Finanzen Wirecard: Unterlagen aus Marsaleks Villa zeigen: KPMG hat dubiosen Mauritiusfonds beraten

21:10  25 november  2020
21:10  25 november  2020 Quelle:   handelsblatt.com

Vor den Zeugenvernehmungen: Wer wusste was bei Wirecard?

  Vor den Zeugenvernehmungen: Wer wusste was bei Wirecard? Am Donnerstag werden die ersten Zeugen im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal angehört. Im Zentrum steht Markus Braun. © Foto: imago images/Sven Simon Wird er reden? Michael Braun, Chef von Wirecard. Es wird spannend im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sechs Wochen nach der offiziellen Einsetzung beginnen am Donnerstag die Zeugenbefragungen.

Hunderte Wirecard -Millionen verschwanden in Asien und auf Mauritius . Wie Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ), WDR und NDR zeigen , dürften über eine Briefkastenfirma auf Mauritius sowie fragwürdige Kredite an Daraufhin kauft Wirecard dem obskuren Fonds namens "EMIF 1A"

Berlin, 24. Nov (Reuters) - Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum milliardenschweren Wirecard WDIG.DE -Bilanzskandal soll am Donnerstag mit einer Aussage von "Der Druck auf EY wird nach der KPMG -Aussage massiv steigen", sagte SPD-Politiker Jens Zimmermann am Dienstag.

KPMG hat im Wirecard-Skandal seine Rolle bei einem umstrittenen Indien-Deal verschwiegen. Interne Dokumente zeigen jetzt: Die Prüfer haben auch den verdächtigen Fonds beraten.

Der Hauptsitz der Firma in Aschheim. © ddp images/Sven Simon Der Hauptsitz der Firma in Aschheim.

Neue Probleme für KPMG: Die Prüfer, die im Wirecard-Skandal den langjährigen Jahresprüfer EY auf die richtige Fährte brachten, geraten jetzt selbst unter Druck. Interne Dokumente zeigen, dass KPMG deutlich stärker für einen dubiosen Fonds auf Mauritius aktiv war als bisher bekannt – und diesen Fakt verschwiegen hat.

Konkret geht es um das umstrittene Vehikel „Emerging Markets Investment Fund 1A“ („EMIF“). Der Fonds spielte eine entscheidende Rolle bei der wohl dubiosesten Transaktion der Wirecard-Geschichte. 2015 wollte Wirecard den indischen Markt erobern und kaufte hierzu für über 320 Millionen Euro eine heimische Firmengruppe um das Unternehmen Hermes i Tickets.

Bilanzskandal: Ex-Wirecard-Chef entlastet Politik und Aufsicht

  Bilanzskandal: Ex-Wirecard-Chef entlastet Politik und Aufsicht Bilanzskandal: Ex-Wirecard-Chef entlastet Politik und AufsichtDer frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard, Markus Braun, sieht kein unlauteres Verhalten von Behörden und Politik im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal. Er habe „zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten“, sagte Braun am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer.

Im Wirecard -Skandal hat die Staatsanwaltschaft München nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mehr als eine halbe Milliarde Euro Privatvermögen eingefroren. Doch damit könne nicht annähernd der entstandene Schaden ausgeglichen werden.

Hauptverdächtiger im Wirecard -Betrugsskandal: Ex-Vorstand Jan Marsalek (40)Foto: Wirecard . Jetzt kam heraus: Die Unterlagen stammten anscheinend aus Österreich! Laut „OE24“ laufen Ermittlungen gegen drei Ministerien: das Außen-, das Verteidigungs- und das Wirtschaftsministerium.

Das Merkwürdige: Die Firmen hatten bereits wenige Wochen zuvor den Besitzer gewechselt – für nur 35 Millionen Euro. Gekauft hatte das Geschäft der „EMIF“-Fonds mit Sitz in der Steueroase Mauritius.

Wer hinter dem Fonds steckt, ist bis heute unbekannt und eine zentrale Frage des Wirecard-Skandals. Ein Verdacht der Ermittler: Der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek und andere Manager könnten mithilfe von „EMIF“ einen dreistelligen Millionenbetrag auf Kosten des Konzernvermögens abgezweigt haben. Längst interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für die Hintergründe.

Bereits im Oktober war durch Recherchen des „Spiegels“ bekanntgeworden, dass KPMG im Juli 2016 als Bilanzprüfer des Mauritius-Fonds tätig geworden war. Zwar wurde die Prüfung laut KPMG aufgrund fehlender Kooperation durch „EMIF“ nach einem halben Jahr abgebrochen. Dennoch warf das Engagement Fragen auf.

Wirecard: Ex-Vorstand Markus Braun mauert

  Wirecard: Ex-Vorstand Markus Braun mauert Im größten Betrugsfall der Nachkriegszeit hat auch der Bundestag viele Fragen. Welche Rolle spielte die Politik? Hat die Aufsicht versagt? Der erste Zeuge wurde aus dem Gefängnis vorgeführt. Aus Berlin Sabine Kinkartz. © Fabrizio Bensch/REUTERS Provided by Deutsche Welle Das Medieninteresse war gewaltig, als der Wirecard-Untersuchungsausschuss im Bundestag zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammentrat. Als erster Zeuge war Markus Braun geladen, der frühere Vorstand der Wirecard AG, der seit Juli in Augsburg in Untersuchungshaft sitzt.

Die Wirecard -Aktie ist abgestürzt. Der Grund: Wirtschaftsprüfer Ernst & Young hat dem Zahlungsdienstleister das Testat für die endgültige Jahresbilanz von

Heute spreche ich über meinen Kaufkurs in Wirecard , zeige euch am Bildschirm die Handelsmarken in der Wirecard Aktie und habe außerdem noch eine kleine Überraschung für euch. Los geht´s!

Kritisiert wurde vor allem, dass KPMG die Tätigkeit für „EMIF“ im Zuge seiner Sonderprüfung der Wirecard-Bilanzen nicht erwähnt hatte: Der Anhang zum Prüfbericht verschwieg das eigene Engagement.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard aus Aschheim hatte im Juni aufgrund mutmaßlichen milliardenschweren Betrugs Insolvenz angemeldet.

KPMG hat Mauritius-Fonds geprüft und beraten

Interne Dokumente, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen nun, dass KPMG deutlich näher an „EMIF“ dran war als bisher bekannt. So hat die Gesellschaft den Mauritius-Fonds nicht nur zumindest zeitweise geprüft, sondern auch beraten: Ein auf Februar 2016 datierter KPMG-Foliensatz behandelt die Aufstellung eines „Employee Incentive Plan (EIP)“, eines neuen Vergütungssystems, für „EMIF“.

„Emerging Markets Investment Fund 1A (,Emerging Markts' oder ,der Kunde' oder ,der Fonds') hat den Kauf von Hermes i Tickets Private Limited (,Hermes') abgeschlossen, einem indischen Anbieter von Zahlungs- und Reiselösungen für Endverbraucher“, heißt es in dem englischsprachigen Dokument.

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Unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe wollte der damalige Wirecard -COO Jan Marsalek österreichische Behörden in den Aufbau einer Miliz in Libyen involvieren. Bald gäbe es neues Equipment, zum Beispiel Bodycams, aber die Videos davon könne man wohl nicht zeigen – zu brutal.

Vertrauliche Unterlagen zum russischen Nervengift Nowitschok, über die der untergetauchte Ex- Wirecard -Manager Jan Marsalek verfügt hat, stammen aus Österreich. Das geht laut einem Bericht der Tageszeitung "Österreich" aus einer Anzeige von Außen-, Verteidigungs- und

„EMIF“ baue derzeit eine neue Gesellschaft auf, bestehend aus dem Reisegeschäft von Hermes und der aufgekauften Firma Orbit. Diese neue Gesellschaft sei dabei, „einen aktienbasierten Vergütungsplan für ihre Angestellten zu implementieren“.

Die Berater von KPMG schlagen in der Folge mehrere Modelle für die „EMIF"-Gesellschaft vor und referieren deren Vor- und Nachteile, unter anderem in steuerlicher Hinsicht. Mit dabei: ein „Employee Stock Option Plan“, ein „Employee Share Purchase Plan“ und ein „Phantom Equity Plan“. Das Ziel des Vorhabens: „neue Talente zu gewinnen und zu halten“.

Erstellt worden ist das Dokument vom indischen Ableger von KPMG. Eine Steuerexpertin wird als KPMG-Partnerin besonders hervorgehoben. Im öffentlichen Bericht und im vertraulichen Anhang zur Wirecard-Sonderprüfung fand die Beratungstätigkeit für „EMIF“ jedoch keine Erwähnung.

Fundort der Unterlagen ist Marsaleks Privatbüro

Heikel ist auch der Fundort des Dokuments: Der Foliensatz zum „Employee Incentive Plan“ fand sich im ehemaligen Privatbüro von Jan Marsalek in der Prinzregentenstraße in München. Die Gründerzeitvilla liegt direkt gegenüber dem russischen Konsulat und steht derzeit leer.

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Von hier aus soll Marsalek Insidern zufolge sein Firmen-Parallelreich aufgebaut haben, das – so der Verdacht der Münchener Ermittler – auch dazu gedient haben könnte, im großen Stil Gelder aus dem Wirecard-Konzern abzuzweigen.

Die Villa war kurz nach dem Abtauchen Marsaleks durchsucht worden. Da KPMGs Indien-Engagement damals noch nicht im Fokus stand, ist es denkbar, dass die Ermittler die fraglichen Unterlagen übersehen haben. Inzwischen liegen sie der Staatsanwaltschaft München vor.

Der Fundort wirft neue Fragen zu den Hintermännern von „EMIF“ auf – und zu KPMGs Einblicken in die Hintergründe des Mauritius-Vehikels. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Marsalek Anfang 2020 noch behauptet, man habe 2015 nicht abgeklärt, wer hinter dem Fonds stecke: Das sei ein „schwerer Fehler“ gewesen.

Keine Verbindung zwischen Marsalek und „EMIF“

Marsalek hatte per eidesstattlicher Versicherung gegenüber dem Aufsichtsrat und auch gegenüber KPMG angegeben, dass er nicht zu den wirtschaftlich Berechtigten des Fonds zähle und diese nicht kenne.

Im Anhang zum Prüfbericht notierte KPMG, dass sich keine Verbindung zwischen ihm und „EMIF“ habe feststellen lassen. Außerdem erklärten die Prüfer: „Aus den KPMG zur Verfügung gestellten Unterlagen sowie den durch KPMG durchgeführten Hintergrundrecherchen in öffentlich zugänglichen Medien ergaben sich keine Informationen, wer der letztendlich wirtschaftlich Berechtigte von EMIF 1A bzw. EMIF ist.“

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Auf Fragen des Handelsblatts, ob KPMG im Zuge seiner Beratungstätigkeit im Jahr 2016 mehr über die Führung oder die wirtschaftlich Berechtigten von „EMIF“ herausgefunden habe, wollte die Prüfgesellschaft nicht antworten.

Auch die Tatsache, dass KPMG-Beratungsunterlagen im früheren Büro Marsaleks liegen, wollte KPMG nicht kommentieren. Schweigsam gaben sich die Prüfer auch auf die Frage, ob es weitere Beratungstätigkeiten für das Mauritius-Vehikel gab.

Derzeit könne man keine weiteren Hintergrundinformationen zu vertraulichen Kundenengagements geben, heißt es bei KPMG. „KPMG verfügt über gründliche Prozesse, um Interessenkonflikte zu vermeiden und höchste Qualitätsstandards sicherzustellen“, erklärte ein Sprecher.

KPMG hat weitere Beratungsdienste erbracht

Der Vorschlag eines „Employee Incentive Plan“ ist nicht das einzige Dokument, das sich im früheren Büro von Jan Marsalek fand. Ein anderer KPMG-Foliensatz, der dem Handelsblatt vorliegt, ist mit „Project Voyage“ betitelt.

Aus diesem geht hervor, dass KPMG weitere Beratungsleistungen für die indischen Unternehmen Hermes und Orbit aus dem „EMIF“-Universum erbracht hat. In einem mit „Weekly Status Review“ betitelten Dokument vom 29. Januar 2016 geht KPMG auf die „aktuelle Organisationsstruktur“, den „Übergang der Reisedienstleistungen von Hermes auf die Neue Gesellschaft“ und „Wachstumsstrategien für die Neue Gesellschaft“ ein.

„Neue Gesellschaft“ könnte sich Wirecard-Managern zufolge auf Goomo beziehen, einen weiteren verdächtigen Wirecard-Partner, der als Endverbraucher-Tochter von Orbit geplant worden sein soll. Orbit hätte sich damit auf den Bereich Geschäftsreisen konzentriert, Goomo auf Reisen für Privatleute.

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KPMG hat nicht alle Details seines Indien-Engagements verschwiegen. Zumindest einen Fakt hatte der vertrauliche Anhang des Sonderprüfberichts offenbart: Für den Verkäufer eines Teils der indischen Unternehmensgruppe hatte die Prüfgesellschaft eine sogenannte Vendor-Due-Diligence-Prüfung durchgeführt, also mögliche Fallstricke beim Verkauf an „EMIF“ untersucht.

Der für das Projekt zuständige KPMG-Mitarbeiter hieß G. Er wechselte laut Recherchen der „Financial Times“ einige Monate später auf eine Management-Position bei Goomo, der von „EMIF“ kontrollierten neuen Gesellschaft. Diese hatte nachweislich beste Drähte nach Aschheim: Goomo erhielt 2017 eine Finanzierung über 50 Millionen Dollar von „EMIF“ – und ein Darlehen über elf Millionen Euro von der Wirecard Bank, das bis zuletzt nicht zurückgezahlt worden sein soll.

Wie zentral G. für die vielseitigen Engagements von KPMG war – erst für die Due Diligence der Verkäufer-, dann für die Beratung der Käuferseite der indischen Firmen –, belegt der Foliensatz für das bisher unbekannte „Project Voyage“ aus der Prinzregenstraße. Er nennt einen KPMG-Partner als Verantwortlichen: Es ist erneut G. Was dieser über die Hintermänner von „EMIF“ weiß, ist unbekannt: Auf eine Handelsblatt-Anfrage reagierte G. nicht.

Mehr: Millionenschwere Übernahmen und dubiose Partner: Wirecards Geschäft mit überteuerten Zukäufen.

Von hier aus soll Marsalek sein Firmen-Parallelreich aufgebaut haben. © ddp images/Sven Simon Von hier aus soll Marsalek sein Firmen-Parallelreich aufgebaut haben.

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Wirecard-Skandal: Jan Marsalek und der Coup des JahrhundertsDer Betrug beim insolventen Bezahldienstleister Wirecard ist offenbar noch größer als gedacht. 1,9 Milliarden Euro fehlten in der Bilanz, so lautete die bisherige Annahme. Nun zeigen Recherchen: Die Existenz weiterer 800 Millionen Euro Treuhandvermögen ist fraglich.

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