Men Ist zu viel Schlaf ungesund?

14:50  25 november  2022
14:50  25 november  2022 Quelle:   gq-magazin.de

Warum der Schlaf nicht nur in Singapur ein Problem ist

  Warum der Schlaf nicht nur in Singapur ein Problem ist Warum der Schlaf nicht mehr nur beim Nachtrennen in Singapur eine Herausforderung ist und welche neuen Methoden die Formel-1-Teams ausprobierenSeit dem ersten Nachtrennen im Jahr 2008 haben sich die Formel-1-Mitarbeiter daran gewöhnt, sich an den Zeitplan anzupassen, indem sie bis zum Morgengrauen aufbleiben und bis zum frühen Nachmittag schlafen, um die europäische Zeit einzuhalten. Vor dem Hintergrund des unvermeidlichen Jetlags bei der Ankunft ist das aber nie leicht zu bewältigen.

Wer zu wenig schläft, wird irgendwann krank – diese Lektion hat sich mittlerweile herumgesprochen. Was vielen Menschen aber nicht bewusst ist: Auch zu viel Schlaf ist ungesund. Die Symptome können dabei ähnlich ausfallen wie bei einer zu kurzen Nachtruhe. Zu wenig Schlaf kann zudem ein Symptom für eine schwerwiegende Erkrankung sein. Im schlimmsten Fall kann zu viel Schlaf sogar das Leben verkürzen. Wer trotz zu viel Schlaf müde ist, sollte generell sein Schlafbedürfnis hinterfragen.

  Ist zu viel Schlaf ungesund? © Getty Images &

Wie viel Schlaf ist zu viel Schlaf?

Forscher:innen sind sich einig: Wie viel Schlaf ein Mensch pro Nacht benötigt, ist individuell unterschiedlich. Das zeigt sich bereits am ausgedehnten Schlafbedürfnis von Säuglingen, die teils bis zu 18 Stunden pro Tag schlummern. Im hohen Alter nimmt die Schlafdauer bei Erwachsenen hingegen oft ab. Auch von Mensch zu Mensch kann die individuell benötigte Dauer der Nachtruhe stark schwanken.

DAS ist der wahre Grund, warum wir nachts (scheinbar) nicht träumen

  DAS ist der wahre Grund, warum wir nachts (scheinbar) nicht träumen Alle erzählen immer von ihren wilden Träumen und du kannst nicht mitreden, weil du nie oder nur sehr selten träumst? Schlafexpert:innen gehen der Frage nach, warum manche Menschen nicht träumen und ob das sogar gefährlich sein kann“Ich hatte letzte Nacht einen wilden Traum” – diesen Satz höre ich mindestens ein paar Mal pro Woche von Freund:innen. An der darauffolgenden Gesprächsrunde kann ich mich nur selten beteiligen, denn: Ich träume nachts nicht. Als Kind hatte ich viele lebhafte Träume, viele davon waren Albträume, an die ich mich bis heute detailliert erinnern kann. Aber aus irgendeinem Grund hörten sie auf, als ich ein Teenager wurde.

Manche Menschen sind schon mit sechs Stunden gut ausgeruht. Andere haben erst mit neun Stunden ihr Optimum erreicht. Das Schlafbedürfnis ist aber nicht unbedingt immer gleich. Der monatliche Zyklus kann bei Frauen ein wichtiger Faktor sein, schreibt die Krankenkasse AOK in einem Online-Ratgeber: "Manche Frauen klagen in der Phase nach dem Eisprung über Schlafstörungen oder Tagesschläfrigkeit sowie generell ein erhöhtes Schlafbedürfnis."

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Wie viel Schlaf braucht man?

Wissenschaftler:innen haben in Studien festgestellt, dass es einen allgemeinen Richtwert gibt, was die optimale Schlafdauer angeht. Sieben bis acht Stunden pro Nacht sind am besten, bilanzierten zum Beispiel kanadische Forscher:innen in einer im Fachjournal "Sleep" veröffentlichten Studie. Zu ihrem eigenen Erstaunen war dieses Optimum unabhängig vom Alter der Proband:innen. "Die optimale Schlafdauer liegt bei gesunden Menschen zwischen sieben und acht Stunden pro Nacht", lautet auch die generelle Empfehlung der AOK.

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Zu viel Schlaf: Symptome einer zu langen Nachtruhe

Wie gravierend die Folgen von zu viel Schlaf sein können, haben die kanadischen Forscher:innen von der Western University festgestellt. Das Team um den Neurowissenschaftler Conor Wild hatte dazu knapp 11.000 Erwachsene aus verschiedenen Ländern nach deren Schlafgewohnheiten, Leistungsfähigkeit und gesundheitlichen Problemen befragt. Die 2018 veröffentlichte Untersuchung war laut der Universität die bis dato größte Schlafstudie ihrer Art.

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Die Forscher:innen stellten fest, dass zu viel Schlaf dieselben Folgen haben kann wie zu wenig Schlaf. Die gute Nachricht: Das Erinnerungsvermögen scheint davon kaum beeinträchtigt zu werden. Die schlechte Nachricht: Die verbalen Fähigkeiten und das logische Denken leiden dafür umso stärker, wie die "Pharmazeutische Zeitung" zu der Studie schrieb. Teilnehmer:innen mit zu wenig Schlaf hätten Probleme gehabt, komplexe Sachverhalte zu verstehen oder sich überhaupt mit ihnen zu beschäftigen.

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  Schlafmediziner geben Tipps, wie man besser mit wenig Schlaf auskommt Was, wenn man regelmäßig nicht genug Schlaf bekommt? Im Schichtdienst, oder weil man ein Baby hat? Fünf Strategien, die uns helfen, dennoch möglichst gut erholt zu sein.Gefahren können von Schlafmangel aber sehr wohl ausgehen – wenn man sich übermüdet ins Auto setzt oder Maschinen bedient. Daher sollte man sich vor riskanten Tätigkeiten selbst gut beobachten. Und sie im Zweifel besser lassen, rät Dora Triché. Sie leitet das Schlaflabor am Klinikum Nürnberg. Schlaf sei der „Service für den Organismus“. Fehlt er, kann das ähnliche Symptome auslösen wie Alkoholgenuss, so die Schlafmedizinerin. Wir können uns schlechter konzentrieren und nicht mehr so schnell reagieren.

"Warum Überschlafen und Schlafmangel ähnliche Auswirkungen auf die Gehirnfunktionen haben, ist noch nicht geklärt", heißt es in dem Bericht. "Es könnte eine Art Schlafträgheit sein", vermutet der kanadische Forscher Wild. Er spielt damit auf die Art von Benommenheit an, die man beim Erwachen aus einem tiefen Schlummer verspürt.

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Zu viel Schlaf ist ungesund und kann gravierende Folgen haben

Die verringerte Konzentrationsfähigkeit bei zu viel Schlaf erhöht zunächst einmal das Risiko für Unfälle, ähnlich wie bei Schlafmangel. "Wenn man Fehler oder Unfälle in der Chirurgie, beim öffentlichen Verkehr oder sogar beim Betreiben von Kernkraftwerken betrachtet, ist Schlafmangel eine der häufigsten Ursachen", zitierte die "Pharmazeutische Zeitung" die Forscherin Kimberly Fenn von der Michigan State University im "Journal of Experimental Psychology". Sie verwies demnach auf Katastrophen wie den Super-GAU von Tschernobyl oder die Explosion der US-Raumfähre "Challenger".

Zu viel Schlaf schadet dem Körper aber auch auf physiologischer Ebene. Zugespitzt könnte man sagen: Im schlimmsten Fall ist zu viel Schlaf tödlich. "Wie eine Studie herausfand, gibt es einen Zusammenhang zwischen mehr als zehn Stunden Schlaf pro Nacht und dem metabolischen Syndrom (gemeinsames Auftreten von Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen)", warnte die AOK. Die genauen medizinischen Zusammenhänge zwischen metabolischem Syndrom und zu viel Schlaf seien noch nicht näher erforscht. Aber: "Mehrere Studien haben beispielsweise gezeigt, dass durch Schlafmangel oder zu viel Schlaf das Gleichgewicht von Hormonen beeinflusst wird, die den Hunger regulieren. Die Folge davon ist vermehrter Appetit."

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Ist zu viel Schlaf tödlich?

Laut der Krankenkasse besitzen notorische Langschläfer:innen zudem erhöhte Triglyceridwerte (Blutfettwerte). "Frauen hatten außerdem einen größeren Taillenumfang, erhöhte Blutzuckerwerte und zu niedrige HDL-Cholesterinwerte", so die AOK. HDL-Cholesterin gilt als das "gute" Cholesterin. "Ein hoher Wert wird mit einem geringeren Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt in Verbindung gebracht", heißt es in einem Artikel der "Apotheken-Umschau". "Ein niedriger HDL-Cholesterin-Wert kann – im Gegensatz zu einem hohen LDL-Cholesterin-Wert – bisher nicht behandelt werden."

Kopfschmerzen bei zu viel Schlaf sind ebenfalls eine mögliche Begleiterscheinung. "Zwischen Schlaf und Schmerzen, vor allem Kopfschmerzen, gibt es viele Zusammenhänge", zitierte die "Pharmazeutische Zeitung" die Neurologin Svenja Happe auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin 2013. So litten etwa drei Viertel aller Patienten:innen mit Kopfschmerzen auch unter Schlafstörungen, und andersherum führe ein beeinträchtigter Schlaf auch häufig zu morgendlichen Kopfschmerzen.

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Kopfschmerzen: Zu viel Schlaf kann Migräne zur Folge haben

Auch Änderungen im Schlafmuster, also zum Beispiel Ausschlafen am Wochenende, kann demnach Migräneanfälle auslösen. Schlaf könne aber auch therapeutisch wirken, betonte Happe laut dem Bericht. Viele Patient:innen hätten berichtet, dass nach einem erholsamen Nachtschlaf die Attacken aufhörten.

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Ursachen für zu viel Schlaf

Zu viel Schlaf kann nicht nur zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, sondern ist möglicherweise seinerseits ein Symptom, das sehr ernst genommen werden sollte. So ist eine lange Nachtruhe ein klassischer Hinweis auf eine Depression. "Depressive Menschen leiden häufig unter einem ständigen Wachzustand mit hoher Anspannung. Durch früheres Zubettgehen oder Schlafen tagsüber versuchen sie, das zu kompensieren und zur Ruhe zu kommen", erklärt die AOK. "Das führt zu einem Teufelskreis, denn nach dem Schlaf ist die Anspannung dann besonders hoch."

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Zu viel Schlaf: Depression kann sich verschlechtern

Zu viel Schlaf bei Depression könne zu einer Verschlechterung depressiver Symptome führen, heißt es unter Verweis auf eine Datenanalyse der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. "Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Stimmung ist demnach sehr eng. Im Rahmen einer Therapie kann es daher sinnvoll sein, die Schlafzeit auf maximal acht Stunden zu verkürzen, um Symptomen der Depression entgegenzuwirken", rät die AOK.

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Zu viel Schlaf: Was beeinflusst unser Schlafbedürfnis?

Eine wichtige Rolle bei unserem individuellen Schlafbedürfnis spielt neben dem Alter und dem Geschlecht auch der sogenannte Chronotyp. "Der Chronotyp bestimmt die persönlichen Vorlieben eines jeden: Wann habe ich mein persönliches Leistungshoch? Wann bin ich am liebsten wach und wann gehe ich gern schlafen? Auch bestimmte Körperfunktionen wie zum Beispiel die Körpertemperatur werden vom Chronotyp beeinflusst", heißt es bei der Stiftung Gesundheitswissen, einer Plattform des Verbands der Privaten Krankenversicherung.

Wie man weiß, ob 6 Stunden Schlaf genug

 Wie man weiß, ob 6 Stunden Schlaf genug sind. Wir haben es alle schon einmal gehört: Alle Erwachsenen sollten sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht bekommen. Aber wirklich, sechs Stunden Schlaf sind knapp sieben, also wirklich, wie schlimm ist das? © Yellow Dog Productions - Getty Images Kannst du wirklich mit nur 6 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen? Hier ist, was Sie wissen und wie Sie mehr Schlaf bekommen. Laut Peter Polos, M. D.

Je nach Chronotyp kann ein Mensch zum Beispiel ein Frühaufsteher ("Lerche") oder ein Nachtschwärmer ("Eule") sein. Eine maßgebliche Rolle dabei spielt das Hormon Melatonin mit seiner schlaffördernden Wirkung. "Die Bildung von Melatonin hat in der Dunkelheit der Nacht ihren Höhepunkt, während Licht dagegen die Produktion unterdrückt. Dieser Prozess reguliert angepasst an den Tag-Nacht-Rhythmus unseren Schlaf", erklärt die Stiftung Gesundheitswissen. Aber: "Trotz dieser grundsätzlichen Tag-Nacht-Regel können sich unsere bevorzugten Aufsteh- und Schlafenszeiten teilweise deutlich von denen anderer Menschen unterscheiden" – eben je nach Chronotyp.

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3 Tipps: Zu viel Schlaf abgewöhnen

Aber woher weiß ich nun, ob ich womöglich zu viel schlafe? "Fühlen Sie sich erholt und ausgeruht beim Aufstehen, machen Sie alles richtig", beruhigt die AOK. Wer allerdings trotz zu viel Schlaf müde sei und das tagsüber ständig, leidet laut der Krankenkasse womöglich unter einer Schlafstörung (Insomnie). "Über kurzfristige Schlafprobleme, die weniger als drei bis vier Wochen andauern, brauchen Sie sich in der Regel keine Sorgen machen. Verschwinden diese Probleme nicht, sollten Sie jedoch immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber sprechen."

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Ständige Müdigkeit trotz viel Schlaf?

Wer an ständiger Müdigkeit trotz viel Schlaf leidet oder nicht genau weiß, wie viel Schlaf er oder sie braucht, dem rät die Techniker Krankenkasse im nächsten Urlaub zu einem Experiment:

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  • Am Abend immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und keinen Wecker stellen.
  • Erst aufstehen, wenn man sich wach und ausgeschlafen fühlt.
  • Notieren, wie lange man pro Nacht geschlafen hat.

"Hieraus lässt sich das persönliche Schlafpensum ablesen, das auch während der Arbeitswochen eingehalten werden sollte", empfehlen die Expert:innen. Zu viel Schlaf abgewöhnen, kann auf diese Weise funktionieren. Für eine Qualitätskontrolle empfiehlt die Krankenkasse diese Faustregel: "Wer tagsüber auch bei längerer Tätigkeit im Sitzen konzentriert arbeiten kann, ohne schläfrig zu werden, hat sein persönliches Schlafpensum gefunden."

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Harvard Health Publishing und 3 Experten wiegen sich an: Warum ist der Schlaf so wichtig? .
© bereitgestellt von Getty Images Beantwortet von Dr. Howard E. Lewinem.d. Chief Medical Editor, Harvard Health Publishing · 40 Jahre Erfahrung · USA Schlaf ist aus vielen Gründen wichtig. Während Sie wach sind, verbrennt das Gehirn viele Kalorien und erzeugt Abfall Nebenprodukte. Während des Schlafes erweitern sich kleine Kanäle im Gehirn, um diese Abfallprodukte zu beseitigen.

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