Finanzen Mehr als die Hälfte der Gekündigten klagt : Eberspächer verlagert Heizungsproduktion nach Polen

17:25  15 oktober  2021
17:25  15 oktober  2021 Quelle:   wiwo.de

Streit mit Brüssel: Polens EU-Austritt wäre „noch desaströser als der Brexit“

  Streit mit Brüssel: Polens EU-Austritt wäre „noch desaströser als der Brexit“ Streit mit Brüssel: Polens EU-Austritt wäre „noch desaströser als der Brexit“ , sagt Roch Dunin-Wąsowicz, polnisch-stämmiger Dozent an der London School of Economics. Im Gegensatz zu Großbritannien sei der EU-Austritt für Polen nicht nur ökonomisch und finanziell ein Genickbruch, sondern spiele eine „zivilisatorische Rolle wegen seiner kommunistischen Vergangenheit“.Deshalb rechnet Ireneusz Bil mit einem „Volksaufstand gegen einen Polexit“.

Nach Polen verlagert der Autozulieferer Eberspächer derzeit seine Produktion von Standheizungen. Gekündigte Beschäftigte sind verärgert. Beim Arbeitsgericht Stuttgart sollen über 100 Kündigungsschutzklagen vorliegen.

Werkschließung bei Eberspächer © dpa Picture-Alliance Werkschließung bei Eberspächer

Der Autozulieferer Eberspächer verlegt in diesen Monaten die Produktion von Standheizungen von Esslingen nach Polen – und führt nun Prozesse mit gekündigten Beschäftigten: Beim Arbeitsgericht Stuttgart seien deutlich mehr als 100 Kündigungsschutzklagen eingegangen, sagte eine Sprecherin der WirtschaftsWoche. Der Betriebsratschef für den Gemeinschaftsbetrieb Esslingen, Fatih Demirkol, sagte der WirtschaftsWoche, es seien 140 Klagen – mehr als die Hälfte der rund 250 Gekündigten, zu denen der Betriebsrat angehört worden sei. (Den ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.)

Flüchtlingsstreit mit Belarus: Eine willkommene Bedrohung

  Flüchtlingsstreit mit Belarus: Eine willkommene Bedrohung Belarus plante schon länger, die EU mit Geflüchteten zu erpressen. Der polnischen Regierung kommt das gelegen: Mit Hetze und Abschottung will sie innenpolitisch punkten. © Jakub Kaminski/​East News/​imago images Ein langer Zaun aus Stacheldraht: ein Soldat an der Grenze Polens zu Belarus. Dort rüstet die polnische Regierung massiv auf. Seit einigen Monaten versuchen immer mehr Menschen, über Belarus in die EU zu gelangen. Vor wenigen Tagen hat das polnische Parlament den Ausnahmezustand an der Grenze um weitere 60 Tage verlängert. Die Situation vor Ort sei heikel, erklärte die Regierung dazu.

Bis Ende 2021 sollen in Esslingen rund 270 Mitarbeiter gehen. Die Prozesse in Stuttgart laufen nun, erste Entscheidungen bestätigte das Gericht. Laut Betriebsrat Demirkol hätten sich circa 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verglichen, circa 30 Klagen seien abgewiesen worden. Etwa zehn Mitarbeiter aber hätten bislang auch gewonnen. Die Statistik ist nicht endgültig, weil weitere Verfahren noch laufen. Zumindest in der ersten Instanz sollen sie am Arbeitsgericht Stuttgart bis ins erste Quartal 2022 erledigt werden.

Eberspächer wollte sich zu laufenden Verfahren nicht äußern. Mehreren Insidern zufolge ist das Unternehmen in die Berufung gegangen oder will das noch tun. Laut Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg sind bereits 24 Berufungen eingetragen, davon sechs vom Unternehmer selber. Letztere Fälle hatte Eberspächer in der Vorinstanz verloren. Darin gehe es unter anderem um eine fehlerhafte Sozialauswahl, einen Betriebsrat sowie einen rentennahen Mitarbeiter, der nicht hätte gekündigt werden dürfen, sagte ein Sprecher des Landesarbeitsgerichts der WirtschaftsWoche.

Mehr zum Thema: Das von der Europäischen Kommission eingeleitete Ende traditioneller Antriebe verschärft den Druck auf Zulieferer wie den Abgasspezialisten Eberspächer. Sie setzen auf neue Produkte – und das Ausland.

EuGH-Urteil zu Polen: Und was, wenn Polen nicht zahlt? .
Das vom EuGH verhängte Zwangsgeld für Polen wegen der Justizreform ist problematisch für beide Seiten. Denn das Problem Polen in der EU lässt sich nicht juristisch lösen. © Arne Immanuel Bänsch/​dpa Der Europäische Gerichtshof: Der Schönwetterclub EU braucht Regeln für den Umgang mit Ländern wie Polen. Die EU ist ein eher freundlicher Club, der darauf vertraut, dass sich alle Mitglieder vornehm und friedlich verhalten. Und dass schon alles gut gehen wird, irgendwie.

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