Auto Front gegen Show-Pläne wächst - Fahrer lehnen Quali-Rennen ab

18:37  25 september  2020
18:37  25 september  2020 Quelle:   auto-motor-und-sport.de

Ferrari im Selbstzerstörungs-Modus - F1-Fotos GP Steiermark 2020 - Rennen

  Ferrari im Selbstzerstörungs-Modus - F1-Fotos GP Steiermark 2020 - Rennen Es war wieder ein guter Tag für Mercedes und einer zum Vergessen für Ferrari. Während der Weltmeister den nächsten Sieg errang, herrschte beim Rennstall der Herzen Untergangsstimmung. Wir haben die Bilder des zweiten Saisonrennens in Spielberg gesammelt.Im Rennen schaltete Ferrari in den Selbstzerstörungsmodus. Nach nicht einmal einem Kilometer war der Tag gelaufen. Die beiden roten Autos nahmen sich gegenseitig aus dem Rennen. Charles Leclerc hatte eine Lücke gesehen, die es nicht gab, krachte breitseits in das Schwesterauto und säbelte Sebastian Vettels SF1000 den Heckflügel ab.

  Front gegen Show-Pläne wächst - Fahrer lehnen Quali-Rennen ab © xpb

Rennen und Ergebnisse wie in Monza kann man nicht erzwingen. Sonst sind sie nichts mehr wert. Eine Überraschung ist keine Überraschung mehr, wenn sie zur Normalität wird. Das sollte eigentlich jeder verstehen. Liberty wirft trotzdem Pläne in den Raum, der Spannung auf die Sprünge zu helfen.

Ein Mini-Rennen am Samstag soll auf bestimmten Rennstrecken das klassische Qualifikationsformat ersetzen. Der 30-minütige Sprint würde in umgekehrter Reihenfolge zum WM-Stand gestartet. Nach der aktuellen Gesamtwertung stünde Romain Grosjean ganz vorne und Lewis Hamilton ganz hinten.

„Halo hat sein Leben gerettet“ - Stimmen zum Grosjean-Unfall

  „Halo hat sein Leben gerettet“ - Stimmen zum Grosjean-Unfall Romain Grosjean hatte bei seinem Horror-Unfall in Bahrain einen Schutzengel im Auto. Der Franzose kam mit einem großen Schreck und Verbrennungen davon. Die Formel 1-Gemeinde war sich einig. Der Halo rettete ihm das Leben.Seine Irrfahrt endete nur wenige Meter später in der Leitplanke. Der Haas traf die Stahl-Mauer zuerst mit dem rechten Vorderrad, drehte sich ein, bevor ein Stahlpfosten auf der Hinterseite das Auto in zwei Stücke schlug. Der hintere Teil des Autos samt Hinterachse, Heckflügel, Motorabdeckung, Motor und Getriebe landete vor der Streckenbegrenzung. Das Monocoque bohrte sich tief in die Leitplanke.

Das Ergebnis des Samstagsrennens wäre dann die Startaufstellung für den Sonntag. In der Hoffnung, dass es die Top-Fahrer bei dem Qualifikationsrennen höchstens bis ins Mittelfeld schaffen, um dann auch am Sonntag gezwungen zu sein, sich an die Spitze vorzukämpfen. Wenn sie es überhaupt schaffen.

Formel 1-Sportdirektor Ross Brawn verspricht sich dadurch mehr Rennverläufe wie in Monza und kündigte an, man wolle über dieses Konzept noch einmal abstimmen lassen. Im ersten Versuch vor der aktuellen Saison fiel das Quali-Rennen durch. Mercedes legte ein Veto ein.

Nur ein Fahrer kann sich Test vorstellen

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wäre auch heute noch dagegen: "Wir sollten mit den Qualifikationsformaten nicht herumspielen. Das aktuelle wird von allen verstanden. Und die meisten finden es gut. Die Nascar-Serie hat viel mit künstlichen Spannungsmachern experimentiert und ist dabei auf die Nase gefallen."

Die größte aller Pleiten - Ferrari-Crash nach 20 Sekunden

  Die größte aller Pleiten - Ferrari-Crash nach 20 Sekunden Ferrari setzte all den Enttäuschungen und Defiziten bei den ersten Rennen des Jahres noch einen drauf. 20 Sekunden nach dem Start kam es zwischen Charles Leclerc und Sebastian Vettel zu einer weiteren Kollision. Teamchef Mattia Binotto sprach von der größtmöglichen Pleite und fordert eine starke Reaktion von seinem Team.Die Kollision setzte all den schlechten Nachrichten um Ferrari die Krone auf. Die Autos sind zu langsam, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Ein Startplatz in den Top Ten ist schon ein Erfolg. Das vorgezogene Upgrade hat im ersten Anlauf nicht überzeugt. Teamchef Mattia Binotto hatte seinen Ingenieuren nach dem enttäuschen Trainingsergebnisses gehörig den Kopf gewaschen.

Auch FIA-Präsident Jean Todt hält nichts von dem Vorstoß seines ehemaligen Technikdirektors bei Ferrari. "Ich bin gegen Rennen mit umgekehrter Startaufstellung. Es gefällt mir schon in der Formel 2 und Formel 3 nicht. Das ist für mich kein Rennsport. Künstliche Spannung funktioniert nicht."

Wenn diese Warnung nicht ausgereicht hat, dann sollte spätestens das Votum der Fahrer den Liberty-Managern zu denken geben. Mit einer Ausnahme lehnen alle das Format ab, selbst die Piloten, die davon profitieren würden. Nur Carlos Sainz könnte sich vorstellen, es wenigstens einmal zu testen, um sich dann ein besseres Urteil erlauben zu können.

Max Verstappen dagegen erteilt dem Plan eine klare Absage: "Das ist eine künstlich erzeugte Show. Dafür steht die Formel 1 nicht. Das schnellste Auto sollte vorne stehen. Dafür arbeiten alle im Team. Warum sollte man sie dafür bestrafen? Die Qualifikation ist gut wie sie ist. Am Samstag ist die pure Performance von Mensch und Maschine gefragt."

Wie gut ist Racing Point wirklich? - Racing Point verschenkt WM-Punkte

  Wie gut ist Racing Point wirklich? - Racing Point verschenkt WM-Punkte Racing Point ist die neue Macht im Mittelfeld. In Spielberg hätte Sergio Perez mit einem Startplatz im Vorderfeld die Spitze aufgemischt. Selbst Red Bull macht sich Sorgen.McLaren-Teamchef Andreas Seidl bemerkt: "Am zweiten Rennwochenende haben wir das Bild gesehen, dass wir schon nach den Barcelona-Tests hatten. Racing Point ist schneller als wir." Die pfeilschnellen RP20 hätten an einem gewöhnlichen Rennwochenende sogar die Spitze aufmischen können. Zumindest mit Sergio Perez im Cockpit. Der Mexikaner war zeitweise sogar schneller als die Mercedes.

Romain Grosjean wäre im Augenblick einer der Profiteure der Gedankenspiele von Liberty. Nicht einmal er kann sich dafür begeistern. "Wenn wir die beiden Mercedes und Verstappen mal abziehen, dann ist die Show dahinter mega. Wir brauchen kein künstliches Element um die Spannung noch zu erhöhen. Viel gescheiter wäre es, das Feld enger zusammenzuführen. Dann kommt die Spannung ganz von allein." Teamkollege Kevin Magnussen pflichtet bei: "Der schnellste Fahrer und das beste Team sollten gewinnen. Das ist die DNA der Formel 1.

Was kommt nach dem Quali-Rennen noch?

George Russell fürchtet, dass er aussieht wie ein Idiot, wenn ihn die Fahrer in den schnellen Autos im Qualifikationsrennen aufschnupfen, als würde er parken. "Die sind so viel schneller, die bremsen so viel später, dass sie Leute wie mich mit Leichtigkeit überholen. Sie sehen dann wie die Superhelden aus und wir wie die Anfänger."

Pierre Gasly ist froh, dass er den GP Italien aus eigenen Stücken gewonnen hat und nicht durch einen Eingriff von außen. Okay, das Schicksal spielte ein bisschen mit, aber genau das machte den Reiz dieses Rennens aus. Der Monza-Sieger gibt zu: "Ich bin gegen diese umgekehrte Startaufstellung. Es wäre viel wichtiger, wenn wir alle Autos in das gleiche Leistungsfenster bekommen könnten. Das zeigt das Mittelfeld. Der Kampf dort ist aufregend genug. Du weißt vorher nie, wer vorne liegt. Das einzige Problem sind Mercedes und Verstappen."

Vorentscheidung um Platz drei? - McLaren der große Gewinner

  Vorentscheidung um Platz drei? - McLaren der große Gewinner Racing Point war in Bahrain auf dem Weg zu einem Podest. Bis Sergio Perez der Motor um die Ohren flog. McLaren haderte nach der Qualifikation und war am Ende doch der große Gewinner. Renault hat den dritten WM-Platz bereits aus den Augen verloren. Die Franzosen haben das Momentum verloren.Trotzdem ergattert man nicht die Punkte, die eigentlich auf der Straße liegen. In Bahrain wegen eines Technikdefekts kurz vor der Zielflagge. Sergio Perez war auf dem Weg zu einem sicheren Podest. Es wäre das zweite in Folge gewesen, wenn ihm nicht 25 Kilometer vor dem Ziel die MGU-K hochgegangen wäre und das Heck entzündet hätte. So wurde der Racing Point mit der Startnummer 11 zu einem fahrenden Flammenwerfer.

Daniil Kvyat warnt davor sich allzu große Hoffnungen zu machen. Ein Alpha Tauri wird auch dann nicht um den WM-Titel fahren. "Wenn die Mercedes am Sonntag von Platz zehn oder zwölf starten sind sie nach zehn Runden Erster und Zweiter. Das neue Format würde nur mehr Konfusion bringen."

Ross Brawn kann mit seinem Vorstoß nicht einmal die Digitalgeneration unter den Fahrern erreichen. Lando Norris erteilt ihm eine Absage: "Eine umgekehrte Startaufstellung ist nicht der Schlüssel für bessere Rennen. Ich setze mehr auf die Regeländerung, die 2022 kommt. Das ist ein großer Schritt, der etwas ändern und für mehr Gleichheit sorgen könnte. Es ist falsch, den Besten zu bestrafen. Wer den besten Job macht, hat es auch verdient."

Daniel Ricciardo fürchtet, dass dem Schritt zu einem Quali-Rennen ein zweiter und dritter folgen könnte, wenn die US-Manager einmal Gefallen daran finden. "Du gibst ihnen den kleinen Finger, und sie nehmen die ganze Hand. Was ist ein Grand Prix-Sieg noch wert, wenn jeder gewinnen kann? Das Chaos in Monza ist natürlich entstanden. Es wurde aus der Situation heraus geboren, und nicht künstlich erzeugt."

McLaren stimmt gegen Quali-Rennen

Neben Mercedes hat nun auch ein zweites Team ganz offen seine Ablehnung der Pläne von Liberty signalisiert. McLaren-Teamchef Andreas Seidl kündigte an, dass man bei einer erneuten Abstimmung dagegen votieren würde. "Bei McLaren sind wir schon immer der Meinung gewesen, dass es ein einheitliches Reglement geben muss und am Ende des Qualifyings die besten Fahrer und die besten Autos vorne stehen sollen. Mercedes verdient die Erfolge, weil sie einen besseren Job erledigt haben. Es liegt an uns, für mehr Spannung zu sorgen."

Hotelpflicht für Engländer - Ist der GP Ungarn in Gefahr?

  Hotelpflicht für Engländer - Ist der GP Ungarn in Gefahr? Der englische Fußball trauert um Jack Charlton. Der Weltmeister von 1966 starb am Freitag nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren. Das gab sein langjähriger Verein Leeds United am Samstag bekannt.

Bei der ersten Abstimmung über Quali-Rennen befand sich McLaren noch auf Seiten der Befürworter: "Da ging es aber darum, ob man das Experiment bei einem der Doppel-Grand-Prix in Spielberg oder Silverstone durchführt. Es sollte beim zweiten Rennen etwas mehr Abwechslung erreicht werden. Zwei Läufe auf der gleichen Strecke gibt es jetzt aber nicht mehr", so Seidl.

Wenn der Vorschlag für das kommende Jahr noch durchgewinkt werden soll, bräuchte es zu diesem späten Zeitpunkt der Saison eine sogenannte "Super-Mehrheit". Das heißt, dass 28 der 30 stimmberechtigten Parteien – darunter auch die zehn Teams – dafür sein müssten. Durch die Ablehnung von Mercedes und McLaren fehlt somit nur noch eine Gegen-Stimme, um den Plan zu kippen.


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„Dem Tod ins Auge gesehen“ - Grosjeans Gedanken im Feuer .
Erstmals nach seinem Feuerunfall in Bahrain hat Romain Grosjean ein Interview gegeben. Der Franzose schildert auf dramatische Weise, welche Gedanken ihm nach seinem Einschlag und im Feuer durch den Kopf schossen.Der Unfallpilot liegt seit Sonntagabend in einem Bahrainer Krankenhaus. Dort werden seine Brandverletzungen an den Händen behandelt. Sie sind dick eingewickelt. Auch der linke Fuß trägt einen Verband. Grosjean hatte ihn sich verstaucht, als er ihn aus dem Rennschuh zerrte, der sich in den Pedalen verklemmt hatte. Die Mediziner haben ihm zudem das linke Knie verbunden.

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