Finanzen Was die Umsatzsteuerreform für Onlinehändler und Unternehmen bedeutet

08:15  18 juni  2021
08:15  18 juni  2021 Quelle:   t3n.de

Amazon Prime Now wird eingestellt - immer mehr andere Lebensmittellieferdienste

  Amazon Prime Now wird eingestellt - immer mehr andere Lebensmittellieferdienste Als Amazon Prime Now 2014 startete, waren die Hoffnungen des Online-Versandhändlers groß. In nur einer Stunde sollten Kunden die Bestellungen an die Haustür geliefert bekommen. Doch nun stellt das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen den Dienst ein. • Amazon Prime Now wird eingestellt• Online-Lieferdienst soll in bestehende Amazon App integriert werden• Konkurrenz - auch aus dem Ausland - wächst weiterAmazon verkündete Ende Mai, dass sein Lebensmittellieferdienst Amazon Prime Now eingestellt wird. Der Onlineversandhändler hatte ursprünglich große Pläne, doch scheint nun angesichts der Konkurrenz einzuknicken.

Am 1. Juli tritt eine europaweite Umsatzsteuerreform in Kraft, die für viele Onlinehändler Auswirkungen haben wird. Warum Händler jetzt tätig werden müssen und welche neuen Regeln es gibt, die schnell sehr viel Bürokratie nach sich ziehen können.

Die Umsatzsteuerreform könnte für viele Händler in der EU zum Bürokratiemonster werden. © Fevziie / Shutterstock Die Umsatzsteuerreform könnte für viele Händler in der EU zum Bürokratiemonster werden.

Nach zwanzig Jahren wird die bisher gültige Versandhandelsregelung im EU-Recht durch die Fernverkaufsregelung ersetzt. Es handelt sich dabei um eine weitreichende Reform für den grenzüberschreitenden Handel mit Verbrauchern respektive Endkunden. Unterm Strich soll es dadurch für viele Händler einfacher werden, was aber nicht heißt, dass die Situation für manche Händler nicht auch komplexer wird.

BIDEN WISTENS Liste der chinesischen Firmen Off-Limits für Investitionen

 BIDEN WISTENS Liste der chinesischen Firmen Off-Limits für Investitionen Präsident Joe Bidingen hat die Liste der chinesischen Unternehmen fast verdoppelt, deren Aktien an US-amerikanischen Anlegern in den neuesten Anzeichen sind. © Von der assoziierten Presse bereitgestellt - In diesem Okt. 31. Oktober 2019, File Photo, gehen die Teilnehmer an einem Display für 5G-Leistungen von der chinesischen Technologiefirma Huawei an der PT-Expo in Peking vorbei. U.S.

Das neue Mehrwertsteuersystem für den grenzüberschreitenden Handel bringt mit sich, dass die bislang unterschiedlichen Umsatzsteuer-Lieferschwellen mit Bagatellgrenzen aufgehoben werden – die Steuer schuldet man dann im Lieferland. Die EU-weite einheitliche Umsatzgrenze für grenzüberschreitende Lieferungen liegt ab dem Zeitpunkt bei 10.000 Euro netto für Nicht-Unternehmer (sprich: im B2C). Wird die Grenze überschritten, tritt die Steuerpflicht im Bestimmungsland ein, was dazu führen kann, dass auch mittelständische Händler in vielen/mehreren EU-Staaten steuerpflichtig sein werden. Für die Berechnung der Lieferschwelle werden übrigens auch die Versandkosten herangezogen, was insbesondere für Händler mit kleinen Warenkörben ein Nachteil sein kann – es gelten dabei natürlich aber die Nettoumsätze.

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Vereinfachungslösung durch den One-Stop-Shop

Für Vereinfachung könnte umgekehrt das Konstrukt „One-Stop-Shop“ (OSS) sorgen, das ab Juli genutzt, jeweils aber nur quartalsweise beantragt werden kann. Händler sollten daher jetzt tätig werden und einen entsprechenden Antrag beim Bundeszentralamt für Steuern stellen. Erforderlich hierfür ist eine Umsatzsteuer-ID, über die Händler ja ohnehin verfügen dürften.

Händler können dann die unter die Sonderregelung fallenden Umsätze zentral an das Bundeszentralamt für Steuern übermitteln und die hier anfallenden Steuern auch auf diese Weise entrichten. Das Verfahren gilt einheitlich innerhalb der gesamten EU. Die Frist hierfür läuft jeweils am Ende des auf das Abrechnungsquartal folgenden Monats aus – also beispielsweise zu Ende Oktober für Quartal 3. Die Überweisung müssen Händler selbstständig übernehmen, eine Lastschriftlösung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

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Steuerpflichtig im Rahmen der 10.000-Euro-Regelung wird ein Händler übrigens in sämtlichen Ländern, in die er Waren ausführt, sobald er kumuliert die Grenze überschreitet – nicht nur in einzelnen Ländern. Angesichts der Tatsache, dass es in jedem Land andere Mehrwertsteuersätze – und teilweise bis zu vier verschiedene – gibt, sollten Händler also tunlichst die OSS-Lösung wählen, wenn sie sich Arbeit ersparen wollen. In diesem Fall kümmert sich dann das Bundeszentralamt um die nötige Verteilung. Eine Kostprobe, wie kompliziert es werden kann, wenn man sich selbst in den Irrgarten der Mehrwertsteuersätze begeben will, liefert die entsprechende VAT-Datenbank der Europäischen Union.

Was das im Detail bedeutet, sei hier an einem Beispiel derklärt: Ist der Händler kein Teilnehmer an der One-Stop-Shop-Lösung, macht es einen Unterschied, ob der insgesamt die 10.000-Euro-Schwelle überschreitet. Liefert der Unternehmer beispielsweise ein Notebook von Deutschland nach Frankreich an einen Endverbraucher, gilt das als Export, sodass er gegebenenfalls dem französischen Staat die Umsatzsteuer schuldet. Ist die Lieferschwelle nicht überschritten, schuldet er dagegen in Deutschland die Umsatzsteuer und er ist nicht verpflichtet, diese gegenüber einem französischen Finanzamt zu erklären.

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  Alternativen zum Prime Day: Die besten Tech-Deals bei Saturn, Otto und Co. Den Amazon Prime Day nehmen viele andere große Onlinehändler zum Anlass, ihre Preise ebenfalls zu senken. Wir haben uns für euch bei Otto, Saturn und Mediamarkt nach interessanten Schnäppchen umgeschaut. © Shutterstock Rund um den Prime Day reduzieren auch E-Commerce-Plattformen wie Otto, Saturn und Mediamarkt die Preise. Der Prime Day ist eines der Shopping-Ereignisse des Jahres.  Weil Branchen-Primus Amazon in diesen Tagen versucht, mehr und mehr Kunden für sein Prime-Angebot zu begeistern, entscheiden sich auch immer mehr andere E-Commerce-Plattformen, rund um den 21. und 22.

Auch kleinere Händler und FBA-Händler werden betroffen sein

Zur Bürokratiefalle könnte all das vor allem für kleine Unternehmen werden, die bislang in Deutschland nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Sie können dennoch unter die Regelung fallen, sobald sie Auslandgeschäfte in EU-Ländern haben. Auch Händler, die sich beim Fulfillment auf Dienstleister verlassen, sollten hier tätig werden, beispielsweise auch Präsenzgeschäfte, die nur „nebenbei“ den Onlinehandel als zusätzliches Standbein nutzen.

Und noch eine Fußangel gibt es: Die Betrachtung der 10.000-Euro-Grenze bezieht sich auch auf die ersten Quartale 2021, in manchen Fällen auch auf 2020 – dann nämlich, wenn die Lieferschwelle 2020 überschritten wurde. Sie gilt nämlich auch rückwirkend für das darauffolgende Jahr.

Keine Erleichterung bringt all das etwa für E-Commerce-Unternehmen, die auf Fulfillment by Amazon im EU-Ausland setzen. Denn rein rechtlich handelt es sich dabei wohl nicht um B2C-Transaktionen, sodass die Nutzung des OSS-Konstrukts nicht möglich sein wird. Die Folge: Es fallen weiterhin wie gewohnt umsatzsteuerliche Registrierungen in den jeweiligen Ländern an.

Übrigens vermelden gerade sehr viele Payment-Dienstleister, CRM-Anbieter, aber auch Anbieter von Shopsystemen und Handelsplattformen, dass sie die neuen EU-weiten Steuersätze verarbeiten können. So beherrscht beispielsweise das neue Tool Stripe Tax die automatische Berechnung und Erhebung der Mehrwertsteuer in mehr als 30 Ländern. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Wochen hier noch etliche Dienstleister nachziehen werden. Auch spezialisierte Steuerdienstleister wie Taxdoo rechnen die jeweils anfallende Steuer aus und erledigen die Formalitäten im jeweiligen Land, sofern nicht per One-Stop-Shop gemeldet wird. Taxdoo bietet sich hier als zusätzlicher Dienstleister an, weil hier Schnittstellen beispielsweise zu Amazon und Ebay, aber auch zu Shopify, Plentymarkets oder Billbee und Afterbuy zur Verfügung stehen.

Amazon, Saturn und Co: Die besten Gaming-Deals am Prime Day

  Amazon, Saturn und Co: Die besten Gaming-Deals am Prime Day Wenn Amazon den Prime Day ausruft, ziehen viele andere Onlinehändler mit und statten beliebte Produkte mit ordentlich Rabatten aus. Auch im Gaming-Bereich gibt es einige Schnäppchen. © MOHD HUSAINI BIN UJANG / Shutterstock Angebote, auf die Gamer schauen sollten. Seit Montagmorgen ist wieder Prime Day. Das bedeutet, dass es rund um den 21. und 22. Juni zwei Tage lang eine Vielzahl von reduzierten Produkten bei den großen Onlinehändlern gibt. Für viele ist der Prime Day neben dem Black Friday der wichtigste Shopping-Tag des Jahres.

Manches kann auch einfacher werden – unter Umständen

Eine Vereinfachung hat der Gesetzgeber aber für die Händler, die per One-Stop-Shop melden, vorgesehen: Sie müssen in Zukunft dem Endkunden keine gesonderte Rechnung mit Ausweis der jeweiligen Mehrwertsteuer stellen. Kunden wiederum, die Verbraucherrechte beispielsweise bei Reklamationen geltend machen wollen, können hier ein anderes Dokument nutzen, etwa den Lieferschein oder die Bestellbestätigung. Sonderregelungen dazu wird es sicherlich bei Plattformen wie Amazon Marketplace oder Ebay geben, da diese ja ohnehin sämtliche Transaktionen und Kaufvorgänge protokollieren.

Und noch eine positive Nachricht gibt es für E-Commerce-Händler: Im Normalfall ändert sich an den ohnehin geltenden Preisauszeichnungspflichten, die ja auch bisher dem Kunden schon klar zeigen müssen, was für ihn steuerlich gilt, nichts. Aus Gründen der Vereinfachung empfiehlt es sich, keinen konkreten Mehrwertsteuersatz anzugeben, sondern ausschließlich einen Gesamtpreis inklusive der Mehrwertsteuer auszuweisen. Dabei muss aber natürlich sichergestellt sein, dass kein Kunde innerhalb der EU beim Nettopreis diskriminiert wird.

Auch positiv: Die Rechtstexte auf der Website müssen nach Ansicht des Händlerbundes im Normalfall nicht angepasst werden, weil es sich ja ausschließlich um Änderungen handeln soll, die den Dialog des Händlers mit den Steuerbehörden der jeweiligen Länder betreffen.

Noch sind viele Onlinehändler nicht vorbereitet

Klar geworden sein dürfte, dass Händler sich jetzt zügig kümmern müssen, zumal eine Umfrage des Händlerbundes vor einigen Wochen ergeben hat, dass vier von zehn Händlern schlecht oder sehr schlecht auf die Reform vorbereitet sind und 35 Prozent der Händler von den Neuerungen noch nicht einmal etwas gehört hatten. Betreffen tun sie freilich fast jeden Händler, denn immerhin 73 Prozent der befragten Händler liefern Waren ins Ausland und neun Prozent vertreiben Waren über Fulfillment by Amazon (FBA). Eine regelmäßig aktualisierte FAQ hält der Händlerbund übrigens auf seiner Website bereit.

Handel nach Corona: Endlich kann man Produkte wieder anfassen .
Der Onlinehandel war der große Gewinner der Pandemie. Doch jetzt könnte die Stunde der Läden vor Ort gekommen sein - prognostizieren Konsumforscher. © Foto: Reinhardt/dpa Das geht nur im Geschäft. Bei der Sensorik hat der stationäre Handel klare Vorteile gegenüber dem Online-Shopping. Einen Apfel online kaufen? Ohne ihn anzufassen, ohne zu schauen, ob er weiche Stellen hat? Das kommt für viele Menschen nicht in Frage. Auch in Coronazeiten nicht.

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