Finanzen Warum Lob vom Chef falsche Signale setzt und kontraproduktiv ist

10:05  10 august  2018
10:05  10 august  2018 Quelle:   msn.com

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Die gängigen Führungsratgeber sind sich einig: Vorgesetzte sollen viel mehr loben , das erhöhe die Mitarbeitermotivation. Erscheint logisch. Wenn dir jemand auf die Schulter klopft, fühlt sich das ja erst mal gut an. Warum Loben im Arbeitsalltag dennoch nichts zu suchen hat.

Zu viel Lob für Kinder ist kontraproduktiv . Facebook macht glücklich – das Belohnungszentrum im Gehirn reagiert auf virtuelle Anerkennung. Ein Lob vom Chef fungiert als Messlatte für Erfolg. Dass der Vorgesetzte zufrieden ist mit der Leistung, kann das Team nicht ignorieren.

Sieht erstmal gut aus, ist aber gefährlich: Loben hat im Arbeitsalltag nichts zu suchen. © Fizkes/Shutterstock Sieht erstmal gut aus, ist aber gefährlich: Loben hat im Arbeitsalltag nichts zu suchen.

Die gängigen Führungsratgeber sind sich einig: Vorgesetzte sollen viel mehr loben, das erhöhe die Mitarbeitermotivation. Erscheint logisch. Wenn dir jemand auf die Schulter klopft, fühlt sich das ja erst mal gut an. Warum Loben im Arbeitsalltag dennoch nichts zu suchen hat.

„Das hast du gut gemacht“, die Aussage vom Chef geht runter wie Öl. Im ersten Moment. Doch schon Sekunden später fühlt es sich irgendwie unangenehm an. Das Lächeln, das wir eben noch aufsetzen wollten, verkümmert auf halbem Weg. Plötzlich bekommen die Worte einen schalen Beigeschmack: „Wer ist dieser Typ, dass er mir sagen kann, ich hätte etwas gut gemacht? Da fehlt ja nur noch, dass er mir einen Lolly anbietet... “. Die Situation rutscht ab ins Eltern-Kind-Schema. Dabei macht der Chef doch alles richtig, Lob steht schließlich auf seiner Führungsagenda. Auch die Gallup-Studie bestätigt, dass Lob die Motivation und Bindung ans Unternehmen erhöht. Ja, warum fühlt es sich dann nicht gut an? Sind sämtliche Management-Ratgeber auf dem Holzweg? Ja, sagen Jana Meitzner und Katharina Staudinger von intrinsify.me, einem Netzwerk, das sich für eine neue Arbeitswelt und moderne Unternehmensführung engagiert. Sie sprechen in ihrem Blogbeitrag sogar von handfesten Gefahren.

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Eine Absage ans Lob vom Chef bedeutet nicht, dass Zuwendung im Arbeitsalltag keinen Raum haben soll. Seit 2005 ist er Redakteur im Ressort Wissen, wo er als Chef von Dienst arbeitet und vor allem über Themen aus der Doch die Anzeichen mehren sich, dass Lob auch kontraproduktiv sein kann.

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Loben macht klein

Erfolgt die Bewertung deiner Leistung durch den Vorgesetzten, also „von oben“, dann wird sie als Führungsinstrument wahrgenommen. „Es kann Mitarbeitern nicht egal sein, wenn sie gelobt werden, weil es die Führungskraft ist, die das Lob ausspricht“, so Meitzner und Staudinger. Die Mitarbeiter nähmen Lob als positive Verstärkung eines einmal gezeigten Verhaltens wahr. Solche Situationen und die verwendete Sprache erinnern an Eltern-Kind-Beziehungen – an das Lob nach dem Aufräumen des Zimmers. Es hat weniger damit zu tun, dass die Kompetenz beim Aufräumen brillant war, sondern vielmehr damit, dass es dem Ansinnen der Eltern entspricht, dass das Kind aufgeräumt hat. Statt Stolz zu empfinden, fühlt sich der Mitarbeiter klein und kindlich.

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Loben blendet den Kunden aus

Ein Lob vom Chef fungiert als Messlatte für Erfolg. Dass der Vorgesetzte zufrieden ist mit der Leistung, kann das Team nicht ignorieren. Damit wird das Lob zur internen Referenz – heißt konkret: Das Team richtet sich nach der Chefmeinung aus. Was dann passiert ist gefährliche Augenwischerei. Die Leistungsbewertung kommt aus dem Unternehmen – und nicht vom Markt. Doch wer weiß schon, ob die Chefmeinung mit den Kundenbedürfnissen draußen übereinstimmt? Lobt hingegen der Kunde und vergibt einen Folgeauftrag, dann kann die Mannschaft davon ausgehen, auf dem richtigen Weg zu sein. Erst eine direkte Rückmeldung vom Markt gibt die richtige Orientierung für das Team. Die Meinung vom Vorgesetzten ist für den Erfolg am Markt vollkommen irrelevant.

Loben macht abhängig

Wenn Führungskräfte loben, steckt dahinter möglicherweise ein tayloristisch geprägtes Menschenbild – nämlich: Menschen seien von Natur aus faul. Es brauche also so etwas wie Belohnung, Bestrafung und Lob, damit das Ergebnis am Ende stimmt. Ist das so? Wenn wir loben, verbessert sich dann das Ergebnis? Eben nicht. „Wir beobachten, dass ein ‚Weiter so‘ die intrinsische Motivation nicht nach oben schnellen lässt“, so Meitzner und Staudinger. Im Gegenteil. Lob wirke wie Manipulation und nicht wie echte Anerkennung. „Lob wird damit funktionalisiert oder gar institutionalisiert“. Gut gemeint und dennoch unwirksam. „Mitarbeiter interessieren sich naturgemäß für ihre Arbeit“, sind Meitzner und Staudinger überzeugt. „Sie wollen Wirkung erzielen“. Karotten stünden nicht auf der Wunschliste. „Trotzdem sind wir Menschen ständig auf der Suche nach Anerkennung und Resonanz“, so die Autorinnen. Wenn Lob in Organisationen dazu genutzt wird, dieses Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen, dann wird eine Abhängigkeitsspirale in Gang gesetzt. „Wir beobachten häufig, dass sich Mitarbeiter an einer erhofften positiven Bewertung durch die Vorgesetzten ausrichten – und sich damit in eine persönliche Abhängigkeit hinein manövrieren“, so Meitzner und Staudinger. Bliebe das Lob aus, könne das plötzlich als Scheitern empfunden werden. Lob wird zur Droge. Fehlt diese, droht der „kalte Entzug“. Damit verliert die Organisation zunehmend ihre Fähigkeit zu selbst bestimmtem Handeln. Sie trachtet nur noch danach, Lorbeeren und Statussymbole anzuhäufen. Noch ein Bonus, das Einzelbüro, der Firmenwagen – das werden die Zielkoordinaten der Mitarbeiter. Was für eine Zeitverschwendung.

Wertschätzung? Ja bitte!

Eine Absage ans Lob vom Chef bedeutet nicht, dass Zuwendung im Arbeitsalltag keinen Raum haben soll. Im Gegenteil. Wertschätzung und gegenseitiger Respekt sind wichtige Zutaten für eine fruchtbare Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und das bedingungslos, hierarchiefrei – und unabhängig davon, ob die Leistung gerade gut oder schlecht ist. Läuft etwas schief, dann muss man reden. Kommt ein großer Folgeauftrag ins Haus, dann wird gemeinsam gefeiert. Wie im richtigen Leben. Ein „Danke für euren Einsatz“ kommt hier wesentlich besser als ein gönnerhaftes „Das habt ihr gut gemacht“.


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