Finanzen Klimaaktivisten: Wer zahlen müsste, wenn millionenschwere Kunst beschmutzt wird

19:11  05 dezember  2022
19:11  05 dezember  2022 Quelle:   wiwo.de

Justizministerin gegen höhere Strafen für Klimaaktivisten

  Justizministerin gegen höhere Strafen für Klimaaktivisten Niedersachsens neue Justizministerin Kathrin Wahlmann hat in der Debatte über Proteste von Klimaaktivisten der Gruppe «Letzte Generation» Forderungen nach härteren Strafen zurückgewiesen. «Das ist immer so ein typischer Reflex: Sobald in unserer Gesellschaft ein neues, unerwünschtes Phänomen auftaucht, ruft jemand nach höheren Strafen», sagte die SPD-Politikerin der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Dienstag). «Wir haben ein funktionierendes, gut austariertes Strafrecht. Und ich meine, dass die Strafrahmen, die wir haben, ausreichen.

Umweltaktivisten der sogenannten Letzten Generation attackierten das Gemälde Tod und Leben von Gustav Klimt im Leopold Museum in Wien. Sie protestierten damit gegen fossile Zerstörung durch Ölkonzerne wie OMV. Foto: imago imageshttp://img-s-msn-com.akamaized.net/tenant/amp/entityid/AA14VjB7.img?h=152&w=270&m=6&q=60&o=f&l=f © Bereitgestellt von Wirtschaftswoche Umweltaktivisten der sogenannten Letzten Generation attackierten das Gemälde Tod und Leben von Gustav Klimt im Leopold Museum in Wien. Sie protestierten damit gegen fossile Zerstörung durch Ölkonzerne wie OMV. Foto: imago imagesdata-portal-copyright=

Wieder und wieder beschmutzen Aktivisten Kunst, um auf die Umweltzerstörung aufmerksam zu machen. Doch wer zahlt eigentlich, falls ein Gemälde im Millionenwert wirklich mal Schaden nehmen sollte?

Klimaaktivisten, die es auf Gemälde abgesehen haben: die wiederholten Angriffe auf Kunstwerke schrecken die Kunstszene auf. Museen entwickeln gerade Notfallpläne und verschärfen Sicherheitskonzepte. „Das wird beispielsweise an verschärften Regelungen für Taschen und Oberbekleidung sichtbar“, heißt es vom Deutschen Museumsbund auf Anfrage. Details wolle man nicht nennen.

Klimaaktivisten: Scharfe Kritik an Blockade von Berliner Flughafen

  Klimaaktivisten: Scharfe Kritik an Blockade von Berliner Flughafen „Diese Aktionen zerstören wichtige gesellschaftliche Akzeptanz für den Kampf gegen den Klimawandel“, kritisierte Bundesinnenministerin Nancy Faeser.Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsparteien im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU), sieht mit der Beeinträchtigung des Flugverkehrs am BER „eine weitere rote Linie“ überschritten. Flughäfen seien „keine Bühne für politische Aktionen“, erklärte Lindholz, weil dort „sehr schnell Menschenleben in Gefahr kommen“ könnten. Sie forderte „konsequente Strafen“ für die Störung.

Die weltweit älteste Kunstmesse in Köln, die Art Cologne, setzte zuletzt neben Taschenkontrollen auch Scanner ein. Dass die in der Breite in Museen genutzt werden, sei laut Museumsbund nicht geplant. Eine Sprecherin verweist darauf, dass die Mehrkosten für Sicherheit in Museen wirtschaftlich eine große Herausforderung darstellen.

Bislang sorgte Glasschutz dafür, dass Kartoffelbrei, Suppe oder ölige Flüssigkeit die Gemälde selbst nicht beschädigten. Dennoch ist von einem „hohen Sachschaden“ die Rede. Fragt man Experten, was es kostet, die Rahmen der Gemälde zu reinigen, schätzen sie die Summe auf 5.000 bis 10.000 Euro. Und freilich entgehen den Museen Einnahmen, wenn sie in der Zwischenzeit die Türen schließen.

Nicht nur die Museen leiden, sollte man meinen, Schweiß dürfte auch den Kunstversicherern auf der Stirn stehen. „Die meisten Gemälde sind gar nicht versichert“, erklärt Bernd Ziegenrücker, Kunsthistoriker und Chef des Versicherungsmaklers Artekuranz. Gerade in großen staatlichen Museen gebe es keinen Schutz über einen privaten Versicherer. Wenn, dann sind die versicherten Kunstwerke meist nur ausgeliehene Drittobjekte, die auf Ausstellungen gezeigt würden. Stattdessen greift zumeist die sogenannte Staatshaftung. Heißt: Bund und Länder zahlen.

"Letzte Generation": Streit um Präventivhaft

  Einsperren oder nicht? Die Innenminister der Länder diskutieren, wie sie mit radikalen Klimaaktivisten umgehen wollen. Die planen derweil neue Aktionen. © Andreas Gebert/Reuters Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei der Innenministerkonferenz in München. Streit um PräventivhaftDie Innenminister und -ministerinnen der Länder hatten sich mit ihrer Kollegin Nancy Faeser aus der Bundesregierung ein dickes Programm verordnet: 81 Themen handelten sie von Mittwoch bis Freitag beim Treffen der Innenministerkonferenz in München ab.

Private Museen wiederum versichern Kunst über Kunstversicherer. Dann, erklärt Ziegenrücker, kommt üblicherweise die sogenannte Allgefahrendeckung ins Spiel. Gefahren für Kunstwerke wie Radioaktivität, Krieg, Beschlagnahmung oder Terror fallen da nicht hinein. Die Attacken der Klimaaktivisten hingegen schon – sie gelten als mutwillige Sachbeschädigung, als Vandalismus. Kunstversicherer nehmen dann die Klimaaktivisten Regress. Die wiederum können keine Haftpflicht geltend machen, da Vorsatz bestünde – bestens dokumentiert durch Kameraaufnahmen, Bilder und einen angeleimten Täter. Heißt: Sie können Ansprüche geltend machen – und das auch über Jahrzehnte. Schäden in Millionenhöhe möglich

Wenngleich die Schäden bislang gering sind: Was, wenn doch mal mehr passiert? Wenn auf der Art Cologne zum Beispiel Werke beschädigt worden wären – schließlich hingen dort zwei millionenschwere Werke direkt nebeneinander: Rechts ein Bild von Claude Monet (6,5 Millionen Euro), links eines von Gerhard Richter (5,5 Millionen Euro). Stephan Zilkens ist Geschäftsführer des Kunstversicherungsmaklers Zilkens Fine Art. „Diese Bilder sind nicht durch Glas geschützt“, sagt Zilkens. „Natürlich ist das ein Risiko für den Versicherer.“

„Da ist für mich Schluss“: Kühnert verurteilt „Absolutismus“ von Klimaaktivisten

  „Da ist für mich Schluss“: Kühnert verurteilt „Absolutismus“ von Klimaaktivisten Zivilen Ungehorsam will er nicht an den Pranger stellen, sagt der SPD-Generalsekretär. Doch er übt scharfe Kritik an dem derzeitigen Vorgehen von Klimaaktivisten aus. © Foto: Michael Kappeler SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sieht bei Klimaaktivisten ein zu rigoroses Vorgehen und hat dieses verurteilt.

Anette Schwarz von der Gothaer Versicherung verweist darauf, dass eine Wertminderung greife, sollte ein Gemälde beispielsweise durch Feuchtigkeit zu Schaden kommen. „Sollte ein Werk mit einem dreistelligen Versicherungswert beschädigt werden, kann es selbst bei geringen Wertminderungsansätzen zu Entschädigungsleistungen im Millionenbereich kommen.“

Die Kunstversicherer schließen nicht aus, dass die Angriffe Auswirkungen auf den Kunstbetrieb haben könnten. So könnten Eigentümer vorsichtiger werden, Werke überhaupt zu verleihen. Dass Kunstversicherer ihre Prämien anheben, damit rechnen die beiden Versicherungsmakler und auch Schwarz von der Gothaer nicht.

Dass sich Policen ändern oder strengere Sicherheitsvorkehrungen fordern, sei hingegen gut denkbar. Beispielsweise, dass mehr Schutzglas zur Pflicht wird, sagt Ziegenrücker.

Auch Zilkens hält mehr Schutzglas für eine denkbare Auswirkung der Angriffe. Doch er wendet ein: „Ein Bild ohne Glas hat eine völlig andere Wirkung!“ Und auch der Deutsche Museumsbund verweist darauf, dass die Museen Werke eigentlich nicht hinter Glas oder Absperrbänder sichern wollten.

Reul: Klimaaktivisten kein Fall für Verfassungsschutz

  Reul: Klimaaktivisten kein Fall für Verfassungsschutz Reul: Klimaaktivisten kein Fall für Verfassungsschutz © T - Online Die Klimaschutzbewegung ist kein Beobachtungsobjekt des NRW-Verfassungsschutzes. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministers hervor. Im Zuge der Debatte um das staatliche Vorgehen gegen Klimaaktivisten der "Letzten Generation" meldet sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Wort: "Die 'Klimaschutzbewegung' als solche ist kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes des Landes Nordrhein-Westfalen", teilte er in einem Bericht für den Innenausschuss Nordrhein-Westfalen mit.

Lesen Sie auch: Die grüne Wärmepumpen-Hoffnung hat eine eklatante Schwachstelle

Leserfavoriten: Generation Babyboomer: „Viele Babyboomer sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen“

US-Subventionen: Ein Wirtschaftskrieg zwischen Europa und den USA ist kaum mehr zu vermeiden

Rüstung: Europas Superpanzer: Drei Hälften aus einem Hendl

Vier-Tage-Woche: Sind 80 Prozent die neuen 100?

Banken: Diese neuen Funktionen bekommt die Girocard

„Kleben und kleben lassen“: Söder verhöhnt bei Lanz Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ .
Die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ spalten Deutschland und sind auch beim ZDF-Jahresrückblick von Markus Lanz Thema. Markus Söder lässt sich aus. München – Temperaturrekorde, Waldbrände, Ernteausfälle – Europa glüht im Sommer und wird von Naturereignissen heimgesucht. Auch 2022 wieder. Strittig ist bei den allermeisten Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft längst nicht mehr, ob diese Katastrophen mit dem Klimawandel zusammenhängen. Intensiv wird nun darüber diskutiert, wie man das Thema Tag für Tag auf die Agenda bringen darf und sollte. Und hier scheiden sich die Geister.

usr: 6
Das ist interessant!