Finanzen Unkraut im Gleisbett: Deutsche Bahn will ab 2023 auf Glyphosat verzichten

09:40  13 januar  2022
09:40  13 januar  2022 Quelle:   wiwo.de

Knapp ein Viertel kommt zu spät: Bahn-Pünktlichkeit im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen

  Knapp ein Viertel kommt zu spät: Bahn-Pünktlichkeit im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen Streiks, Sturmfluten und Streckenausbau bremsen den Bahnverkehr aus. Vor allem im Dezember beschwerten sich viele Fahrgäste und Großkunden. © Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam Verspätungen von 30 Minuten sind bei der Deutschen Bahn leider keine Seltenheit. Fahrgäste der Deutschen Bahn haben sich im vergangenen Jahr wieder deutlich häufiger über verspätete Fernzüge ärgern müssen. Im Schnitt kamen nur 75,2 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich am Ziel an und damit deutlich weniger als im Jahr davor, wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte.

Vor drei Jahren entschied die Deutsche Bahn, auf den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat verzichten zu wollen. Nun erklärt die Bahn, den Zeitplan einhalten zu wollen – und nennt Alternativen für die Gleispflege.

Unkraut im Gleis: Die Deutsche Bahn will auf das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verzichten und sucht nach umweltfreundlichen Alternativen. © dpa Unkraut im Gleis: Die Deutsche Bahn will auf das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verzichten und sucht nach umweltfreundlichen Alternativen.

Heißes Wasser hat unbestrittene Vorteile: beim Tee machen etwa, beim Duschen – oder schlicht zur Bekämpfung von Unkraut. Die Schweizer Bundesbahnen (SBB) testen den Einsatz von Heißwasser auf den Gleisen seit einiger Zeit, um ungewünschten Pflanzenwuchs den Garaus zu machen. Es sei „eine der vielversprechendsten alternativen Methoden“ zu Glyphosat, heißt es bei den SBB. Ein spezielles Spritzfahrzeug verfüge über einen Sensor, der Pflanzen erkennt und unerwünschte Pflanzen zur gezielten Vernichtung mit Heißwasser besprüht.

Berlins neue Staatssekretärin für Mobilität lässt auf sich warten

  Berlins neue Staatssekretärin für Mobilität lässt auf sich warten Für den Senat gibt es viel zu tun. Doch bis Meike Niedbal von der DB in die Verwaltung wechselt, wird noch einige Zeit vergehen. Es gibt weitere Kritik.Es ist nicht die erste Diskussion um das aktuelle Senatsteam, das kurz vor Weihnachten angetreten ist. Noch im Dezember begann eine Debatte um Ulrike Gote, die neue Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Die Grünen-Politikerin hatte angekündigt, dass sie nicht dauerhaft nach Berlin ziehen, sondern zwischen ihrem Wohnort Kassel und der Hauptstadt pendeln möchte.

Zusammen mit der Deutschen Bahn und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hat das Trio schon vor einigen Jahren der Chemiekeule den Kampf angesagt. Die SBB wollen bis 2025 auf den Einsatz von Glyphosat verzichten, die Deutsche Bahn sogar schon 2023. Damit setzen sich die drei europäischen Eisenbahnen ehrgeizige Ziele – und verhindern, dass sie unter politischen Druck geraten.

Denn weltweit nehmen die Pestizide zu – und damit auch die Kritik von Naturschützern. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und des Naturschutzbundes BUND kam gerade zu dem Ergebnis, dass die Menge an Pestiziden seit 1990 um 80 Prozent zugenommen habe. Auch in der EU liege der Einsatz laut selbst ernannten Pestizid-Atlas „mit rund 350.000 Tonnen auf hohem Niveau“. In Deutschland würden „zwischen 27.000 und 35.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe pro Jahr verkauft“, heißt es.

568 Millionen Euro zusätzlich für S-Bahnen und Regionalbahnen in NRW

  568 Millionen Euro zusätzlich für S-Bahnen und Regionalbahnen in NRW Düsseldorf. Mit einem besseren Takt für die S-Bahn soll unter anderem der Flughafen Düsseldorf besser angeschlossen werden, um Autoverkehr zu verringern. Von Wuppertal soll es auch direkt zum Airport gehen. © dpa, rwe Künftig sollen noch mehr Reisende mit der S-Bahn zum Düsseldorfer Flughafen fahren. Das Land NRW will insgesamt 568 Millionen Euro an weiteren Zuschüssen für den Fahrbetrieb von S-Bahnen und Regionalbahnen zahlen, damit die Angebote ausgebaut werden können.

Die Deutsche Bahn will künftige Kritik im Keim ersticken und den Einsatz umstrittener Mittel nun stark eindämmen. Der Staatskonzern hält daher weiter daran fest, ab 2023 auf Glyphosat zu verzichten. Die Deutsche Bahn habe sich „2019 verpflichtet, bis spätestens Ende 2022 aus der Anwendung von Glyphosat für die Vegetationskontrolle auszusteigen“, heißt es auf Anfrage. Daran wolle man festhalten – „unabhängig von der verlängerten Zulassung auf europäischer Ebene“.

Die EU erlaubt den Einsatz von Glyphosat selbst nur bis Ende 2022, aber wegen einer einjährigen Übergangsfrist de facto bis Ende 2023. Hersteller wie Bayer haben auf eine Verlängerung der Zulassung gedrängt und sich in der Glyphosate Renewal Group (GRG) organisiert. Eine Entscheidung dazu in Brüssel und den Mitgliedsstaaten wird in der zweiten Jahreshälfte 2022 erwartet.

Bei der Deutschen Bahn heißt es, man habe „bereits im Jahr 2020“ den Einsatz des Herbizids „halbiert“. Weite Teile des deutschen Streckennetzes würden seither nicht mehr mit dem Herbizid behandelt. „Auch die präzisere Ausbringung von Glyphosat in den genehmigten Streckenabschnitten mit Hilfe von modernen Kamerasystemen zur Pflanzenerkennung hat zur Reduzierung beigetragen."2020 lag die Ausbringungsmenge von Herbiziden im deutschen Schienennetz bei insgesamt 1,3 Tonnen.

Wegen Monsanto-Übernahme: Bayer drohen Klagen in Milliardenhöhe

  Wegen Monsanto-Übernahme: Bayer drohen Klagen in Milliardenhöhe In den Klagen ist die Rede von Forderungen über 2,2 Milliarden Euro.Der US-Konzern stellt den Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat her. In den USA klagen tausende Menschen auf Schadenersatz, die Krebserkrankungen auf den Kontakt mit Roundup zurückführen. Der Wert der Bayer-Aktie sank deswegen zeitweise stark. Die Investoren werfen Bayer laut Kanzlei vor, den Kapitalmarkt über die wirtschaftlichen Risiken für den Konzern getäuscht zu haben, die die in den USA anhängigen Verbraucherklagen im Zusammenhang mit Glyphosat und Roundup infolge der Monsanto-Übernahme mit sich brachten.

Damit liegt die Menge sehr weit unter den früheren Rekordmengen. So wurden 2018 knapp 60 Tonnen Glyphosat gespritzt. Außerdem würden inzwischen nur rund vier Prozent der 61.000 Kilometer Gleise behandelt. Die ausgebrachte Menge entspreche rund 0,5 kg je Kilometer. „Mit Flazasulfuron, Flumioxazin und Glyphosat kamen dabei ausschließlich Wirkstoffe zum Einsatz, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) speziell für den Gleisbereich zugelassen sind.“

In Zukunft setzt die Deutsche Bahn auf Alternativen – in Zusammenarbeit und intensivem Austausch mit den ÖBB und SBB. „Nach heutigem Stand werden im Jahr 2023 über erste alternative Verfahren verfügen“, heißt es bei der Bahn. Optionen seien laut SBB etwa „aufwuchshemmende Materialien“, also bauliche Maßnahmen zur Reduktion des Pflanzenwachstums. 20 Möglichkeiten seien geprüft worden, sechs davon würden weiterverfolgt und ab 2020 eingebaut und überwacht. Möglich sei auch ein „grüner Teppich“, also der gezielte Einsatz von Bodenbedeckungspflanzen, um das Wachstum von schädlichem Unkraut im Randbereich zu verhindern. Denkbar, aber teuer, sei auch der Einsatz von Robotik – aber „frühestens ab 2025“.

Auch der Einsatz von (Bio-)Herbiziden werde geprüft. Sollten chemische Stoffe – egal ob biologischen Ursprungs oder nicht – zum Einsatz kommen, so sei deren Umweltverträglichkeit nachzuweisen, etwa ihr Einfluss auf das Grundwasser. Die Deutsche Bahn schreibt, dass sie den Gleisbereich „dort, wo es zulässig ist, auch weiter mit zugelassenen (Bio-)-Herbiziden“ bearbeiten werde. „In anderen Bereichen setzen wir auch weiter verstärkt auf mechanisch-manuelle Verfahren.“

Mehr zum Thema: Die Deutsche Bahn will den Unkrautvernichter Glyphosat nicht länger nutzen und sucht Alternativen. Doch die könnten das Ökosystem am Eisenbahndamm stören – es geht um Eidechsen, wieder einmal.

Weniger Züge, mehr Busse: Abellio-Ersatzfahrplan startet schon bald .
Das Ausscheiden Abellios führt schon bald zu Beeinträchtigungen für Reisende.Das genaue Start-Datum stand am Dienstagnachmittag dem Vernehmen nach noch nicht fest. Auch ein früherer Beginn für einen Teil des Ersatzfahrplans noch vor dem 17. Januar ist möglich. Ein Sprecher des Nahverkehrs Rheinland (NVR) wollte sich am Dienstag nicht äußern. Er sagte, man werde hierzu am Mittwoch detailliert informieren.

usr: 7
Das ist interessant!