Reisen Ukraine aktuell: Finnland schränkt Touristenvisa für Russen kräftig ein

05:20  17 august  2022
05:20  17 august  2022 Quelle:   dw.com

Russen raus aus Europa?

  Russen raus aus Europa? Kriegen russische Staatsbürger demnächst keine Schengen-Visa mehr? Während das in der EU immer lauter gefordert wird, nutzen tausende russische Touristen Finnland als Transitland in den Westen. Aus Riga Juri Rescheto. © Anni Ågren/Lehtikuva/dpa/picture alliance Busse bringen russische Reisende von St. Petersburg zum Flughafen in Helsinki Mein russischer Bekannter Artjom mag Finnland: schöne Seen, freundliche Menschen, saubere Luft. Er kennt das Land, weil er dort oft war. Artjom lebt in St. Petersburg und nutzt die seit Jahren geltende vereinfachte Visa-Vergabe des Finnischen Konsulats in seiner Heimatstadt.

Finnland will die Zahl der russischen Touristenvisa drastisch reduzieren, während Lettland die Regeln für Aufenthaltstitel von Russen verschärfen möchte. Immer mehr russische Urlauber verlassen die Krim. Unser Überblick.

Passagiere verlassen einen Bus auf dem Weg von Sankt Petersburg nach Helsinki © Anni Ågren/Lehtikuva/dpa/picture alliance Passagiere verlassen einen Bus auf dem Weg von Sankt Petersburg nach Helsinki

Das Wichtigste in Kürze:

Finnland will deutlich weniger Touristenvisa an Russen ausgeben Lettland erschwert Zugang zu Aufenthaltsgenehmigungen für Russen Selenskyj ruft Ukrainer in besetzten Gebieten zu Vorsicht auf Immer mehr russische Urlauber verlassen die Krim Human Rights Watch wirft Russland Völkerrechtsverstöße vor

Ab 1. September sollen in Finnland nur noch ein Zehntel der Zahl der russischen Touristenvisa ausgestellt werden. Die Regierung in Helsinki nannte am als Grund eine wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Mit den Touristenvisa aus Finnland können Russen ungehindert in die EU weiterreisen.

Ukraine aktuell: IAEA fordert Zugang zu AKW Saporischschja

  Ukraine aktuell: IAEA fordert Zugang zu AKW Saporischschja Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde spricht bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats von einer "ernsten Stunde". Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland "nukleare Erpressung" vor. Ein Überblick.Das Wichtigste in Kürze:

Nach Angaben des finnischen Außenministers Pekka Haavisto ist ein reines Verbot von Visa aufgrund der Staatsangehörigkeit nicht möglich. Deshalb sollen die Öffnungszeiten, die für die Beantragung von Touristenvisa vorgesehen sind, verkürzt werden. Künftig sollten Anträge von russischen Bürgern, die aus familiären Gründen, für die Arbeit oder das Studium ein Visum brauchen, bevorzugt behandelt werden.

Derzeit bearbeitet Finnland täglich fast 1000 Visa-Anträge aus Russland, sagte Haavisto. Zuletzt war die Zahl der russischen Touristen in Finnland gestiegen. Der Minister sprach sich auch dafür aus, das EU-Abkommen über Visa-Erleichterungen mit Russland zu stoppen. Das würde den Preis für Touristenvisa von 35 auf 80 Euro erhöhen.

Meinung: Draußen bleiben! In Kriegszeiten keine Touristen-Visa mehr für Russen

  Meinung: Draußen bleiben! In Kriegszeiten keine Touristen-Visa mehr für Russen Die Staaten der EU machen auch in dieser Frage das, was sie am besten können: uneinheitlich agieren. Eine klare Linie muss her, auch wenn die einige Ausnahmen haben darf, meint Miodrag Soric. © Matej Kastelic/Panther Media/picture alliance Gäste aus Russland waren bisher gern gesehene Gäste in den Einkaufsmeilen und Boutiquen Westeuropas Die Diskussion nimmt gerade erst Fahrt auf: Kann es sein, dass russische Bürger als Touristen in Spanien oder Frankreich Urlaub machen dürfen, während Moskaus Armee in der Ukraine Tausende Frauen und Kinder mordet? Auf keinen Fall, meinen immer mehr Menschen in der EU.

Der finnische Außenminister Pekka Haavisto © /AP Photo/picture alliance Der finnische Außenminister Pekka Haavisto

Finnland will das Thema Touristenvisa auch beim nächsten Treffen der EU-Außenminister am 30. August in Tschechien ansprechen. Zuletzt waren in der Europäischen Union vermehrt Forderungen aufgekommen, die Einreise von Russen in die EU zu beschränken oder ganz zu stoppen. Tschechien, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, will den EU-Mitgliedstaaten einen Reisebann für alle Russinnen und Russen vorschlagen und vergibt bereits seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine keine Visa mehr an russische Bürger.

Lettland will Regeln für Aufenthaltstitel von Russen verschärfen

Das EU-Land Lettland will das Regelwerk für die Vergabe und Erneuerung von Aufenthaltserlaubnissen an Russen und Belarussen weiter verschärfen. Nach Angaben von Regierungschef Krisjanis Karins sollen befristete Aufenthaltsgenehmigungen für Staatsbürger der beiden Nachbarländer künftig generell nicht mehr verlängert werden. Dies werde nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen möglich sein, sagte er nach einem Treffen der vier Bündnisparteien seiner Mitte-Rechts-Regierung in Riga.

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  Reisen nach Europa: Kommt der Visa-Bann für Russen? Sieben Sanktionspakete hat die EU wegen des Angriffs auf die Ukraine bereits gegen Russland verhängt - nun steht eine neue Strafmaßnahme im Raum: Die EU könnte Russen weitgehend den Zutritt verwehren.Ist es nun Putins Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, wie Scholz sagt? Oder trägt auch die russische Bevölkerung einen nicht unerheblichen Anteil daran? Sollten Russen also nicht mehr in die EU reisen dürfen?

Innenminister Kristaps Eklons schlug zudem vor, unbefristete Aufenthaltserlaubnisse etwa für Familienangehörige erst nach einem erfolgreich bestandenen Lettisch-Sprachtest zu erteilen.

Lettland hatte als eine Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine die Vergabe von Aufenthaltsgenehmigungen an Russen und Belarussen ausgesetzt - und zudem fast 1000 Aufenthaltsgenehmigungen widerrufen. Nach Angaben der Migrationsbehörde haben in Lettland gegenwärtig mehr als 9000 russische Bürger befristete Aufenthaltsgenehmigungen.


Video: Verteidigungsminister Schoigu: Kein Grund für Atomwaffen-Einsatz in Ukraine (glomex)

Dazu kommen noch gut 37.000 russische Staatsbürger mit einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung. Lettland mit seinen 1,9 Millionen Einwohnern grenzt an Russland und dessen Verbündeten Belarus. In dem Baltenstaat lebt eine starke russischstämmige Minderheit.

Selenskyj ruft Ukrainer in besetzten Gebieten zu Vorsicht auf

Nach schweren Explosionen in russischen Militäranlagen auf der Krim hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Ukrainer in den russisch besetzten Gebieten aufgefordert, besonders vorsichtig zu sein. "Bitte gehen Sie nicht in die Nähe der militärischen Einrichtungen der russischen Armee und all jener Orte, an denen sie Munition und Ausrüstung lagern, wo sie ihre Hauptquartiere unterhalten!", sagte Selenskyj in seiner Videoansprache.

Rückläufiger Uranus 2022: Vorsicht, radikale Transformation voraus! Worauf du in den nächsten fünf Monaten achten solltest

  Rückläufiger Uranus 2022: Vorsicht, radikale Transformation voraus! Worauf du in den nächsten fünf Monaten achten solltest Am 24. August 2022 wird Uranus, der Rebell unter den Planeten, rückläufig. Hier erfährst du, welche Sternzeichen dieser Transit am meisten beeinflusst und welche am wenigsten - und worin genau in den kommenden fünf Monaten deine Chance liegtWie alle anderen Planeten wird auch Uranus, der Planet des Wandels, der Überraschungen und der Innovation, jedes Jahr rückläufig. Vom 24. August 2022 bis 22. Januar 2023, also fünf Monate lang, bewegt er sich dann rückwärts durch das fixe Erdzeichen Stier.

Sein Appell bezieht sich auf Landsleute auf der Krim, in anderen Regionen im Süden der Ukraine, in den besetzten Gebieten des Donbass und in der Region Charkiw. Selenskyj reklamierte die jüngsten Explosionen nicht als erfolgreiche Angriffe für die Ukraine. Die Auslöser seien "sehr verschieden", die Russen könnten auch selbst schuld sein. Die Warteschlange an der Brücke von der Krim aufs russische Festland beweise, "dass die absolute Mehrheit der Bürger des Terrorstaates bereits versteht oder zumindest das Gefühl hat, dass die Krim kein Ort für sie ist", so Selenskyj.

Präsident Selenskyj bei seiner täglichen Videoansprache - hier am 15. August 2022 © Ukrainian Presidential Press Office/ZUMAPRESS/picture alliance Präsident Selenskyj bei seiner täglichen Videoansprache - hier am 15. August 2022

Russische Touristen kehren der Krim den Rücken zu

Videos in sozialen Netzwerken zeigen, dass seit Tagen viele russische Feriengäste die Halbinsel Krim verlassen und es Staus vor der Brücke von Kertsch gibt. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete für Montag einen Rekord von 38.300 Fahrzeugen auf der Brücke - allerdings in beide Richtungen. Am Bahnhof der Krim-Hauptstadt Simferopol versuchten am Dienstag viele Touristen, eine Zugfahrkarte zu erwerben. Russland hatte die ukrainische Krim 2014 besetzt und annektiert.

Russen raus? Die EU ist gespalten

  Russen raus? Die EU ist gespalten Reisebann für Menschen aus Russland? Oder weiter Kontakte zulassen - trotz des Krieges gegen die Ukraine? Die EU-Außenminister versuchen, eine einheitliche Linie zu finden. Ein Visa-Abkommen könnte ausgesetzt werden. © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance Reisen mit russischen Pass wird schwieriger - doch in 90 Staaten weltweit können Russen weiterhin visafrei einreisen Mit seinem Appell, russischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern die Einreise in die EU zu verbieten, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine heftige Debatte in Europa ausgelöst.

Die Brücke von Kertsch verbindet die Krim mit dem russischen Festland © Sergei Malgavko/TASS/picture alliance Die Brücke von Kertsch verbindet die Krim mit dem russischen Festland

Macron verlangt russischen Truppenabzug von Atomkraftwerk Saporischschja

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die Forderung nach einem Abzug der russischen Truppen vom Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine bekräftigt. Macron habe in einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj seine "Besorgnis" über die Lage zum Ausdruck gebracht, erklärte der Élysée-Palast in Paris. Die Präsenz und die Einsätze der russischen Verbände am Kraftwerk sowie der allgemeine "Kriegskontext" seien eine "Bedrohung" für die Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen.

Die russische Armee hält das Atomkraftwerk Saporischschja seit März besetzt, seit Ende Juli wurde es wiederholt beschossen. Kiew und Moskau machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Diese weckten Befürchtungen vor einer atomaren Katastrophe am größten Atomkraftwerk Europas. Die ukrainische Regierung und ihre westlichen Verbündeten fordern eine entmilitarisierte Zone rund um das Akw und einen Abzug der russischen Truppen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am vergangenen Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung zur Lage in Saporischschja abgehalten.

Cyberangriff auf ukrainischen Atomkonzern Energoatom

Das ukrainische Atomunternehmen Energoatom ist nach eigenen Angaben Opfer eines "beispiellosen" russischen Cyberangriffs geworden, der aber keine "größeren" Folgen für das Funktionieren der eigenen Website gehabt habe. Auf die Website von Energoatom sei die bislang größte Cyberattacke seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar verübt worden, teilte das Unternehmen mit.

Kein Urlaub mehr für Russen in Europa? Dann eben woanders!

  Kein Urlaub mehr für Russen in Europa? Dann eben woanders! Die EU setzt das Abkommen mit Russland zur erleichterten Visavergabe für Reisende aus. Wenn nicht Europa, dann eben woanders: Wohlhabende Russen haben auch schon vorher Urlaub in anderen Teilen der Welt gemacht. © Fokke Baarssen/Zoonar/picture alliance Die Malediven, Mauritius und die Türkei sind bei wohlhabenden Russen als Reiseziel besonders gefragt Am 24. Februar schien die Welt stehen geblieben zu sein. Während russische Raketen in die Ukraine flogen, wussten die Russen nicht mehr, was sie als nächstes erwartet.

Der Cyberangriff erfolgte inmitten der internationalen Sorge um das von Energoatom betriebene ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja. Die russische Armee hält die Anlage seit März besetzt, seit Ende Juli wurde sie wiederholt beschossen. Kiew und Moskau machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Diese weckten Befürchtungen vor einer atomaren Katastrophe am größten Atomkraftwerk Europas.

Human Rights Watch wirft Russland Völkerrechtsverstöße vor

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat Russland beschuldigt, das humanitäre Völkerrecht und das Kriegsvölkerrecht zu verletzen. Russische Streitkräfte hätten auf die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw wiederholt rechtswidrige Angriffe verübt, bei denen Zivilisten getötet oder verletzt sowie Gesundheitseinrichtungen und Wohnungen beschädigt wurden, erklärte Human Rights Watch in Kiew. Alle dokumentierten Attacken fanden demnach in bewohnten Gebieten statt. Die Organisation dokumentierte in Charkiw und dessen Nachbarstadt Derhatschi acht rechtswidrige Angriffe, bei denen zwölf Zivilisten getötet, 26 weitere verwundet und mindestens fünf Krankenhausgebäude beschädigt worden seien.

Die Überreste einer bombardierten Getränkefabrik in der ukrainischen Region Charkiw © Evgeniy Maloletka/AP Photo/picture alliance Die Überreste einer bombardierten Getränkefabrik in der ukrainischen Region Charkiw

Human Rights Watch wirft Russland vor, dabei unter anderem explosive Waffen mit großflächiger Wirkung und weitgehend geächtete Streumunition verwendet zu haben. Als Streumunition werden Raketen und Bomben bezeichnet, die in der Luft über dem Ziel bersten und viele kleine Sprengkörper freisetzen. Die Organisation wies darauf hin, dass vorsätzliche Angriffe auf Krankenhäuser oder medizinische Einrichtungen, die nicht ihrerseits zur Durchführung von Angriffen genutzt werden, Kriegsverbrechen darstellen.

Guterres will mit Selenskyj und Erdogan in der Ukraine sprechen

UN-Generalsekretär Antonio Guterres will an diesem Donnerstag in der Ukraine Präsident Wolodymyr Selenskyj und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan treffen. Wie UN-Sprecher Stéphane Dujarric ankündigte, wird das Gespräch im westukrainischen Lwiw stattfinden. Hauptthema ist die die Umsetzung eines Abkommens zu ukrainischen Getreide-Exporten. Wegen des russischen Angriffskrieges waren monatelang alle Getreide-Exporte der Ukraine aus ihren Schwarzmeer-Häfen blockiert, was zu einer globalen Lebensmittelkrise beitrug. Im Juli unterzeichneten Russland und die Ukraine ein von den Vereinten Nationen und der Türkei vermitteltes Abkommen, um die Blockade zu überwinden. Sie verpflichteten sich darin unter anderem, sichere Korridore für die Frachtschiffe auf dem Schwarzen Meer zu schaffen.

Das erste mit Getreide beladene Schiff seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar war am 1. August in der Ukraine gestartet, seitdem brachen insgesamt 21 Schiffe auf. Für die Ausfuhren sollen drei ukrainischen Häfen genutzt werden.

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

kle/ehl (dpa, afp, rtr)

Ukraine-Russland-News: Scheinreferenden in russisch besetzten Gebieten beginnen .
In den Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja starten Fake-Abstimmungen, der Kreml will die Gebiete annektieren. Und: An der russischen Grenze zu Finnland bilden sich Warteschlangen. Die News. © IMAGO/Yegor Aleyev / IMAGO/ITAR-TASS Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.»Referenden« in russisch kontrollierten Gebieten in der Ukraine beginnen8.18 Uhr: Trotz scharfer internationaler Proteste haben in vier russisch kontrollierten Gebieten in der Ukraine am Freitag sogenannte »Referenden« zur Annexion durch Russland begonnen.

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