Finanzen Geldpolitik: EZB-Ratsmitglied Rehn warnt vor Preisschwankungen durch deutsche Energiepolitik

01:55  24 januar  2022
01:55  24 januar  2022 Quelle:   handelsblatt.com

Nagel: Bei Gefahren für Preisstabilität handeln

  Nagel: Bei Gefahren für Preisstabilität handeln Neuer Präsident, alte Themen: Bei der Bundesbank übergibt nach zehn Jahren im Amt Jens Weidmann die Geschäfte an Joachim Nagel. Das Ringen um einen Ausstieg aus dem EZB-Billiggeldkurs geht weiter.Er sehe «derzeit eher die Gefahr, dass die Inflationsrate länger erhöht bleiben könnte als gegenwärtig erwartet», sagte Nagel am Dienstag bei einer im Internet übertragenen Feier anlässlich der Amtsübernahme von Vorgänger Jens Weidmann. Der mittelfristige Preisausblick sei «außergewöhnlich unsicher».

Der deutsche Atomausstieg könnte laut dem finnischen Notenbankchef zur Unsicherheit bei der Inflation beitragen. Ein anderer Ratskollege fürchtet, dass die Inflation noch länger hoch bleiben wird.

EZB-Gebäude in Frankfurt. © dpa EZB-Gebäude in Frankfurt.

Der finnische Notenbankchef Olli Rehn warnt, dass der deutsche Atomausstieg die Abhängigkeit von Russland erhöht und den Energiemarkt destabilisiert. „Die Entscheidungen über die Energiepolitik in Deutschland wirken sich auf Preisschwankungen und damit auf die Unsicherheit über die Inflation aus“, sagte das EZB-Ratsmitglied im Interview mit dem Handelsblatt. „Der Umstieg von Kohle auf Erdgas ist für mich kein grüner Umstieg, und diese Übergangsphase wird in Deutschland noch lange dauern.“

Amtsübergabe: Neuer Bundesbank-Präsident Nagel warnt vor Inflationsrisiken

  Amtsübergabe: Neuer Bundesbank-Präsident Nagel warnt vor Inflationsrisiken Joachim Nagel sieht die Gefahr, dass die Inflation länger erhöht bleiben könnte. Er betont die Bedeutung der Stabilitätskultur und Schuldendisziplin. © dpa Der 55-jährige Ökonom führt als Nachfolger von Jens Weidmann die Bundesbank. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begrüßte den neuen Bundesbank-Präsidenten Joachim Nagel mit einigen Worten auf Deutsch. „Willkommen daheim, lieber Joachim“, sagte sie mit französischem Akzent am Dienstag bei der feierlichen Amtsübergabe. Eine Anspielung darauf, dass Nagel in der Vergangenheit bereits lange für die Notenbank gearbeitet hat.

Die Inflation im Euro-Raum ist vor allem wegen teurer Energie auf ein Rekordhoch gestiegen. Im Dezember legten die Energiepreise um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Dienstleistungen und Waren kosteten durchschnittlich 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Rehn erwartet, „dass die Treiber der Inflation im Jahresverlauf nachlassen“ werden und die Teuerungsrate im Euro-Raum in den nächsten beiden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen wird. Das weitere Tempo bei der Normalisierung der Geldpolitik im Euro-Raum hänge von den Daten ab.

„Ich persönlich gehe davon aus, dass die wirtschaftlichen Daten trotz der Beeinflussung durch die Omikron-Variante relativ gut bleiben werden.“ Aus diesem Grund hält er Zinserhöhungen im Jahr 2023 für „logisch“, zumindest, „wenn es keine neuen wirtschaftlichen Störungen gibt“.

7 Prozent Inflation in den USA: Was hilft gegen immer schnellere Preissteigerungen?

  7 Prozent Inflation in den USA: Was hilft gegen immer schnellere Preissteigerungen? Der neue Bundesbank-Chef warnt vor länger anhaltender Inflation, in den USA ist das bereits Realität. Der Kampf dagegen bleibt eine Gratwanderung. © Jens Kalaene/zb/dpa Immer teurer? Die Inflationsrate kannte zuletzt nur eine Richtung: nach oben. Es besteht die Gefahr, „dass die Inflationsrate länger erhöht bleiben könnte als gegenwärtig erwartet“. Das hatte der neue Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Dienstag bei seiner Amtseinführung gesagt. Vielleicht hatte er dabei nicht nur die Entwicklung in Deutschland im Hinterkopf, sondern auch die in den USA.

In der Debatte um die EU-Fiskalregeln plädiert der finnische Notenbankchef für Anpassungen. Die Regeln müssten zugleich konsequent, realistisch und flexibel sein. „Eine Schuldengrenze von rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie sie die bisherige Regelung vorschreibt, ist eindeutig unrealistisch.“

Er verwies darauf, dass Italiens Schuldenquote nach der Pandemie voraussichtlich bei etwa 160 Prozent liegen werde. „Wenn Ziele unerreichbar sind, werden sie auch nichts bewirken.“

Holzmann: „Gehen davon aus, dass die Inflation zurückgehen wird“

Auch der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann hält die weitere Inflationsentwicklung im Euro-Raum für sehr unsicher. „Wir gehen alle davon aus, dass die Inflation zurückgehen wird“, sagte er der Tageszeitung „Die Presse“ in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. „Die Frage ist nur, in welcher Zeitperiode?“ Holzmann gehört wie Rehn dem EZB-Rat an, der die geldpolitischen Entscheidungen im Euro-Raum trifft.

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Die ursprüngliche Annahme sei gewesen, dass es Anfang 2022 zu einer Beruhigung kommt und es im vierten Quartal dann einen starken Rückgang gibt. „Es ist noch nicht ausgeschlossen, dass es so kommt.“ Man wisse allerdings auch nicht, „ob die Inflation nicht doch länger auf hohem Niveau verbleibt“.

Entscheidend sind aus Sicht von Holzmann sogenannte Zweitrundeneffekte – also etwa Lohnerhöhungen. Manche Experten fürchten, dass Arbeitnehmer wegen Kaufkraftverlusten deutlich höhere Löhne fordern und dies eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzten könnte, bei der sich beide Faktoren gegenseitig verstärken. Holzmann sieht hierfür jedoch bisher „noch keine entsprechenden Anzeichen“.

Mehr: Lagarde lehnt rasche Zinswende ab – Dezember-Beschlüsse im EZB-Rat umstritten

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Das Landgericht Düsseldorf hält Verwahrentgelte neben Kontogebühren für unzulässig. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband will trotzdem in Berufung gehen. © dpa Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen verlangen Verwahrentgelte auf Girokonten und Einlagen. Im Streit über die Rechtmäßigkeit von Negativzinsen für private Sparerinnen und Sparer erreichen Verbraucherschützer einen weiteren Erfolg. Wie der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) am Mittwoch mitteilte, hat das Landgericht Düsseldorf entschieden, dass Negativzinsen unter bestimmten Umständen unzulässig sind (Az. 12 O 34/21).

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