Finanzen Shortseller: Die Offensive der Kurszerstörer

21:30  24 september  2020
21:30  24 september  2020 Quelle:   wiwo.de

Aktienmarkt: Nach Angriff der Shortseller: Grenke-Aktie gewinnt über 20 Prozent

  Aktienmarkt: Nach Angriff der Shortseller: Grenke-Aktie gewinnt über 20 Prozent Aktienmarkt: Nach Angriff der Shortseller: Grenke-Aktie gewinnt über 20 Prozent

Tesla, Grenke, Wirecard und Co.: Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten, sind das neue Feindbild von Managern und Anlegern – dabei halten sie die Börse sauber. © Illustration: Daniel Downey Tesla, Grenke, Wirecard und Co.: Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten, sind das neue Feindbild von Managern und Anlegern – dabei halten sie die Börse sauber.

Tesla, Grenke, Wirecard und Co.: Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten, sind das neue Feindbild von Managern und Anlegern – dabei halten sie die Börse sauber. Ein Inside-Report.

Unternehmer Wolfgang Grenke spielt leidenschaftlich gern Schach. Er liebt das: eine Strategie entwerfen, Züge antizipieren, sein Gegenüber lesen, dem Kontrahenten einen Schritt voraus sein, ihm sein Spiel aufzwingen. Auch im Berufsleben. Und bisher ist es für Grenke, Gründer des gleichnamigen Leasingunternehmens, dabei auch meist rundgelaufen. Bisher. Denn nun wird er von einem aggressiven Gegner herausgefordert: Shortseller Fraser Perring wettet auf sinkende Kurse, versucht Grenke mattzusetzen.

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Perring spielt ebenfalls Schach. Und scheint den offensiven Auftritt zu lieben. Ende August postet er auf Twitter das Bild eines schwarzen Läufers, der den weißen König in die Ecke treibt. Mehr Symbolik geht nicht: Ein frecher Parvenü aus der dunklen Finanzwelt fordert den weißen Wirtschaftsadligen Grenke zum Duell.

Vergangene Woche veröffentlicht Perrings Gesellschaft Viceroy Research aus dem US-Steuerparadies Delaware einen 64-seitigen Bericht, voll mit Vorwürfen gegen Grenke. Der Report bezichtigt Grenke des Betrugs und der Bereicherung, wirft dem Unternehmen vor, interne Firmenkäufe verschleiert und damit den Firmenwert nach oben getrieben zu haben. Perrings Wette geht auf, die Grenke-Aktie verliert zeitweise 50 Prozent an Wert.

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Wie weit die Vorwürfe begründet sind, ist nicht klar. Vieles leuchtet ein, einiges konnte Grenke widerlegen, an einigen Punkten liegt Perring daneben. Es gilt wie immer die Unschuldsvermutung. Das Unternehmen aus Baden-Baden selbst bestreitet die Vorwürfe und lässt einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer ein Gutachten anfertigen.

Shortseller – die Bezeichnung kommt von „short sein“, im Börsenjargon: auf der Verkäuferseite stehen – haben nicht nur Grenke im Visier. Das Beteiligungsunternehmen Aurelius war dieses Jahr schon Ziel, Rechenzentrumsbetreiber Northern Data ebenfalls. Nur wenige Tage vor Grenke geriet Trevor Milton, Chef des zeitweise mit 30 Milliarden Dollar bewerteten Lkw-Start-ups Nikola, ins Visier von Shortseller Hindenburg Research. Der wies ihm unter anderem nach, dass er einen Wasserstofftruck für ein Demofilmchen einfach bergab rollen ließ – um Anlegern weiszumachen, der Antrieb funktioniere schon. Die Aktie hat seit ihrem Hoch zwei Drittel an Wert verloren. Milton schmiss seinen Job – in den Augen der Investoren ein Schuldeingeständnis.

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Den Angriffen dürften weitere folgen. Denn die Bedingungen für Shortseller sind ideal: Viele Aktienkurse sind seit dem Coronacrash im März drastisch gestiegen, Unternehmen im Hype überbewertet und damit anfällig für Korrekturen. Die drohen etwa im Biotechbereich, in dem viel heiße Luft steckt, allein von der Hoffnung auf einen Coronaimpfstoff getrieben.

Das massenhafte Geld der Notenbanken will verteilt werden, und der Nullzins bei Anleihen setzt Investoren unter Druck. Wer im Anlagenotstand schnell viel Geld anlegen muss, schaut nicht bei jedem Unternehmen genau hin, kauft im Zweifel die Aktien, die alle kaufen. Bis dann doch jemand hinschaut und sieht: Der Kaiser ist nackt, das Unternehmen pleite. So geschehen bei Markus Braun, Exchef des Zahlungsdienstleisters Wirecard, dessen Praktiken Fraser Perring unter dem von Alexandre Dumas entlehnten Pseudonym Zatarra 2016 anprangerte.

Ihre Erfolge verleihen den Shorties Macht. Anleger und Investoren nehmen ihre Vorwürfe mittlerweile ernst, gerade wenn der Shortseller schon andere Unternehmen erlegt hat – so wie Perring Wirecard. Wer aber sind nun diese Jäger der sinkenden Kurse, wie riskant ist ihr Geschäft, und wie finden sie ihre Ziele?

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Kadaver abräumen

Vorstände, Unternehmer und viele Investoren sind Shortsellern in herzlicher Abneigung verbunden. Sie nennen sie die Aasgeier der Börse, weil sie auf Kosten der anderen Anleger Gewinne mit fallenden Kursen machen und womöglich unschuldige Unternehmer ins Unglück stürzen – und verkennen dabei, dass Geier durchaus nützlich sind, räumen sie doch die Kadaver weg. Shortseller können dazu beitragen, allzu überschäumende Euphorie an der Börse zu bremsen, sie halten ja immer wieder mit Verkäufen gegen den Trend.

Sie selbst stilisieren sich als Aufklärer. „Unser Geschäft ist nicht das Attackieren von Unternehmen“, sagt Daniel Yu von Gotham City Research. „Wir sind Investoren, die ihre Redefreiheit ausüben.“ Ganz so altruistisch ist es denn wohl nicht, am Ende geht es allen schlicht ums Geldverdienen.

Trotzdem haben sie eine nicht zu unterschätzende Funktion am Kapitalmarkt, als Korrektiv im vermeintlichen Gleichgewicht aus Unternehmen, Analysten und Investoren. Nicht selten decken Shortseller Betrügereien auf und verhindern gefährliche Übertreibungen. „Sie bereichern den Markt um Unternehmensanalysen, die teilweise sehr investigativ sind“, sagt Hendrik Haag, Partner der Kanzlei Hengeler Mueller.

Wie Shortseller arbeiten

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Das Geschäft von Leuten wie Perring ist hochriskant. Zunächst leihen sie sich Papiere der Unternehmen, gegen die sie spekulieren, von Banken oder Investoren. Diese kassieren dafür eine Leihgebühr, bis zu 15 Prozent des Aktienwertes können das bei selten gehandelten Papieren sein. Bei liquiden Titeln sind es weniger als 0,5 Prozent.

Hat der Shortie sich die Papiere geliehen, wettet er damit auf fallende Kurse. Dafür verkauft er die Aktien weiter. Im Börsenjargon: Er verkauft „leer“, weil er die Papiere nicht besitzt, sondern sie nur geliehen hat. Im Deutschen heißen die Shortseller deshalb Leerverkäufer. Sinken die Kurse wie erhofft, kauft der Leerverkäufer die Aktien zu einem niedrigeren Kurs, um sie an den Entleiher zurückzuliefern. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs abzüglich der Leihgebühr ist der Gewinn des Leerverkäufers.

Steigern lässt sich dieser Gewinn auf zweierlei Weise: Zum einen, indem der Shortie möglichst viele Aktien leer verkauft. Gerade bei kleineren Unternehmen können auch relativ kleine Verkäufe schon den Kurs bewegen und andere Anleger verunsichern. Zum anderen muss der Shortseller dafür sorgen, dass sich seine Botschaft an der Börse verbreitet. Dazu sucht er die Öffentlichkeit, mit Reports und Verkaufsstudien. Glauben ihm andere Anleger und verkaufen ebenfalls, fällt der Kurs umso schneller.

Illegal ist das alles nicht, solange der Shortseller bei der Wahrheit bleibt – und offenlegt, dass er Verkaufspositionen aufgebaut hat. Zusätzlich müssen sie ihre Positionen den Aufsichtsbehörden melden – in Deutschland gilt das aktuell schon, wenn sie 0,1 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals shorten. Veröffentlicht werden die Positionen ab 0,5 Prozent aller Aktien.

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Den hohen Chancen steht ein höheres Risiko gegenüber. Steigen die Kurse stark, statt wie erwartet zu sinken, sind Verluste quasi grenzenlos – je höher der Kurs, desto höher der Verlust, ohne Limit. Im Fall Wirecard haben Shortseller Millionen verbrannt, weil der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters sich nach kurzen Einstürzen schnell erholte. Auch nach Perrings erstem Angriff auf Wirecard legte der Kurs recht schnell wieder zu. „Bevor Wirecard zusammengebrochen ist“, sagt Perring, „war ich mit 13 Millionen im Minus“.

„Extremes Risiko“

Um ein Vielfaches schlimmer traf es Ende Oktober 2008 Leerverkäufer, die auf sinkende Kurse der VW-Aktie spekulierten. Porsche hatte seinen Anteil am Wolfsburger Autobauer erhöht und theoretischen Anteil von fast drei Vierteln aller VW-Aktien. Leerverkäufer steckten damit in der Klemme. Sie hatten sich zwölf Prozent der Papiere geliehen, es waren aber nur noch sechs Prozent der VW-Aktien frei handelbar. Die Jagd nach den wenigen Papieren ließ den Kurs kurzfristig von 200 auf über 1000 Euro schnellen, die Leerverkäufer verloren an einem einzigen Tag bis zu 15 Milliarden Euro.

„Shortseller gehen ein extremes Risiko ein“, sagt der Frankfurter Anwalt Jan Bayer, dessen Kanzlei Bayer Krauss Hueber schon Leerverkäufer vertreten hat. Das gelte insbesondere für aktivistische Shortseller wie Fraser Perring oder Daniel Yu, dessen Recherchedienst Gotham City unter anderem für einen Angriff gegen Aurelius verantwortlich zeichnet. „Die investieren im Wesentlichen ihr eigenes Vermögen“, sagt Bayer. Bei einer Attacke kann schnell ein zweistelliger Millionenbetrag im Feuer stehen.

Peanuts – gegen die Milliarden, mit denen Kolosse wie Marshall Wace oder Odey Asset Management von Hedgefondslegende Crispin Odey jonglieren. Sie spekulieren normalerweise nicht mit ihrem eigenen, sondern mit dem Vermögen ihrer Fondsinvestoren. Denn nicht alle Leerverkäufer sind Aktivisten wie Perring oder Yu, die Missstände aufdecken und Unternehmen mit ihren Reports in aller Öffentlichkeit angreifen.

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Die Mehrheit der Hedgefonds nutzt Leerverkäufe schlicht als Instrument, um ihr Depot auszubalancieren und Positionen abzusichern. Die Fondsmanager kaufen Aktien, denen sie Kursgewinne zutrauen, und wetten auf fallende Kurse bei Aktien, die sie für teuer halten. So sorgen sie dafür, dass ihr Fonds auch bei fallenden Kursen noch genug Geschäft macht.

Shortseller wie Perring, Yu oder Nate Anderson, der Kopf von Nikola-Bezwinger Hindenburg Research, wollen dagegen laut eigener Aussage nicht nur Geld verdienen, sondern auch Missstände aufdecken. Viele von ihnen sind keine klassischen Banker. Perring, geboren im britischen Canterbury, verbrachte seine Kindheit auf der Schweinefarm seiner Eltern und wurde Sozialarbeiter, bis er den Job hinwarf und für einen Investor als Rechercheur anfing.

Yu dagegen startete seine Karriere als normaler Investor und Analyst. Zum Shortseller wurde er, nachdem er im Sommer 2008, kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, das falsche Papier in seinem Portfolio hatte: die Aktie des US-Hypothekenfinanzierers Freddie Mac, dem später Anlagebetrug nachgewiesen wurde. Yus Aktien waren wertlos – und er beschloss, Missstände künftig selber aufzudecken.

Die Arbeit der Shortseller vergleicht Anwalt Bayer mit der eines investigativen Journalisten. „Für jedes Unternehmen, das die shorten, haben sie etwa 100 angeguckt“, beschreibt er den komplizierten Prozess.

An ihren Reports arbeiten die Shorties oft mehrere Monate. Bis zu sieben Leute arbeiteten an seinen Berichten, erzählt Yu. Auch Perring beschäftigt bei Viceroy noch zwei weitere Analysten.

Wer ins Beuteschema passt

Ihre Opfer suchen sich die Leerverkäufer nach einem gewissen Schema aus. „Je komplexer die Bilanz eines Unternehmens ist, desto besser für den Shortseller“, sagt Richard Mayer-Uellner von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Deshalb stünden Finanzunternehmen so oft im Fokus der Jäger. Auch ein schwer zu durchschauendes Firmengeflecht, Geschäfte mit eigenen Managern oder dem Gründer und ungewöhnlich lange Mandate in Management und Aufsichtsrat locken Shortseller an.

Außerdem sind es in der Regel kleinere Unternehmen aus der zweiten oder dritten Börsenreihe, die sich mit Attacken herumschlagen müssen. „Wird eine Aktie weniger gehandelt, ist es viel leichter, den Kurs mit einem Angriff runterzutreiben“, sagt Mayer-Uellner. Dass es einen MDax-Konzern wie Grenke trifft, sei daher wenig überraschend. Aber auch Unternehmen, die mit Zukunftstechnologien dealen wie Nikola mit dem Wasserstofftruck, deren Bewertungen vor allem auf Zukunftsfantasien beruhen, stünden auf der Abschussliste der Shorties.

Viele Unternehmen rechnen nicht mit solchen Angriffen

Trotzdem rechnen viele Unternehmen weiter nicht mit solchen Angriffen. „Schon im MDax sind viele Unternehmen nicht vorbereitet“, sagt Mayer-Uellner, der mit seinen Kollegen einen Fragenkatalog entwickelt hat, mit dem Unternehmen herausfinden können, ob sie zu den typischen Opfern der Shorties gehören. Andere wiederum nehmen die Angreifer, die teilweise als Ein-Mann-Unternehmen agieren, schlicht nicht ernst. Dabei würden seriösere Shortseller, die mit offenem Visier spielen und ihre Identität zu erkennen geben, ihre Gegner in der Regel kontaktieren, bevor sie die Vorwürfe veröffentlichen, berichten Insider.

Einige verbergen sich aber auch in der Anonymität. Wie der Recherchedienst Ontake Research, der im Januar eine Attacke auf Aurelius startete. Die Webseite, auf der Ontake seinen Report veröffentlichte, enthielt weder Impressum noch Kontaktdaten, wer hinter Ontake steht, ist völlig unklar. Weil die Reputation der Shorties aber insgesamt gestiegen ist, sorgen auch Trittbrettfahrer wie Ontake ordentlich für Wirbel, vernichten Millionen an Börsenwert und bringen Investor-Relations-Abteilungen ins Rotieren.

Der Schaden, den Shorties bei Unternehmen anrichten, ist immens. Dreht der Aktienkurs einmal nach unten, ist das schwer zu stoppen. Vieles hängt von den Investorenbetreuern (IR) ab, die tagelang telefonieren, informieren und Investoren beruhigen müssen. Bei Grenke hat das nicht gut funktioniert, der Angriff traf das Unternehmen scheinbar völlig unvorbereitet. „Die agieren dilettantisch“, sagt ein Investor. So habe Grenke bei der Telefonkonferenz für Fondsmanager auch Hedgefonds reingenommen.

Auch die ersten kurzen Stellungnahmen konnten Anleger nicht überzeugen, erst nach drei Tagen stellte sich das Grenke-Management den Fragen seiner Investoren. „Normalerweise bricht der Kurs erst ein, wenn ein Unternehmen nicht richtig reagiert oder Fragen nicht beantworten kann“, sagt Anwalt Bayer. Großanleger würden so lange mit dem Verkauf der Papiere warten. „Aber wenn Unternehmen zu lange warten, sieht es so aus, als ob da wirklich was ist.“

Perring legt ständig nach, präzisiert seine Vorwürfe, treibt Unternehmen vor sich her. Anders als Shortseller der alten Riege wie Jim Chanos oder Florian Homm, die schon vor vielen Jahren mit ihren Deals die Märkte bewegt haben, hat die neue Generation um Perring einen großen Vorteil. „Die Angriffe werden mehr und mehr über soziale Medien geführt“, sagt der Ex-DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt.

Einseitige Aufsicht

Sehr kritisch sieht die Finanzaufsicht BaFin die Leerverkäufer. In der Finanzkrise erließ sie ein Leerverkaufsverbot für Bankaktien. Auch in der Wirecard-Affäre stellte sich die BaFin frühzeitig auf die Seite des Unternehmens und untersagte Leerverkäufe der Wirecard-Aktie zeitweilig. Perring behauptet, er habe vor der Wirecard-Attacke und auch jetzt bei Grenke den Aufsehern Unterlagen per Post zukommen lassen, die BaFin will diese nicht bekommen haben. Nun ermitteln die Mitarbeiter der Bonner Behörde in alle Richtungen – gegen Grenke, aber auch gegen Perring, wegen möglicher Marktmanipulation. Man sei bei Grenke jetzt „ganz sensibel“, sagt Raimund Röseler, Exekutivdirektor für Bankenaufsicht, und deutet an, er habe sich die Kritik wegen der Wirecard-Affäre zu Herzen genommen.

Findet die BaFin Hinweise auf Manipulationen, reicht sie die Verfahren an die Staatsanwaltschaften weiter. Dort hängen aktuell Verfahren gegen Aurelius-Angreifer Yu und gegen Muddy Waters wegen dessen Attacke gegen Werbevermarkter Ströer und gegen Perring wegen ProSieben. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt dauern die Ermittlungen in allen Fällen an.

Hengeler-Anwalt Haag wird von Klienten oft gefragt, ob Leerverkäufer Unternehmen einfach so Betrug vorwerfen dürften. Die Antwort lautet schlicht: „Ja.“ Nur: „Es muss sehr gut recherchiert sein, würden sich Vorwürfe als unbegründet erweisen, könnten Anklagen wegen Beleidigung und Kursmanipulation drohen.“ Allein deshalb nutzen Shorties für ihre Analysen bevorzugt öffentliche Dokumente, die jeder einsehen kann. Auch Perring will dies bei seinen letzten Zügen gegen Grenke getan haben.

Perring sagt, er werde bald mit neuem Material gegen Grenke nachlegen. Der wiederum muss reagieren. Als Wolfgang Grenke einmal gefragt wurde, was Investoren von Schachspielern lernen können, sagt er, „Entscheidungen unter zeitlichem Druck zu treffen“. Der Druck ist jetzt enorm. Falsche Züge kann sich der Patriarch nicht mehr leisten.

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