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Finanzen Kranke Kassen: Die Überlebenschancen der PKV

12:00  03 dezember  2019
12:00  03 dezember  2019 Quelle:   wiwo.de

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Mehr zum Thema private Krankenversicherung für chronisch Kranke +++ Wichtige Informationen finden Sie im PKV -Ratgeber auf GELD.de. Da stellt die Private Krankenversicherung für viele Arbeitnehmer, Beamte und Selbstständige die günstigere Alternative dar.

Die private Krankenversicherung organisiert den Risikoausgleich zwischen Gesunden und Kranken innerhalb einer Tarifgemeinschaft. Jeder sollte soviel in die private Krankenversicherung einzahlen, wie - statistisch betrachtet - seine medizinische Versorgung im Laufe seines Lebens kosten wird.

Wichtige Fakten zur PKV: Jeder Zehnte ist privat versichertDie Versicherten in der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) 2018 (in Millionen) Quelle: WIP, PKV, GKV © dpa Wichtige Fakten zur PKV: Jeder Zehnte ist privat versichertDie Versicherten in der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) 2018 (in Millionen) Quelle: WIP, PKV, GKV

Der privaten Krankenversicherung wird seit Langem das Ende vorhergesagt. Dass sie noch immer lebt, hat vor allem einen politischen Grund.

Christian Merettig ist Arzt und seine Praxis ein kleines, feines Unternehmen. Der 56-jährige Orthopäde behandelt am Berliner Kurfürstendamm. Im Altbau sitzen ihm nur Privatversicherte und Selbstzahler gegenüber. Das sei besser – für ihn, aber auch für seine Patienten, findet er. Früher, in seiner Kassenpraxis, schleuste er in der Spitze 300 Patienten am Tag durch. Heute sind es nur noch 10 bis 15.

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Die Krankenkassen in Deutschland sind Träger der gesetzlichen Krankenversicherung und Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Die gesetzliche Krankenversicherung ist neben der Arbeitslosen-, Renten-, und Pflegeversicherung Bestandteil der deutschen Sozialversicherung.

Die private Krankenversicherung ( PKV ), ob günstig oder hochpreisig, bietet Versicherten einige Vorteile. PKV -Mitglieder sind so im Krankheitsfall mit ihrer Versicherung optimal geschützt und bestens versorgt. Mit Hilfe optimierter Altersrückstellungen sind auch die PKV Beiträge im Alter kein

„Hier kann ich wirklich Medizin machen, Fragen stellen, zuhören“, sagt Merettig. Und ohne Zeitdruck gebe es „keine Flüchtigkeitsfehler“. Er biete auch keine medizinisch zweifelhaften Zusatzleistungen an, im Kassensprech IGeL genannt, und er verweise nicht zu schnell zur OP ins Krankenhaus. „Ich muss keinen Quatsch machen.“ 60 Euro rechnet er privat für 45 Minuten Arztgespräch pro Patient ab, in der gesetzlichen Versicherung bekäme er 45 bis 50 Euro – allerdings je Quartal und unabhängig davon, wie oft jemand auftaucht.

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PKV vs. GKV. Private & gesetzliche Krankenversicherung unterscheiden sich deutlich. Wie sich die gesetzliche und die private Krankenversicherung voneinander unterscheiden, erfahren Sie im Folgenden. Im Anschluss können Sie sich zudem über die Vor- und Nachteile der PKV informieren.

Der Weg von der privaten Krankenversicherung ( PKV ) zurück in die gesetzliche (GKV) ist häufig sehr schwierig und nur unter bestimmten Voraussetzungen Wenn Sie erst 5 – 7 Jahre bei Ihrem jetzigen Anbieter versichert sind, lohnt es sich eventuell die private Krankenversicherung zu wechseln.

Qualität statt Quatsch also. Das deutsche Gesundheitssystem macht es möglich. Bei der Patientenversorgung bleibt Deutschland ein geteiltes Land, das Kranke der medizinischen Businessclass oder eben der Holzklasse zuweist. Rund 73 Millionen Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stehen rund 8,7 Millionen in den Privatversicherungen (PKV) gegenüber. Über die Hälfte davon sind Beamte, ein beliebter, weil überdurchschnittlich gesundheitsbewusster Kundenstamm. Hinzu kommen Selbstständige und besser verdienende Angestellte, die das gesetzliche System verlassen dürfen.

Die Zahl der Nichtbeamten aber sinkt seit Jahren. Denn viele, die als sogenannte „gute Risiken“ in relativ jungen Jahren attraktiv kalkulierte Privatpolicen abschlossen und im (relativ seltenen) Krankheitsfall die Vorzugsbehandlung in Praxen und Kliniken genossen, müssen im Alter teils enorme Beiträge stemmen. Nun, wenn das Jahresende naht, erhalten manche auch teils happige Tariferhöhungen. Entsprechend stellt sich manchen die Frage: Wie komme ich da raus?

Solidarität oder Exklusivität – seit Jahren streitet auch die Politik über die Zweiklassenmedizin. Immer wieder wurde dem System, das in dieser Form in Europa einmalig ist, angesichts der nicht zu leugnenden Probleme, das Ende prophezeit. Zu ungerecht, nicht nachhaltig, ineffizient. Aber immer war es zu früh. In diesem Fall gilt also tatsächlich: Totgesagte leben länger.

Warum das so ist? Die Diagnose ist kompliziert.

Rückkehr ausgeschlossen

Ines Verspohl vom Sozialverband VdK kennt die Geschichten der hilfesuchenden Versicherten. Sie kennt die Konflikte. Und sie sieht grundsätzliche Probleme: „Bei den Privaten gibt es regelmäßig eine Überversorgung: Da wird sehr viel und teuer diagnostiziert.“ Das treibe die Beiträge und sorge zugleich dafür, dass Kassenpatienten unnötig lange auf Termine bei Fachärzten warten müssten. Auch werde bei der PKV zu viel operiert, weil es sich lohne. Ein Beispiel: „Es werden mehr künstliche Hüften eingesetzt als notwendig. Aber es versteht kaum einer, dass das nicht einmal gut für die Betroffenen ist“, sagt VdK-Abteilungsleiterin Verspohl.

Unter älteren Privatpatienten wächst so der Leidensdruck: Im Unterschied zur GKV, wo sich die Beiträge aus dem Einkommen ableiten, wachsen die Privatprämien auch im Rentenalter meist stetig. Nach Zahlen des PKV-Verbandes sind die Beiträge 2017 im Schnitt um 4,0 Prozent gestiegen, 2018 um 2,7 Prozent und 2019 um 2,0 Prozent. Das klingt zwar moderat, doch in einzelnen Tarifen kann das Plus auch zweistellig ausfallen. Hinzu kommen Selbstbeteiligungen und Leistungen, die zusätzlich bezahlt werden müssen. Ein Wechsel zurück ins Solidarsystem ist aber meist nur mit Tricks machbar. Und jenseits der 55 unmöglich.

Zaghafte Politik

Deshalb landet regelmäßig Protest-Post aus den Wahlkreisen bei Bundestagsabgeordneten. VdK-Sozialexpertin Verspohl nennt die Gruppen, für die die PKV im Alter oft schwierig wird, und die sich dann ärgern: geringverdienende Selbstständige, geschiedene Frauen oder Menschen, die schwerbehindert werden.

Die Wutbriefe zeigen Wirkung. Seit Karl Lauterbach seinen Fraktionsposten im Rennen um den SPD-Vorsitz aufgeben musste, spricht zwar derzeit kein prominenter Sozialdemokrat mehr so laut von der Bürgerversicherung. Doch das Ziel einer Versicherung für alle vereint SPD, Grüne und Linke.

In der großen Koalition stehen allerdings nur kleinere Schritte zur Diskussion. Das System soll durchlässiger werden – zwischen PKV und GKV, aber auch unter den Privatkassen. Die Idee: Wo ein Wechsel möglich ist, entsteht Konkurrenz zugunsten der Versicherten. Bisher herrscht in der PKV vor allem an einer Stelle Wettbewerb: Beim Buhlen um Neukunden – die sich dann meist fürs Leben an eine Versicherung binden.

Das Schlechteste aus zwei Welten

Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein will das System nicht infrage stellen, aber „ertüchtigen“. Es müsse „mehr Möglichkeiten geben, von der privaten in die gesetzliche Versicherung zu wechseln“. Dann müsse möglich sein, angesparte PKV-Beträge fürs Alter mitzunehmen. Nüßlein hat Selbstständige und Handwerker im Blick. Es gebe nicht wenige, die im fortgeschrittenen Alter vieles versuchten, um zurück in die gesetzliche Kasse zu kommen, sagt er. „Die merken: Da kommen in der Privatversicherung sehr hohe Kosten auf sie zu, wenn sie mehr als die Basisversicherung wollen.“

Nüßlein will auch strengere Kriterien, wer in die PKV darf. Für Selbstständige plädiert er für eine gesetzliche Versicherungspflicht. „Wer weniger als einen bestimmten Betrag im Monat verdient, müsste dann bei einer gesetzlichen Kasse versichert sein.“ So wie bei Arbeitnehmern. Er ist optimistisch, dass in der Koalition noch etwas geht.

Bei der SPD stößt er da auf Wohlwollen. Die zuständige Fraktionsvize der SPD, Bärbel Bas, fordert zudem, einen Wechsel zwischen einzelnen privaten Versicherungen auch für Versicherte mit älteren Verträgen zu ermöglichen – „samt Mitnahme der Altersrückstellungen“. An diesen Sparguthaben für höhere Behandlungskosten im Alter scheiterten bislang einige Reformen. Bas ist optimistisch, dass dieses Vorhaben nun gelingt: „Das würde Druck erzeugen für Wettbewerb zwischen den Unternehmen.“

Der Gesundheitsminister, der gern allerlei Reformen anstößt, hält sich bedeckt. Jens Spahn (CDU) will sich auch auf Anfrage nicht zur PKV äußern. Im Ministerium heißt es nur, derzeit arbeite der Minister die Aufgaben ab, die der Koalitionsvertrag vorgebe. Eine größere Durchlässigkeit bei der Krankenversicherung sei nicht vereinbart.

Das Ministerium verfolge die Tarifentwicklung der privaten Krankenversicherung durchaus aufmerksam. Doch die Einführung einer Versicherungspflicht von Selbstständigen in der gesetzlichen Krankenversicherung werde zurzeit nicht diskutiert.

Erbitterte Gegner ...

Solche Erklärungen nützen Menschen wie Doris Wiedemann nichts. Die Betriebswirtin ist privat krankenversichert, seit sie 35 Jahre alt ist. „Als Existenzgründerin war die PKV günstiger“, erzählt die Frau, die anders heißt. „Und ich wollte eine gute gesundheitliche Versorgung.“ Als sie später ernsthaft erkrankt sei, habe sie dann jedoch „das menschenverachtende Verhalten eines Finanzkonzerns“ kennengelernt.

Wiedemann bekommt das Schlechteste aus zwei Welten – sie zahlt viel für die Versicherung (rund 735 Euro im Monat) und erhält doch nur mit Mühe eine Versorgung, die für gesetzlich Versicherte selbstverständlich wäre. Mit der Gesundheit der heute schwerbehinderten 60-Jährigen ging es 2005 bergab, als sie sich bei einem Vietnam-Urlaub eine Tropeninfektion einfing, Rheuma und Schäden an der Schilddrüse waren die Folge. Hinzu kamen orthopädische Probleme.

Heute ist die ehemals Selbstständige inkomplett querschnittsgelähmt und erwerbsunfähig. 2018 wurde ihre Versicherung gekündigt, schließlich rutschte sie in den Basistarif. Das ist der Privattarif für diejenigen, die keinen anderen mehr bekommen. Er darf nicht mehr kosten als der Höchstsatz in der gesetzlichen Kasse und soll die gleiche Leistung bieten.

Im Basistarif fühlt sich Wiedemann allerdings „wie ein Paria“. Die Ärzte wollten einen nicht behandeln. Die Abwicklung des Honorars sei zu bürokratisch und die Bezahlung zu gering. „Die Ärzte zahlen drauf, das Krankenhaus auch.“ Und anders als bei GKV-Versicherten müssten diese sie auch nicht behandeln. Für ihren vereiterten Kiefer findet sie schon seit Längerem keinen Zahnarzt.

„Man wird systematisch mürbe gemacht“, klagt sie, „viele geben dann auf, das ist menschenverachtend.“ Sie wehrt sich juristisch, doch bis zur endgültigen Klärung kann es Jahre dauern. „Während dieser Zeit hat man als schwerkranker Mensch keinerlei Chance auf eine annähernde Versorgung.“ Sie ist schließlich älter als 55. Zurück in die gesetzliche Versicherung kann sie nicht.

In der Praxis von Hartmut Stein hätte sie womöglich eine Chance – obwohl der Allgemeinmediziner Privatversicherten seit rund zehn Jahren zumeist höflich die Türe zeigt. Diese Patienten lohnten sich nicht, meint Stein, der in Neuberg im Frankfurter Speckgürtel eine Hausarztpraxis betreibt. Er klingt ganz anders als sein Kollege vom Kudamm: Weder das Honorar noch die im Vergleich zu den großen gesetzlichen Kassen umständliche Abrechnung seien es wert.

Bei Kassenpatienten diagnostiziere und therapiere er, was medizinisch geboten sei. Gerade privat versicherte Beamte hätten teils sehr hohe Erwartungen, welche Behandlung ihnen zustehe. Andere mit Privatassekuranz gingen erst zum Arzt, „wenn sie nicht mehr gerade laufen können“. Sie versuchten lange, eine Behandlung herauszuzögern, um den Eigenanteil niedrig zu halten. „Beides ist überhaupt nicht sinnvoll.“

Stein rechnet vor, dass sich Privatpatienten für ihn als Hausarzt nicht sonderlich lohnen. Auch weil er anders als einige Facharztgruppen nicht höher vergütete Apparatemedizin anbietet. Wenn jemand mit einem grippalen Infekt zu Stein kommt, bedeute das für ihn eine Untersuchung, eine Krankschreibung und meist Arznei. Für den GKV-Versicherten bekomme er eine Pauschale von rund 55 Euro. Die gilt zwar fürs ganze Quartal, doch oft kämen die Patienten nur einmal. Mit der PKV rechne er in dem Fall 23 Euro ab. Landet allerdings jemand mit Privatpolice im Basistarif zu ihm, könne er nur 11,80 Euro Honorar abrechnen. Da lohne die Rechnung nicht mal. Dennoch behandelt er zwischen 10 und 20 solcher Patienten im Quartal. „Die laufen so mit.“

Mühsame Alternativen

... aber auch große Fans

Politisch unter Druck, bei manchen Patienten verhasst und unter einigen Ärzten freundlich ignoriert: Dass es die PKV überhaupt noch in dieser Form gibt, hat mit einer starken Lobby zu tun. Und auch mit Menschen wie Manfred Müller. Der ehemalige Geschäftsführer einer Softwarefirma, der seinen wahren Nahmen nicht gedruckt sehen möchte, ist einer der zufriedenen, langjährigen Privatpatienten. Er zahlt rund 600 Euro im Monat für seine Versicherung.

Der 65-Jährige ist sicher, dass seine Assekuranz ihm zu einem besseren Leben verhilft: „Man stirbt vielleicht zehn Jahre später als andere. Ich kriege viel schneller einen Termin beim Facharzt, und wenn ich was habe, wird das viel früher entdeckt“, lobt der Berliner. Der Ruheständler hält es für fair, dass er schnell behandelt wird und mal eine Diagnose mehr bekommt. „Ich sehe mich als aufgeklärter Patient und will beurteilen können, was los ist.“

Der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung würde deshalb gerne einfach alles beim Alten lassen. Florian Reuther lobt: „Das duale System sorgt für ein hervorragendes Gesundheitssystem. Aufs Ganze gesehen, sind die Versicherten sehr zufrieden – in beiden Systemen.“ Vorschläge für mehr Durchlässigkeit zwischen Versicherungen oder den Systemen wehrt er ab: „Es gibt überhaupt keinen Bedarf, ein Rückkehrrecht in die GKV zu schaffen.“ Die Versicherten hätten auch bei den Privaten in allen Lebenslagen eine angemessene Absicherung. Und dann gibt Reuther noch eine Kostprobe, dass seine Lobby auch noch anders kann, härter. Er weist die Gesundheitspolitiker vorsorglich auch darauf hin, was Reformen zu Fall bringen könnte: „Es wäre auch verfassungswidrig, die Altersrückstellungen mitzugeben.“

Also üben sich die Politiker zunächst erst einmal darin, möglichst viele Menschen gleich in der GKV zu halten. Dafür hat der Stadtstaat Hamburg ein Vorbild geschaffen, das die SPD im Bund übernehmen will.

Seit August 2018 übernimmt der Staat für Beamte, die sich gesetzlich versichern, die Hälfte des Versicherungsbeitrags. Das entspricht dem Prinzip bei Angestellten, bei denen der Arbeitgeber ebenfalls die Hälfte des Versicherungsbeitrags bezahlt. Vorteile hat das für diejenigen, die in Teilzeit beschäftigt sind, Vorerkrankungen, ein geringes Einkommen oder viele Kinder haben. Die Idee: Wenn sich Beamte künftig vermehrt gesetzlich versichern, bleibt eine wichtige Versichertengruppe in der Solidargemeinschaft.

Thüringen, Brandenburg, Berlin und Bremen haben das Modell bereits auf Länderebene übernommen. Allerdings sind die Zahlen noch eher bescheiden, auch weil nur neue Beamte infrage kommen. In Hamburg nahmen innerhalb eines Jahres 1365 Beamte das Modell in Anspruch.

Angesichts der Zahlen bleibt Roman Rittweger, Chef der neu gegründeten Versicherung Ottonova, überzeugt vom Modell. „Wir denken, dass die private Vollversicherung ewig leben wird“, sagt er. Der Mediziner und ehemalige Unternehmensberater ist CEO einer Rarität: Ottonova ist die erste PKV-Gründung seit einer Generation – und vermarktet sich als komplett digitale Versicherung. Seine Versicherten sind beim Eintritt 32 Jahre jung, männlich, gut gebildet und mit hohem Einkommen.

Rund 5000 Kunden in Voll- und Zusatzversicherungen hat Ottonova bislang gewonnen. Rittweger argumentiert aber, auch als sehr kleiner Spieler bereits das Kassensystem auf Trab gebracht zu haben. „Wir haben den digitalen Arztbesuch eingeführt.“ Inzwischen böten auch andere das an.

Und überhaupt: „Wenn die Politik den Zugang neuer Versicherter abdreht, dauert es trotzdem 70 Jahre bis es zu Ende wäre.“ Bis dahin, glaubt Rittweger, „kommt wieder eine Regierung, die die PKV gut findet.“

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