Finanzen Sexarbeit: Die Erotikbranche fürchtet das Total-Verbot

17:40  30 mai  2020
17:40  30 mai  2020 Quelle:   handelsblatt.com

Jeff Lynne’s ELO: Tour im Herbst 2020 abgesagt

  Jeff Lynne’s ELO: Tour im Herbst 2020 abgesagt Das Corona-Verbot für Großveranstaltungen macht auch nicht vor Jeff Lynne’s ELO halt. Leider gibt es keine neuen Termine für die Shows. © Bereitgestellt von www.rollingstone.de Jeff Lynne's ELO Das Corona-Verbot für Großveranstaltungen macht auch nicht vor Jeff Lynne’s ELO halt. Leider gibt es kein Jeff Lynne’s ELO wollten im Herbst 2020 eigentlich auf Konzertreise nach Deutschland kommen. Gigs in Hamburg, Berlin, Köln und München hätten zwischen dem 26. und 30. September auf dem Plan gestanden.

Menschenleer und nahezu unbeleuchtet ist der Eingang zu einem Bordell an der Hamburger Reeperbahn. Prostitution bleibt erstmal verboten. © dpa Menschenleer und nahezu unbeleuchtet ist der Eingang zu einem Bordell an der Hamburger Reeperbahn. Prostitution bleibt erstmal verboten.

Während Tattoo-Studios wieder öffnen, bleiben Bordelle auf unbestimmte Zeit geschlossen. Einblicke in eine Branche, die fürchtet, nebenbei verboten zu werden.

Anna ist 50 Jahre alt und arbeitet in Berlin als Prostituierte. Ihren letzten Kunden hatte sie im März. Eine Dienstleistung, die aus Nähe Profit macht, verkauft sich nicht gut in Zeiten einer Pandemie.

Schon damals war die ihre Verunsicherung groß: „Wir haben viel mit den Kunden über Corona geredet und geschaut, ob sie Fieber haben“, erinnert sich Anna an die Zeit vor dem Shutdown. Kurz danach musste sie aufhören zu arbeiten. Seitdem verbringt sie ihre Zeit mit Hoffen. Darauf, dass sie irgendwann wieder wird arbeiten können.

Total Films brandneue Tenet-Cover enthüllt

 Total Films brandneue Tenet-Cover enthüllt © Bereitgestellt von Total Film Total Films Tenet-Tease Total Film hat die brandneuen Cover für die kommende Ausgabe mit Christopher Nolans Tenet enthüllt. Das Magazin kommt diesen Freitag, den 29. Mai, in die Regale, und auch Kopien finden ihren Weg zu den Abonnenten. Abonnenten von Total Film erhalten ein exklusives Cover mit John David Washingtons Protagonist und das Cover des Zeitungskiosks mit Washington und Robert Pattinson. Schauen Sie sich die Abdeckungen unten an.

Anna widerspricht in vielerlei Hinsicht dem Bild, das häufig von der Sexarbeit gezeichnet wird. Sie ist nicht jung und wird zu dem, was sie tut, nicht gezwungen. Sie sagt: „Ich liebe meine Arbeit“. So schnell wie möglich will sie wieder einsteigen. Unter den bestehenden Hygieneregeln versteht sich.

Vor allem will sie aber eines: ernst genommen werden. „Viele haben ein falsches Bild von uns“, sagt sie. „Entmündigt“ fühle sie sich – vor allem angesichts eines Briefes, der das gesamte Erotikgewerbe in Angst versetzt, zurück in die Illegalität zu müssen.

Wie Anna arbeiten in Deutschland viele Tausend Frauen in der Prostitution. Wie viele es genau sind, darüber wird gestritten. Sechzehn Bundestagsabgeordnete aus CDU und SPD, darunter Karl Lauterbach und Herrmann Gröhe, sprechen in einem offenen Brief an die Ministerpräsidenten der Länder von 400.000 Prostituierten.

Christopher Nolan über Tenet: "Dies ist definitiv die längste Zeit, die ich je ohne James Bond-Film verbracht habe."

 Christopher Nolan über Tenet: © Bereitgestellt von Total Film John David Washington und Elizabeth Debicki in Tenet. Christopher Nolan hat aus seiner Verehrung für die James Bond Filme kein Geheimnis gemacht. Der Regisseur war mit der Regie fast aller 007-Spielfilme verbunden, aber es gibt immer noch keine Anzeichen für ein von Nolan unterstütztes Bond-Bild. Diese Liebe zum Spionagenre fließt jedoch durch Tenet. Nolan hat jedoch sein Bestes getan, um keine Filme anzusehen, die ihn offen beeinflussen könnten.

Sie rufen dazu auf, Sexarbeit auf keinen Fall wieder zu ermöglichen. „Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die epidemiologische Wirkung eines Super-Spreaders hätte“, heißt es in dem Schreiben. Die Abgeordneten fordern außerdem die Einführung des sogenannten „nordischen Modells“, um die Frauen vor den „menschenunwürdigen“ und „zerstörerischen“ Zuständen in der Prostitution zu schützen.

Das Modell stammt aus Skandinavien. In Schweden, Norwegen und Island und inzwischen auch in einigen anderen Ländern, werden nicht die Frauen, sondern die Freier für die sexuelle Dienstleistung bestraft. In Deutschland hingegen ist Sexkauf legal, solange es sich nicht um Minderjährige oder Zwangsprostituierte handelt. Das „nordische Modell“ käme einem Verbot gleich. Ein Verbot, dem Corona als Vorwand dienen könnte.

Die Sozialarbeiterin

Die Zahl von 400.000 Prostituierten ärgert Juanita Henning. Die Sozialarbeiterin geht von höchstens 90.000 Frauen aus, die in Deutschland ihr Geld in Deutschland mit Sexarbeit verdienen. Die Zahl beruht auf Recherchen ihres Vereins Doña Carmen, der mitten im Frankfurter Rotlichtbezirk Prostituierte in drei Sprachen berät.

John David Washington über Tenet: "Es ist ein eigenes Genre: Es ist das Nolan-Genre."

 John David Washington über Tenet: © Zur Verfügung gestellt von Total Film Robert Pattinson und John David Washington in Tenet. Obwohl Christopher Nolans neuer Film bald in die Kinos kommen wird, bleibt Tenet ein Rätsel. Wir wissen, dass Tenet ein "internationaler Spionagethriller" ist, bei dem sich jemand um "Zeitumkehrung" dreht - aber das war es auch schon. "Es ist offensichtlich genrebiegsam", sagt John David Washington, der die Hauptrolle des Films spielt, gegenüber unserer Schwesterpublikation Total Film .

Unstrittig ist nur, dass 33.000 Frauen offiziell bundeweit registriert sind. Dass um die Dunkelziffer so heftig gestritten wird liegt auch daran, dass daran die Deutungshoheit über die Branche hängt. Wie viele Frauen sind tatsächlich aus Zwang in ihrem Beruf?

Juanita Henning kümmert sich seit über 30 Jahren um Prostituierte in Frankfurt – sie kennt das Milieu. Die Darstellung, viele der Frauen seien macht-, mittel- und obdachlos, ärgert sie. Momentan ärgert sie einiges: das Berufsverbot, die langsame Arbeit der Behörden und die drohende Kriminalisierung der Erotikbranche. „Illegale Strukturen sind noch schwieriger zu kontrollieren“, sagt sie. Sie sehe schon jetzt, dass manche Frauen ihre Stammfreier weiterhin bedienen. Jenseits aller behördlichen Kontrollen.

Die Bordellbetreiberin

Auch die Inhaberin des Bordells „Lauras Girls“ erlebt, dass Prostitution zu Coronazeiten weiterhin stattfindet: „Frauen in finanzieller Notlage organisieren sich Dates in den sozialen Medien“, sagt sie. Ihr Nachname tue nichts zur Sache, das was sie zu sagen habe dagegen schon: „Unser Standpunkt geht in der Hygienediskussion unter“.

Große Kreuzfahrtschiffe, die bis Ende Oktober aus kanadischen Gewässern verbannt sind: Garneau

 Große Kreuzfahrtschiffe, die bis Ende Oktober aus kanadischen Gewässern verbannt sind: Garneau © Bereitgestellt von The Canadian Press OTTAWA - Die Kreuzfahrtsaison in Kanada ist so gut wie tot, da Ottawa das Verbot von Schiffen in kanadischen Gewässern bis Ende Oktober verlängert . -Verkehrsminister Marc Garneau sagt, dass Passagierschiffe mit Übernachtungsmöglichkeiten für mehr als 100 Passagiere erst am 31. Oktober in kanadischen Gewässern eingesetzt werden können. Im März hat die Regierung Schiffe mit mehr als 500 Passagieren bis zum 1.

Sie betreibt zwei Etablissements in Speyer und Karlsruhe, die anders als viele andere Häuser eine offizielle Betriebsgenehmigung haben. „Wenn man seine Pflichten erfüllt, sollte man auch die entsprechenden Rechte bekommen“, findet sie. Das Recht beispielsweise, den Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen zu können. So wie Restaurants, Hotels und Piercingstudios.

Für Laura geht es um die Existenz, denn die Kosten für etwa den Lohn der Hausdame, Heizung, Steuerberater und Anwalt laufen weiter, während die kompletten Einnahmen wegfallen.

Normalerweise mieten die Frauen bei ihr für einige Tage ein Zimmer, reisen dann weiter. Für wie lange ihr Haus geschlossen bleiben muss, kann niemand sagen. „Anfangs hieß es vier Wochen, daraus wurden sechs und dann acht. Jetzt sind wir an einem Punkt wo wir über ein Komplettverbot reden“, beschreibt Laura ihre Situation. Sie habe Angst, „wieder in die illegale Schiene zu rutschen“.

Der Anwalt

In Frankfurt haben sich elf von Lauras Kollegen zusammengetan, um vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen die Komplettschließung ihrer Bordelle zu klagen. Rechtsanwalt Michael Karthal vertritt sie. Seine Normenkontrollklage richtet sich gegen die Verordnung des Landes, Prostitution wegen der Corona-Pandemie komplett zu untersagen.

Entscheidung über eine Live-Exportklage aus der Gillard-Ära, die heute eingereicht werden soll

 Entscheidung über eine Live-Exportklage aus der Gillard-Ära, die heute eingereicht werden soll Ihr Browser unterstützt dieses Video nicht Das Bundesgericht wird heute Morgen seine Entscheidung in einer langjährigen Sammelklage von nordaustralischen Viehzüchtern über die Gillard treffen Verbot von Lebendausfuhren durch die Regierung. Die Viehzüchter fordern bis zu 600 Millionen US-Dollar für Verdienstausfälle und Schäden, die sie aufgrund des Verbots von 2011 erlitten haben.

Karthal erklärt: „Wir beziehen uns auf den Gleichheitsgrundsatz und wehren uns gegen das allgemeine Berufsverbot“. Auch Bordelle seien in der Lage, Hygienekonzepte vorzustellen und einzuhalten.

Einen Vorschlag, wie das konkret aussehen könnte, hat der Unternehmerverband Erotikgewerbe Deutschland (UEGD) vorgelegt. Das 44 Seiten lange Papier präsentiert Möglichkeiten für Bordelle, die Hygienebestimmung auch bei laufendem Betrieb einzuhalten.

In einer ersten Phase sollen nur erotische Massagen erlaubt sein. Sobald die Politik aber schweißtreibenden Nahkampf wie Ringen oder Boxen wieder freigibt, solle auch käuflicher Geschlechtsverkehr wieder möglich sein. Ansonsten sieht das Dokument dieselben Regeln vor, wie bei anderen Betrieben auch: Mundschutz, Abstand, Desinfektionsmittel und Homeoffice für Büroarbeit.

Die Aktivistin

Für Stephanie Klee ist es nicht das erste Mal, dass Politiker ihren Beruf verbieten wollen. Sie ist studierte Sozialarbeiterin und Verwaltungswirtin und setzt sich seit den 1970er-Jahren für die Rechte der Sexarbeiterinnen ein, ist Veteranin des langen Kampfes für legale Prostitution. Eigentlich arbeitet sie im Altenheim, kümmert sich dort um die sexuellen Bedürfnisse der Bewohner. Momentan ist sie mal wieder damit beschäftigt, das Bild ihrer Branche geradezurücken.

In einem Brief fordert sie als Vorsitzende des Bundesverbands Sexuelle Dienstleistungen die Abgeordneten auf, sich mit der Realität ihrer Arbeit zu beschäftigten. Ein Verbot hätte Sexarbeiterinnen noch nie Schutz gebracht, heißt es. Ihr Vorwurf an die Politiker: „Die wollen Corona für ihre politische Agenda nutzen“. Die Darstellung der Prostitution als Infektionsherd sei beleidigend. „Wir sind erfahrener mit Hygiene als andere“, sagt Klee.

IG Metall fürchtet in Corona-Krise «sozialen Kahlschlag»

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HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten hätten die Arbeiterinnen sehr sensibel für die Gefahr von Keimen gemacht. „Es gibt immer noch zu viele Vorurteile“, sagt Klee „dabei sind wir doch ein Teil der Wirtschaft und der Gesellschaft“.

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