Finanzen Steigende Mieten: 74 Prozent der Deutschen haben Angst, die Wohnung zu verlieren

11:10  11 januar  2018
11:10  11 januar  2018 Quelle:   berliner-zeitung.de

Preisanstieg bei Immobilien soll sich verlangsamen

  Preisanstieg bei Immobilien soll sich verlangsamen Der vielerorts starke Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland dürfte laut Experten 2018 an Dynamik verlieren. Doch eine Trendwende sehen sie nicht - auch wenn der Immobilienboom schon ein Jahrzehnt andauert und damit länger als üblich. Nun ist zumindest etwas Erleichterung in Sicht.«Die Preise dürften weiter steigen, aber weniger stark als in den Vorjahren», sagte Reiner Braun, Vorstand beim Analysehaus Empirica, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Der stärkere Neubau dämpfe den Auftrieb, auch wenn das Ziel für Hunderttausende neue Wohnungen bundesweit erneut verfehlt worden sei.

Wohnungssuche: Steigende Mieten: 74 Prozent der Deutschen haben Angst, die Wohnung zu verlieren © dpa Steigende Mieten: 74 Prozent der Deutschen haben Angst, die Wohnung zu verlieren

Drei von vier Menschen in Deutschland machen sich Sorgen, dass steigende Mieten die Wohnung kosten könnten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage für den Deutschen Caritasverband hervor, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

74 Prozent der rund 1000 Befragten sehen demnach durch hohe Mieten die Gefahr, die Wohnung zu verlieren, sagte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, zum Start der Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Darunter sind verstärkt Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis 2000 Euro im Monat. Doch auch die Mehrheit der Gutverdiener sieht Risiken.

Verbilligte Vermietung: Miethöhe muss ausreichend sein

  Verbilligte Vermietung: Miethöhe muss ausreichend sein Wer eine Wohnung zu einem günstigen Mietpreis an Angehörige oder fremde Dritte vermietet, sollte zum Jahreswechsel die Miethöhe überprüfen. Das empfiehlt der Bund der Steuerzahler in Berlin. Der Grund: Die vereinbarte Warmmiete muss mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete betragen, um die mit den Mieteinnahmen zusammenhängenden Ausgaben voll als Werbungskosten absetzen zu können. Liegt die Miete unterhalb der Grenze, können die Aufwendungen für die vermietete Wohnung nur anteilig abgesetzt werden.

Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Vier von fünf Befragten (79 Prozent) sehen das Risiko, wegen der steigenden Mieten in Armut zu geraten. Für fast zwei Drittel (61 Prozent) der Interviewten sind immer höhere Miet- oder Kaufpreise für Wohnraum inzwischen eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Bezahlbares Wohnen zählt laut der Umfrage zusammen mit den Themen Pflege, Kinderarmut und Rente zu den zentralen Themen, mit denen sich die Politik beschäftigen sollten - noch vor dem Thema Arbeitslosigkeit. „Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftliches Konfliktpotenzial birgt“, kommentierte Neher.

Steigende Mieten träfen nicht länger nur Menschen mit geringem Einkommen. Auch Krankenschwestern, Polizisten oder Erzieherinnen spürten, dass bezahlbarer Wohnraum mittlerweile Mangelware sei. „Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht“, betonte er.

Thore Schölermann: Diebe räumen Wohnung aus

  Thore Schölermann: Diebe räumen Wohnung aus Diebe erbeuteten in der Kölner Wohnung von TV-Moderator Thore Schölermann Gegenstände und Bargeld im Wert von etwa 25.000 Euro. TV-Moderator Thore Schölermann (33) und Freundin Jana Kilka (30) wurden Opfer eines Einbruchs, wie "Bild" berichtet. Ihre Wohnung in der Kölner Innenstadt sei ausgeräumt und verwüstet worden. Entdeckt habe das sein Manager, so Schölermann zu dem Blatt: "Ich war unterwegs. Er wollte etwas für mich aus unserer Wohnung holen, als die unangenehme Nachricht kam.

Ein Drittel des Einkommens für Miete ausgeben

Die Motive der neuen Caritas-Kampagne zeigen Familien, die auf dem Marktplatz campen und Rentner, die vor ihrem Wohnblock in der Badewanne sitzen mit dem Untertitel: In Deutschland fehlen eine Million Wohnungen. Für Caritas-Sprecherin Claudia Beck zeigen die Umfrage-Ergebnisse, wie elementar das Thema Wohnen für breite Bevölkerungsschichten ist. Der Mangel treffe nicht allein die Metropolen, sondern inzwischen auch Städte wie Würzburg, Darmstadt oder Trier.

Caritas © dpa Caritas

Immer mehr Menschen erführen, dass sie nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt seien oder mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete ausgeben müssten, ergänzte Neher.

„Die neue Bundesregierung sollte da nicht zwei Jahre lang tatenlos zugucken.“ Ab 2020 liege die gesetzliche Verantwortung für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus nicht mehr beim Bund, sondern bei den Bundesländern.

Wann darf Vermieter die Wohnung eines Verstorbenen räumen?

  Wann darf Vermieter die Wohnung eines Verstorbenen räumen? Verstirbt der Mieter und melden sich dessen Erben nicht, kann der Vermieter beim Nachlassgericht Anordnung von Nachlasspflegschaft beantragen. Mit dem eingesetzten Nachlasspfleger kann die Räumung dann bewerkstelligt werden. In dem vom Kammergericht in Berlin (KG) verhandelten Fall (Az.: 19 W 102/17) war der Mieter einer Wohnung gestorben. Die Erben meldeten sich aber nicht. Allerdings wollte der Vermieter die leerstehende Wohnung bald räumen. Ohne Erben hatte er aber keinen Ansprechpartner.

Als einen der Hauptgründe für den Wohnungsmangel sieht Neher neben Zuzug den Verlust sozial gebundener Wohnungen. Gab es 1987 nach Angaben der Caritas noch 3,9 Millionen Sozialwohnungen, waren es 2015 nur noch 1,3 Millionen. Der Caritas-Chef sieht auch die Kommunen in der Pflicht, für einkommensschwache Haushalte als Bauträger zu fungieren. Dafür sei es nötig, ökologisches und bezahlbares Bauen in ein angemessenes Verhältnis zu setzen.

„Wohnungspolitik ist immer auch Sozialpolitik“, sagte Neher.

In der Umfrage sehen rund zwei Drittel der Interviewten (70 Prozent) die Mietpreisbremse als geeignete Maßnahme, um bezahlbares Wohnen sicherzustellen. Deutlich mehr Zustimmung findet die Förderung sozialen Wohnungsbaus (84 Prozent), preiswerter Wohnraum für benachteiligte Gruppen (80 Prozent) und die Förderung von Wohnungsgenossenschaften (80 Prozent. Für eine überwältigen Mehrheit von 93 Prozent zählt Wohnen in der Umfrage zu den Menschenrechten. (dpa)

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Mehr Menschen als je zuvor leben auf der Straße. Obdachlosigkeit ist auch im wohlhabenden Deutschland ein Problem. Sandra Maischberger fragt: Muss der Staat mehr tun? Darum ging's Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland nimmt dramatisch zu. Aktuelle Schätzungen gehen von 860.000 Menschen aus, die in diesem Winter keine Wohnung haben. Sandra Maischberger will mit ihren Gästen darüber sprechen, warum Menschen eigentlich auf der Straße landen und ob der Staat genug für sie tut.Darum ging's wirklichZwei ehemalige Obdachlose erzählen, wie es dazu kam, dass sie in Gartenlauben oder Parks lebten.

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