Finanzen Axel-Springer-Verlag: „Bild“-Chefredakteur verlor in New York den Job

02:30  19 oktober  2021
02:30  19 oktober  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Blue Jays-Router-Orioles, aber keine Hilfe, Miss Playoffs

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Der Berliner Medienkonzern setzt auf Expansion in den USA. Mit „Politico“ und „Insider“ will man zum stärksten digitalen Verleger der Medienwelt werden. Da störten anhaltende Sex-Skandale rund um „Bild“-Leiter Julian Reichelt nur.

Vom Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ zum neuen Vorsitzenden der „Bild“-Chefredaktion. © dpa Vom Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ zum neuen Vorsitzenden der „Bild“-Chefredaktion.

Mathias Döpfner, Chef und Großaktionär des Medienhauses Axel Springer, fand besonders lobende Worte zur Corona-Berichterstattung seines Flaggschiffs „Bild“. Chefredakteur Julian Reichelt sei „wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Autoritätsstaat rebelliert“, befand er in einem persönlichen Schreiben. Reichelt habe natürlich „mächtige Feinde“.

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Die „New York Times“ hatte am Sonntag diese Eloge öffentlich gemacht. Vor allem aber breitete das Weltblatt aus Manhattan schwere Vorwürfe gegen Reichelt und mittelbar gegen Springer auf: Es ging um Machtmissbrauch und Sexismus an der Spitze von Europas noch immer größtem Boulevardblatt und seinen angeschlossenen Kanälen. Es kamen dabei Zweifel auf, ob es gerechtfertigt war, dass Reichelt ein internes Compliance-Verfahren im Frühjahr überstanden hatte, wenn auch leicht in der Macht gestutzt.

Wenige Stunden später hatte der Text („Vorwürfe wegen Sex, Lügen und einer geheimen Zahlung“) die Realität radikal verändert. Die Axel Springer SE warf den von Döpfner so gehuldigten und unterstützten „Bild“-Hauer „mit sofortiger Wirkung“ raus.

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Als Folge von Presserecherchen habe das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten Reichelts gewonnen, so die Presseerklärung. Bei eigenen Erkundigungen habe der Springer-Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens „Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat“.

Die dreiköpfige Chefredaktion wird nun Johannes Boie, 37, anführen, zuletzt Chefredakteur der „Welt am Sonntag“. Der einstige Döpfner-Assistent hatte vor seinem Springer-Entree im Jahr 2017 bei der „Süddeutschen Zeitung“ als Reporter und Redakteur gearbeitet. Mit ihm habe Springer „einen erstklassigen Nachfolger“, so Döpfner: „Er hat unter Beweis gestellt, dass er journalistische Exzellenz mit modernem Führungsverhalten verbindet.“

Mit der personalpolitischen Notbremse verhindert Springer größeres Ungemach in den USA, dem neuen Zielland der eigenen unternehmerischen Expansion. Döpfner hatte seine letzten Deals – Motto: Manhattan Transfer – in Übersee gelandet. So kam für 442 Millionen Dollar „Business Insider“ – inzwischen nur noch „Insider“ – ins Organigramm des Konzerns.

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 Reporter Protest Nach der Zeitung tötet die Geschichte von Missbrauchsvorwürfen gegen den Wettbewerber Julian Reichelt, dem Chefredakteur der beliebtesten Zeitung Deutschlands, wurde von seiner Position des Montags nach Bombshell-Fehlverleihungsvorwürfern entfernt, sagte die Verlagsfirma Axel Springer SE. © Franka Bruns, File / ap Foto -Datei - In diesem 11. März 2009 Dateifoto, der Hauptsitz der Axel Springer AG, der Herausgeber der größten Zeitung des Deutschlands Deutschlands, sind in Berlin, Deutschland, abgebildet.

Die Schatten der US-Expansion

Und für schätzungsweise eine Milliarde Dollar erstanden die Deutschen das angesehene Portal „Politico“. An dessen Europageschäft war Springer, der sich ganz als „digitaler Verlag“ begreift, schon zuvor mit 50 Prozent beteiligt. Von Zeitungs- und Zeitschriftenaktivitäten hat sich Döpfner weitgehend getrennt, er setzt auf Online-Marktplätze („Classified“) wie „Stepstone“ oder „Immonet“. Die amerikanische Private-Equity-Firma KKR unterstützt als 45-Prozent-Aktionär den Kurs.

Einen größeren Reputationsschaden konnte sich der neue „Politico“-Eigentümer in der Causa Reichelt nicht leisten. Man war in Berlin plötzlich in der gleichen Lage wie der Medienkonzern Bertelsmann vor 20 Jahren: Den Güterslohern waren nach dem Kauf des renommierten US-Buchverlags Random House die eigenen Schummeleien über eine angeblich unbefleckte Nazi-Vergangenheit auf die Füße gefallen. In Wahrheit hatte man eine Zeit lang mit der deutschen Kriegsmaschinerie sehr gut kooperiert.

Die „New York Times“ breitete Fälle aus dem internen Springer-Verfahren gegen Reichelt ausführlich aus. Er hielt vor fünf Jahren an einer intimen Beziehung zu einem Trainee fest, obwohl eine andere Frau ihm sexuelle Belästigung vorwarf – und gab der Geliebten einen anspruchsvollen Job, dem sie sich gar nicht gewachsen fühlte. „So geht es immer bei ,Bild‘“, erzählte sie den internen Ermittlern bei Springer, „die, die mit dem Chef schlafen, bekommen den besseren Job.“

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Trotz solcher Aussagen wurde Reichelt nach einer kurzen Zwangspause wieder als Chefredakteur eingesetzt – jetzt mit Alexandra Würzbach an seiner Seite, die für Personal zuständig wurde. Er mache sich selbst Vorwürfe, dass er Menschen verletzt habe, für die er verantwortlich war, erklärte Reichelt. Sein Arbeitgeber konstatierte, die gemachten „Fehler“ würden wettgemacht durch die erfolgten strategischen und strukturellen Änderungen und die journalistischen Leistungen des Beschuldigten.

„Arbeitskultur, die Sex, Journalismus und Verlagsgeld mischt“

Reichelt, ein früherer Kriegsreporter, machte weiter mit seinem aggressiven Konfrontationsjournalismus. Der fand Donald Trump so gut, dass sich ein Washingtoner „Bild“-Korrespondent laut „New York Times“ beschwerte. Verlässliche Feindbilder waren ARD und ZDF, China unter Xi Jinping, Putin und sein Freund Gerhard Schröder sowie alle, die Israel kritisieren.

Er habe aus Dokumenten das Bild einer Arbeitskultur vorgefunden, das Sex, Journalismus und Verlagsgeld mische, schrieb der „New York Times“-Journalist. Als die Frau, die Reichelt gefördert hatte, darüber klagte, dass ihre Ausgaben ihr Honorar übersteigen würden, habe der „Bild“-Chef ihr 5000 Euro gegeben – und ihr gesagt, sie solle niemals darüber reden. Das sind alles Aussagen aus dem Springer-Verfahren, die letztlich nicht endgültig bestätigt sind. Nun sind sie der Hintergrund für die Trennung von Reichelt.

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Für medienpolitische Aufregung sorgt zudem die gestoppte Recherche eines Investigativteams der Mediengruppe des Verlegers Dirk Ippen, 81. Die Journalisten, einst Teil der später von Ippen akquirierten Deutschlandtochter von Buzzfeed News, protestierten öffentlich, dass ihre Enthüllungen über die „Bild“-Praktiken Reichelts am vorigen Sonntag nach monatelangen Recherchen nicht erscheinen durften.

„Wir sind schockiert von dieser Entscheidung“, schrieben die betroffenen Journalisten, dies bedeute einen „Zusammenbruch in der Zusammenarbeit zwischen dem Investigativteam und dem Verlag“. „Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit ,Bild‘ steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir sollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden“, verkündet das Unternehmen weiter. Zu ihm gehören etwa „Münchner Merkur“, „Frankfurter Rundschau“, „tz“, „Westfälischer Anzeiger“ in Hamm oder „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ in Kassel. Es sollte jeder Eindruck vermieden werden, man könne „Teil eines Versuchs sein, einen solchen wirtschaftlichen Schaden anzurichten“.

Axios erschrocken über „hinterhältiges“ Verhalten Springers

Die „New York Times“ analysiert im Übrigen auch, dass Döpfner während seiner Gespräche mit „Politico“ angeblich parallel mit dem Rivalen „Axios“ verhandelt habe, der von früheren „Politico“-Leuten gegründet worden war. Dabei sei angeblich vorgesehen gewesen, den Axios-CEO später nach einer adäquate Phase der Geheimhaltung zum Chef der Kombination Politico-Axios zu machen – was Döpfner dementiert. Bei Axios habe man das Ganze „hinterhältig gefunden“, so die „New York Times“.

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  Julian Reichelt: Unter drei Nun sind doch neue Enthüllungen über Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt erschienen. Wie kam es dazu – und was bedeutet das für die beteiligten Verlage und den Journalismus? © [M] Jörg Carstensen/​dpa Julian Reichelt, nunmehr ehemaliger Chefredakteur von Das Leben, und dazu gehört auch das Tun von Journalistinnen, Journalisten und ihren Medienhäusern, spielt nicht in Schwarz-Weiß. Schon gar nicht in Knallfarben wie dem Kreischrot der Bild-Zeitung. Das Leben produziert unendlich viele Grautöne.

Gegenüber dem US-Blatt hat Springer-CEO Döpfner betont, die „Bild“-Kultur werde in den USA nicht repliziert. Man wolle die „beste Medienfirma in der demokratischen Welt mit den höchsten ethischen Standards und einer inklusiven, offenen Kultur sein“.

Dem „Wall Street Journal“ gegenüber legte der Manager Wert auf überparteilichen Journalismus, der sich von publizistischem Aktivismus abgrenze.

Bei „Bild“ muss unter dem neuen Frontmann Boie das alte Team schon bald Reichelts Flurschäden und Panzerspuren vergessen machen. Alexandra Würzbach bleibt Chefredakteurin von „Bild am Sonntag“, Claus Strunz verantwortet als Chefredakteur „Bild TV“, wo Reichelt zusammen mit Vize Paul Ronzheimer oft überdrehte Auftritte hatte.

Von Mathias Döpfner gab es zum Abschied des geschassten Chefredakteurs noch mal Freundliches. Man hätte gern mit der Redaktion und dem Verlag den Weg der kulturellen Erneuerung bei „Bild“ gemeinsam mit Reichelt fortgesetzt: „Dies ist nun nicht mehr möglich.“

Mehr: Reichelt bleibt „Bild“-Chefredakteur – „keine Anhaltspunkte für Belästigung“

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Börse Online: Sie wollen die Sparte Media & Entertainment (Maxon) zum zweiten Standbein von Nemetschek ausbauen. Welchen Stellenwert soll das Media-Geschäft künftig haben? Axel Kaufmann: Unter neuer Führung und mit zwei Akquisitionen in den USA hatten wir jüngst die Basis gelegt, um das M&E-Geschäft zu einem strategischen Wachstumsfeld zu etablieren. Nach der Integration der beiden Firmen in unsere bestehende Marke Maxon können wir nun unseren Kunden, das ist das Who is Who der internationalen Medien- und Unterhaltungsbranche, ein integriertes Softwareangebot für 3D-Modeling-, Animations- und Visualisierungs-Lösungen anbieten.

usr: 20
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