Digital Musik und Künstliche Intelligenz: Die Summe der Schönheit

12:20  15 dezember  2019
12:20  15 dezember  2019 Quelle:   sueddeutsche.de

Hyundai erprobt autonomes Fahren jetzt auch in Europa

  Hyundai erprobt autonomes Fahren jetzt auch in Europa Ioniq-Prototyp im Autonomie-Level 4 kommuniziert mit Ampeln und Autos 1/4 BILDERN © Motor1.com/Hersteller Hyundai Ioniq mit autonomem Fahrsystem 2/4 BILDERN © Motor1.com/Hersteller Hyundai Ioniq mit autonomem Fahrsystem 3/4 BILDERN © Motor1.com/Hersteller Hyundai Ioniq mit autonomem Fahrsystem 4/4 BILDERN © Motor1.com/Hersteller Hyundai Ioniq mit autonomem Fahrsystem Erstmals erprobt Hyundai das autonome Fahren in Europa.

Ranga Yogeshwar reist zu den Hotspots der Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz in Europa, den USA und China. Was kommt auf uns zu? Wie wird

Künstliche Intelligenz wird zwar einfache Arbeiten komplett übernehmen, den Menschen aber nicht ersetzen können, meint auch Moritz von Plate. Es gehe darum, der Intelligenz , der Intuition und der Genialität des Menschen eine Hilfe zur Seite zu stellen. Vergleichbar mit Captain Kirk und Mr. Spock

Wenn Künstliche Intelligenzen malen: So sieht der „Deep Dream Generator“ Joseph Karl Stielers Beethovenporträt als Pop Art. © Deep Dream Generator/gemeinfrei Wenn Künstliche Intelligenzen malen: So sieht der „Deep Dream Generator“ Joseph Karl Stielers Beethovenporträt als Pop Art.

Was Beethoven einst begann, soll eine Künstliche Intelligenz nun fertig schreiben: die unvollendete 10. Symphonie. Immer häufiger sind es Maschinen, die Bilder malen, Sonaten komponieren, Bücher schreiben.

Die Summe der Schönheit

Pierre Barreau ist ein Wunderkind in allen Welten - in den analogen wie digitalen. Der heute 25-jährige Ingenieur komponiert, programmiert, schreibt Drehbücher, filmt, führt Regie und ist Gründer des Unternehmens AIVA Technologies mit Sitz in Luxemburg. Natürlich besagen Umtriebigkeit und Charme wenig, aber die Kombination macht ihn zum Darling auf Ted-Konferenzen. Dort hielt er im Sommer vor einem Jahr einen Vortrag, der die Errungenschaften der von ihm entwickelten Aiva vorstellte.

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Start-ups und Forscher setzen künstliche Intelligenz ein, um die Schönheit von Bildern vollautomatisch zu beurteilen. Schönheit , dieser schillernde, schwer fassbare Begriff, der alle Aspekte des menschlichen Daseins berührt, der Philosophen und Künstler seit Jahrtausenden

Für den Berliner Star-Frisör Udo Walz ist die Sache klar: " Schönheit ist auf jeden Fall karriereförderlich. Wenn man gut aussieht, möchten die Leute mit dir In seiner Untersuchung ließ er die Schönheit von Personen anhand von Fotos bewerten. Personen, die als unattraktiv eingestuft wurden, verdienten im

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Sie ist eine künstliche Intelligenz (KI), die darauf spezialisiert wurde, Musik zu komponieren, etwa Werke im Geist großer historischer Vorbilder. Aiva bringt auch mal zu Ende, was ein Künstler unfertig hinterlassen hat. So hat diese KI ein Stück für Klavier des vor 115 Jahren gestorbenen Antonín Dvořák vollendet, das von den Prager Philharmonikern unter dem Dirigat von Emmanuel Villaume im November ... was eigentlich? Uraufgeführt wurde?

Aiva steht für "Artificial Intelligence Virtual Artist", Barreaus Start-up für KI-Musik bietet die Schöpfungen seiner virtuellen Künstlerin für Filme, TV, Werbung und Videospiele seit 2016 erfolgreich an. Sein Unternehmen ist keineswegs allein, die Konkurrenz schläft auch hier nicht. Die nie fertiggestellte zehnte Sinfonie von Gustav Mahler etwa wurde von einem intelligenten Algorithmus, dem MuseNet, am Ars Electronica Futurelab vollendet und in diesem Herbst in Linz konzertant zur Aufführung gebracht. MuseNet ist eine autonom agierende KI, die kompositorisch alles beherrscht: von Mozart über Country bis zu den Beatles. Und Huawei ließ Schuberts unvollendete Achte vollenden, die im Februar in London aufgeführt wurde.

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Wenn eine künstliche Intelligenz ein Drehbuch schreibt, kommt ein Film wie "Sunspring" dabei heraus. Sein Protagonist: ein Mann, der Augäpfel spuckt.

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber ist Scientific Director am Schweizer Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

Rasterfahndung: Die KI von Pierre Barreau zerlegt die Musik von Antonín Dvořák. © Pierre Bardeau Rasterfahndung: Die KI von Pierre Barreau zerlegt die Musik von Antonín Dvořák.

Gerade meldet die Deutsche Telekom, deren Hauptsitz sich in Bonn befindet, dass man eine eigene KI auf die unvollendete 10. Sinfonie Ludwig van Beethovens, des berühmtesten Sohnes der Stadt, angesetzt hat, um mithilfe von Methoden des Machine Learnings aus des Komponisten musikalischen Skizzen ein vollständiges Werk synthetisieren zu lassen. Im kommenden Frühjahr hat es Premiere.

Wie geht das? Und: Sind dies Kompositionen, die mit den Originalen mithalten und den Werken der alten Meister "auf Ohrhöhe" begegnen können?

Eine erste Antwort gibt der smarte Barreau in seinem Ted-Vortrag, der - wie alle anderen Entwickler bei solchen Gelegenheiten - gleich am Rad der großen Zahl dreht. Mehr als 30 000 originale, sprich: menschengemachte Notensätze müssen bei ihm für ein "Neuwerk" maschinenlesbar gemacht und verschlagwortet werden, damit sie von Aiva nach Harmonie, Rhythmus und Stil analysiert werden. Um neue Musik komponieren zu lassen, das ist eine erste Faustregel, braucht man die alte.

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  Warum haben Katzen 7 Leben? Katzen haben viele verblüffende Fähigkeiten, wie beispielsweise immer auf allen Vieren zu landen. Gelingt dies tatsächlich einmal nicht, sollen sie angeblich noch sechs weitere Leben haben. Doch woher stammt dieser Aberglaube? © iStock-NiseriN FdW-7-Leben Katzen galten früher als Begleiter von Hexen und standen für das Böse – insbesondere schwarze. Die Menschen fürchteten sich vor den haarigen Wesen und versuchten sie mit grausamen Methoden loszuwerden. Um sich den „Teufelskreaturen“ zu entledigen, schmissen sie sie beispielsweise von Kirchtürmen, was jedoch viele Katzen überlebten.

Beim zweiten Gespräch über Künstliche Intelligenz am SoWi-Stammtisch prallen Positionen und Denkstile aufeinander. Müsste eine KI, um diesen Namen zu verdienen, im strengen Sinne „verstehen“ können, was sie dann nicht nur verarbeitet, sondern regelrecht „denkt“?

Künstliche Intelligenz spielt auch in der Musik immer mehr eine Rolle. Sind Computer die besseren Komponisten, werden sie menschliche Interpreten verdrängen? Und wird Künstliche Intelligenz die menschlichen Interpreten verdrängen? Claudia Janet Birkholz, Dozentin für Klavier und Neue Musik

Sehr viel von der alten, und sie muss KI-bekömmlich in einer Matrix-Form eingespeist werden. Die Datenberge beinhalten dann etwa alle Werke eines Komponisten, die Werke seiner Epoche oder Werke eines Stils oder Genres. Mit Musik hat das erst einmal nichts mehr zu tun. Es ist ein Rauschen, die Kakofonie aus den Werken aller Zeiten und Kulturen, Stilen und Komponisten - gleichzeitig gespielt.

Doch für Computer, genauer: für neuronale Netzwerke, die hier zum Einsatz kommen, gibt es kein größeres Glück als das der großen Zahl. Sie lernen, im Datenberg künstlerische Konzepte zu erkennen, die sie in Hierarchien ordnen. Was die Technologie unseres Jahrtausends revolutioniert hat, ist: sie können dies auch ohne Vorwissen, sie bringen es sich selbst bei.

KI-Computerverbünde sind Rasterfahnder, die in großen Daten Muster entdecken, seien es individuelle Besonderheiten und Ticks, seien es die großen Kompositionsgesetze. Sie finden Harmonielehren wie schrullige Idiosynkrasien. Regeln wie Abweichungen. Und auf Grundlage dieser Muster extrapolieren sie, was nach einer Notensequenz als nächstes kommen könnte. Müsste. Sollte. Sie sind nicht genial, sie sind nicht kreativ. Sie können nur rechnen.

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Als Gründungsveranstaltung der Künstlichen Intelligenz als akademischem Fachgebiet gilt die Dartmouth Conference im Sommer 1956 am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire), ein sechswöchiger Workshop mit dem Titel Dartmouth Summer Research Project on Artificial

Künstliche Intelligenz ist auch nur Software. Aber Intelligenz im landläufigen Sinne zeichnet sie nicht aus, sondern schlicht brutale Rechenkraft, die es gestattet, immer umfangreichere künstliche neuronale Netze für immer komplexere Aufgaben mit immer weniger Aufwand zu implementieren.

Eine KI-Komposition ist ein proof of concept, eine errechnete Hypothese auf Basis von Big Data. Sollte sie sich als tragfähig erweisen, dann erstellen die Rechner Sets von Regeln, nach denen wahrscheinlich in einem bestimmten, epochalen oder individuellen Stil komponiert wurde. In der Klassik ermittelt dieses Verfahren dann also etwas wie die Beethoven-, Bruckner,- oder Mahler-Formel.

2018 versteigerte Christie's ein KI-Gemälde für 432 500 Dollar

Die Form der autonom ablaufenden mathematischen Näherungen an ein neues Werk gehört zum Prinzip des Deep Learning. Denn Menschen haben es den Rechnern überlassen, sich selbst schlauzumachen. Was auch bedeutet, sie wissen nicht, was genau sich in den Netzwerken abspielt, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen. Einen Beethoven programmiert man nicht, heißt das dann aber eben auch.

Mit Deep Learning, das für ein Werk bis zu hundert Millionen einzelne Parameter in der Matrix berücksichtigt, lassen sich auf allen möglichen Feldern Muster finden und fortführen, nicht nur der Kreativität. Das berühmteste Beispiel ist das "Porträt von Edmond Belamy". Ein errechnetes Gemälde im Geist des ausgehenden 19. Jahrhunderts, das Christie's 2018 für 432 500 Dollar versteigerte. Es lassen sich also mit der gleichen Methode Bilder malen, Handschriften erkennen, Sonaten komponieren, Bücher schreiben und auch bösartige Krebszellen auf einem Röntgenbild diagnostizieren. Kein Wunder also, dass die Bonner Beethoven-Programmierer eine KI zur Erkennung von Textbedeutung modifiziert haben, um zu ihrer Version der 10. Sinfonie zu gelangen.

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Künstliche Intelligenz . Frustreise nach Paris. Winfried Kretschmann hat das Warten auf Berlin satt und versucht nun, Europas KI allein voranzutreiben. Warum wir eine Ökologie der Intelligenz brauchen. Von Adrian Lobe. Leserdiskussion. Künstliche Intelligenz und Vorurteile: Wo sind die Grenzen?

All das kann nur funktionieren, wenn es eine Richterinstanz gibt, die jedes Zwischenstadium auf dem Weg zur Vollendung beständig prüft. Dann macht die KI im nun approbierten Sinne weiter, und verwirft alle als falsch eingestuften Vorschläge. Dieses Richteramt bekleiden im Fall der Bonner Beethoven-Vollendung menschliche Experten. Dieses Verfahren macht die Computerkompositionen mit jedem Approbationsschritt genauer, Beethoven-wahrscheinlicher und vor allem: menschlicher. Es macht sie aber nicht automatisch besser und schon gar nicht authentisch. Denn es kann ja auch ein antagonistisches Computersystem darauf angesetzt werden, dieses Richteramt zu übernehmen. Man kann ihm dann die Prüfung dessen überlassen, was die protagonistischen Systeme erarbeiten. Das geht auch wesentlicher schneller. Produktiv werden Netzwerke aber nur dann, wenn dieselbe Intelligenzstärke prüft, mit der auch hergestellt wird. Das klingt tautologisch, ist es auch.

Es stecken Paralleluniversen der Musik in der Retorte

Denn woher soll der Prüf-Algorithmus seine Kompetenz nehmen, wenn nicht aus den Mustervorlagen, nach denen der Produzent vorgeht? KI-Kreation ist ein guessing game von zwei sich belauernden Trickstern. Der eine weiß nicht, ob sein Vorschlag durchgeht, der andere nicht, ob dieser Vorschlag nicht sogar plausibel sein könnte. Man nähert sich so allmählich an.

Jede dann gefundene Lösung ist darum nur eine von vielen. Pierre Barreau etwa will das ausnutzen, um individuelle Lebensmusiken für jeden einzelnen Menschen anfertigen zu lassen, variabel nach Stimmung, Notendichte, Epoche oder Stil. Mehr als 30 Kategorienlabel, nach denen Kompositionskandidaten eingespeist und begutachtet werden, hat er bereits für die Musikgeschichte vergeben. Danach lassen sich Musiknarrative schier unendlich fortführen. Denn hat ein System erst einmal seinen "Stil" gefunden, kann es sein Sujet nahezu unendlich variieren. Es stecken Paralleluniversen der Musik in der Retorte. Ist KI dann also kreativ?

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Wir selbst machen uns die künstliche Intelligenz zu Eigen, im wahrsten Sinne des Wortes. Reines Nutzendenken ist eine Intelligenz ohne Tiefe, ein Schatten echter Geistigkeit. Es ist hiermit ausdrücklich erlaubt, sich von der Schönheit des Moments verzaubern zu lassen.

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Niemals. Denn Schöpfung geschieht hier a posteriori, destilliert aus einem zwar gigantischen, aber bereits vorhanden und approbierten Musikkorpus. Dessen Set an Regeln werden mit jedem neuen KI-Werk nur anders angewandt. So entsteht immer anderes, aber nie etwas wirklich Neues. Die Werke der künstlichen Intelligenzen mögen imponieren, aber sie bereichern die Kunst nicht. Ihnen fehlen Überschuss und Ausbruch aus dem Bekannten, mit einem Wort: Genialität. Einprogrammierte Überraschungen sind keine mehr.

Wenn im Frühjahr eine 10. Sinfonie in Bonn vorgestellt werden wird, dann wird sie vermutlich berückend schön sein. Aber sie ist nicht von Beethoven. Sie ist die hochkomplexe Synthese aus all seinen alten Sinfonien, aber kein neues Werk. Er hätte sie ganz anders komponiert. Sicher. Das wird jede künstliche Intelligenz bestätigen.

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