Finanzen Angela Merkel in der Werbung? Wie das Startup Tibber mit Deepfake-Elementen spielt

21:25  14 mai  2021
21:25  14 mai  2021 Quelle:   t3n.de

Merkel vor dem Petersberger Klima-Dialog unter Druck

  Merkel vor dem Petersberger Klima-Dialog unter Druck Wie jedes Jahr lädt die Bundesregierung zum Petersberger Klima-Dialog. Ein letztes Mal mit Angela Merkel. Umweltschützer fordern klare Finanzzusagen der Kanzlerin. © Kay Nietfeld/dpa/Getty Images Merkel spricht beim Klima-Treffen von US-Präsident Biden. Umweltschützer sind danach enttäuscht. Christiana Figueres, die frühere Chefin des UN-Klima-Sekretariats in Bonn, erinnert sich noch sehr genau an die Anfänge des Petersberger Klima-Dialogs. Damals, 2010, waren Klimaschützer und ambitionierte Politiker tief enttäuscht von den mangelnden Fortschritten internationaler Klima-Gespräche.

Das norwegische Elektrizitäts-Startup Tibber hat zum ersten Mal in Deutschland in einen TV-Spot mit Deepfake-Elementen gearbeitet. Was in der Werbung satirisch überspitzt und klar erkennbar ist, könnte technologisch schwierig werden.

Ist sie’s oder nicht? Der Tibber-Spot arbeitet mit Deepfake-Elementen. © Tibber / Try No Agency Ist sie’s oder nicht? Der Tibber-Spot arbeitet mit Deepfake-Elementen.

Das norwegische Elektrizitäts-Startup Tibber positioniert sich als smarter Stromanbieter, der Kunden dabei hilft, Strom zu sparen und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die Kunden zahlen für Strom aus erneuerbaren Quellen nur den jeweils tagesaktuellen Einkaufspreis – und eine Grundgebühr in Höhe von 3,99 Euro im Monat. Das Konzept, Kunden variabel abzurechnen, ist in anderen Ländern schon seit Jahren üblich, kann aber gerade zu Spitzenzeiten im Winter auch teurer werden als ein Stromanbieter mit fester Kalkulation.

Merkel spricht an niederländischem "Befreiungstag" über Einschränkung der Grundrechte

  Merkel spricht an niederländischem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am niederländischen "Nationalen Befreiungstag" die besondere Freundschaft zu den Niederlanden nach dem Ende des Krieges gewürdigt und die heutigen Herausforderungen für Freiheit und Grundrechte durch die Corona-Krise hervorgehoben. "Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Grundfreiheiten in einem Maße eingeschränkt, wie das vor der Pandemie außerhalb unserer Vorstellungskraft lag", sagte MerkelDie Maßnahmen seien nur dann vertretbar, wenn sie zeitlich befristet seien, betonte Merkel, die den Feierlichkeiten anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung der Niederlanden von der Besetzung Nazi-Deutschlands zugeschaltet war.

Das Unternehmen, das sich dafür einsetzt, möglichst wenig und ausschließlich grünen Strom zu verbrauchen, hat jetzt eine TV- und Social-Media-Kampagne gestartet, die für einiges Aufsehen sorgt. Zum wohl ersten Mal in Deutschland kommt hier Deepfake-Technologie zum Einsatz – und das gleich mit einem prominenten Testimonial, das freilich nicht selbst für Tibber wirbt. Angela Merkel erklärt im Spot: „Nachhaltige Energie ist gut. Stromsparen ist auch gut“ – und wirbt vermeintlich für die Energiewende und mehr Transparenz im Strommarkt.

Dabei startet der Spot mit dem Claim „Switch on Rebel“ natürlich zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt: „Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Klima-Plänen der Bundesregierung hat klar gemacht, dass die aktuellen Pläne der Politik nicht ausreichen. Das Thema Energiewende muss also im Wahljahr auf der nationalen Agenda nach oben rücken – unserer Ansicht nach ganz nach oben, weshalb wir Angela Merkel als Protagonistin gewählt haben“, erklärt Andreas Friedrich, Unternehmenssprecher des norwegischen Startups. „Die Deepfake-Technologie ermöglicht uns, Merkel als prominenteste Vertreterin der aktuellen Klimapolitik zur Sprecherin für unser Produkt zu machen. Damit dabei jeder das Augenzwinkern versteht, war es uns sehr wichtig, dass der Werbespot klar als „Fake“ erkennbar ist.“ Und Marion Nöldgen, Deutschland-Chefin von Tibber, ergänzt: „Uns war klar, dass wir nicht nur technologisch bei unserem Produktangebot neue Wege gehen wollen, sondern auch in Form und Inhalt unserer Werbung.“

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TV-Sender waren unsicher wegen der Rechtslage

Hinter dem Spot und der Kampagne steht die Berliner Agentur Try No Agency, die für verschiedene Kunden aus dem E-Commerce- und Startup-Umfeld arbeitet und unter anderem schon mit N26, Scalable Capital, Hello Fresh, McMakler und Strato zusammengearbeitet hat. „Wir haben hier erstmalig Deepfake in der Werbekommunikation in Deutschland genutzt und es freut uns, dass Tibber, die den Strommarkt revolutionieren wollen, auch in Hinblick auf ihre Werbung so mutig und innovativ sind“, erklärt Stefan Nagel, einer der Gründer und Geschäftsführer von Try No Agency. „Deepfake-Technologie ermöglicht es, ein kompliziertes Thema wie die Energiewende aufmerksamkeitsstark zu transportieren.“

In der Werbung gab es international zwar bereits einzelne Kampagnen, die mit Deepfake-Elementen gearbeitet haben. Letztlich ist aber zumindest bei dieser satirischen Herangehensweise wohl jedem Zuschauer klar, dass nicht die echte Person spricht und agiert. Dennoch wurde aber sowohl bei der Prosieben-Sat1-Gruppe als auch bei RTL ausgiebig juristisch geprüft, ob eine solche Werbung überhaupt ausgestrahlt werden dürfe, auch im Hinblick auf Persönlichkeitsrechte. Der Spot ist seit Freitagabend im Fernsehen zu sehen. Zusätzlich gibt es eine Kampagnenverlängerung in Richtung sozialer Medien (Instagram, Facebook und Tiktok) und Memes und Reaction-GIFs. Wenn also Angela Merkel bei Tiktok den Moonwalk macht, dann zeigt das ansatzweise die hiermit verbundenen technischen Möglichkeiten.

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 Merkel hoffnungsvoll auf Europa-Sommerreisen auch ohne Impfstoff Berlin (AP) - Europäer können sich auf diesen Sommer freuen, wenn Coronavirus-Fälle auf dem Kontinent weiter sinkend sind, sagte deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Samstag. © von assozidiertem Presse Deutschkanzlerin Angela Merkel besucht eine Pressekonferenz nach dem informellen EU-Gipfel und dem EU-China-Gipfel in Berlin, Deutschland, Samstag, 8. Mai, 2021.

Deepface Lab als Open-Source-Tool für die Produktion

Diese technischen Möglichkeiten hat im Übrigen jeder – denn derr Deepfake-Spot wurde mithilfe der Open-Source-Software Deepface Lab erstellt. Dazu wurden die Gestik und Mimik mit Hilfe der Schauspielerin und Merkel-Imitatorin Antonia von Romatowski nachgestellt, die „Merkel“ auch die Stimme lieh. Mit diesem authentischen Filmmaterial als Grundlage (das ohnehin schon nah dran ist am Original) wurde dann das Tool auf Basis künstlicher Intelligenz aus Filmmaterial mit Angela Merkel angelernt. Das Gesicht wird dabei analysiert und mithilfe von Zehntausenden Bildern als Maske herausgerechnet und verschmolzen. „Dementsprechend kann man auch nur Mimik und Gesichtsausdruck nachmachen, die im Originalmaterial von Angela Merkel angelegt sind“, erklärt Naomi Abe, Head of Production bei Try No Agency. Das finale Gesicht im Spot ist somit aber komplett computergerechnet. Das bestehende Rohmaterial von Angela Merkel ist – technisch gesehen – nicht zu sehen.

Ob wir in Zukunft mehr Werbung mit Deepfake-Elementen sehen, da ist sich Abe nicht sicher: „Das kommt sicher darauf an, wie dieser Spot ankommt. Klar ist: Man braucht für ein solches Format sehr viel Ausgangsmaterial, was man naturgemäß bei Celebrities eher hat. Aber theoretisch könnte man das Ausgangsmaterial auch von anderen Personen aufnehmen. Man könnte also ein beliebiges Gesicht auf einen anderen Körper setzen. Technisch geht hier viel.“

Deepfake: Als Satire spannend, in der Meinungsmanipulation gefährlich

Das alles bringt – fernab vom Vorspiegeln falscher Tatsachen – also auch eine Menge an kreativen Möglichkeiten, mit denen die Werbung in Zukunft spielen könnte. Deepfake, das wird hier deutlich, lässt sich für die Täuschung der Zuschauer und für unlautere Meinungsmanipulation einsetzen, das muss aber gerade im Kontext von Marketing und Werbung nicht so sein. Deutlich wird daran aber auch, dass in den nächsten Jahren sowohl für das klassische Fernsehen als auch für Bewegtbild-Content im Netz Regeln her müssen, die verhindern, dass Menschen durch gezielte Meinungsmache hinters Licht geführt werden.

Corona: Merkel und Länderchefs wollen Impfung für Kinder .
In den USA werden Jugendliche schon gegen das Corona-Virus geimpft, Deutschland will jetzt nachziehen. Das hat ein Impfgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs beschlossen. © Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa/picture alliance Impfgipfel im Kanzleramt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller Es war ein vergleichsweise konzentrierter und schneller Corona-Gipfel im Bundeskanzleramt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer tagten diesmal nicht wie so oft in der Vergangenheit bis tief in die Nacht.

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