Finanzen Anleihe-Käufe: Spannung vor EZB-Sitzung am Donnerstag – Die Notenbank steht unter Druck

10:20  26 oktober  2020
10:20  26 oktober  2020 Quelle:   handelsblatt.com

Andrea Enria im Interview: Chef der EZB-Bankenaufsicht: „Im Extremszenario könnte es faule Kredite von 1,4 Billionen Euro geben“

  Andrea Enria im Interview: Chef der EZB-Bankenaufsicht: „Im Extremszenario könnte es faule Kredite von 1,4 Billionen Euro geben“ Andrea Enria im Interview: Chef der EZB-Bankenaufsicht: „Im Extremszenario könnte es faule Kredite von 1,4 Billionen Euro geben“Die Diagnose des EZB-Bankenaufsehers Andrea Enria fällt ernüchternd aus: Zu unprofitabel, zu teuer und manchmal ohne tragfähiges Geschäftsmodell seien die europäischen Institute. Nun kommen die Belastungen aus der Coronakrise noch hinzu. In einem Extremszenario könnte der Bestand an faulen Krediten das Niveau der letzten Krise noch übertreffen, mahnte er im Interview mit dem Handelsblatt. „Es ist noch zu früh, um dieses Extremszenario auszuschließen.

Anleihekäufe gelten in der öffentlichen Diskussion nach wie vor als unkonventionelles Mittel der Staatsanleihen standen auf ihrer Einkaufsliste ebenso wie mit Hypotheken oder anderen Notenbank -Präsident Ben Bernanke distanzierte sich selbst übrigens einmal vom Begriff des

Amerikaner, Briten, Japaner und Schweizer haben es gemacht: Anleihekäufe , wie sie nun wohl auch die EZB plant. Sie gehören heute offenbar zum Standard-Repertoire einer Notenbank . Wie viel sie bringen, wissen die Fachleute noch nicht.

Die niedrige Inflation, schwächere Wachstumsaussichten und die Angst vor den Folgen der zweiten Corona-Welle bereiten Lagarde und ihren Kollegen Sorgen.

Am kommenden Donnerstag berät die Notenbank über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. © Bloomberg Am kommenden Donnerstag berät die Notenbank über ihren weiteren geldpolitischen Kurs.

Nach ihrer September-Pressekonferenz musste Christine Lagarde einige Kritik einstecken. Nicht wenige Experten hatten sich von der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) ein deutlicheres Signal für eine weitere Lockerung der Geldpolitik gewünscht – worauf sie jedoch verzichtete.

Inzwischen haben sich die wirtschaftlichen Aussichten weiter eingetrübt. Die Inflation im Euro-Raum ist auf minus 0,3 Prozent gesunken und damit noch weiter vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt. Die um besonders schwankungsanfällige Preise für Lebensmittel und Energie bereinigte Kerninflation fiel auf ein Rekordtief von 0,2 Prozent.

EZB-Vize - Notenbank wird Krisenmaßnahmen Ende 2020 neu bewerten

  EZB-Vize - Notenbank wird Krisenmaßnahmen Ende 2020 neu bewerten EZB-Vize - Notenbank wird Krisenmaßnahmen Ende 2020 neu bewertenEZB-Vizechef Luis de Guindos sagte am Montag, bestimmte Daten ließen auf eine abgeschwächte Erholung nach der Corona-Krise schließen. Die EZB werde ihre Entscheidung entsprechend der Entwicklung treffen. Dabei verwies der Spanier auf die neuen Konjunktur- und Inflationsprojektionen der EZB im Dezember. Vor dem Hintergrund dieser aktualisierten Zahlen könne die Notenbank die Angemessenheit ihrer Krisenmaßnahmen neu bewerten. Doch gebe es dafür kein konkretes Datum: "Wir machen das kontinuierlich", sagte der Stellvertreter von EZB-Chefin Christine Lagarde.

Mit Billionen kämpft die Europäische Zentralbank ( EZB ) gegen Konjunkturflaute und niedrige Inflation in der Eurozone. In einem wegweisenden Urteil beanstandet das Bundesverfassungsgericht die milliardenschweren Staatsanleihekäufe der Europäischen Zentralbank ( EZB ).

Am Donnerstag kommt der Rat der Europäischen Zentralbank ( EZB ) Und sogar mehr: So fordert der ifo-Präsident Clemens Fuest die Notenbank auf, ihre Anleihekäufe ab April zurückzufahren. Und wie steht es mit der Inflation? „Die von der EZB als Begründung für die Flutung der Märkte mit

Am Donnerstag wird Lagarde mit ihren Kollegen im EZB-Rat über weitere Geldspritzen beraten, die Europas Wirtschaft am Leben erhalten sollen. Experten spekulieren, dass das Notfallprogramm der EZB, das bisher schon Anleihekäufe von 1,35 Billionen Euro umfasst, erweitert werden muss – auch wenn die meisten nicht davon ausgehen, dass die Notenbank schon jetzt handelt.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagt: „Wir erwarten, dass die EZB vielleicht schon im Dezember eine Aufstockung ihres Kaufprogramms beschließt.“ Und Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der niederländischen Großbank ING in Deutschland, urteilt: „Die EZB könnte den Weg bereiten für einen weiteren Stimulus im Dezember.“ Auch Oliver Rakau, Ökonom von Oxford Economics, erwartet, dass sich Lagarde offener für eine weitere Lockerung der Geldpolitik zeigen wird.

EZB beginnt Meinungsaustausch mit gesellschaftlichen Gruppen

  EZB beginnt Meinungsaustausch mit gesellschaftlichen Gruppen Europas Währungshüter überprüfen ihre geldpolitische Strategie. Dabei ist ihnen auch die Sicht verschiedenster Organisationen wichtig. Nicht alle sind mit der Politik der EZB einverstanden.Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, und EZB-Chefvolkswirt Philip Lane standen Vertretern verschiedenster Organisationen, Verbraucherverbänden und Sozialpartnern am Mittwoch in einem im Internet übertragenen Format Rede und Antwort. «Die EZB steht im Dienst der europäischen Bürger», sagte Lagarde.

Die Europäische Zentralbank ( EZB ) hat wichtige Weichen Sie kündigte am Donnerstag in Riga an, die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. EZB -Chef Mario Draghi hat nochmals deutlich gemacht, dass die Notenbank die von ihr gehaltenen

Derweil kommen Details der Zentralbank -Pläne ans Licht. Der Maastrichter Vertrag sei "sehr eindeutig", dass es keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank geben dürfe. Falls die EZB nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag ankündigen sollte, in "unbegrenztem Maße" Anleihenkäufe kaufen

Zuletzt hatte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane im Interview mit dem „Wall Street Journal“ die niedrige Inflation beklagt. Nach den eigenen Prognosen der EZB dürfte diese auch im Jahr 2022 bei nur 1,3 Prozent liegen. Lane zufolge wird der EZB-Rat die Situation bald neu bewerten, da ein Teil der derzeitigen Unsicherheit „in diesem Herbst gelöst werden wird“. Wichtige Faktoren sind dabei aus seiner Sicht die fiskalische Unterstützung für die Wirtschaft, der Ölpreis, der Wechselkurs und vor allem die Pandemie.

Drohender Doppel-Einbruch der Wirtschaft

Besonders deutlich für weitere geldpolitische Schritte hat sich der italienische EZB-Direktor Fabio Panetta ausgesprochen. Er vertrat die Position, dass das Risiko eines zu großen weiteren Stimulus geringer sei als die Gefahren bei einer zu schwachen Reaktion. Im Hinblick auf die steigende Zahl an Corona-Infektionen in vielen Euro-Ländern betonte er, dass dies das Wachstum schwäche und dadurch eine längere Unterstützung der Wirtschaft nötig sei.

EZB-Präsidentin: Lagarde als Krisenmanagerin: So fällt die Bilanz ihres ersten Jahres aus

  EZB-Präsidentin: Lagarde als Krisenmanagerin: So fällt die Bilanz ihres ersten Jahres aus EZB-Präsidentin: Lagarde als Krisenmanagerin: So fällt die Bilanz ihres ersten Jahres ausDie Krise nimmt kein Ende: Überall in Europa bricht sich das Coronavirus mit Macht in einer zweiten Welle Bahn. Ökonomen senken erneut ihre Wachstumsprognosen. Je schwerer die Krise, desto größer sind die Erwartungen an Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Am Donnerstag wird sie mit ihren Kollegen im EZB-Rat über weitere Geldspritzen beraten, die Europas Wirtschaft am Leben erhalten sollen.

EZB -Präsident Mario Draghi hatte im Januar mit Verweis auf trübere Konjunkturdaten Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik geweckt. Der EZB -Rat werde den Anti-Krisen-Kurs bei der nächsten Sitzung am 10. Hilft die Notenbank nach?

EZB -Daten zufolge waren zuletzt staatliche Schuldscheine im Gesamtwert von rund 6,5 Billionen Die ersten Anleihekäufe der EZB 2010 führten zum Zerwürfnis zwischen den damaligen Spitzen von Hoffnungen, im Zweifelsfall nicht für die Verluste anderer nationaler Notenbanken gerade stehen zu

Auch ING-Ökonom Brzeski geht davon aus, dass weitere Lockdown-Maßnahmen das Wachstum im vierten Quartal dämpfen werden. Bislang würden sich diese zwar hauptsächlich auf den Dienstleistungs- und Freizeitsektor erstrecken. Es sei aber nicht auszuschließen, dass ähnliche Maßnahmen wie im Frühjahr ergriffen werden müssen. In diesem Falle drohe ein doppelter Einbruch der Wirtschaft im Euro-Raum.

Das wichtigste Instrument der EZB, um auf eine neuerliche Schwäche der Wirtschaft zu reagieren, ist ihr Anleihekaufprogramm PEPP. Dieses hatte sie im März als vorübergehende Maßnahme in der Coronakrise beschlossen. Erklärtes Ziel ist es, die Märkte zu stabilisieren und ein Abrutschen der Inflation zu verhindern. Ursprünglich war ein Ankaufvolumen von 750 Milliarden Euro geplant. Doch schon im Juni stockte die EZB auf 1,35 Billionen Euro auf und verlängerte die Laufzeit bis mindestens Mitte 2021.

Befürworter einer eher lockeren Geldpolitik argumentieren, dass es wichtig sei, Spielraum zu haben und präventiv zu handeln, um die Märkte zu beruhigen. Bislang waren von dem vorgesehenen Volumen bis Ende September lediglich 567 Milliarden Euro ausgeschöpft. Oxford-Economics-Experte Rakau rechnet daher eher nicht damit, dass die EZB bereits im Oktober handelt. Er prognostiziert eine Ausweitung um weitere 250 Milliarden Euro erst für Dezember. Andere Ökonomen erwarten sogar eine Ausweitung um 500 Milliarden Euro.

Elga Bartsch : Blackrock-Ökonomin über Lagarde: „Sehr gut durch die Krise gesteuert“

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Die Europäische Zentralbank ( EZB ) hat am Donnerstag Bedingungen für den weiteren Ankauf von Staatsanleihen formuliert und damit Enttäuschung an den Finanzmärkten verursacht. EZB -Präsident Mario Draghi sagte in Frankfurt, die Risikoprämien für einige Staatsanleihen hingen damit zusammen

" Anleihekäufe der EZB werden weitergehen". Ökonomen sehen in ersten Reaktionen die Tragweite des Die Notenbank ist politisch unabhängig. Das war vor allem den Deutschen bei der Gründung 1998 Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau. Das sieht die Zentralbank am ehesten

Neben diesem neuen Anleihekaufprogramm läuft bis mindestens Ende des Jahres ein älteres Programm mit dem Kürzel PSPP zum Ankauf von Anleihen für 20 Milliarden Euro monatlich. Außerdem kann die EZB über dieses ältere Programm zusätzliche Käufe in Höhe von 120 Milliarden Euro zeitlich flexibel verteilen.

Bei dem älteren Programm hat sich die EZB stark an bestimmte Prinzipien gebunden wie die Auflage, dass sich die Käufe an ihrem Kapitalschlüssel orientieren, der sich nach Bevölkerungsgröße und Wirtschaftskraft der Euro-Länder bemisst. Zudem darf sie hier nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen. Bei dem neu konzipierten PEPP-Programm dagegen behält sie sich hier mehr Flexibilität vor.

EZB könnte unter Rechtfertigungsdruck geraten

Sollte die EZB in dieser Woche ein deutliches Signal in die Richtung senden, dass sie schon im Dezember eine Aufstockung ihres Kaufprogramm beschließen könnte, könnten die Spannungen im Rat dadurch wieder zunehmen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann etwa warnte vor Kurzem, das Notfallprogramm dürfe nicht zur Dauereinrichtung werden.

Denn das PEPP-Programm ist nur als temporäre Reaktion auf die Coronakrise vorgesehen ist. Daher stellt sich die Frage, wie lange es überhaupt laufen darf. Falls es bald einen Impfstoff gibt, könnte sich die Wirtschaft schnell normalisieren. Denkbar ist aber auch, dass die wirtschaftlichen Effekte der Krise noch sehr viel länger anhalten.

EZB bleibt in Corona-Krise in Alarmbereitschaft

  EZB bleibt in Corona-Krise in Alarmbereitschaft Die Pandemie hat Europa fest im Griff, die Erholung der Wirtschaft gerät ins Stocken. Europas Währungshüter sehen dies mit Sorge. Noch legt die EZB aber nicht nach.Die seit einem Jahr amtierende Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde hatte jedoch kürzlich betont: «Wenn mehr getan werden muss, werden wir mehr tun.

Falls es sich bei dem Inflationsrückgang um ein längerfristiges Phänomen handelt, wäre es für die EZB schwerer zu rechtfertigen, das PEPP immer weiter zu verlängern. Läuft es jedoch aus, besteht die Gefahr, dass es zu einem Klippeneffekt kommt: Mit dem plötzlichen Ende der Käufe würde das aktuell hohe Niveau auf einen Schlag auf null gesetzt. Das würde die Anleihemärkte vermutlich unter Stress setzen. Daher könnte das ältere PSPP-Programm das geeignetere Instrument sein, um zu reagieren.

ING-Ökonom Brzeski erwartet deshalb, dass die EZB im Dezember eher das ältere PSPP-Programm ausweitet. Mark Wall, Europa-Chefökonom der Deutschen Bank, rechnet mit einer Kombination, also einer Ausweitung des alten und neuen Kaufprogramms. Er gibt allerdings zu bedenken, dass es angesichts der zunehmenden Risiken durch die Pandemie auch möglich ist, dass das PEPP-Programm bis Ende 2021 verlängert wird. Damit würde das Problem eines Klippeneffekts nach Auslaufen des Programms noch ein Stück in die Zukunft verschoben.

Mehr: Wie stark soll die EZB grüne Anleihen fördern?

Eine Eule: Christine Lagarde seit einem Jahr EZB-Chefin .
Seit einem Jahr steht mit Christine Lagarde erstmals eine Frau an der Spitze der EZB. Die Französin wollte vieles anders machen - und musste sich doch zunächst als Krisenmanagerin beweisen. © Frank Rumpenhorst/dpa/picture-alliance Provided by Deutsche Welle Ihr erstes Jahr an der Spitze der Europäischen Zentralbank hätte sich Christine Lagarde sicher anders vorgestellt. Doch gerade gut vier Monate im Amt konnte sie ihre ursprüngliche Agenda zunächst nicht weiter verfolgen: Sie wollte den Streit im EZB-Rat schlichten, den "normalen" Bürgern die Geldpolitik näher bringen und die Strategie überprüfen.

usr: 7
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