein. Aber das Grundproblem ist hier das gleiche: Oft wird für die Heißgetränke auf den Märkten kein hochwertiges Obst verwendet und geschmacklich mit künstlichen Aromen nachgeholfen. Der Aufwand für einen Obstwein ist bis zur Streuobstwiese deutlich geringer. Das Obst wächst fast von allein, während ein Winzer das ganze Jahr Arbeit an den Rebstöcken hat. Noch profitieren viele Winzer von langfristigen Verträgen. Aber spätestens im nächsten Jahr wird Wein durch steigende Kosten zum Beispiel für Erntehelfer und Logistik deutlich teurer werden.

Wärmt und macht gute Stimmung: Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. © dpa © dpa Wärmt und macht gute Stimmung: Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. © dpa

Woran erkenne ich denn im Dunkeln auf dem Weihnachtsmarkt einen qualitativ guten Glühwein?

Wie gesagt, ich würde immer zuerst am Stand schauen, ob der Glühwein nur ein Nebenprodukt zum Beispiel neben dem Bratwurstverkauf ist oder ob ein Weingut, ein Winzer oder Gastronom ausgewiesen ist, der sich mit seinem Produkt identifiziert. An vielen Hütten steht einfach nur „Glühwein rot“ oder „Glühwein weiß“. Das sagt gar nichts. Besser ist es, wenn zumindest die Grundweine ausgewiesen werden. Dann macht man die Geruchsprobe: Aromatisierte Glühweine erkennt man oft schon an dem intensiv-aufdringlichen Geruch. Viele Glühweine, auch auf dem Striezelmarkt, schmecken nur nach klebriger Süße und hinterlassen eine pelzige Zunge. In der Regel gilt: Je weniger süß ein Glühwein, desto qualitativ hochwertiger ist er, weil er den Zucker nicht mehr als Geschmacksträger benötigt. Bei einem guten Winzerglühwein steigt einem ein würziger Duft in die Nase – von Nelken, Anis, Rosmarin, Zimt oder Ingwer. Dabei sollte der Charakter des Grundweins noch erkennbar sein. Wünschenswert ist eine ausgewogene Balance von Süße und Säure.

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Weine aus Sachsen sind doch aber teuer. Wie soll sich das rechnen?

Der Preisunterschied von Glühweinen aus einfachen und hochwertigeren Weinen ist auf dem Weihnachtsmarkt in der Tat gering. Da lohnt es sich wirklich, genau hinzuschauen, wo man trinkt. Natürlich kaufen auch Winzer aus Sachsen manchmal Weine dazu oder nutzen die Gelegenheit, Überproduktionen aus ihren Kellern zu räumen. Doch wenn man davon ausgeht, dass ein akzeptabler Grundwein bei etwa 7 Euro pro Flasche losgeht, dann würde nur die Tasse mit 0,2 Liter Wein etwa 2 Euro kosten. Kalkuliert wird in der Gastronomie mit Faktor drei, manchmal sogar mehr, also müsste ein solcher Glühwein im Ausschank mindestens 6 Euro kosten. Wenn dann noch hochwertige Zutaten dazukommen wie Zimt oder Nelken, läge man bei 7 bis 8 Euro pro Tasse – die allgemeine Teuerung noch gar nicht mitgerechnet.

Auf dem Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche in Dresden gibt es tatsächlich einen Bio-Glühwein für 6,50 Euro. Aber den kauft kaum jemand.

Schade eigentlich. Man tut sich doch nichts Gutes, wenn man billigen Industrieglühwein und damit oft pure Chemie in seinen Körper schüttet. Was macht es für einen Sinn, wenn viele im sonstigen Leben intensiv nach Bioprodukten suchen und beim Glühwein keinen Wert darauf legen? Insofern wäre es klüger, lieber einen guten Wein, dann aber eben eine Tasse weniger zu trinken. Die Krux ist nur, dass die Stimmung dann wahrscheinlich nicht so ausgelassen wäre.

Gibt es denn Glühweine, die Sie als Sommelier empfehlen können?

Ja, es gibt inzwischen einige Winzer, die gute Glühweine selbst herstellen. Der wohl beste Glühwein aus Sachsen kommt für mich vom Weingut Martin Schwarz. In der Region Saale-Unstrut kann ich den mittlerweile kultigen Glühwein aus dem Hause von Elisabeth Born empfehlen. Sehr schön finde ich auch den Ansatz von Janek Schumann, dem „Master of Wine“ in Freiberg. Als Sommelier wählt er den Wein aus – in diesem Fall einen Spanier in Bioqualität – und sein Küchenchef liefert das Glühweinrezept. Im Außer-Haus-Verkauf kostet er in der wiederverwertbaren wertigen Glasflasche mit Schnappverschluss übrigens auch nur 8,90 Euro. Es ist auch gar nicht so schwer, sich einen guten Glühwein zu Hause selbst zuzubereiten.

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  Weihnachtsmarkt zu teuer - ich mach mir meinen Glühwein und Eierpunsch selbst In Sachsen sind die Preise für die Heißgetränke gestiegen. Geht es selbst gemacht günstiger? Wir haben es probiert. Ein Preisvergleich mit Rezeptvorschlag. © Philipp von Ditfurth/dpa Eine Tasse Glühwein wärmt Herz und Hände. © Philipp von Ditfurth/dpa Glühwein selbst gemacht: 2 Euro statt 4 Euro Auf dem Weihnachtsmarkt, aber auch am Lagerfeuer mit Freunden gehört in der Winterzeit ein Glühwein einfach dazu. Der Duft, der warme Becher in den kalten Händen und der süß-würzige Geschmack erzeugen einfach Weihnachtsatmosphäre. Doch auf den Märkten wird der Glühwein immer teurer.

Was braucht es für einen guten Glühwein daheim?

Ich höre manchmal den Satz: „Dieser Wein ist doch viel zu schade für einen Glühwein“. Natürlich muss es kein 50-Euro-Wein sein. Aber der Grundwein sollte stimmen. Man sollte ihn auch nicht mit einer fertigen Gewürzmischung versetzen, sondern mit Gewürzen und Kräutern selbst den Geschmack steuern – so ähnlich wie beim Kochen. Und wenn man den Gewürzen dann noch viel Zeit gibt, ihre Aromen zu entfalten, wird Glühwein ein himmlischer Genuss. Mein Lieblingsrezept stammt aus einem alten Kellerbuch.

Mein Lieblingsrezept

Zutaten:

  • 6-8 Kardamom-Schoten,
  • 8-10 Gewürznelken,
  • 8 Pimentkörner,
  • 8 Sternanis,
  • eine Zimtstange,
  • 2 Teelöffel Koriandersamen,
  • 1 ungewachste Orange,
  • 1 Liter Rotwein.

Zubereitung:

erst ca. ein Zehntel des Weines mit Gewürzen ansetzen, erhitzen auf 70-80 Grad, abkühlen, eine Woche ziehen lassen, mit Teesieb filtrieren, mit dem Rest Wein erhitzen.

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Wer trotz knapper Kasse ein leckeres Feiertagsessen zaubern möchte, kann sich hier inspirieren lassen: günstig, fleischfrei – und garantiert festlich. © Sebastian Maas / DER SPIEGEL Ich weiß nicht, ob es an dem Ukrainekrieg, der Energiekrise oder steigenden Lebenshaltungskosten liegt. Oder einfach daran, dass ich dieses Jahr noch nicht »Schöne Bescherung« geschaut habe (Vorsicht: Hauptdarsteller Chevy Chase wurde gecancelt). Woran es auch liegen mag: Ich fühle mich das erste Mal in meinem Leben gar nicht weihnachtlich.

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