Finanzen Inflation: Gekommen, um zu bleiben?

19:20  18 juni  2021
19:20  18 juni  2021 Quelle:   dw.com

Ökonom, der Inflation für tot hielt, sieht sie nun quicklebendig

  Ökonom, der Inflation für tot hielt, sieht sie nun quicklebendig Vor einem Vierteljahrhundert hatte er Inflation für tot erklärt. Jetzt sieht Roger Bootle Anzeichen für ihre Auferstehung. Während sich die Welt von der Coronavirus-Pandemie zu erholen beginnt, flammen in unterschiedlichen Branchen - von Gebrauchtwagen bis zu Bauholz - Preisschübe auf. Das hat die Kreditkosten an den Finanzmärkten der großen Volkswirtschaften auf Mehrjahreshochs getrieben. Während die meisten Zentralbanker sich überzeugt geben, dass diese Anstiege nur vorübergehender Natur sind, schlagen einige Ökonomen Alarm.

Was bedeutet die Rückkehr der Inflation mit Teuerungsraten von mehr als zwei Prozent? Was geschieht, wenn die Inflation weiter steigt und nicht mehr zurückgeht? Volkswirte sind sich uneins über die Risiken.

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Von Panik sind die Experten beim Blick auf die aktuellen Inflationszahlen weit entfernt. Im Gegenteil: Noch immer bleiben viele Volkswirte gelassen und erwarten, dass die zuletzt anziehenden Teuerungsraten in den USA und Europa schon bald wieder den Rückwärtsgang einlegen werden. Trotzdem beschäftigt immer mehr Konjunkturexperten die Frage, was es bedeuten würde, wenn sich die Inflationsrate deutlich über dem von Notenbanken anvisierten Ziel von zwei Prozent pro Jahr einpendeln würde.

Deutsche Bankprobleme Dire Economic Warning For America

 Deutsche Bankprobleme Dire Economic Warning For America © Getty Images Deutsche Bank Probleme mit der wirtschaftlichen Warnung für Amerika Wie die Weltwirtschaft vom 15-monatigen Schlummerschlag, der von der Pandemie verursacht wird, hat die Deutsche Bank eine Reihe von Forschungsartikeln auf den Markt gebracht Funkendebatte und Diskussion über das Drücken von postpandemischen wirtschaftlichen Fragen. Am 7.

An den Aktienmärkten sorgte in dieser Woche schon die Andeutung der Fed, im nächsten Jahr in zwei Schritten die Zinsen in den USA anzuheben, für schlechte Stimmung. Zu sehr haben sich die Akteure an Wall Street und Co. an die jahrelange Flut der Notenbanken mit billigem Geld gewöhnt.

Thomas Mayer vom Kölner 'Flossbach von Storch Research Institute', gehört seit langem zu den erklärten Kritikern der Niedrig- und Nullzinspolitik der EZB. Er sieht für Aktienanleger aber keinen Grund zur Panik: "Eine höhere Inflation löst noch immer Schrecken aus bei Aktionären. Doch das ist grundlos. Die alten Mechanismen, die bei Preissteigerung wirksam wurden, gelten heute nicht mehr. Denn die Zentralbanken haben ihre Möglichkeiten verwirkt", schrieb der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung Welt.

Märkte meist auf der Inflationsspitze als temporärer

 Märkte meist auf der Inflationsspitze als temporärer gesehen. Die meisten asiatischen Märkte stiegen am Freitag nach einem Rekordkabel von der Wall Street, als Händler, die in die Narrative von Federal Reserve gekauft hatten, die die uns-Inflation stürzt, und die Zentralbank war wahrscheinlich seine ultra- Lose Geldpolitik seit einiger Zeit. © Toby Melville Boris Johnson (L) hat Joe Bidgen nach England für den G7-Gipfel in Cornwall begrüßt, in dem Führer eine Reihe von Fragen einschließlich China diskutieren.

"An höhere Teuerungsraten gewöhnen"

Und genau das ist das Problem, meint der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr: "Weil die Europäische Zentralbank nicht durch höhere Zinsen gegensteuern kann, ohne die Stabilität in hoch verschuldeten Ländern wie Italien zu gefährden", müsse man sich an eine steigende Inflation gewöhnen. Die Teuerungsrate dürfte in diesem Jahr mit 2,6 Prozent so hoch ausfallen wie seit 2008 nicht mehr, so die Prognose des IfW. "Wir werden uns an höhere Teuerungsraten gewöhnen müssen, selbst wenn die Sondereffekte der Pandemie vorbei sind", unterstreicht IfW-Präsident Felbermayr.

Durch die Sondereffekte wie die Wiederanhebung der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Steuer könnte nach den Berechnungen der IfW-Forscher "bei der Inflationsrate in einzelnen Monaten sogar eine Vier vor dem Komma stehen".

Populäre US-Inflationsmaßnahmen Die Anstiege mehr als erwartet im Mai als Preiswachstum beschleunigt das weitere

 Populäre US-Inflationsmaßnahmen Die Anstiege mehr als erwartet im Mai als Preiswachstum beschleunigt das weitere © Wu Xiaoling / Xinhua / Getty Images Menschen, die Masken in einem Einkaufszentrum in San Mateo, Kalifornien, im Mai tragen. Wu Xiaoling / Xinhua / Getty Images Der Verbraucherpreisindex, ein wichtiges Inflationsmessgerät, stieg im Mai um 0,6%, sagte das Bureau of Labor Statistics. Der jährliche 5% -Anjahre in der CPI war der größte Anstieg seit August 2008. Die Republikaner haben die Inflation an den Bides-Ausgaben beschuldigt, während Demokraten den Sprung als vorübergehend sehen.

ZEW-Experte Heinemann: 5 Prozent Inflation bedeuten einen Vermögensverlust von 5 Prozent für Geld auf US-Konten © ZEW ZEW-Experte Heinemann: 5 Prozent Inflation bedeuten einen Vermögensverlust von 5 Prozent für Geld auf US-Konten

Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW, dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, warnt vor einem dauerhaften Anstieg der Inflationsrate besonders in den USA: "Diese Entwicklung ist keinesfalls völlig ungefährlich. Mir machen vorübergehend etwas höhere Inflationsraten als solche zwar wenig Sorgen. Dass die Preise überall in der Welt nach dem Ende der Lockdowns klettern, war vorhersehbar. Die Anbieter vieler Dienstleistungen sind mit hohen Hygienekosten konfrontiert. Hinzu kommt der Sprung bei den Energiepreisen und stark gestiegene Preise für viele global gehandelte Waren. Viele Lieferketten funktionieren immer noch nicht perfekt", erklärt der Volkswirt im Interview mit der DW.

All das seien aber Effekte, die wieder abebben werden. Wirklich gefährlich und vielfach unbeachtet sei etwas ganz anderes: "In den USA sind die Inflationserwartungen aktuell auf dem Weg nach oben. Immer mehr Menschen rechnen auch für die Zukunft mit einer schnelleren Rate der Preisentwicklung - und das deutlich über dem von der Zentralbank gesteckten Ziel von zwei Prozent. Wenn sich diese Erwartungen verfestigen, dann bekommen wir die klassische 'self-fulfilling prophecy'", so Heinemann. Das heißt: Wenn Menschen daran glauben, dass alles immer teurer wird, schlägt sich das in Lohnforderungen und entsprechenden Preisentwicklungen nieder. "Dann kommt die Inflation tatsächlich. Die Zentralbanken müssen daher wirklich aufpassen, dass sie nicht all die Glaubwürdigkeit in Sachen Preisstabilität einbüßen, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben."

Roger Bootle und die Renaissance der Inflation

  Roger Bootle und die Renaissance der Inflation Das Thema Inflation ist im Zuge der Corona-Pandemie wieder zurück in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Während die Zentralbanker davon überzeugt scheinen, den Preisanstieg unter Kontrolle zu haben, mehren sich Stimmen von Ökonomen, die dazu raten, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Einer davon ist Wirtschaftswissenschaftler Roger Bootle. • Inflation durch Corona-Pandemie wiederbelebt• Kontrollierter Inflationsanstieg bleibt Balanceakt• Bootle rät zum HandelnDie Corona-Pandemie hat die globale Wirtschaft ganz schön durcheinander gewirbelt.


Video: Inflation? EZB? Leitzins? Frankfurter Aktienmarkt unbeeindruckt (dpa-AFX)

Ende der Gelassenheit?

Vor allem die aktuellen Inflationsdaten aus den USA haben weltweit aufhorchen lassen. Bisher war die Mehrheit der Volkswirte in den USA und der EU davon ausgegangen, dass der Anstieg der Inflation nur vorübergehend sein wird und die Löhne nicht spürbar ansteigen. Doch diese allgemeine Gelassenheit könnte fehl am Platz sein, bei einer Teuerung von zuletzt fünf Prozent in den USA.

"Die Fünf-Prozent-Zahl zur Inflation aus den USA war in dieser Höhe schon ein echter Paukenschlag. Wir wissen zwar, dass US-Preise und -Löhne viel flexibler sind als in Europa. Daher reagiert die Inflation auch viel rascher auf die starke Konjunkturerholung. Diese Höhe war dennoch überraschend", unterstreicht Friedrich Heinemann.

Die USA haben während der Pandemie in ihrer Geld- und Fiskalpolitik noch stärker auf Expansion gesetzt als je zuvor und im März das größte Konjunkturpaket der Weltwirtschaftsgeschichte in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar auf den Weg gebracht. Die Rekordsumme entspricht mehr als acht Prozent der US-Wirtschaftsleistung und man könnte damit alle deutschen Dax-Konzerne gleich zweimal kaufen. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang, das zwar die Erholung der US-Wirtschaft vorantreibt, aber auch die Inflation in die Höhe schnellen lässt.

Rate der Inflation Die Bank of England Target Als Economy wird in der Getriebe wieder in Gang geraten

 Rate der Inflation Die Bank of England Target Als Economy wird in der Getriebe wieder in Gang geraten 0 © Reuters Die ATS stellte ein Anstieg der Kosten des Essens und des Trinkens während des Mais, während der Gastfreundschaft herausgefasst wurde, als Gastfreundschaft zurückgekehrt wurde den Anstieg der Inflation von Die letzten paar Monate zeigten kein Anzeichen von Verlangsamungen im Mai, was 2,1% ergab, da die Kosten für eine Reihe von Gütern nach dem Coronavirus-Krise-induzierten Einbruch der Wirtschaft aufgenommen wurden.

"Die Biden-Administration macht Schulden in einer Geschwindigkeit, die alles Bisherige in Friedenszeiten in den Schatten stellt. Und die Notenbank unter Powell bietet die Nullzinsen, die nötig sind, um diese historisch hohen Defizite noch finanzieren zu können", stellt Heinemann fest. Das laufe in der Eurozone zwar in der Richtung ganz ähnlich, doch "die europäischen Finanzminister sind im Vergleich zu US-Finanzministerin Jannet Yellen beim Schuldenmachen immer noch echte Waisenknaben. Der Mix von Schuldenmachen, Zentralbank-Anleihekäufen und Nullzinsen in den USA ist schon so extrem, dass es nun zu dieser unangenehmen Inflationsüberraschung kommt."

Druck auf Notenbanken steigt

Der Druck auf die Notenbanken, gegenzusteuern, steigt jedenfalls. Besonders, wenn es um das Ende der massiven Anleihe-Kaufprogramme durch Fed oder EZB geht. Wie aber können die Notenbanker verhindern, dass es durch die Verknappung des billigen Geldes zu unerwünschten Schocks an den Aktien- oder Immobilienmärkten kommt?

"Hier liegt ein großes Problem", gibt Friedrich Heinemann zu bedenken. "In Europa, den USA und Japan lautet die Botschaft im Grunde schon seit Jahren und Jahrzehnten, dass die Zentralbanken die Stabilität von Banken, Aktienmärkten und Staaten garantieren. Bislang ist all das gut gegangen, weil wir seit Jahrzehnten keinen echten Inflationsschub mehr hatten. Vielleicht bekommen wir jetzt den Test, ob Zentralbanken noch wirklich frei sind, die Preisstabilität zu verteidigen. Da habe ich für die EZB und die Fed Zweifel, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen", unterstreicht der Mannheimer Forscher.

Yellen Zuversichtlich steigende Inflation ist nicht "permanenter"

 Yellen Zuversichtlich steigende Inflation ist nicht Treasury Secretarary Janet Yellen versuchte, Gesetzgeber am Mittwoch zu versichern, dass die historisch hohe Inflation abkühlen würde, da die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin von Covid-19 erholt. © Getty Images Yellen Zuversichtlich steigende Inflation ist nicht "permanenter" , der vor dem Senatsfinanzkomitee bezeugt wird, sagte Yellen, dass sie, während sie sich auf die steigende Inflation in der Lage war, nicht "antizipiert, dass es dauerhaft sein wird.

Federal Reserve-Zentrale in Washington: Wo liegt die Schmerzgrenze der US-Notenbank bei der Inflation? © picture alliance/Zuma Wire/C. Myers Federal Reserve-Zentrale in Washington: Wo liegt die Schmerzgrenze der US-Notenbank bei der Inflation?

Die USA könnten sich wegen der großen Bedeutung der Aktienmärkte für die private Vermögensbildung und Altersvorsorge keine lang anhaltende Talfahrt an den Börsen leisten. Und in Europa könnten bei steigenden Zinsen hoch verschuldete Ländern wie Italien unter die Räder kommen, weil sie "vollkommen am Tropf der EZB-Negativzinsen hängen", erklärt Heinemann. Diese Abhängigkeit habe sich in der Pandemie noch verschärft. Es könnte also tatsächlich dazu kommen, dass die Inflationsrate steigt und die Zentralbanken nicht wirklich dagegen ankämpfen können, beschreibt er das Dilemma der Notenbanker.

Langsamer Entzug statt Vollbremsung

"Es wäre jetzt angeraten, dass Christine Lagarde und Jerome Powell vorsichtig, aber rasch umsteuern. Je früher sie jetzt beginnen, die Märkte auf einen Ausstieg aus der extremen Expansion vorzubereiten, desto eher können sie später auf eine Vollbremsung verzichten", so der ZEW-Experte. Im Grunde sei der Moment in Europa für erste Schritte in diese Richtung sehr günstig, weil die Europäische Kommission gerade damit beginnt, die ersten Milliarden-Raten aus dem 750-Milliarden-Corona-Budget an die Hauptstädte zu überweisen. "Ein besserer Moment für die EZB, langsam mit dem Entzug der Droge Nullzinsen zu beginnen, ist kaum zu erwarten."

Autor: Thomas Kohlmann

Ruth Sunderland: Wir zwingen mit Inflation an unserer Peril .
©, die dies zur Verfügung gestellt hat. Wenn dieses Zeitreisen umgekehrt ist und jemand in siebziger Jahren in Großbritannien sich im Jahr 2021 befand, wären sie erstaunt von Technologie, Wachtkultur, einem Mangel an Kipper - und der Alarm über Inflation. zu ihnen, der 2,1-Prozent-Rate, was vor einigen Tagen so groß war, dass er einen solchen Aufwand verursachte, scheint unvorstellbar niedrig zu sein.

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