Finanzen Wirecard-Bilanzskandal: Der tiefe Fall der einstigen DAX-Hoffnung

09:42  02 august  2020
09:42  02 august  2020 Quelle:   finanzen.net

Hilfe für Wirecard von ganz oben

  Hilfe für Wirecard von ganz oben Im Wirecard-Skandal rückt zunehmend die Rolle der Politik in den Fokus und das auf höchster Ebene. Das Kanzleramt setzte sich im vergangenen Herbst für den geplanten Markteintritt des Zahlungsdienstleisters in China ein. © picture-alliance/SvenSimon/F. Hoermann Provided by Deutsche Welle Wie eine Regierungssprecherin bestätigte, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am 3. September 2019, kurz vor einer China-Reise, mit dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über die Pläne des Unternehmens, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen.

Nach Bilanzskandal . Dax -Konzern Wirecard beantragt Insolvenz. 25.06.2020, 14:40 Uhr | mak, rtr, dpa-AFX Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist pleite. Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal stellte das An der Frankfurter Börse stürzte die Wirecard -Aktie ein weiteres Mal in die Tiefe , die

Die Papiere des im Bilanzskandal versunkenen Zahlungsabwicklers waren am Donnerstag erstmals seit Sommer 2011 wieder zu einem einstelligen Kurs gehandelt worden. Der Dax -Konzern wickelt als Dienstleister elektronische und bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet ab.

Das Finanzdienstleistungsunternehmen Wirecard galt lange Zeit als deutsches Vorzeigeunternehmen im Bereich von Payment-Lösungen. Auf den kometenhaften Aufstieg des Konzerns folgte nun jedoch der bittere Absturz, welcher Milliarden von Investorengeldern vernichtete.

Thomas Lohnes/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net GmbH Thomas Lohnes/Getty Images

• Staatsanwaltschaft vermutet Betrug ab 2015

• Ex-Manager ist auf der Flucht

• Die 1,9 Milliarden hat es vermutlich nie gegeben

Obleute des Finanzausschusses vereinbaren Sondersitzung zum Wirecard-Skandal

  Obleute des Finanzausschusses vereinbaren Sondersitzung zum Wirecard-Skandal Der Finanzausschuss des Bundestags plant kommende Woche eine Sondersitzung zur Aufklärung der Vorgänge im Wirecard-Skandal. Die Obleute des Ausschusses einigten sich auf diesen Schritt bei Beratungen am Montagvormittag, wie die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Paus, erklärte. Vorbehaltlich der Genehmigung des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) sei die Sondersitzung für den 29. Juli anberaumt worden. Dazu seien auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geladen worden.

Oliver Bellenhaus war für die Wirecard -Tochter in den Emiraten verantwortlich, über die das im Bilanzskandal zentrale Asiengeschäft lief. Hören sie hier die Audio Aufnahme des Artikels:Schlüsselfigur im Wirecard -Skandal legt Geständnis ab.

Wirecard steht vor der Pleite. Angesichts eines 1,9 Milliarden Euro schweren Lochs in der Bilanz Wegen undurchsichtiger Machenschaften ist vom einstigen digitalen Vorzeigeunternehmen in Es ist wohl der größte Bilanzskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Mehr als 10 Milliarden Euro an

Die Geschichte des einstigen DAX-Superstars Wirecard beginnt im Jahr 1999 in München. Nach einer Reihe von Zusammenschlüssen und Kooperationen wurde die damalige Wire Card AG dann im Jahr 2004 durch ein sogenanntes Reverse-IPO im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet. Im Jahr 2006 folgte dann die Umbenennung des Konzerns von Wire Card in Wirecard, sowie die Aufnahme in den Technologieindex TecDAX.

24. September 2018 - der DAX-Aufstieg

Da sich die Geschäfte des Zahlungsdienstleister sowie die Wirecard-Aktien, seit der Aufnahme in den TecDAX prächtig entwickelten, folgte im September 2018 der Aufstieg des Unternehmens in die erste deutsche Börsenliga. Die Aufnahme in den DAX markierte zu dieser Zeit für viele Experten einen regelrechten Paradigmenwechsel in der deutschen Finanzindustrie, da der aufstrebende Payment-Konzern aus Aschheim bei München mit der Commerzbank eine der größten deutschen Banken, welche über Jahrzehnte ihren Platz innerhalb der DAX-Familie inne hatte, ablösen konnte.

Wirecard und Merkels Büro hatten vor dem Zusammenbruch

 Wirecard und Merkels Büro hatten vor dem Zusammenbruch regelmäßigen Kontakt

Der Bilanzskandal beim Dax -Konzern Wirecard zieht nach der Muttergesellschaft nun auch fünf Tochterfirmen finanziell in Mitleidenschaft. Wie das Münchner Amtsgericht am Donnerstag mitteilte, haben diese fünf Firmen nun ebenfalls Insolvenz beantragt.

Die Wirecard -Aktie wurde für 60 Minuten vom Handel ausgesetzt. Das Unternehmen aus München hatte in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstumstempo hingelegt und im September 2018 gar die Commerzbank aus dem Dax verdrängt. Zu Hochzeiten kostete die Aktie 200 Euro, kurz vor dem

Mit einem Preis von zeitweise über 190 Euro markierten die Anteilsscheine zu dieser Zeit auch ihr absolutes Allzeithoch. Zwischen der Aufnahme in den Technologieindex TecDAX im Jahr 2006 und der Erfassung im DAX im Jahr 2018 konnte die Wirecard-Aktie so bis zu 2.800 Prozent an Wert gewinnen.

30. Januar 2019 - die ersten Zweifel

In einer Online-Ausgabe der Financial Times erscheint ein anonymer Bericht über den Wirecard, welcher hochrangigen Managern des Konzerns Betrug und Geldwäsche in Singapur unterstellt. Die Quelle bezog sich in diesem Zusammenhang auf ein internes Papier, welches diese zweifelhaften Geschäftspraktiken thematisiert haben soll. Die Wirecard-Aktien stürzten in Folge dieses Berichtes unmittelbar um rund 21 Prozent ein.

1. Februar 2019 - der zweite Schock

Lediglich zwei Tage nach der ersten kritischen Veröffentlichung, legte das Londoner Wirtschaftsmagazin nach und berichtete über Belege, welche von einer externen Anwaltskanzlei bei einer Prüfung in Singapur aufgefunden wurden sollen, die auf eine schwere Bilanzmanipulation hindeuteten.

Scholz bereitet Reformen vor, um den Druck durch den Wirecard-Skandal zu verringern

 Scholz bereitet Reformen vor, um den Druck durch den Wirecard-Skandal zu verringern Der Plan von Merkels Finanzminister ist ein Versuch, heftige Kritik daran zu unterdrücken, warum sein Ministerium und die Kanzlei keine Maßnahmen ergriffen haben, als sie von möglichen Fehlverhalten erfuhren. Der jüngste Fallout beinhaltet eine Investorenklage gegen die deutsche Finanzaufsichtsbehörde.

Bilanzskandal des DAX -Konzerns. Wie Wirecard tricksen konnte. Haben die Aufsichtsbehörden versagt? Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem vergangene Woche zurückgetretenen Wirecard -Chef Markus Braun vor, mit weiteren mutmaßlichen Tätern die Bilanzsumme und das

Nach dem Bilanzskandal steht der Zahlungsdienstleister offenbar vor der Pleite. Als Reaktion bricht die Aktie um 80 Prozent ein. Der Vorstand habe am Dienstagmorgen entschieden, beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, erklärte der Dax -Konzern.

7. Februar 2019 - der dritte Bericht der Financial Times

In einem dritten Bericht unterstelle die Londoner Wirtschaftszeitung, dem für Asien zuständigen Finanzchef von Wirecard, die vorsätzliche Täuschung der Behörden. Laut der Financial Times soll der hochrangige Manager bis zu sechs weitere Kollegen darüber aufgeklärt haben, wie die Umsätze von Kunden vorgetäuscht werden können, um von den Behörden in Hongkong eine Geschäftslizenz zu erhalten. Im Kern ging es dabei um explizite Ertragsziele, welche der Konzern dem Bericht zufolge nicht auf legalem Weg erreichen konnte.

8. Februar 2019 - Razzia in Singapur

Nur einen Tag nach dem dritten Bericht der Financial Times wurde die Polizei in Singapur aktiv und durchsuchte die Geschäftsräume des Konzerns in der asiatischen Metropole. Welche genauen Ergebnisse und Materialien die Behörden durch die Durchsuchung gewinnen und sichern konnten, ist dabei jedoch unklar geblieben.

Zwischen dem Januar-Hoch und dem Februar-Tief im Jahr 2019 fielen die Anteilsscheine so von rund 167 auf 97 Euro und büßten damit insgesamt über 40 Prozent ein.

Bundesbank-Chef zu Wirecard - Bilanzprüfungen sollten mehr Biss bekommen

  Bundesbank-Chef zu Wirecard - Bilanzprüfungen sollten mehr Biss bekommen Bundesbank-Chef zu Wirecard - Bilanzprüfungen sollten mehr Biss bekommen"Wirecard ist ein Skandal, und dem müssen wir künftig wirksamer vorbauen", sagte er der Funke Mediengruppe (Montagausgaben) einem Vorabbericht zufolge. Man müsse sich ganz genau anschauen, was bei Wirecard passiert sei, um wohlüberlegt die richtigen Schlüsse ziehen zu können. "Es wird aber sicherlich darum gehen, Regeln und Verfahren vor allem bei Wirtschafts- und Bilanzprüfung mehr Biss zu geben.

Derweil gewinnt die Wirecard -Aufarbeitung in Deutschland an Schärfe. Wenige Tage später meldete der Dax -Konzern Insolvenz an. Die Wirecard -Affäre hat inzwischen auch das Kanzleramt erreicht. Die Opposition kritisiert die Rolle der Bundesregierung im Fall Wirecard scharf.

30 Millionen für die Wirecard AG, 20 Millionen für die Wirecard Sales International GmbH und schließlich fast 1,1 Milliarden Für Wirecard ist das eine Katastrophe. Mit einem Mal hängt der einst gefeierte Dax -Aufsteiger am Tropf seiner Wirecard - Bilanzskandal Milliardenklage gegen die Bafin.

18. Februar 2019 - das Leerverkaufsverbot der BaFin

Aufgrund des massiven Kurssturzes der Wirecard-Aktie, welcher sich innerhalb von sehr wenigen Handelstagen vollzog, verhängte die Finanzaufsicht BaFin eine zweimonatige Leerverkaufssperre für die Anteilsscheine des DAX-Konzerns. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sorgte mit diesem Schritt für eine Premiere an der Deutschen Börse, da die Aufsichtsbehörde im Fall Wirecard erstmalig in ihrer Geschichte ein Verbot für Leerverkäufe für ein einzelnes Unternehmen aussprach.

Darüber hinaus wird bekannt, dass die Münchener Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Enthüllungsjournalisten der Financial Times eingeleitet hat.

15. März 2019 - Indien-Geschäft im Visier der Ermittler

Die Ermittlungsbehörden aus Singapur haben Mitte März, nach Angaben des Handelsblatts, auch das Indien-Geschäft von Wirecard unter die Lupe genommen. Ähnlich wie in Singapur gingen die Behörden dabei dem Verdacht der Geldwäsche und Dokumentenfälschung nach.

21. März 2019 - die Financial Times tritt nach

In einem weiteren Bericht der Financial Times wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek von den dubiosen Transaktionen in Singapur, welche im Mittelpunkt der Vorwürfe gegen den Konzern stehen, schon länger gewusst habe.

FDP droht in Wirecard-Skandal mit Untersuchungsausschuss

  FDP droht in Wirecard-Skandal mit Untersuchungsausschuss Vor der Sondersitzung des Finanzausschusses zum Wirecard-Skandal hat die Opposition umfassende Aufklärung durch die Bundesregierung angemahnt und mit einem Untersuchungsausschuss gedroht. "Wir müssen jedes Mittel nutzen, um eine schnelle und umfassende Aufklärung voranzutreiben", erklärte sie.In den Sondersitzungen müssten sich die Abgeordneten darauf verlassen, dass das Bundesfinanzministerium "vollständige und in sich logische Informationen" übermittle, führte Toncar aus. Dies sei bisher "schlicht nicht der Fall" gewesen.

26. März 2019 - erste Erklärungsversuche

Wirecard veröffentlicht einen Teil der Ergebnisse seines internen Prüfberichts, welcher von der in Singapur beheimateten Rechtsanwaltskanzlei Rajah & Tann durchgeführt wurde. Da der Bericht zu dem Ergebnis kommt, dass es möglicherweise nur zu vereinzelten Straftaten lokaler Mitarbeiter in Singapur kam, erholt sich die Aktie kräftig und kletterte zwischen Ende März und Mitte Mai von rund 110 auf über 150 Euro.

17. April 2019 - BaFin greift durch

Aufgrund des Verdachts der Marktmanipulation erstattet die BaFin bei der Staatsanwaltschaft München Anzeigen gegen knapp ein Dutzend Beteiligte. Die Financial Times wies derartige Beschuldigungen jedoch unmittelbar zurück.

22. Juli 2019 - der Gegenangriff von Wirecard

In einem Brief forderte Wirecard die britische Zeitung auf, jegliche Berichterstattung über den Konzern unmittelbar einzustellen. Darüber hinaus drohte Wirecard der Financial Times mit der Veröffentlichung von unwiderlegbaren Beweisen, die eine Zusammenarbeit zwischen der Zeitung und einem Hedgefonds offenlegen.

15. Oktober 2019 - verdächtig hohe Gewinne in Dubai

Die Financial Times veröffentlicht einen weiteren Bericht, welcher die Höhe der Umsätze und Gewinne des Konzerns in Dubai und Irland anzweifelt. Laut den Recherchen der Zeitung sollen so im Jahr 2016 beispielsweise rund die Hälfte der Konzerngewinne über ein in Dubai ansässiges Partnerunternehmen namens Al Alam Solutions entstanden sein.

Sondersitzung des Finanzausschusses zu Wirecard begonnen

  Sondersitzung des Finanzausschusses zu Wirecard begonnen Im Wirecard-Skandal ist der Finanzausschuss des Bundestags in Berlin zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Vor der Sondersitzung drängte die Opposition massiv auf Aufklärung zur Rolle der Bundesregierung in dem Skandal. Linkspartei und AfD sprachen sich bereits für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Die FDP sieht die Sitzung als letzte Chance zur Aufklärung. Die Grünen dagegen rechnen zunächst damit, dass weitere Sitzungen des Finanzausschusses nötig werden.Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet.

21. Oktober 2019 - Wirecard bringt KPMG ins Spiel

9. Dezember 2019 - FT zweifelt an Bar-Reserven

In einem weiteren Artikel der Financial Times werden die ausgewiesenen Bar-Reserven von Wirecard angezweifelt. Laut den Journalisten hat der Zahlungsdienstleister in seiner Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 fremde Gelder, welche auf diversen Treuhandkonten geparkt wurden, kurzerhand zu den eigenen Bar-Reserven hinzuaddiert. Somit wurden ab diesem Tag nicht mehr nur der Gewinn und Umsatz des Konzerns angezweifelt, sondern auch die Cashflow-Rechnung.

28. April 2020 - KPMG kommt zu keinem klaren Ergebnis

Der mehrfach verschobene Prüfbericht von KPMG wird veröffentlicht. Entgegen vieler Erwartungen kann jedoch auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht genau feststellen, ob die Höhe der Umsätze in den Geschäftsjahren zwischen 2016 und 2018 vorsätzlich manipuliert wurden. In Folge dieses enttäuschenden Ergebnisses fällt die Wirecard-Aktie innerhalb kürzester Zeit von über 130 auf unter 90 Euro.

8. Mai 2020 - der letzte Rettungsversuch

Der Konzern kündigt umfassenden Umstrukturierungsmaßnahmen an. Die Erschaffung einer Compliance-Abteilung soll für neues Vertrauen unter den Kunden und Aktionären sorgen.

26. Mai 2020 - Hauptversammlung wird verschoben

Wirecard verschiebt die Hauptversammlung sowie die Vorlage der Konzernbilanz. Grund hierfür ist das noch nicht vollendete Testat der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

5. Juni 2020 - Razzia in Aschheim

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht die Geschäftsräume der Hauptniederlassung in Aschheim bei München. Laut der Staatsanwaltschaft besteht der dringende Verdacht, dass verantwortliche Mitarbeiter im Zeitraum vom 12. März und 22. April 2020 irreführende Ad-hoc-Mitteilungen publiziert haben, welche den Aktienkurs in eine bestimmte Richtung getrieben habe sollen. In diesem genannten Zeitraum klettere die Wirecard-Aktie von ca. 85 bis auf rund 140 Euro.

Streaming-Dienst TV Now verfilmt den Wirecard-Skandal

  Streaming-Dienst TV Now verfilmt den Wirecard-Skandal Der Betrugsskandal um Wirecard bietet genug Stoff für einen Film – das hat sich auch der Streamingdienst TV Now gedacht. Anfang 2021 soll ein 90-minütiges Dokudrama gezeigt werden. Im Betrugsskandal um Wirecard kommen immer mehr pikante Details ans Licht. Ex-Mitarbeiter berichten, dass der Zahlungsdienstleister schon seit Jahren defizitär gewesen sei. Dass zuletzt 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz fehlten, war Behörden und Prüfern offenbar lange nicht aufgefallen. An Stoff für einen spannenden Film fehlt es jedenfalls nicht, wenn man sich Wirecard als Thema vornimmt.

18. Juni 2020 - das Todesurteil von Ernst & Young

Statt der sehnsüchtig erwarteten Jahresbilanz überbringt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young das endgültige Todesurteil für den Zahlungsdienstleister. Die Experten sind nämlich zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinen Nachweis für die im Konzernabschluss befindlichen Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gibt. Zudem äußerten die Prüfer den Verdacht, dass der Konzern bei bestimmten Salden getäuscht habe.

Diese Horrormeldung ließ den Aktienkurs des DAX-Konzerns unmittelbar von 104 auf zeitweise sogar unter 30 Euro einbrechen. Innerhalb weniger Stunden hat Wirecard somit bis zu 71 Prozent seines Börsenwertes verloren.

19. Juni 2020 - Braun dankt ab

Markus Braun legt sein Amt als Vorstandsvorsitzender nieder und tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Der Posten wird vom US-Manager James Freis übernommen.

23. Juni 2020 - Ex-Vorstandschef bleibt in Freiheit

Nach einer Zahlung in Höhe von fünf Millionen Euro kommt der ehemalige Vorstandsvorsitzende Markus Braun vorläufig aus der Untersuchungshaft.

25. Juni 2020 - Insolvenzantrag wird eingereicht

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung reicht Wirecard beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag ein.

26. Juni 2020 - Wirecard-Aktie markiert Allzeittief

Im Verlauf des Xetra-Handels ist die Wirecard-Aktie noch 1,08 Euro wert - damit reduzierte sich das Papier um mehr als 99 Prozent gegenüber dem Rekordhoch vom Sommer 2019 bei rund 190 Euro.

28. Juni 2020 - Amtsgericht beruft Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht München betraut Michael Jaffe mit der Verwaltung der Insolvenzmasse des DAX-Konzerns.

13. Juli 2020 - Politik bekommt Mitschuld

Das von Olaf Scholz geleitete Bundesfinanzministerium gerät zunehmend unter Druck. Einige Experten werfen dem Minister vor, dass er zu lange untätig geblieben ist.

20. Juli 2020 - Ex-Vorstandsmitglied vermutlich nach Weißrussland geflohen

Das ehemalige Mitglied des Vorstands, Jan Marsalek, wird in Weißrussland vermutet. Schon wenige Stunden nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft soll sich Marsalek vermutlich auf den Weg nach Weißrussland gemacht haben.

22. Juli 2020 - Staatsanwaltschaft erneuert Haftbefehle

Die Münchener Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie erneut Haftbefehle gegen Braun und weitere Topmanager des Konzerns erteilt hat. Den Beschuldigten wird dabei vorgeworfen, dass sie die Bilanz des Konzerns schon seit dem Jahr 2015 vorsätzlich manipuliert hätten.

29. Juli 2020 - BaFin droht mit Zwangsgeldern

Laut Finanzaufsicht hat Wirecard gegen Pflichten in Bezug auf die Jahresfinanzinformationen für das Geschäftsjahr 2019 verstoßen. Demnach wurde die Erfüllung der Finanzberichterstattungspflichten angeordnet und Zwangsgelder in Höhe von 330.000 Euro angedroht.

31. Juli 2020 - Zoll und BaFin prüfen Geldwäsche-Verdach

"Die FIU und die BaFin haben sich - im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeit - auf eine Task Force geeinigt, um gemeinsam an der Auswertung der vorhandenen geldwäscherechtlichen Hinweise im Fall Wirecard zu arbeiten", ließ das Bundesfinanzministerium verlauten.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Streaming-Dienst TV Now verfilmt den Wirecard-Skandal .
Der Betrugsskandal um Wirecard bietet genug Stoff für einen Film – das hat sich auch der Streamingdienst TV Now gedacht. Anfang 2021 soll ein 90-minütiges Dokudrama gezeigt werden. Im Betrugsskandal um Wirecard kommen immer mehr pikante Details ans Licht. Ex-Mitarbeiter berichten, dass der Zahlungsdienstleister schon seit Jahren defizitär gewesen sei. Dass zuletzt 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz fehlten, war Behörden und Prüfern offenbar lange nicht aufgefallen. An Stoff für einen spannenden Film fehlt es jedenfalls nicht, wenn man sich Wirecard als Thema vornimmt.

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