Finanzen Kommentar: Die Deutsche Bank im Strudel

02:00  21 september  2020
02:00  21 september  2020 Quelle:   dw.com

FinCEN Files: Der Fluss des schmutzigen Geldes

  FinCEN Files: Der Fluss des schmutzigen Geldes Die FinCEN Files sind das Ergebnis einer großen internationalen Recherche zum Thema Geldwäsche. Sie zeigen auf, wie schmutziges Geld weltweit hin- und hergeschoben wird. Banken spielen dabei eine entscheidende Rolle. © Provided by Deutsche Welle Provided by Deutsche Welle Ein Bruder stirbt auf einem brennenden Schiff. Ein Sohn kommt durch Drogen ums Leben. In den meisten Fällen wissen die Hinterbliebenen der Opfer gar nicht, dass ihr Schmerz auch etwas mit illegalen Geldströmen zu tun hat - Geld, das durch Korruption und kriminelle Geschäfte erbeutet wurde.

So warb die Deutsche Bank Mitte der 1990er Jahre um ihre Kunden. Auch wenn dieser Claim längst Geschichte ist: Das Vertrauen ihrer Kunden hat die Bank in den Jahren danach gründlich verspielt. Weil das Geldhaus in der allerersten Liga mitspielen wollte, warf man alle guten Regeln über Bord

du. Josef Ackermann hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr gut vorangebracht. Mit seinem Jahressalär von 11 Millionen Euro wird er allerdings keinen Beliebtheitspreis erringen. Beitrag per E-Mail versenden. Im Strudel der Gerüchte. Kommentar .

Egal wie schmutzig, Hauptsache, es lässt sich damit Geld verdienen. Das war offenbar bis in die jüngste Vergangenheit die Devise bei der Deutschen Bank. Die Rechtfertigungsversuche wirken hilflos, meint Henrik Böhme.

Provided by Deutsche Welle © picture alliance/dpa/A. Dedert Provided by Deutsche Welle

"Vertrauen ist der Anfang von allem." So warb die Deutsche Bank Mitte der 1990er Jahre um ihre Kunden. Auch wenn dieser Claim längst Geschichte ist: Das Vertrauen ihrer Kunden hat die Bank in den Jahren danach gründlich verspielt. Weil das Geldhaus in der allerersten Liga mitspielen wollte, warf man alle guten Regeln über Bord, offenbar weil sich anders der erhoffte Erfolg nicht einstellen wollte. Rendite über alles, die Gewinnmaschine musste geschmiert werden. Jedes Mittel war den Deutschbankern recht.

FinCEN Files: Zweifelhafter Spitzenreiter Deutsche Bank

  FinCEN Files: Zweifelhafter Spitzenreiter Deutsche Bank Die Deutsche Bank ist schon öfter durch Skandale aufgefallen. Auch in der weltweiten Recherche zu den FinCEN Files spielt sie eine wichtige Rolle. © picture alliance/dpa/A. Dedert Provided by Deutsche Welle Die Deutsche Bank ist mal wieder Spitzenreiter: 62 Prozent aller geleakten Verdachtsmeldungen des US-Finanzministeriums, die in den FinCEN Files enthalten sind, entfallen auf sie. Hinter dem Kürzel FinCEN verbirgt sich das "Financial Crimes Enforcement Network".

Nun steht fest: Auch die Deutsche Bank muss im nicht abebbenden Sturm an den Finanzmärkten weiter Federn lassen. In den ersten drei Monaten Die Wertberichtigungen fielen höher aus als von einigen Branchenexperten vorausgesagt. "Damit dürfte die Deutsche Bank im ersten Quartal einen

Es ist ein komplizierter Fall, den die Ermittler zu ergründen versuchen, mit mehr als 170 Beschuldigten. Die Rolle der Bank ist unklar, doch es scheint, als hätte all das nicht ohne ihr Zutun geschehen können. Jetzt ist auch ihr Vorstandsvorsitzender ins Visier geraten - trotz aller Beteuerungen um einen

Ob Zinsmanipulationen, Geldwäsche, Deals mit schlecht gesicherten Häuserkrediten, Geschäftsbeziehungen mit fragwürdigen Kunden wie dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein: Überall hatte die Deutsche Bank ihre Finger mit im Spiel, je schmutziger, umso besser. Und wie nun die FinCEN Files zeigen: Da immerhin ist die Deutsche Bank Top, denn weit mehr als die Hälfte der geleakten Verdachtsmitteilungen betreffen das deutsche Finanzinstitut.

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion © Provided by Deutsche Welle Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Geschäfte noch nach der Strafzahlung?

Von "Gier und Korruption" schrieb die US-Finanzaufsicht in ihrem Abschlussbericht, als 2015 Geldwäschegeschäfte der Bank in Russland aufgeflogen waren. Gier und Korruption hätten das System bei der Deutschen Bank befeuert. Nachdem die 600-Millionen-Dollar-Strafe bezahlt war, versprach die Bank das große Aufräumen. In der Tat haben die Frankfurter seither rund eine Milliarde Dollar in die Verbesserung der Kontrollmechanismen investiert und die entsprechende Abteilung um 1500 Leute aufgestockt. Nun aber zeigen die neuesten Enthüllungen, dass diese dunklen Moskauer Geschäfte auch danach noch weitergegangen sein könnten. Noch 2017 schickte die Bank Verdachtsmeldungen zu Russland-Geschäften an die US-Behörden.

FinCen Files: Hilfe für Wirecard und die Porno-Industrie

  FinCen Files: Hilfe für Wirecard und die Porno-Industrie Zwielichtige Transaktionen für Wirecard, die Porno-Industrie und fragwürdige Kunden aus Afghanistan: Die FinCEN Files rücken die türkische Aktif Bank in ein schlechtes Licht und liefern Indizien für Geldwäsche. © picture-alliance/empics/Y. Mok Provided by Deutsche Welle Türkische Unternehmen und Banken spielen eine bedeutende Rolle in den FinCEN Files, einer Sammlung von geheimen Dokumentenaus dem US-Finanzministerium, die dem US-Medienunternehmen BuzzFeed News zugespielt wurden. Buzzfeed hat sie anschließend gemeinsam mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) ausgewertet.

Denn die Deutsche Bank ist, völlig normal, Teil des weltweiten Finanzsystems. Allerdings ein hochriskanter Teil. Egal, was daran alles wahr ist und wie hoch der Vergleich mit den Amerikanern am Ende ausfällt: 14 Milliarden Dollar könnte die Deutsche Bank nicht zahlen.

Wie war die Lage der Deutschen Bank in den letzten Jahren? „ Deutsche Bank “-Copy-Trade für vorausschauende Börsianer? Veröffentlicht. vor 2 Jahren. ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.

Erwartungsgemäß weist die Bank alle Vorwürfe weit von sich. Alle in den geleakten FinCEN Files aufgeführten Vorgänge hätte die Bank erstens selbst gemeldet und zweitens lägen diese alle im Zeitraum bis 2016. Jetzt aber sei man "eine andere Bank". Auch die Vorwürfe gegen den Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, seien haltlos. Sewing, seit Frühjahr 2018 im Amt, war fünf Jahre zuvor Chef der internen Revision. Dessen Abteilung prüfte die Russland-Geschäfte - und fand nichts. Jetzt heißt es, Sewing habe die Prüfergebnisse nie gesehen oder abzeichnet. Ein fadenscheiniges Argument, um den heutigen Chef aus der Schusslinie zu nehmen.

Nein, es wird immer klarer, dass es mit dem so vollmundig verkündeten "Kulturwandel" bei der Deutschen Bank noch nicht weit her ist und wohl immer noch nicht alle der rund 88.000 Mitarbeiter verstanden haben, worum es wirklich geht. Ja, die Exportnation Deutschland braucht eine international agierende Bank, keine Frage. Aber all die Beteuerungen, es werde jetzt alles gut und Skandale gehörten der Vergangenheit an, sind durch die jüngsten Enthüllungen zur Makulatur verkommen. Vielleicht sollten sie in Frankfurt doch nochmal den alten Claim herausholen. "Vertrauen ist der Anfang von allem." Daran hapert es bis heute. Die FinCEN Files sind für die Deutsche Bank ein Offenbarungseid.

Autor: Henrik Böhme

Zielke-Nachfolger: Manfred Knof wird Commerzbank-Chef – Die Reaktionen fallen verhalten aus .
Zielke-Nachfolger: Manfred Knof wird Commerzbank-Chef – Die Reaktionen fallen verhalten ausAufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter ist eine Überraschung gelungen. Manfred Knof hatte bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef für Commerzbank kaum jemand auf dem Zettel. Als das Frankfurter Geldhaus am Samstagabend um 20.23 Uhr bekannt gab, dass der Deutsche-Bank-Manager Anfang kommenden Jahres die Nachfolge von Martin Zielke antritt, waren viele Beobachter erst einmal verblüfft.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke
usr: 0
Das ist interessant!