Finanzen Deutschland will Impfstoff-Produktion ausbauen

05:15  03 april  2021
05:15  03 april  2021 Quelle:   dw.com

Dessau - die neue Impfstoff-Hauptstadt Europas?

  Dessau - die neue Impfstoff-Hauptstadt Europas? Das ostdeutsche Bundesland Sachsen-Anhalt und hier vor allem die Stadt Dessau wollen zu einem Zentrum der europäischen Impfstoffprodduktion werden. Bei dem Plan geht es um mehr als nur Ehrgeiz. © Provided by Deutsche Welle Impfstoffabfüllung bei IDT Biologika in Dessau Die Stadt Dessau im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt ist schon in Deutschland nicht sonderlich bekannt, vom Ausland ganz zu schweigen. Seit 2007 heißt sie nach einer Städte-Fusion offiziell Dessau-Roßlau. Zumindest Liebhabern funktionalen Designs dürfte Dessau etwas sagen, denn der Ort ist untrennbar mit dem Bauhaus verbunden.

Deutschland hat sich binnen weniger Monate zu einem der zentralen Produktionsländer für Corona-Impfstoffe entwickelt. Das neue BioNTech-Werk in Marburg ist erst der Anfang.

Diese beiden BioNTech-Mitarbeitenden in Marburg führen gerade einen von rund 50.000 Arbeitsschritten zur Impfstoffproduktion durch © Kai Pfaffenbach/REUTERS Diese beiden BioNTech-Mitarbeitenden in Marburg führen gerade einen von rund 50.000 Arbeitsschritten zur Impfstoffproduktion durch

Die Impfstoffproduktion beginnt unter anderem mit Salzen, Fetten und Zucker - doch wie diese Stoffe in sogenannten Bioreaktoren verarbeitet werden, hat nichts mit einer herkömmlichen Backstube zu tun: Im neuen BioNTech-Werk im hessischen Marburg vergehen etwa 50.000 Arbeitsschritte bis zum fertigen Impfstoff. In diesen Tagen verlassen die ersten Erzeugnisse das Werksgelände, zuerst zu einer Abfüllanlage im belgischen Puurs. Anschließend werden die fertigen Dosen verteilt und sollen nach ihrer Endkontrolle ab Ende April verimpft werden.

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 ist der Astrazeneca-Impfstoff sicher? Ja! Hier ist, was Sie wissen, AstraZeneca, das pharmazeutische Unternehmen hinter dem neuesten -Covid-19-Impfstoff , um die Ergebnisse seiner klinischen Studie freizusetzen, sich an den in den Vereinigten Staaten bereits genehmigten Impfstoffe anzumelden.

Mit 250 Millionen Impfdosen pro Quartal allein aus Marburg will BioNTech die weltweite Impfkampagne gegen das Coronavirus weiter beschleunigen. Das neue Werk ist wohl die größte, aber nicht die einzige Maßnahme, mit der von Deutschland aus die Impfstoffproduktion erhöht werden soll.

"Deutschland hat sich wirklich in wenigen Monaten zu einem der absolut maßgeblichen Länder für die COVID-19-Impfstoff-Produktion in der Welt gemausert", sagt Rolf Hömke, Sprecher des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa). Die deutschen Werke seien jedoch auch darauf angewiesen, dass andere Arbeitsschritte an anderen europäischen Standorten erledigt werden.

Neue Produzenten, neue Abfüller

"Eine Reihe von Firmen werden in den nächsten Monaten mit dazukommen", sagt Hömke im DW-Gespräch. "Da werden die Früchte der Arbeit geerntet, die eigentlich in den letzten Monaten gemacht wurde."

Zwei neue Impfstoff-Werke in der EU

  Zwei neue Impfstoff-Werke in der EU Neue Fabriken in den Niederlanden und Deutschland werden die Versorgung mit Impfstoff beschleunigen, hofft die EU. Die Exportbeschränkungen für Großbritannien werden wohl kommen. Bernd Riegert aus Brüssel. © Robin Utrecht/picture alliance Mehr und schneller: Die EU ist auf der Suche nach Impfstoff und zertifiziert zusätzliche Fabriken Die Impfstoff-Fabrik Halix im niederländischen Leiden hat von der Europäischen Medikamenten-Agentur EMA die überfällige Zulassung erhalten. Dort lässt AstraZeneca schon seit Wochen auf Hochtouren produzieren.

So sollen etwa weitere Partner hinzukommen, die den BioNTech-Impfstoff abfüllen können - zusätzlich zur Firma Baxter im westfälischen Halle soll dieser Schritt bald auch bei Allergopharma in Reinbek bei Hamburg und bei Siegfried im niedersächsischen Hameln erfolgen. "Abfüllen klingt immer ganz trivial, aber so banal ist es nicht. Denn wenn man den Impfstoff auf die falsche Weise abfüllt, dann ist er unwirksam", erklärt Hömke.

Ein zweiter in Deutschland entwickelter Impfstoff soll bis Ende Juni zugelassen werden: Das Tübinger Unternehmen CureVac will mehr als 100 Millionen Dosen in Heidelberg herstellen. Darüber hinaus hat CureVac einige Partner ins Boot geholt, darunter den Pharmariesen Bayer: In Wuppertal soll noch in diesem Jahr die Produktion beginnen, nächstes Jahr will Bayer dort immerhin 160 Millionen Impfdosen produzieren.

Langwierige Vorbereitungen

Bei der Impfstoffproduktion und -abfüllung gelten neben den speziellen technischen Anforderungen auch extrem strenge Hygienevorschriften, die in Deutschland durchaus noch einmal strenger ausfallen können als in anderen Regionen der Welt. Einen Standort komplett neu einzurichten, sei nicht in unter einem Jahr zu schaffen, schätzt vfa-Sprecher Hömke.

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Schließlich brauche man selbst wenn alles aufgebaut ist noch Zeit, damit die Mitarbeitenden die Abläufe an den Maschinen einstudieren können, bevor die wertvollen Vorprodukte eingesetzt werden: "Genau die richtige Temperatur, genau die richtige Konzentration, genau die richtige Art, die Dinge zu mischen."

Doch selbst wenn man über eine Fabrik voller Spezialtechnik und qualifiziertes Personal verfügt, fehlt für den Impfstoff noch etwas: die Zutaten - zum Beispiel sogenannte Lipide, also Fettpartikel, mit deren Hilfe die mRNA-Bausteine im Körper der Impflinge an Ort und Stelle gelangen.

"Die Firmen haben natürlich im letzten Jahr, als absehbar war, dass sie von einer kleinen Produktion für Forschungszwecke zu einer Großproduktion für eine Weltversorgung wechseln müssen, auch mit ihren Zulieferern gesprochen", sagt Rolf Hömke. So fährt der Essener Chemiekonzern Evonik an zwei deutschen Standorten die Produktion von Lipiden hoch, die ab der zweiten Jahreshälfte an BioNTech geliefert werden sollen.

AstraZeneca-Aktie letztendlich schwächer: EU-Behörde EMA stellt sich hinter AstraZeneca-Impfstoff - Stiko bleibt bei AstraZeneca-Bewertung

  AstraZeneca-Aktie letztendlich schwächer: EU-Behörde EMA stellt sich hinter AstraZeneca-Impfstoff - Stiko bleibt bei AstraZeneca-Bewertung Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) steht im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiter hinter dem Impfstoff von AstraZeneca. © Bereitgestellt von Finanzen.net TORU YAMANAKA/AFP/Getty Images Es sei zwar ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff und sehr seltenen Thrombose-Fällen festgestellt worden, teilte die EMA am Mittwoch mit. Es gebe insgesamt aber weiter mehr Nutzen als Risiko beim Einsatz des Mittels. Eindeutige Risikofaktoren hätten bisher nicht identifiziert werden können. Deshalb schränke die EMA den Einsatz des Mittels nicht ein.

Die nächsten Impfstoffe warten bereits

Ein Unternehmen, das im Zuge der Impfkampagne in Deutschland an Bekanntheit gewonnen hat, ist IDT Biologika in Dessau im Bundesland Sachsen-Anhalt. Nach dem Zusammenbruch der DDR hatte die Treuhand, also die für die Privatisierung der früheren Staatsbetriebe zuständige Anstalt, "das Unternehmen mit seinen damals 30 Mitarbeitern zunächst als 'nicht sanierungsfähig' eingestuft", sagte Marcel Graul vom städtischen Amt für Wirtschaftsförderung im März der DW. Heute sei IDT bei einigen Impfpräparaten Weltmarktführer.

IDT Biologika hat sich vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer entwickelt - hier ein Blick in die Impfstoffabfüllung © Provided by Deutsche Welle IDT Biologika hat sich vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer entwickelt - hier ein Blick in die Impfstoffabfüllung

Inzwischen ist IDT auch selbst in die Corona-Impfstoffproduktion involviert: Mitte März begannen die Vorbereitungen zur Produktion des bereits in der EU zugelassenen Impfstoffs von Johnson & Johnson. Mit ersten Auslieferungen wird ab dem 19. April gerechnet. Insgesamt wird dort zwölf Wochen lang produziert - so lange wurde die geplante Herstellung eines Dengue-Impfstoffs verschoben. Aktuell baut IDT eine Produktionslinie für den Wirkstoff von AstraZeneca auf, die voraussichtlich Ende 2022 den Betrieb aufnehmen soll. Darüber hinaus laufen Verhandlungen, bereits im gerade begonnenen Quartal erste Chargen AstraZeneca zu produzieren.

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 PFIZER-Impfstoffeffizienz: Welchen Schutz gibt Pfizer-Impfstoff nach der zweiten Dosis? Ihr Browser unterstützt dieses Video Der Pfizer / Biontech -Impfstoff war der erste Coronavirus-Impfstoff, der für den Einsatz in Großbritannien zugelassen wurde. Der Impfstoff wurde auch in mehreren anderen Ländern genehmigt, wobei Millionen von Menschen den Impfstoff in den letzten Monaten erhalten. Für den Impfstoff ist der Pfizer-Impfstoff in zwei Dosen gegeben. Die NHS-Website erklärt, dass Menschen normalerweise zwei Dosen desselben COVID-Impfstoffs erhalten sollten.

Weiterhin steht IDT laut einem Sprecher in Verhandlungen zur Produktion des russischen Impfstoffs Sputnik V - allerdings noch ohne Ergebnis.

Im bayerischen Illertissen baut R-Pharm aus Russland derzeit eine Produktionsstätte auf, an der AstraZeneca in Lizenz produziert werden soll. Nach einer Zulassung in der EU könnte auch Sputnik V in Illertissen produziert werden. Dass die Impfstoffe AstraZeneca, Sputnik V und Johnson & Johnson häufig in einem Atemzug genannt werden, liegt übrigens daran, dass es sich bei ihnen um Vektorimpfstoffe handelt - die anders produziert werden als die neuartigen mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna.

Reserve für die Zukunft

Auf absehbare Zeit werden alle Kapazitäten dringend benötigt, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen: Am 31. März waren gerade einmal 4,31 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einmal geimpft, zudem rechnen Fachleute damit, dass neue Mutationen weitere Folgeimpfungen notwendig machen dürften. Bis Mai will die deutsche Impf-Taskforce, die federführend beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt ist, ein Konzept zur Impfstoffproduktion ab 2022 erstellen. "Ziel ist, den Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland für die Produktion von Impfstoffen mit neuartigen Technologien wie der mRNA-Technologie auszubauen und langfristig zu sichern", teilte das Ministerium auf DW-Anfrage mit. Solche Kapazitäten sollen auch für künftige Pandemien vorgehalten werden.

Rolf Hömke vom vfa weist darauf hin, dass es dafür eine Kostenteilung geben müsse zwischen den Herstellern, die in Fabriken und Fachpersonal investieren, und der öffentlichen Hand, "die möchte, dass die Anlagen ungenutzt für den Fall der Fälle weiter bereitgehalten werden".

Gleichzeitig könnten so nach der Pandemie jedoch auch mRNA-Impfstoffe gegen andere Krankheitserreger erprobt und hergestellt werden, gegen die es bislang noch keine Vakzine gibt.

Autor: David Ehl

Wann werden Kinder den Covid-Impfstoff bekommen? .
In der Nähe von 40 Millionen Menschen in Großbritannien haben den Coronavirus-Impfstoff heute erhalten, wobei die Regierung noch auf seinem Ziel eingesetzt ist, um alle britischen Erwachsenen ihre erste Dosis bis zum 31. Juli zu geben. Da Rollauszüge fortgesetzt werden und die Altersgruppen für ihren Impfstoff berechtigt sind, dreht sich der Fokus langsam, ob Kinder geimpft werden können oder können.

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