Finanzen Nur ein Mitarbeiter kontrollierte Wirecard: Die Bundesregierung kündigt der Prüfstelle

19:06  28 juni  2020
19:06  28 juni  2020 Quelle:   tagesspiegel.de

Wirecard droht Klagewelle

  Wirecard droht Klagewelle Aschheim/Düsseldorf. Auf den Zahlungsabwickler Wirecard kommen neue rechtliche Auseinandersetzungen zu, nachdem Wirtschaftsprüfer Hinweise auf aufgeblähte Bilanzen gefunden haben. Und der Aktienkurs des Dax-Konzerns bricht am Mittag zeitweise um über 60 Prozent ein. © Peter Kneffel Das Wirecard-Logo (Symbolbild).

Bericht: Bundesregierung kündigt nach Wirecard -Skandal Vertrag mit „Bilanzpolizei“. Dieser privatrechtlich organisierte Verein kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen und hat im Fall von Allerdings sei nur ein Mitarbeiter auf den Fall angesetzt worden. In der Regel kämen bei einem Fall Allerdings hätte sie hierzu die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beauftragen müssen.

Frankfurt: Im Fall des Zahldienstleisters Wirecard war offenbar nur ein einziger Mitarbeiter eingesetzt, um die Betrugsvorwürfe zu prüfen - und das, obwohl es seit Anfang 2019 einen Nach geltendem Recht musste sie für die Untersuchung die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung beauftragen.

Im Wirecard-Skandal geraten Aufsicht und Prüfer zunehmend in Bedrängnis. Die Bundesregierung zieht jetzt erste Konsequenzen.

Nach einem Bilanzskandal hat Wirecard Insolvenz beantragt. © Foto: dpa Nach einem Bilanzskandal hat Wirecard Insolvenz beantragt.

Felix Hufeld wird in dieser Woche einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Am Mittwoch soll der Chef der Finanzaufsicht Bafin vor dem Finanzausschuss des Bundestages erscheinen. Der Grund: die Wirecard-Affäre.

Denn mit der Pleite des Konzerns geraten nun zunehmend diejenigen unter Druck, denen hätte auffallen müssen, dass da etwas nicht stimmt in der Bilanz des Finanzdienstleisters aus der Nähe von München.

Wirecard: Treuhandkonten mit Milliarden Euro gibt es wohl nicht

  Wirecard: Treuhandkonten mit Milliarden Euro gibt es wohl nicht Für Wirecard wird die Luft immer dünner. Nun musste der Dax-Konzern eingestehen: Die vermissten 1,9 Milliarden Euro gibt es mit ziemlicher Sicherheit nicht. Über die Zukunft des Unternehmens entscheiden jetzt die Banken. © picture-alliance/dpa/S. Hoppe Provided by Deutsche Welle Im Skandal über die verschwundenen Milliarden des Zahlungsabwicklers Wirecard meldet sich nun der Vorstand zu Wort. Das in der Bilanz des Unternehmens ausgewiesenen 1,9 Milliarden Euro Bankguthaben auf Treuhandkonten würde mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen", heißt es in einer Stellungnahme.

Der Vorstand der Wirecard AG habe heute entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Die Pleite des einstigen Vorzeigeunternehmens Wirecard hält die Republik in Atem. Wie können sich 1,9 Milliarden Euro als ´Luftbuchungen´ entpuppen? Dafür ist das Management verantwortlich. Doch die Buchprüfer haben das Finanzloch übersehen. Auch die staatliche Finanzaufsicht trifft eine Mitschuld.

Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro sollen da getätigt worden sein: Es wurde also auf dem Papier Geld gutgeschrieben, das das Unternehmen nie eingenommen hat.

Dass das nicht früher aufgefallen ist, könnte auch an der Art und Weise liegen, wie die Finanzaufsicht arbeitet. Denn statt die Bilanzen eines Unternehmens in einem solchen Fall selbst zu prüfen, hat die Bafin damit die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beauftragt. Das ist – anders als der Name vermuten lässt – keine staatliche Behörde, sondern ein privatrechtlich organisierter Verein.

Dennoch ist er laut Gesetz für solche Aufgaben zuständig. Zumindest noch. Denn die Bundesregierung will der Prüfstelle als Reaktion auf den Wirecard-Skandal jetzt kündigen, wie ein Sprecher des Justizministeriums bestätigt.

Bilanzskandal: Wirecard stellt Insolvenzantrag

  Bilanzskandal: Wirecard stellt Insolvenzantrag Der Zahlungsdienstleister ist zahungsunfähig.Wirecard hatte früher bereits mitgeteilt, dass 1,9 Milliarden Euro, die das Unternehmen auf Treuhänderkonten verbucht hatte, „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ nicht existieren. Deswegen prüft der Konzern die nachträgliche Korrektur seiner Bilanzen: „Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden“, hieß es.

Der Wirecard -Skandal ist eine Pleite für alle. So schnell ist wohl noch kein führender Konzern in Deutschland zusammengebrochen. Gerade mal eine Woche hat es bei der Wirecard AG gedauert, bis auf das Bekanntwerden eines Finanzlochs in Milliardenhöhe die Ankündigung folgte, man werde

Was die Wirecard -Insolvenz bedeutet. RP ONLINE vor 2 Std. Warum musste Wirecard Insolvenz anmelden? Das deutsche Insolvenzrecht schreibt diesen Und die Mitarbeiter ? Wirecard hat rund 5800 Beschäftigte. Insolvenzgeld bekommen sie in einem vorläufigen Insolvenzverfahren noch nicht.

Ein einzelner Mitarbeiter hat sich mit Wirecard befasst

Der Grund für Kündigung: Obwohl die Bafin die DPR bereits vor 16 Monaten mit der Prüfung der Bilanzen des Finanzdienstleisters beauftragt hat, ist sie bis heute zu keinem Ergebnis gekommen.

Das dürfte auch daran liegen, dass sich bei dem Verein nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nur ein einziger Mitarbeiter mit Wirecard befasst hat. Private Prüfungsgesellschaften setzen an solche Fälle eigentlich dutzende Mitarbeiter. Die DPR war dafür aber offenbar unterbesetzt und holte sich auch keine externe Hilfe.

Die Kündigung dürfte allerdings nur ein erste Schritt sein. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat bereits vergangene Woche eine grundsätzliche Reform der Aufsicht gefordert. „Wir müssen unsere Aufsichtsstrukturen auch überdenken“, sagte er. Damit reagiert er womöglich auf die Kritik aus Brüssel. Die EU lässt das Vorgehen der deutschen Finanzaufseher in dem Bilanzskandal nämlich bereits von der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA überprüfen.

Wirecard will Antrag auf Insolvenzverfahren stellen

  Wirecard will Antrag auf Insolvenzverfahren stellen Wirecard steht vor der Pleite. Der wegen eines Bilanzskandals schwer angeschlagene Zahlungsdienstleister stellte einen Antrag auf Insolvenz. Die Deutsche Börse setzte den Handel mit der Aktie vorerst aus. © imago Provided by Deutsche Welle Wirecard steht vor der Pleite. Angesichts eines 1,9 Milliarden Euro schweren Lochs in der Bilanz meldete der Zahlungsverkehrs-Anbieter Insolvenz an.

Hunderte Mitarbeiter des Unternehmens sind Tests zufolge infiziert. Die Schließung hat Auswirkungen auf den Markt für Fleischprodukte in Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestoppt. Hunderte Mitarbeiter des Unternehmens sind Tests

Gedenkt die Bundesregierung für Klarheit zu sorgen und die These von der Fortexistenz des Die Meinungen gehen hier offenbar auseinander. Zwar bemüht sich die Bundesregierung in ihrer Wirecard -Skandal: Konzern räumt Luftbuchungen in Milliardenhöhe ein – Ex-Chef festgenommen.

Auch die Wirtschaftsprüfer müssen Fragen beantworten

In Bedrängnis geraten neben der staatlichen Aufsicht auch die privaten Wirtschaftsprüfer. Denn den Mitarbeitern von EY, die die Bücher von Wirecard seit Jahren untersuchen, hätten die Luftbuchungen ebenfalls auffallen müssen. Medienberichten zufolge sollen sie es in den Vorjahren verpasst haben, sich bei den Banken bestätigen zu lassen, dass Wirecard tatsächlich die ausgewiesenen Summen auf ihren Konten liegen hat.

Dabei gehört „die Überprüfung der Existenz von Bankguthaben zu den eher leichteren Aufgaben eines Abschlussprüfers“, schreibt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Sie hat Strafanzeige gegen zwei amtierende und einen ehemaligen Abschlussprüfer von EY gestellt.

„Die Prüfer hätten gut daran getan, nach Manila zu fahren und mit den zwei Banken zu reden“, meint auch Michael Geschrei, Vorstandssprecher des Verbands für mittelständische Wirtschaftsprüfung. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ spricht er von einem „Supergau“ für die Branche: „Die Prüfer haben bei Wirecard wohl nicht genau hingeschaut.“

Er kritisiert zudem das System: So werde die Prüfungsgesellschaft selbst von einer Aufsicht überwacht, in der langjährige Mitarbeitern der großen Prüfungsgesellschaften sitzen. mit dpa

Zahlungsdienstleister: Wirecards Kerngeschäft laut „FT“ seit Jahren mit Verlusten .
Zahlungsdienstleister: Wirecards Kerngeschäft laut „FT“ seit Jahren mit Verlusten

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