Finanzen Gastronomie: Brauer schlagen Alarm: „Zweiter Lockdown würde Existenzen gefährden“

20:15  23 oktober  2020
20:15  23 oktober  2020 Quelle:   handelsblatt.com

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Die Gastronomie ist ein wichtiger Kunde für die Brauwirtschaft. Weitere Einschränkungen im Zuge der Pandemie könnten zu neuen Absatzeinbrüchen führen.

Die Gastronomie ist wichtiger Absatzkanal für die deutsche Brauwirtschaft. © dpa Die Gastronomie ist wichtiger Absatzkanal für die deutsche Brauwirtschaft.

Die Brauwirtschaft warnt vor weiteren starken Corona-Einschränkungen: „Ein zweiter Lockdown zu Beginn der kälteren Jahreszeit hätte für die Brauwirtschaft verheerende Folgen“, sagte Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des bayerischen Brauerbunds, dem Handelsblatt. Das sei vor allem dem dann drohenden neuerlichen Ausfall des wichtigen Absatzwegs Gastronomie geschuldet.

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Die Coronakrise hatte der deutschen Brauwirtschaft laut einer Branchenumfrage im ersten Halbjahr ein Absatzminus von knapp 20 Prozent beschert. Vor allem der Fassbier-Absatz ging deutlich zurück.

Die Gastronomie sei einer der wichtigsten Absatzkanäle für die Branche, sagte Ebbertz. „Aus Sorge vor Ansteckungsrisiken meiden ohnehin viele Menschen die Innengastronomie, obwohl die Wirte alles tun, ihren Gästen einen risikoarmen Aufenthalt in ihren Wirtshäusern zu ermöglichen.“

In den Städten fehlten schon jetzt die Touristen. „Ein zweiter Lockdown würde den Tourismus und Ausflugsverkehr auch in ländlichen Regionen zum Erliegen bringen.“ Bei einer Verschärfung der Maßnahmen würden zudem Familien- und Weihnachtsfeiern ausfallen, die im Schlussquartal für viele Gastronomen ein wichtiger Umsatzbringer sind.

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Für das Gesamtjahr rechneten die Mitglieder des Deutschen Brauer-Bunds zuletzt mit einem Umsatzeinbruch von durchschnittlich 16 Prozent. Allerdings sind die Unternehmen unterschiedlich stark betroffen. Bei einzelnen Brauern seien die Umsätze existenzbedrohend um bis zu 70 Prozent zurückgegangen.

Erhöhter Alkoholkonsum hilft Brauern kaum

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenhasse trinken zwar in der Coronakrise viele Menschen mehr Alkohol. Fast ein Viertel derjenigen, die ohnehin schon mehrmals wöchentlich Wein, Bier, Sekt oder Hochprozentiges konsumieren, geben laut Umfrage zu, dies seit der Pandemie häufiger zu tun. „Die große Gefahr dabei ist, dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht“, warnte KKH-Experte Michael Falkenstein.

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  Emotionale Lockdown-Debatte in Deutschland Bundes- und Landesregierungen wollen heute Beschlüsse zur Corona-Krise fassen. Es dürfte auf einen Teil-Lockdown hinauslaufen. Einige Interessenvertreter versuchen, die Entscheidung in letzter Minute zu beeinflussen. © Fabrizio Bensch/dpa/picture-alliance Angela Merkel will wegen der Corona-Entwicklung temporär die Notbremse für das öffentliche Leben ziehen In Deutschland gerät das Corona-Infektionsgeschehen weiter außer Kontrolle: Das Robert Koch-Institut vermeldete abermals einen neuen Rekord von 14.964 bestätigten Neuinfektionen binnen eines Tages.

Doch profitieren die Brauer von dieser bedenklichen Entwicklung nur bedingt. Denn für sie ist es oft einträglicher, wenn ein Wirtshausbesucher zum Essen ein Bier trinkt, anstatt im Getränkemarkt günstiges Bier im Kasten zu kaufen.

„Die Schärfe des Wettbewerbs im Handel führt auch dazu, dass die hier abgesetzten Mengen ertragsschwächer sind als das in der Gastronomie abgesetzte Fassbier“, sagte auch Ebbertz. Viele Wirte könnten schon jetzt kaum die Pacht zahlen. „Ein zweiter Lockdown würde die Situation dramatisch verschlimmern.“

Die Gastwirtschaften, die in der Krise aufgeben müssen, würden nach Corona nicht einfach wieder aufmachen. „Hier steht bedeutsame touristische Infrastruktur ebenso auf dem Spiel wie ein lebenswichtiger Absatzweg für das heimische Braugewerbe.“

Laut Umfrage des Deutschen Brauer-Bunds wünscht sich mehr als die Hälfte der Unternehmen mehr Hilfe von Bund und Ländern. So fordern viele Brauer eine Beibehaltung der bis zum 31. Dezember befristeten Mehrwertsteuersenkung und eine Ausweitung auch auf die Getränke in der Gastronomie.

Wegen der steigenden Infektionszahlen hatten einige Bundesländer die Vorschriften in den vergangenen Wochen verschärft. So gilt in Bayern nun in Gebieten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 35 in der Gastronomie eine Sperrstunde ab 23 Uhr. An Tankstellen darf ab 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden.

Mehr: Wie das älteste Wirtshaus der Welt die Coronakrise durchstehen will

Ökonom Felbermayr über die Folgen des Lockdowns: „Die Krise verlängert sich“ .
Der Lockdown wird teurer, als er sein müsste, meint Ökonom Gabriel Felbermayr. Für manche Firmen kämen die Hilfen zu spät. Im Interview erklärt er warum. © . Foto: Philipp von Dithfurth/dpa Klarer Verlierer. Während der Onlinehandel vom Lockdown profitiert, leidet vor allem die Gastronomie, wie hier auf dem Münsterplatz in Freiburg. Gabriel Felbermayr ist seit März 2019 Chef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Zudem sitzt er im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums. Für den Lockdown hat er grundsätzlich Verständnis - kann aber nicht jede Entscheidung der Politiker nachvollziehen.

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