Finanzen Kursabsturz: Dax zeitweise unter 12.000 Punkten: So können Anleger profitieren

20:40  28 september  2022
20:40  28 september  2022 Quelle:   wiwo.de

Großer Verfallstag: Talfahrt beim DAX geht weiter

  Großer Verfallstag: Talfahrt beim DAX geht weiter Der deutsche Leitindex DAX gibt auch im Freitagshandel weiter nach. © Bereitgestellt von Finanzen.net MIKE CLARKE/AFP/Getty Images Der DAX büsst zum Start 1,09 Prozent auf 12.814,92 Punkte ein.Vor dem großen Verfallstermin setzt der deutsche Aktienmarkt auch am Freitag die jüngste Talfahrt fort. Schwache Signale kommen von der Wall Street, die am Vorabend neuerliche Verluste insbesondere bei Technologiewerten verzeichnete. Teils positive Konjunkturdaten aus China, wo sich Einzelhandel und Industrie zuletzt unerwartet gut entwickelten, werden am Markt kaum honoriert, hieß es von Börsianern.

Profitieren von Kursfall? Foto: imago imageshttp://img-s-msn-com.akamaized.net/tenant/amp/entityid/AA12m15p.img?h=152&w=270&m=6&q=60&o=f&l=f © Bereitgestellt von Wirtschaftswoche Profitieren von Kursfall? Foto: imago imagesdata-portal-copyright=

Wenn die Kurse abstürzen, vernichten Anleger mit hektischen Verkäufen oft viel Geld. Das muss nicht sein: Mit Optionsscheinen können sie ihr Depot absichern oder an Crashs verdienen. So geht's.

Es ist ein schwieriges Jahr für optimistische Anleger. Im Angesicht von Krieg, Zinswende, Energiekrise und Rezessionsängsten kennen die Aktienmärkte aktuell nur eine Richtung: abwärts. Mit dem richtigen Rüstzeug winken Anlegern dennoch Gewinne. Zertifikate sind durch ihre Hebelwirkung ein gutes Instrument, um kritische Depotwerte schon mit kleinem Einsatz gezielt abzusichern – oder um mit Spekulationen dem Risiko angemessene Renditen einzufahren.

Dax mit kräftigen Verlusten - Rezessionssorgen belasten

  Dax mit kräftigen Verlusten - Rezessionssorgen belasten Rezessionssorgen haben am Freitag weltweit und auch am deutschen Aktienmarkt für einen tiefroten Wochenschluss gesorgt. Der Leitindex Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,97 Prozent auf 12.284,19 Punkte in das Wochenende, nachdem er zuvor bei knapp 12.181 Zählern auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gefallen war. Die jüngste Häufung von Zinserhöhungen großer Notenbanken steckt den Investoren noch in den Gliedern. Auf Wochensicht weitete der deutsche Leitindex die Verluste auf mehr als dreieinhalb Prozent aus. Seit dem Jahreswechsel beläuft sich das Minus mittlerweile auf mehr als ein Fünftel.

Für Spekulationen auf einen fallenden Dax gibt es Tausende Zertifikate vielfältiger Konstruktionsarten. Während beispielsweise Faktorzertifikate bei Privatanlegern ein beliebtes Mittel sind, um auf sinkende Kurse zu setzen, sind Optionsscheine wegen ihrer komplizierten Struktur oft eher unbeliebt. Wer die Struktur von Optionsscheinen versteht, kann damit aber weit berechenbarer handeln – und in Spezialfällen sogar Extragewinne einfahren. Wir erklären am Beispiel des Dax, wie Anleger den passenden Optionsschein finden.

Ohne Marktmeinung geht nichts

Für die Wahl des richtigen Optionsscheins müssen Anleger zunächst ihr Basisszenario festlegen. Wir gehen im Beispiel von der Erwartung aus, dass der Dax bis Mitte Oktober in den Bereich um 10.500 Punkte fällt, dem Oktobertief von 2020. Gemessen am Indexstand von 12.100 Punkten, den der Dax Mittwochmittag nach einem kurzen Ausflug unter die 12.000er-Marke hatte, wäre das ein Rückgang um rund fünf Prozent.

Erholung an Frankfurter Börse: DAX gewinnt deutlich

  Erholung an Frankfurter Börse: DAX gewinnt deutlich Am Dienstag zeigen sich Anleger an der Frankfurter Börse sichtlich kauffreudiger als in den vergangenen Handelstagen. © Bereitgestellt von Finanzen.net Spencer Platt/Getty Images Der DAX eröffnete die Sitzung 0,86 Prozent höher bei 12.332,85 Zählern. Aktuell legt der deutsche Leitindex 1,3 Prozent auf 12.387,40 Punkte zu. Zum Wochenauftakt war eine Stabilisierung noch missglückt, nachdem das Börsenbarometer vor dem Wochenende noch auf seinem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren angekommen war.

Optionsscheine beziehen sich immer auf einen Basiswert, in diesem Fall den Dax. Bei der Wahl des Scheins können Anleger zwischen verschiedenen Basispreisen wählen. Der Basispreis sollte für eine gute Wertentwicklung etwa auf halber Strecke zwischen dem aktuellen Kurs und dem erwarteten Tiefpunkt liegen – in diesem Fall also ungefähr bei 11.750 Punkten. Wir wählen zur Veranschaulichung einen Dax-Put-Optionsschein mit der ISIN DE000SN0SN37. Herausgeber ist die Investmentbank Société Générale, ein großer Emittent von Zertifikaten – eine gewisse Größe ist wichtig, um auch in heißen Phasen zuverlässig Kurse gestellt zu bekommen und handeln zu können.

Über die Hebelwirkung partizipiert der Schein überproportional an der Kursentwicklung des Basiswerts, also dem Dax. Der effektive Hebel (Omega) beträgt aktuell 6,8. Das heißt: Bewegt sich der Dax um ein Prozent, bewegt sich das Zertifikat entsprechend um das 6,8-Fache. Der Hebel ist aber nicht starr. Rechnerisch ergibt er sich aus dem Produkt des theoretischen Hebels und des Deltas, einer dynamischen Kennzahl, die den Abstand zum Basispreis misst. Delta zieht an, je weiter der Optionsschein in oder aus dem Geld liegt – also unter oder über dem Basispreis von 11.700 Punkten.

Dax fällt unter 12.000 Punkte

  Dax fällt unter 12.000 Punkte Der Dax bleibt wegen Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen im Abwärtsstrudel. Erstmals seit November 2020 sackte er am Mittwoch unter die Marke von 12.000 Punkten. Erst bei 11.914 Zählern konnte er sich vorerst etwas fangen. Am Ende der ersten Handelsstunde betrug das Minus für den Leitindex 1,44 Prozent auf 11.964,95 Punkte. Der MDax fiel um 1,97 Prozent auf 21.902,77 Zähler, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,3 Prozent an Wert. AnAn der Wall Street hatten sich am Vorabend erneut Forderungen von Notenbankern nach mehr Zinserhöhungen belastend ausgewirkt, weil diese weltweit die Sorgen vor einer Rezession erhöhen.

Die wichtigsten Parameter für eine gute Performance

Besonderes Augenmerk sollten Anleger auf die Laufzeit legen. Im Beispiel gehen wir von einer kurzfristigen Wette aus, dem Rückgang um fünf Prozent bis Mitte Oktober. Trotzdem ist es empfehlenswert, eine längere Laufzeit zu wählen. Der Fälligkeit unseres Beispielscheins ist etwa am 24. Februar 2023. Denn der Optionsschein beinhaltet einen Zeitwert, der bis zur Fälligkeit exponentiell sinkt. Wie stark der aktuelle Einfluss des Zeitwerts auf den Schein ist, gibt das Theta an. Im Beispiel sind das drei Cent pro Tag bei einem Preis von rund 6,90 Euro je Optionsschein – also ein täglicher Wertverlust von rund einem halben Prozent. Angesichts der knapp siebenfachen Hebelwirkung ist das verkraftbar. Bei Scheinen, die nah an der Fälligkeit liegen, kann der Wertverlust allerdings schnell in den zweistelligen Prozentbereich klettern.

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Wie der Zeitwert den Kurs unseres Dax-Puts beeinflusst, zeigt eine Beispielrechnung, in der sich nur Basiswert und Zeit verändern. Sinkt der Dax bis 15. Oktober auf 11.500 Punkte, winken 23 Prozent Gewinn. Fällt der Dax bis 15. November auf 11.500 Punkte, wären es immerhin noch zehn Prozent. Sollte der Dax dagegen erst am 15. Januar auf 11.500 Zähler sinken, hätte der Schein 26 Prozent verloren – am 15. Februar wären es bei derselben Dax-Performance 67 Prozent Verlust. Bei kürzeren Laufzeiten gibt es meist höhere Hebel. Anleger sollten sich davon nicht in Versuchung führen lassen, auch wegen der dann teilweise hohen Spreads.

Konsumklima auf tiefstem Stand seit 1991

  Konsumklima auf tiefstem Stand seit 1991 Die Stimmung der Verbraucher ist so schlecht wie nie. Hohe Energiepreise und die galoppierende Inflation vermiesen den Menschen die Lust aufs Einkaufen. An der Börse geht die Talfahrt weiter. © picture-alliance/dpa/B. Thissen Provided by Deutsche Welle Energiekrise und Inflation in Deutschland drücken die Konsumstimmung auf ein neues Rekordtief. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für Oktober einen überraschend starken Rückgang um 5,7 Zähler auf minus 42,5 Punkte.

Theoretisch ließe sich der Optionsschein auch bis zum Ende der Laufzeit halten. In der Regel ist das aber nicht sinnvoll: Der Preis eines Optionsscheins setzt sich aus dem Zeitwert und dem inneren Wert zusammen. Da unser Dax-Put aus dem Geld liegt, besteht er komplett aus Zeitwert: Aktuell sind es 7,06 Euro zu einem Preis von 7,06 je Schein. Notiert der Dax zum Ende der Laufzeit unverändert, wäre der Optionsschein also nichts mehr wert. Ein innerer Wert entstünde erst, wenn der Dax unter den Basispreis von 11.700 Punkten fällt. Selbst dann wäre der simple Verkauf des Zertifikats lohnender, besonders, wenn der Kursrutsch eine hohe Dynamik hat.

Der Gewinn steckt im Detail

Häufig unterschätzt wird im Optionshandel die implizite Volatilität. Sie bildet die am Markt erwartete Schwankungsbreite des Basiswertes über die Restlaufzeit des Zertifikats ab. Bei hohen Kursausschlägen zieht die Volatilität an, was den Wert eines Optionsscheins stark beeinflussen kann. Aktuell liegt die implizite Volatilität im Dax bei 31 Prozent. Das ist ein recht hoher Wert – angesichts der Schwankungen im deutschen Leitindex in den vergangenen Wochen aber nicht überraschend. An Tagen, an denen der Dax starke Kurssprünge macht, einen Optionsschein zu kaufen, ist deshalb meist eher ungünstig. Geduldige Anleger können von der impliziten Volatilität allerdings profitieren: Wer in ruhigen Zeiten einsteigt, kann satte Extragewinne einstreichen, sobald der Basiswert rutscht. Wie so oft an der Börse ist eine ruhige Hand auch im Zertifikathandel Gold wert.

Dax fällt nach jüngster Rally wieder etwas zurük

  Dax fällt nach jüngster Rally wieder etwas zurük Nach zweitägiger Erholungsrally legt der Dax am Mittwoch eine Verschnaufpause ein. Gegen Mittag büßte der deutsche Leitindex 1,00 Prozent auf 12.543,30 Punkte ein. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank um 1,47 Prozent auf 23.153,42 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 1,1 Prozent nach. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. In der Vorwoche war der Dax mit 11 862 Punkten auf den tiefsten Stand seit November 2020 gefallen. Von diesem Niveau aus konnte er sich dann um fast sieben Prozent erholen. Auch in den USA verzeichneten die Börsen zuletzt starke Kursaufschläge.

Lesen Sie auch: In unserem wöchentlichen Anlagenewsletter BörsenWoche haben wir Mitte August in einer ausführlichen Analyse unsere Markterwartung dargelegt, Spekulationen gegen Nasdaq und Dax aufgesetzt und gezeigt, wie man sein Depot absichert. Unsere profunden Analysen und Tipps zur Geldanlage auf eigene Faust können Abonnenten hier kostenlos bestellen.

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Vorgaben aus Übersee belasten Dax .
Negative Vorgaben aus Übersee haben den Dax am Dienstag erneut ausgebremst. Gegen Mittag verlor der deutsche Leitindex 1,19 Prozent auf 12.126,77 Punkte, womit er wieder an seine Verluste nach dem starken Monatsauftakt anknüpfte. Bereits zu Wochenbeginn hatten die schwachen US-Aktienmärkte seinen Erholungsversuch vereitelt. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es zuletzt um 1,54 Prozent auf 22.129,06 Punkte bergab und der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um mehr als ein Prozent. © Fredrik von Erichsen/dpa Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland.

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