Auto: Béla Baréyni: Wie der "Vater der Knautschzone" Tausenden das Leben gerettet hat - PressFrom - Deutschland

AutoBéla Baréyni: Wie der "Vater der Knautschzone" Tausenden das Leben gerettet hat

10:20  12 februar  2019
10:20  12 februar  2019 Quelle:   stern.de

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Béla Barényi (* 1. März 1907 in Hirtenberg, Niederösterreich; † 30. Mai 1997 in Böblingen) war ein Konstrukteur, der als einer der Begründer der passiven Sicherheit im Automobilbau gilt. Barényi hatte ungarische Wurzeln.

Béla Barényi war ein Konstrukteur, der als einer der Begründer der passiven Sicherheit im Automobilbau gilt.[1] Barényi hatte ungarische Wurzeln. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte die Staatszugehörigkeit von Österreich über Tschechoslowakei nach Deutschland.

2500 Patente hat Béla Baréyni in seinem Leben angemeldet. Er entdeckte das Thema "Sicherheit" für die Autofahrer und erfand als junger Mann nebenbei noch den VW Käfer.

Béla Baréyni: Wie der "Vater der Knautschzone" Tausenden das Leben gerettet hat © PR/Daimler Béla Baréyni erkannte als erster, dass das Blech die Aufprallenergie aufnehmen musste, wenn die Insassen überleben sollten.

Béla Baréyni kennt heute fast niemand – dabei nutzen die meisten seine Erfindungen jeden Tag. Tausende, wenn nicht gar Hunderttausende verdanken ihm ihr Leben. 2500 Patente meldete Baréyni an, die wichtigsten verbesserten die Sicherheit im Straßenverkehr.

Von Béla Baréyni stammt die Idee mit der Knautschzone. Sie besagte: Das klügere Blech gibt nach. Damals eine Revolution. Vor der Knautschzone wurden die Autos möglichst stabil gebaut. Untenrum gab es einen Rahmen aus Stahlträgern, obenrum solide Bleche. Doch was passiert bei einem Unfall, wenn der Wagen gegen eine Wand prallt? Das Fahrzeug verformte sich nur wenige Zentimeter. Das sah gut aus, die kleinen Dellen nahmen aber nur wenig Aufprallenergie auf und das war schlecht für die Insassen – die Energie wurde an diese abgegeben.

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Baréyni erkannte als Erster, dass eine kontrollierte und weiträumige Verformung ein Auto nicht unsicherer, sondern im Gegenteil, viel sicherer machte. Labile Partien vorn und hinten in der Karosserie und in der Mitte eine stabile Fahrgastzelle – heute ist das ein Standard bei jedem Pkw. Die Idee skizzierte Barényi bereits 1950, am 28. August 1952 wurde sie patentiert. Im September 1959 ging die Knautschzone bei Mercedes als erstem Autobauer in Serie.

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Absturz aus der Oberschicht

Geboren wurde Barényi 1907 als Kind einer der wohlhabendsten Familien Österreich-Ungarns. Schon früh kam er mit den damals exotischen Automobilen in Kontakt. Der Tod des Vaters im Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise vernichteten das Vermögen der Familie. Zeitweise konnte seine Mutter nicht einmal mehr das Schulgeld bezahlen. Seine beruflichen Anfänge sind trotz seines Genies schwer. Doch 1939 – er ist mal wieder ohne Beschäftigung – gelingt es ihm, den Mercedes-Vorstand Wilhelm Haspel von sich zu überzeugen. Dass Mercedes später den Anspruch erhebt, die sichersten Autos der Welt zu bauen, ist hauptsächlich Barényis Verdienst.

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Mit seinen Erfindungen wurde er zum Schutzpatron der Autofahrer. Ernst Fiala, eine Zeitlang Büro-Nachbar von Barényi bei Mercedes und später Entwicklungsvorstand bei VW, sagte über ihn: "Im Grunde war alles, was er denkt, patentreif" ... "Er hat im Durchschnitt jeden Tag ein internationales Patent angemeldet."

Drei Jahrzehnte arbeitete Barényi für Daimler-Benz. Seine Erfindungen schrieben Autogeschichte. Dazu zählen nicht nur die Knautschzone, sondern auch die Sicherheitslenksäule, die bei einem Unfall nicht mehr zum verhängnisvollen Spieß für den Fahrer wird, oder das steife und gleichzeitig abnehmbare Dach für den ersten Mercedes SL, der 1963 auf den Markt kam. Dann das Pralltopf-Lenkrad, das den Kopf des Fahrers weich abfederte. Oder der Verschwindscheibenwischer. Er sorgte dafür, dass es nicht mehr zu schweren Kopfverletzungen bei Fußgängern kam, die auf den Kühler und die Frontscheibe prallten. Die Scheibenwischermechanik verschwand unter dem oberen Ende der Motorhaube.

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Revolutionär hier: Erstmals wurde an die Sicherheit Dritter und nicht nur an die Sicherheit der Insassen gedacht. Das E-Book "Béla Baréyni - Das unbekannte Genie" von Harald Kaiser erinnert nun an den Papst der Sicherheitstechnik. Die Idee der Knautschzone wurde von der Konkurrenz gnadenlos abgekupfert. Béla Barényi und Mercedes gingen gegen diese Patentverletzungen nie juristisch vor. Sie wollten nicht verhindern, dass auch andere Hersteller sichere Autos bauten.

Der Vordenker des Volkswagens

Sonst war Béla Barényi nicht so nachsichtig. Von ihm stammte auch die Idee des späteren Volkswagens. Seine Konstruktionszeichnung der Bodengruppe von 1925 enthielt alle wesentlichen technischen Merkmale des VW Käfers: Boxermotor im Heck, Luftkühlung, die Motoranordnung hinter und die des Getriebes vor der Hinterachse. Zwei Schriftsteller verneinten diese Urheberschaft Anfang der 50er-Jahre und schrieben sie Ferdinand Porsche zu. Barényi verklagte beide und gewann die Verfahren, die bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) gingen.

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So kann man heute zu recht sagen, dass der Papst der Autosicherheit auch das legendärste Auto aus Deutschland, den VW Käfer, konstruiert hat.

Béla Baréyni - Das unbekannte Genie. Von Harald Kaiser, 104 Seiten, 8,49 Euro.

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