Auto Sainz startet auf falschen Reifen - Ferrari bezwingt McLaren in Austin-Quali

19:05  24 oktober  2021
19:05  24 oktober  2021 Quelle:   auto-motor-und-sport.de

Neuer Ferrari-Motor als Joker - Schadensbegrenzung beim Heimspiel

  Neuer Ferrari-Motor als Joker - Schadensbegrenzung beim Heimspiel Ferrari ging mit gemischten Gefühlen nach Monza und fuhr mit 20 Punkten nach Hause. Viel besser als gedacht. Einziger Wermutstropfen: WM-Gegner McLaren sahnte groß ab. Die große Hoffnung: das Motor-Upgrade, das in der Türkei kommen soll.Der schmale Grat, auf dem sich die Ferrari-Fahrer bewegten, könnte der Grund für den Crash von Carlos Sainz im zweiten freien Training in der Ascari-Schikane gewesen sein. Es war der dritte an einem Samstag an den letzten vier GP-Wochenenden. Der Spanier rätselte noch einen Tag später: "Ich habe keine Ahnung, warum ich dort abgeflogen bin. Das Auto war vorher immer neutral dort.

Nach dem Freitag war man bei McLaren guter Dinge, in der Qualifikation vor Ferrari zu landen. Lando Norris hatte die zweitschnellste Rundenzeit erzielt. Und für gewöhnlich ist McLaren an Freitagen eher konservativ unterwegs. Doch schon im dritten Training deutete sich an, dass Ferrari auf eine Runde vielleicht doch stärker ist. Zumindest mit Carlos Sainz im Auto. So schien es jedenfalls.

Sainz - Leclerc - Ferrari - GP USA - Austin - Samstag - 23.10.2021 © Motorsport Images Sainz - Leclerc - Ferrari - GP USA - Austin - Samstag - 23.10.2021

Charles Leclerc haderte da noch mit seinem Auto. Die Hinterachse war ihm zu widerspenstig. Der Monegasse konnte so nicht das letzte Vertrauen in den SF21 aufbauen. Das kam in der Qualifikation zurück. Prompt war er die Speerspitze in Rot. "Wir haben noch ein paar Veränderungen vorgenommen, die sich ausgezahlt haben. In Q1 bin ich ein paar Runden gefahren, was mir geholfen hat, wieder das Vertrauen zurückzugewinnen. Ab Q2 konnte ich dann so pushen, wie ich es mir vorstelle", berichtete Leclerc.

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  Es geht um P5: Carlos Sainz nach Boxenfunk schockiert Warum Ferrari-Fahrer Carlos Sainz beim Formel-1-Rennen in Sotschi aus allen Wolken fiel und weshalb er P3 unterm Strich noch als gutes Ergebnis wertetUnd dieser Podestplatz sei angesichts der "Schwierigkeiten", die Ferrari in Sotschi gehabt habe, noch ein gutes Ergebnis, meint Sainz. "Wir dürfen uns nichts vormachen: Wir hatten Probleme, praktisch über das ganze Rennen hinweg.

SF21 immer wieder umgebaut

Ferrari belohnte sich mit den Startpositionen vier und fünf für ein arbeitsintensives Wochenende. Der älteste Rennstall der Formel 1 suchte nach dem perfekten Kompromiss für die langsamen und schnellen Kurven. Es musste ein Setup her, das einerseits für die Qualifikation taugt, andererseits die Reifen im Longrun nicht überstrapaziert. Ob das gelungen ist, wird dann das Rennen zeigen. Die Mechaniker bauten die roten Autos immer wieder um. Zwischen ersten und zweiten Training. Vor dem dritten Training. Vor dem Qualifying. Die Simulator-Fahrer feilten parallel an der Abstimmung in Maranello.

Es zahlte sich aus. Der Blick auf die einzelnen Sektoren zeigt, dass Ferrari ein ausgewogenes Paket auf die Räder gestellt hat. In den schnellen Kurven ist McLaren einen Hauch schneller. Im Mittelabschnitt dafür sind die roten Autos um eine Zehntelsekunde besser. In den langsamen Ecken im Schlussteil sind die Rivalen dann praktisch gleichauf. In Summe reihten sich die beiden Ferrari vor den beiden McLaren ein. Leclerc war dabei zwei Zehntel schneller als Daniel Ricciardo im schnelleren der McLaren.

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  „Wir wissen, wo wir stehen“ - McLaren zurück in der Realität Nach den Highlights in Monza und Sotschi wurde McLaren in Istanbul wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Für Teamchef Andreas Seidl kam die Formschwäche nicht unerwartet. Schon in Austin hofft der Bayer, im Duell mit Ferrari wieder zurückzuschlagen.Doch nach den Jubelfeiern in den letzten beiden Rennen musste McLaren in Istanbul wieder kleinere Brötchen backen. Schon in den Trainings wurde schnell klar, dass die Papaya-Renner nicht mit der Spitze mithalten konnten. Hinter Mercedes, Red Bull, Ferrari und Alpha Tauri war man plötzlich nur noch die fünfte Kraft – mittendrin im grauen Mittelfeld.

Der WM-Dritte hielt sich nicht lange mit Kummer auf. "Ferrari hatte heute dieses kleine Extra von ein, zwei Zehntel gegenüber uns", fasste Ricciardo zusammen. "Es war ein solider Tag. Wir müssen akzeptieren, dass Ferrari heute etwas besser war als wir. Natürlich denkst du, dass es hier und da noch schneller gegangen wäre. Aber so wird es Ferrari nach dem Datenstudium auch ergehen", sagte McLaren-Teamchef Andreas Seidl.

Das Problem für Sainz

Vor ein paar Wochen noch wäre eine Strecke wie der Circuit of the Americas kein geeignetes Jagdgebiet für den SF21 gewesen. Große Heckflügel, eine lange Gerade: Dafür braucht es Motorleistung und Effizienz. Doch seit dem Upgrade auf der Hybridseite der Power Unit sind die Ferrari auf Strecken für viel Abtrieb kein Freiwild mehr auf den Geraden. Die Topspeeds von 322,5 km/h (Sainz) und 322,3 km/h (Leclerc) belegen es. Ferrari war auf Augenhöhe mit McLaren. In Summe, so heißt es von Ferrari, habe die Neuaufgleisung des Hybridsystems mit rund eineinhalb Zehntelsekunden auf die Rundenzeit eingezahlt.

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  Mercedes besorgt über großen Rückstand - Hamilton verliert Pole-Duell Am Freitag sah alles nach einem weiteren Mercedes-Rennen aus. Doch Max Verstappen entschied das Pole-Duell mit überraschend großem Vorsprung für sich. Damit relativierte sich Red Bulls Kampagne gegen die Mercedes-Hinterachse.Entsprechend eingefroren war die Stimmung im Mercedes-Camp. "Wir haben uns auch nach dem dritten Training noch berechtigte Hoffnungen auf die Pole Position gemacht", meinte ein Ingenieur. So ganz erklären konnte man sich den großen Rückstand nicht. "Wir haben in den Kurven 1, 18 und 19 auf Red Bull verloren und auf den Geraden weniger gewonnen als sonst. Insgesamt vielleicht ein Zehntel.

Einen Wehrmutstropfen brachte die Qualifikation für die Roten aber. Carlos Sainz startet auf den weichen Reifen. Leclerc und die McLaren dagegen auf dem widerstandsfähigeren Medium. Der gelbmarkierte Pirelli wird im ersten Rennabschnitt länger durchhalten. Dieser Reifen bringt mehr Flexibilität. Sainz dürfte wie Yuki Tsunoda im Alpha Tauri ziemlich früh in der Box auftauchen. "Das könnte eine Chance für uns sein, ihn zu schlagen", sagt Seidl.

Im Nachhinein war es Leclercs Glück, in Q1 zwei Softreifen gebraucht zu haben. Sein Teamkollege brauchte nur einen Versuch. Weil Ferrari unbedingt für beide Fahrer zwei Soft-Garnituren für Q3 reservieren wollte, drehte Leclerc seine erste Runde in Q2 auf dem Mediumreifen. Sie war gut genug, um aufzusteigen. Sainz hingegen fuhr erst den Soft, dann den Medium, auf dem er aber dann zweieinhalb Zehntel zu langsam war.

Reifenvorteil für Norris

Der Spanier wurde von den Streckenbedingungen überrascht. Ferrari ging davon aus, dass die Piste schneller werden würde. Das Gegenteil war der Fall. Vielleicht war die Reifenwahl am Freitag bereits der erste Fehler. Da hatten sowohl Leclerc als auch Sainz eine Garnitur des Mediums verbraten. McLaren sparte sich dagegen zwei Sätze auf. So war es Ricciardo möglich, in Q2 zwei Mal den Medium zu fahren, nachdem seine erste Runde wegen Überschreiten der Track Limits gestrichen wurde.

Norris hat bei der Taktik den größten Spielraum. Der Engländer müsste wie Max Verstappen und Lewis Hamilton noch einen frischen Medium in der Hinterhand haben. Der Grand Prix der USA wird aller Voraussicht nach ein Zweistopprennen. Ricciardo, Sainz und Leclerc werden vermutlich neben ihrem Startreifen die zwei harten Gummis über die Distanz nehmen. Der weißmarkierte Pirelli war zumindest in den Freitags-Longruns nicht so gut wie man das im Vorfeld erwartet hatte. Norris kann wählen: medium-medium-hart oder medium-hart-medium. Tenor bei McLaren: "Wir haben ein gutes Rennauto und wollen die Reihenfolge umdrehen."

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Wie die Fahrer von Ferrari und McLaren ihre Chancen in Mexiko bewerten und wie sie den weiteren Verlauf des Zweikampfs um P3 in der Formel-1-WM prognostizierenDie McLaren-Fahrer jedenfalls äußern sich so, als seien sie in die Defensive geraten. "Ferrari scheint aktuell ein ziemlich gutes Paket zu haben. Wir müssen uns also bei jedem Rennwochenende strecken", sagt etwa Daniel Ricciardo. Und auch Lando Norris meint: "Ferrari ist stark. Das muss man ihnen lassen." Der Trend der vergangenen Wochen spreche eher für die italienische Konkurrenz.

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