Auto Mercedes hat schnelleres Rennauto - Red Bull verliert über die Taktik

21:25  09 mai  2021
21:25  09 mai  2021 Quelle:   auto-motor-und-sport.de

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Es brauchte vier Rennwochenenden, doch jetzt ist endgültig klar, wo die Stärken und Schwächen der beiden Topautos liegen. Red Bull hat einen kleinen Vorteil am Samstag, stand aber erst einmal auf dem besten Startplatz. In Spanien machte Max Verstappen zu wenig aus den Möglichkeiten daraus. Ein untersteuerndes Auto in Kurve vier kostete ihn die Pole-Position. Da half es auch nicht, dass der Niederländer im letzten Sektor schneller war als sein Hauptrivale.

  Mercedes hat schnelleres Rennauto - Red Bull verliert über die Taktik © xpb

Mercedes gehören die Sonntage. Und hier werden die Punkte vergeben. Lewis Hamilton stellte sein Auto auf Pole-Position, verlor zwar den Start, hatte aber das schnellere Auto über die Distanz. So stellte er im direkten Vergleich auf 3:1 nach Siegen. Nach Punkten führt der Titelverteidiger 94 zu 80 gegen den stürmischen Rivalen. In dieser WM zählt die Chancenverwertung. Mercedes verwertete seine Möglichkeiten bislang zielsicherer.

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Red Bull in der Taktikfalle

Red Bulls Samstag und Sonntag glichen sich. Beide Tage fühlen sich wie Siege und Niederlagen zugleich an. Einerseits ist der Abstand zu Mercedes im Vergleich zum letzten August, als die Formel 1 zuletzt in Spanien gastierte, geschrumpft. Von 0,7 Sekunden auf ein paar Tausendstel. Auch im Rennen waren die Red Bull ein wehrhafter Gegner. Trotzdem setzte sich Mercedes in beiden Disziplinen durch.

Der Weltmeister hielt sich 42 Runden lang in Verstappens Windschatten, und kann immer darauf vertrauen, dass seine Strategen die richtigen Asse aus dem Ärmel ziehen. "Obwohl er so dicht aufgeschlossen hat, sind seine Reifen nicht eingegangen. Das zeigt, dass sie das schnellere Rennauto haben", urteilte der 23-jährige Niederländer. Verstappen saß in der Falle. Red Bulls Kommandostand waren die Hände gebunden. In Barcelona zählt die Position auf der Strecke. Als Führender gibt man die nicht freiwillig auf für einen frischen Reifensatz. Deshalb kam ein weiterer Stopp erst nicht in Frage.

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"Das wäre schon ganz gewagt gewesen. Zumal unsere Rechenmodelle vorhersagten, dass wir mit dem Reifensatz über die Distanz kommen. Wir hatten auch nur noch einen Soft in der Hinterhand. Mercedes dagegen einen frischen Medium. Wir waren gezwungen, draußen zu bleiben. Wir konnten nur ausharren und hoffen", sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner. Mercedes hatte den Luxus des schnelleren Rennautos, eines neuen Satz der Mediums und einem offenen Fenster nach hinten. Hamilton fiel nach seinem zweiten Stopp nur hinter Teamkollege Valtteri Bottas zurück. Die Ränge zwei und drei waren Mercedes also sicher.

Red Bull hätte mit einem zweiten Reifenwechsel den Sieg aufs Spiel gesagt. Hamilton hätte in freier Bahn auf dem Mercedes-Lieblingsreifen wohl genug Körner im Tank gehabt, um einen heranstürmenden Verstappen abzubremsen. Red Bull blieb also kaum eine andere Wahl, außer Harakiri. Und darauf verzichtete das Team. Mercedes-Teamchef Wolff kann es nachvollziehen. "An der Spitze ist das Leben in dieser Situation komplizierter. Wir hätten vermutlich dasselbe gemacht wie Red Bull."

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Kein Sieg zum Jubiläum

Der 100. Grand Prix von Verstappen in einem Red Bull startete nach Maß. Die verlorene Pole war nach 600 Metern vergessen. Hamilton versuchte, dem Teamkollegen Windschatten zu geben, um ihn dadurch am Red Bull vorbeizubringen, trickste sich dadurch aber selbst aus. Verstappen fuhr auf der Innenspur die Ellbogen aus und drängte Hamilton neben die Ideallinie. Es war das vierte Rad-an-Rad-Duell der beiden WM-Rivalen im vierten Rennen. Im Vergleich zu Imola flogen dieses Mal nicht die Fetzen. "Max hat seine Chance ergriffen und sich durchgesetzt. Es war unsere einzige Möglichkeit, überhaupt um den Sieg zu kämpfen", sagt Horner.

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Doch schon früh wurde Fahrer und Kommandostand klar, dass Mercedes besser aufgestellt ist. Hamilton ließ sich nicht abschütteln und konservierte trotzdem die Reifen besser. "Am Ende des ersten Stints war er nah dran." Verstappen zog selbst die Reißleine. "Max hat sich einfach selbst einbestellt zum Reifenwechsel. Wir waren gar nicht vorbereitet", führt Horner aus. "Die Jungs haben erstklassig reagiert, so schnell die Mediums aus dem Regal zu ziehen. Für den Überraschungsmoment war der Reifenwechsel gut." Es dauerte 4,2 Sekunden, bis Verstappen abgelassen wurde und wieder beschleunigen durfte.

Sportchef Marko sprach von einem Missverständnis zwischen Fahrer und Renningenieur. Der Fehler kostete zunächst keine Position, weil Mercedes Hamilton lieber länger draußen hielt. Der Weltmeister wechselte erst vier Runden später im 28. Umlauf. Hamilton fuhr daraufhin die über sechs Sekunden große Lücke schnell zu. Mit dem Vorteil der frischen Reifen sah es auch danach aus, dass er Verstappen auf der Strecke würde knacken können. Doch die Strategen fuhren eine andere Taktik.

Sie riefen Hamilton 14 Runden nach dem ersten Stopp direkt um zweiten. Da wusste Red Bull, dass es mit dem Sieg wohl nichts werden würde, obwohl Hamilton mehr als 22 Sekunden aufholen musste. "Ich wusste, dass ich das Rennen in diesem Moment verloren hatte. Hätten wir sofort reagiert, wäre Lewis dennoch vorbei gewesen. Meine Reifen waren leider schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Ich war gewissermaßen ein leichtes Opfer, das auf das Überholmanöver gewartet hat." Dieses vollstreckte Hamilton in Runde 60.

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Was ist mit dem Mediumreifen?

Wenigstens klappte es dieses Mal mit dem Extra-Punkt. "Ein weiterer Reifenwechsel, um noch die schnellste Runde zu drehen, war unsere einzige Option am Ende", meinte Horner. Danach blieb nur noch die faire Gratulation. Sportchef Marko: "Mercedes war heute einfach schneller. Im Qualifying sehen wir noch ganz gut aus, aber bei der Rennpace müssen wir zulegen."

Red Bull verspricht seinem Superstar, alles möglich zu unternehmen, um den RB16B schneller zu machen. "Wir haben noch Einiges in Vorbereitung. Es ist jetzt die Frage, wie schnell man das ans Auto bekommt. Wir werden auf jeden Fall noch bis zur Sommerpause weiterentwickeln", verspricht der Grazer Doktor bei den TV-Kollegen von Sky Deutschland.

Updates allein werden nicht reichen. Red Bull muss zudem einem Reifenrätsel auf die Spur kommen. Aus irgendeinem Grund ist der Mercedes auf den gelbmarkierten Mediums deutlich überlegen. Der C2-Gummi will nicht mit dem RB16B harmonieren. Das ist insofern seltsam, als dass das Auto mit der härteren C3-Mischung wieder auf Augenhöhe kommt. Horner weicht der Frage nach dem C2-Reifen aus. "Wir haben jetzt in allen vier Rennen gesehen, dass Mercedes im Renntrimm einen kleinen Vorteil gegenüber uns hatte. Von Bahrain bis Barcelona."

Wolff: Werden in zehn Jahren sehen, ob unsere Entscheidung richtig war .
Weshalb Mercedes an seinem Beschluss festhält, den aktuellen W12 nicht mehr weiterzuentwickeln und sich technisch voll auf 2022 zu konzentrierenUnd damit steht Mercedes vor einem Dilemma: Sowohl in der Fahrerwertung als auch in der Konstrukteurswertung hat man zuletzt Boden verloren auf Red Bull und ist aktuell wohl nur zweite Kraft in der Formel 1. Gleichzeitig aber will man sich technisch ausschließlich auf den Neuwagen für die Saison 2022 unter dem dann neuen Formel-1-Reglement konzentrieren.

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