Digital Facebook heißt nun Meta: Zuckerbergs Flucht in die virtuelle Realität: Diese Strategie steckt hinter Facebooks neuem Namen

17:45  29 oktober  2021
17:45  29 oktober  2021 Quelle:   stern.de

Meta-Materialien: Das könnte die nächste Technologie-Revolution sein

  Meta-Materialien: Das könnte die nächste Technologie-Revolution sein Unsichtbare Fahrzeuge, durchsichtige rahmenlose Displays oder Datenbrillen – diese Dinge kennen die meisten von uns nur aus Filmen. Doch Technologie aus Science-Fiction erreicht Serienreife eher früher als später – und krempelt unser Leben nicht selten komplett um. © Shutterstock In Autoscheiben können Mikro-Materialien etwa zur Anwendung kommen. Eine Technologie, die das Zeug für die nächste Revolution hat, sind Meta-Materialien. Die Definition beschreibt Meta-Materialien als künstliche Werkstoffe, die bestimmte optische, magnetische oder elektrische Eigenschaften haben, die es so in der Natur nicht gibt.

Inmitten immer weiter wachsender Skandale und Enthüllungen wechselt Facebook seinen Namen. Und die Firmenidee. Damit will sich der Konzern für die Zukunft rüsten. Und seinen aktuellen politischen Problemen in die virtuelle Realität entfliehen.

In einer virtuellen Konferenz kündigte der ehemalige Facebook- und nun Meta-Chef Mark Zuckerberg die neue Ausrichtung an © Picture Alliance/Pavlo Gonchar/ In einer virtuellen Konferenz kündigte der ehemalige Facebook- und nun Meta-Chef Mark Zuckerberg die neue Ausrichtung an

Der aktuelle Sturm an Vorwürfen ist selbst für Facebooks Verhältnisse heftig: Der Konzern soll Profite über das Wohlergehen seiner Nutzer:innen stellen, massive Probleme beim Kampf gegen Falschmeldungen, bösartige Inhalte wie Hassnachrichten und illegale Handlungen wie Menschenhandel haben und mit seinem Algorithmus der Gesellschaft schädigen - und das auch selbst wissen. Das geht aus internen Dokumenten des Konzerns vor, die von der Ex-Angestellten Frances Haugen durchgestochen wurden. Nun hat man den Firmennamen gewechselt. Das dürfte mit den aktuellen Entwicklungen zumindest indirekt zusammenhängen.

Meta: Mark Zuckerberg verkündet neuen Namen von Facebook - Facebook-Aktie fester

  Meta: Mark Zuckerberg verkündet neuen Namen von Facebook - Facebook-Aktie fester Der Facebook-Konzern gibt sich einen neuen Namen und will die Kommunikationsplattform der Zukunft entwickeln. © Bereitgestellt von Finanzen.net Hannelore Foerster/Getty Images Die Dachmarke Meta soll künftig über Diensten wie Facebook und Instagram stehen, wie Firmengründer Mark Zuckerberg am Donnerstag bekanntgab. Der neue Konzernname soll den Fokus auf die geplante digitale Welt "Metaverse" lenken, die physische und virtuelle Elemente vereint."Wir glauben, dass das "Metaverse" der Nachfolger des mobilen Internets sein wird", betonte Zuckerberg.

Dabei wollte der nun Meta genannte Konzern diesen Eindruck unbedingt verhindern. "Wir haben damit lange vor den aktuellen Nachrichten angefangen, sie hatten keinen Einfluss darauf", erklärte Mark Zuckerberg schnell einem Gespräch mit "The Verge". Er verstehe zwar, warum manche darauf kämen. "Ich finde es ein bisschen lächerlich. Wenn überhaupt ist das aktuelle Klima eher schädlich, wenn man eine neue Marke einführen möchte." Der Facebook-Gründer bleibt auch im neuen Konzern an der Spitze.

Das Metaverse als Zuflucht

Tatsächlich dürfte die Umbenennung und die damit einhergehende Neuausrichtung des Konzerns mindestens mehrere Monate in der Planung gewesen sein, eine reine Reaktion auf die aktuellen Enthüllungen ist als Grund also ausgeschlossen. Und trotzdem hängen die Probleme und die Neuausrichtung ziemlich klar zusammen.

Kommentar: Facebook wird Meta - aber falsch bleibt falsch

  Kommentar: Facebook wird Meta - aber falsch bleibt falsch Aus Facebook wird Meta: Firmengründer Mark Zuckerberg gab zugleich mit dem neuen Namen hochfliegende Pläne bekannt. Es wäre besser, sich erst einmal um die riesigen Baustellen des Konzerns zu kümmern, meint Martin Muno. © Meta/picture alliance/dpa Mark Zuckerberg präsentiert seine Vision von Meta Eines muss man Mark Zuckerberg lassen: Angst sich zu blamieren hat der Mann nicht. Und so kündigte er mit viel Tamtam an, dass Facebook künftig Meta heißen wird.

Denn das sogenannte Metaverse, die vom nun gleichnamigen Konzern beschworene nächste Stufe des Internets, soll es uns nicht nur ermöglichen, uns in zahlreichen von dem Konzern angebotenen virtuellen Realitäten zu verlieren. Es soll auch die Chance darstellen, die zahlreichen ganz realen politischen Probleme des Konzerns zu einem Relikt der Vergangenheit werden zu lassen. Darauf deutet ausführlichen Recherchen der "Washington Post" im Vorgang der Umbenennung hin.

Der Neuanfang als Chance

Facebooks und seine Top-Manager versuchen demnach im großen Stil, Politiker, Think Tanks und Regulatoren für das neue Metaverse zu begeistern. Dabei gehe es im aktuellen Vorstoß vor allem darum, möglichen Einwänden gegen die neue Technologie zuvorzukommen, berichtet die Zeitung unter Verweis auf zahlreiche Teilnehmer der Gespräche. So wolle der Konzern etwa bereits im Vorfeld ethische Standards und technische Protokolle für eine solche virtuelle Welt entwickeln, um moralischen und Monopol-'Ängsten unter den Gesetzgebern zuvorzukommen.

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  5 Dinge, die du diese Woche wissen musst: Facebook heißt jetzt Meta, große Veränderungen gibt’s dann später Jeden Montagmorgen berichten wir über fünf Dinge, die zum Wochenstart wichtig sind. Diesmal geht es unter anderem um Facebooks Namensänderung, den anstehenden Black Friday und die aktuellen Top-Smartphones. © Meta Inc. Der Facebook-Konzern heißt jetzt Meta. „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix!“ Dass Facebooks Umbenennung in Meta auf den sozialen Netzen Erinnerungen an die vermutlich bekannteste Namensänderung einer Marke weckt, ist erstmal nicht überraschend.

Tatsächlich bestätigt auch Zuckerberg selbst, dass die neue Ausrichtung in dieser Hinsicht eine Chance darstellt. Man habe in den letzten fünf Jahren oft auf die harte Tour lernen müssen, dass manche bestehende Funktionsweisen der eigenen Plattformen Probleme verursachen würden, gestand er "The Verge". Sie nachträglich zu ändern, sei oft schwierig gewesen. "Es wird ohne Zweifel besser sein, diese Dinge diesmal von Anfang an einzubauen." Als Beispiele nennt er den Schutz der Privatsphäre und die Möglichkeit, sich vor unangenehmer Behandlung durch andere Nutzer zu schützen. Beides würde man diesmal gleich beim Aufbau der Plattform mitdenken, betont der Facebook-Gründer.

Zuckerberg hat genug von Politik

Er selbst mischt sich aber offenbar nicht in die Verhandlungen ein. Zuckerberg habe gegenüber seinen Mitarbeitern klar gestellt, dass er in solchen Angelegenheiten nicht mehr involviert sein möchte, schreibt die "Post". Vor drei Jahren hatte Zuckerberg das erste Mal vor dem US-Kongress aussagen müssen. Damals ging es um Monopol-Vorwürfe gegen den Konzern, die noch nicht vollständig vom Tisch sind. Heute würden die Bemühungen des Konzerns vor allem von den Zuckerberg-Vertrauten Sheryl Sandberg und Nick Clegg vorangetrieben.

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  Für Facebook-Konzern Meta könnte die Umbenennung teuer werden Facebook heißt jetzt Meta - so die Kurzfassung von Mark Zuckerbergs Präsentation Ende Oktober. Zusammen mit dem neuen Namen erhielt der US-Konzern auch ein neues Logo - und beides sorgt jetzt für einigen Ärger. Denn ein Startup aus Deutschland nutzt fast das gleiche Logo, während ein US-Startup bereits vor dem Zuckerberg-Konzern ein Patent auf die Marke Meta angemeldet hat. © Bereitgestellt von Finanzen.

Dem Konzern dürfte es bei seinem Vorstoss vor allem darum gehen, die Gesetzgeber in Washington zu überzeugen, dass der Konzern seine offensichtlichen Probleme in den Griff bekommen kann und keine gesetzlichen Regulierungen nötig sind, um ihn dazu zu zwingen. Die Chancen dazu stehen gut, glaubt Medien-Forscherin Joan Donovan von der US-Eliteuni Harvard. "So lange Technologie sich frisch, neu und cool anfühlt, ist es einfacher, Regulation zu verhindern", sagte sie der "Washington Post". "Man kann diese Verteidigungslinie dann mehrere Jahre fahren, während die Regierung hinter der Entwicklung hinterherläuft."

Quellen: The Verge, Washington Post

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Auf die veröffentlichten Skandale und die Umbenennung folgt nun Personalmangel bei Facebook - warum möchten immer weniger dort arbeiten?Die Enthüllungen folgen auf bereits bestehende Probleme wie abnehmendes Nutzerwachstum, behördliche Untersuchungen, Manipulationen der Plattform aus dem Ausland und hohe Geldstrafen. Jetzt reicht es einigen Mitarbeitern offenbar – und sie schauen sich anderweitig im hart umkämpften Jobmarkt der Tech-Branche um. Dort bieten vor allem gut finanzierte Startups und große Konkurrenten von Facebook Jobs an, die potenziell lohnenswerter und weniger umstritten sind.

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