Finanzen Hohe Nachfrage nach Edelmetall: Anleger hamstern Gold

09:40  23 märz  2020
09:40  23 märz  2020 Quelle:   tagesspiegel.de

Marcel Schrötter mit starkem Finish: "Gehörte zu den absolut Schnellsten"

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Privatleute kaufen derzeit so viele Barren und Münzen, dass Händler Lieferschwierigkeiten bekommen. Warum der Goldpreis trotzdem fällt.

Das Edelmetall Gold , häufig als Krisenwährung gepriesen, hat ansgesichts der Corona-induzierten Börseneinbrüche ebenfalls Federn gelassen: Die Feinunze ist von ihrem Februar- Hoch Ein weiterer wesentlicher Punkt, der den Goldpreis bestimmt, ist die Nachfrage der Anleger und Investoren.

Privatleute kaufen derzeit so viele Barren und Münzen, dass Händler Lieferschwierigkeiten bekommen. Warum der Goldpreis trotzdem fällt.

Anders als Aktien können Anleger Gold jetzt in der Regel noch mit Gewinn verkaufen. © Foto: imago/blickwinkel Anders als Aktien können Anleger Gold jetzt in der Regel noch mit Gewinn verkaufen.

Auch Anleger hamstern derzeit: und zwar Gold. Bei vielen Händlern sind Barren und Münzen größtenteils ausverkauft. Im Onlineshop des Händlers Degussa bekommt man derzeit weder einen ein Gramm leichten Barren noch einen 500 Gramm schweren. Einzig Goldbarren mit einem Gewicht von einem Kilogramm waren am Freitag bei Degussa noch zu haben. Dafür zahlt man dann aber fast 50.000 Euro. Klassische Münzen wie der Krügerrand in Gold waren ebenfalls in fast allen Varianten ausverkauft. „Derzeit haben wir eine große Zahl von Bestellungen“, schreibt der Händler. Man arbeite mit Hochdruck daran, jeden Auftrag „schnellstmöglich zu bearbeiten“. Die Bestände würden sukzessive aufgefüllt.

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Da Gold sehr schwer ist, macht man sich diese Eigenschaft zunutze und wäscht das Edelmetall tatsächlich aus dem übrigen Material heraus. Im Wasser scheidet sich das schwere Gold von leichteren Stoffen ab und sinkt zu Boden. Dort kann es eingesammelt werden.

Bei anderen Händlern sieht die Lage ähnlich aus. Bei Pro Aurum sind viele Barren zwar theoretisch noch zu bekommen, das Unternehmen hat derzeit allerdings Probleme mit der Auslieferung: Der Wertlogistiker Prosegur, der für Pro Aurum bislang Edelmetall ab einem Wert von 25.000 Euro ausgeliefert hat, fährt vorerst keine Privatkunden mehr an.

Pro Aurum hat deshalb entschieden, seinen Onlineshop von Montag bis Mittwoch zu schließen. Das soll wohl auch helfen, den bereits aufgelaufenen Kaufaufträgen Herr zu werden. Der Händler berichtet von einer „wahren Flut von Aufträgen“. 5000 Kaufordern seien derzeit noch in der Pipeline, die nun nach und nach abgearbeitet werden sollen. Einem Sprecher zufolge war selbst zu Zeiten der Eurokrise die Nachfrage von Privatleuten nach Gold nicht so groß wie derzeit. Dabei haben Anleger auch damals verstärkt Gold gekauft. Schließlich gilt es als Krisenwährung, als sicherer Hafen.

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2017 hat die Nachfrage nach physischem Gold zu Anlagezwecken deutlich nachgelassen. Dabei gilt das Edelmetall als der sichere Hafen in unsicheren und turbulenten Zeiten schlechthin. Das liegt hauptsächlich an der schwachen Nachfrage der Investoren – diese ist fast um ein Viertel gefallen.

Vor einem Monat stand der Goldpreis noch acht Prozent höher

Das Paradoxe an der jetzigen Situation ist allerdings: Obwohl Privatleute gerade enorm viel Gold kaufen, ist der Preis zuletzt gefallen. Am Freitag hat er sich zwar wieder leicht erholt, liegt aber immer noch fast zehn Prozent tiefer als vor einem Monat. Der Grund: Der Goldpreis hängt vom Weltmarkt ab und damit vor allem von den Großinvestoren. Und anders als Privatleute haben die sich zuletzt eher von Gold getrennt.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege bei der Commerzbank, erklärt das so: „Institutionelle Anleger versuchen derzeit, möglichst viel zu verkaufen. Neben Aktien trifft das auch Gold.“ Zumal sie das Edelmetall, je nachdem, wann sie es erworben haben, jetzt durchaus noch mit Gewinn loswerden – was bei vielen Aktien nicht der Fall ist. Gleichzeitig brauchen manche Profianleger derzeit auch schlicht Geld, weil Broker verlangen, dass sie angesichts der fallenden Aktienkurse zusätzliche Sicherheiten hinterlegen. Das ist vor allem bei Geschäften der Fall, die die Anleger auf Kredit abgewickelt haben. Den Aufruf, Geld nachzuschießen, nennt man in der Fachsprache auch „Margin Call“. Aus der Schweiz heißt es, dass neben Gold aus diesem Grund inzwischen auch vermehrt Kunstwerke zum Verkauf angeboten werden.

Edelmetall: Warum der Goldpreis trotz Börsencrash fällt

  Edelmetall: Warum der Goldpreis trotz Börsencrash fällt Edelmetall: Warum der Goldpreis trotz Börsencrash fälltEs scheint paradox: An den globalen Aktienmärkten herrscht Panik. Die US-Börsen sind innerhalb weniger Wochen um 20 Prozent eingebrochen. Der deutsche Leitindex Dax hat seit Januar über 30 Prozent verloren. Doch ausgerechnet die Krisenwährung Gold kann davon kaum profitieren. Das Edelmetall ist auf Monatssicht sogar leicht im Minus.

Außerdem verfügt Gold über eine hohe Dichte. Gold gilt als sichere Anlage und ist in Krisenzeiten sehr beliebt als Absicherungsmittel. Gold ist aufgrund seiner Eigenschaften auch einer der wichtigsten Industrierohstoffe. Das gelbe Edelmetall lässt sich leicht verarbeiten und leitet Elektrizität und Wäre.

Gold oder Geld? Viele Vermögensverwalter halten die Rallye des Edelmetalls für beendet. Goldfans haben jahrelang vom Boom des Edelmetalls profitiert. Doch der Preis rutscht ab. Eine Umfrage unter Vermögensverwaltern hat jetzt erbracht: Die meisten Profis halten die Rallye für tot.

Fallen lässt den Goldpreis außerdem auch die sinkende Nachfrage nach Gold für die Schmuckindustrie. Vor allem in China, einem der größten Absatzmärkte für Schmuck, kaufen die Menschen derzeit kaum noch Goldketten oder -ringe.

Trennen sich auch Notenanken vom Gold?

Unklar ist derweil, ob auch die Notenbanken den Goldpreis nach unten bewegen. Denn auch sie besitzen hohe Goldreserven als Sicherheit. Ob sie die nun zum Teil verkaufen, ist aber nicht bekannt. „Gezwungen sind sie dazu derzeit noch nicht“, meint Schickentanz. „Es könnte aber sein, dass auch die Notenbanken Gewinne mitnehmen wollen.“ Wie Anleger profitieren auch die Notenbanken, wenn sie Gold teurer verkaufen können, als sie einst dafür ausgegeben haben.

Gold hingegen derzeit zu kaufen, wie es viele Privatanleger tun, ist ein Risiko. Denn Anleger verdienen an dem Edelmetall nur, wenn sein Preis steigt. Dass die Coronakrise Gold langfristig teurer macht, ist aber längst nicht gesagt. Zumindest hat sich Gold in den letzten Wochen bislang nicht als Krisenwährung bewährt – sonst wäre der Preis schon jetzt kräftig gestiegen und nicht gefallen. Grundsätzlich warnen Verbraucherschützer davor, nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens in Gold zu investieren.

Wall Street nach tiefrotem Start vom Handel ausgesetzt - Fed-Leitzinssenkung belastet zusätzlich

  Wall Street nach tiefrotem Start vom Handel ausgesetzt - Fed-Leitzinssenkung belastet zusätzlich Obwohl die US-Notenbank Federal Reserve an der Zinsschraube gedreht hat, befindet sich die Wall Street weiter in unruhigem Fahrwasser und erneut wird der Handel gestoppt. © Bereitgestellt von Finanzen.net DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images Der Dow Jones brach zum Handelsstart am Montag 9,78 Prozent auf 20.917,53 Punkte ein. Damit verletzte er die Limit-Down-Regel, welche ab einem Minus von 5 Prozent greift und wurde zum wiederholten Male zunächst vom Handel ausgesetzt. Der S&P 500 fiel derweil um rund 8 Prozent und verletzte somit auch die Limit-Down-Marke.

Anleger , die in Gold investieren, mussten im vergangenen Jahr einen deutlichen Preisrückgang verkraften. So reduzierte sich der Goldpreis in Euro um mehr als 30 Obwohl also die Nachfrage nach Gold und Silber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau ist, reduzierte sich der Goldpreis stetig.

GeldanlageHohe Nachfrage nach Silbermünzen. Die Preise für Silber und Gold stagnieren, aber Münzen gehen gut weg. Der Preisrückgang bei Gold und Silber ist umso bemerkenswerter, wenn man sich die starke physische Nachfrage bei den zwei Edelmetallen anschaut.

Die geschlossenen Grenzen werden zum Problem

Privatanleger schreckt das aber aktuell nicht ab, sie kaufen weiter. Dass die Händler ihre Nachfrage derzeit nur schwer bedienen können, hat auch mit den Grenzschließungen zu tun. Die großen Barrenhersteller wie Argor Heraeus sitzen im Tessin, in der Schweiz. Viele ihrer Mitarbeiter wiederum kommen aus Italien, pendeln normalerweise über die Grenze. Berichten zufolge sollen manche von ihnen bereits in Hotels einquartiert worden sein, um die Produktion am Laufen halten zu können.

Gleichzeitig stehen die Transporter, die das Gold nach Deutschland bringen, wie andere Lieferanten auch an den Grenzen im Stau. Das Gold alternativ aus den USA oder Kanada zu holen, ist aber keine Alternative: Die Preise für Interkontinentalflüge für Fracht hätten stark zugenommen, heißt es bei Pro Aurum. Der Händler stellt sich deshalb auf weitere Unsicherheiten ein. „Unter Umständen erreicht uns Ware nicht mehr, die wir bereits vor mehreren Tagen gekauft und bezahlt haben“, sagt ein Sprecher.

Anleger zahlen sehr viel mehr als den Materialwert

Auch für Anleger ist das ein Risiko. Die Händler gehen davon aus, dass die Aufgelder fürs Gold weiter steigen werden. Das heißt: Wer jetzt einen Barren kauft, zahlt dafür mehr, als das Gold an sich gerade wert ist. Ein gewisses Aufgeld ist zwar normal, in Krisenzeiten aber fällt es besonders hoch aus. Nach der Finanzkrise zum Beispiel mussten Anleger für eine Krügerrand-Münze zeitweise ein Aufgeld von 13 Prozent zahlen.

Börsenkurse rutschen auf neue Tiefstände

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Was den Kauf ebenfalls erschwert: Wie andere stationäre Geschäfte mussten auch die meisten Goldhändler ihre Filialen inzwischen schließen. Umso mehr wird online verkauft. Bei Pro Aurum etwa ist der Webshop zuletzt zehn Mal häufiger besucht als sonst. Nun ist auch der aufgrund der Lieferprobleme geschlossen. Am Donnerstag soll er wieder öffnen – aber auch dann nur mit einer „stark eingeschränkten Produktauswahl“.

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