Auto Letzte Chance in Imola? - Albon-Pleite in Portimao

20:50  25 oktober  2020
20:50  25 oktober  2020 Quelle:   auto-motor-und-sport.de

Warum Alexander Albon einen neuen Renningenieur bekommt

  Warum Alexander Albon einen neuen Renningenieur bekommt Weshalb Alexander Albon schon nach kurzer Zeit in der Formel-1-Saison 2020 einen neuen Renningenieur bekommt und was man sich davon verspricht "Leave me alone!" Das brüllte Kimi Räikkönen 2012 in Abu Dhabi in den Funk, als ihm sein Renningenieur diverse Informationen mitteilen wollte. Und eben dieser Renningenieur hat jetzt einen neuen Job: Simon Rennie übernimmt ab dem vierten Formel-1-Rennen 2020 in Silverstone die Betreuung von Alexander Albon bei Red Bull.

Wer nach dem Qualifying von Portimao gedacht hatte, dass es für Alex Albon nicht mehr schlechter laufen könnte, der wurde im Rennen eines Besseren belehrt. Fuhr Teamkollege Max Verstappen beim Kampf gegen den Uhr noch einigermaßen in Sichtweite, verlor Albon das Schwesterauto am Sonntag schnell ganz aus den Augen.

  Letzte Chance in Imola? - Albon-Pleite in Portimao © Red Bull

Schon am Start von Platz sechs auf der schmutzigen rechten Seite der Aufstellung ging es für die Nummer zwei im Bullenstall rückwärts. Nach der ersten Runde lag der 24-Jährige nur noch auf Rang neun. Einen Umlauf später war der Red Bull des Youngsters schon auf Position 12 durchgereicht worden.

Die erste Runde Achterbahn - Streckenrundgang Algarve Circuit Portimao

  Die erste Runde Achterbahn - Streckenrundgang Algarve Circuit Portimao Portimao ist die zweite neue Rennstrecke im Formel 1-Kalender. Wir sind die Achterbahn an der Algarve einen Tag vor dem ersten Training abgelaufen und zeigen ihnen, was die Fahrer beim Comeback des GP Portugal nach 24 Jahren Pause erwartet.Von 1984 bis 1996 gastierte die Formel 1 in Estoril. Auf der 4,360 Kilometer langen Strecke wurden viele Dramen geschrieben. Das berühmteste fand gleich beim Debüt 1984 statt. Niki Lauda wurde mit einem halben Punkt Vorsprung Weltmeister vor Alain Prost. Die kontroverseste war der Crash zwischen Nigel Mansell und Ayrton Senna 1989. Mansell hatte zuvor die schwarze Flagge gezeigt bekommen, diese aber ignoriert.

Weil Albon in der Folge im Verkehr feststeckte, zogen die Strategen in Runde 19 die Reißleine. "Wir haben ihn an die Box gerufen, um ihm freie Fahrt zu ermöglichen", erklärte Horner. Doch was die Pace anging, konnte der RB16 mit der Startnummer 23 nie mit dem Schwesterauto mithalten. Dazu klagte Albon auch noch über einen ungewohnt hohen Reifenverschleiß.

Dem Kommandostand blieb nichts anderes übrig, als den Thailänder 20 Runden vor dem Ziel zum zweiten Mal reinzuholen. "Der linke Hinterreifen war praktisch bis auf die Leinwand runtergefahren. Die Untersuchung des Reifens hat anschließend gezeigt, dass Alex damit nicht bis zum Ende durchgehalten hätte", erklärte Horner.

Während Verstappen vorne gemütlich Rang drei nach Hause fuhr, verpasste Albon auf Platz 12 die Punkte deutlich. Zwischen den beiden Red-Bull-Autos lag eine ganze Rennrunde. Entsprechend zurückhaltend fiel das Urteil des Teamchefs aus: "Wir erwarten natürlich etwas mehr von Alex. Jetzt müssen wir analysieren, was genau seine Probleme waren und warum sein Reifenverschleiß so hoch war."

Nur ein Missverständnis - Keine Strafe nach Verstappen-Crash

  Nur ein Missverständnis - Keine Strafe nach Verstappen-Crash Der Crash zwischen Max Verstappen und Lance Stroll im zweiten Training sorgte für heiße Diskussionen. Am Ende verzichteten die FIA-Kommissare auf eine Strafe – auch weil sich Stroll bei der Anhörung versöhnlich zeigte.Als sich Max Verstappen auf die schnelle Runde mit weichen Reifen begab, merkte der Holländer direkt, dass die Gummis noch nicht auf die richtige Temperatur gebracht waren. Der glatte Asphalt erforderte zwei Aufwärmrunden, um die Slicks ins Arbeitsfenster zu bekommen. Verstappen brach seine Attacke deshalb vorzeitig ab.

Gasly nicht besser als Albon

Für Albon wird die Luft damit langsam dünn. Eigentlich hatte die Teamführung gehofft, dass ihr Schützling nach der schwachen Vorstellung am Nürburgring einen starken Konter hinlegen kann. Doch nun war in Portimao das Gegenteil der Fall. Damit wackelt der Sitz des öffentlich stark kritisierten Piloten wieder bedenklich.

"Wir erwarten von ihm, dass er stark in Imola zurückschlägt", setzt Horner seinen Piloten ein Ultimatum. "Es gibt dieses Jahr leider nicht mehr viele Rennen. Wir müssen uns nun langsam mal unsere Gedanken zur nächsten Saison machen. Die Entscheidung muss in den nächsten Wochen fallen."

Horner hatte schon zu Beginn des Wochenendes erklärt, dass man im Falle einer Auswechslung einen Piloten von außerhalb ins Red-Bull-Lager holt. Große Sorge, dass Sergio Perez oder Nico Hülkenberg woanders unterschreiben könnten, besteht nicht. "Unsere Kandidaten würden das Red-Bull-Cockpit sicher ihren Alternativen vorziehen. Deshalb denke ich, dass sie auf unsere Entscheidung warten ", so Horner.

Perez auf Mittelfeld-Pole - Setup-Großumbau bei Racing Point

  Perez auf Mittelfeld-Pole - Setup-Großumbau bei Racing Point Im Mittelfeld ging es im Portimao-Qualifying wie erwartet eng zur Sache. Racing Point konnte dank Sergio Perez besonders glänzen. Dafür brachte McLaren als einziger Verfolger beide Autos in die Top Ten. Renault muss kämpfen.Durch den stark aufgeigenden Charles Leclerc blieben die Plätze in den ersten beiden Startreihen außer Reichweite. Doch was die Positionen dahinter anging, lieferten sich die Protagonisten wieder einmal ein Hauen und Stechen. Weil in Portimao vor allem Grip und Anpressdruck gefragt sind, setzte sich am Ende Racing Point durch. Sergio Perez fuhr im dritten Quali-Abschnitt fast drei Zehntel schneller als das McLaren-Duo.

Die große Frage nach dem Rennen lautete, warum Pierre Gasly nicht auf der Liste der Kandidaten steht. Der Franzose geigt aktuell bei Alpha Tauri groß auf und konnte mit Rang fünf in Portimao erneut überzeugen. "Pierre hat heute wieder einen super Job abgeliefert", lobt auch Horner. "Er fährt in der Umgebung bei Alpha Tauri und dem geringeren Druck einfach großartig. Die Erwartungen sind da aber auch niedriger."

Neue Alternativen von außen

Offenbar traut die Leitung Gasly nicht zu, im Haifisch-Becken des Red-Bull-Teams ähnlich zu glänzen. Man glaubt nicht an eine sportliche Verbesserung, wenn man dem Franzosen eine zweite Chance gibt: "Man darf nicht vergessen, dass Alex letztes Jahr nach seinem Wechsel deutlich mehr Punkte als Pierre geholt hat. Wir wüssten nicht, warum es nun anders sein sollte, wenn wir wieder zurücktauschen. Wenn Alex in einem Alpha Tauri sitzen würde, dann würde er wohl einen ähnlich guten Job wie Pierre erledigen. Da gibt es keine Zweifel."

Den Junior-Piloten wird offenbar zum Verhängnis, dass der RB16 ein zickiges Biest ist: "Unser Auto ist schwieriger zu fahren als der Alpha Tauri. Das wissen wir. Vor allem das unruhige Heck kann einen schon mal aus dem Konzept bringen. Der Charakter des Autos bereitet den Fahrern Probleme, am Kurveneingang mit Vertrauen einzulenken. Max kann damit gut umgehen. Für andere ist das ein großes Problem."

Horner gibt auch zu, dass Alternativen wie Perez oder Hülkenberg der Teamführung unerwartete Alternativen bieten: "Wir müssen uns alle Optionen anschauen. Es gibt plötzlich Fahrer auf dem Markt, die sowohl über Erfahrung als auch über Qualität verfügen. Das ist eine ungewöhnliche Situation. Unsere Priorität liegt aber immer noch darauf, dass Alex sein Cockpit verteidigt."

Pirelli rätselt über Ursache - Verstappens Reifenschaden in Imola .
Ein Reifenschaden kostete Max Verstappen einen sicheren zweiten Platz in Imola. Pirellis Analyse ergab, dass ein plötzlicher Luftverlust den Abflug einleitete. Doch wieso es dazu kam, ist unklar. Es gibt Hinweise, aber keine 100-prozentige Aufklärung.Es gab in dieser Saison schon ein paar Rennen, wo die Umstände zu Reifenschäden führten. In Silverstone beklagte Mercedes gleich zwei davon und McLaren einen. Ein frühes Safety Car, ein langer Stint auf dem harten Reifen, hohe Abnutzung in den schnellen Kurven, vielleicht ein paar Carbonteile sorgten dafür, dass der jeweils linke Voderreifen an den Autos von Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und Carlos Sainz den weiteren Dienst verweigerte.

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