Finanzen Coronakrise: EZB hebt Dividendenbeschränkungen für Banken auf

22:55  23 juli  2021
22:55  23 juli  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Banken: Urteil zu Bankgebühren belastet die Genossenschaftsbanken

  Banken: Urteil zu Bankgebühren belastet die Genossenschaftsbanken Die Volks- und Raiffeisenbanken rechnen mit einem hohen bürokratischem Aufwand, sie erwarten aber keine Rückzahlungen von „Riesenbeträgen“. © dpa In der Bankengruppe sank der Gewinn vor Steuern 2020 von zehn Milliarden Euro im Vorjahr auf auf 7,2 Milliarden Euro. Die deutschen Genossenschaftsbanken warnen vor erheblichen Folgen aus dem jüngsten BGH-Urteil zu Bankgebühren. Die Präsidentin des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, sagte am Dienstag, das Bankgeschäft verlange transparente und standardisierte Regelungen.

Europäische Großbanken können bald wieder höhere Ausschüttungen vornehmen und Aktien zurückkaufen. Die Finanzaufsicht mahnt jedoch weiter zu Zurückhaltung.

Die EZB-Bankenaufseher haben auf die 113 größten Institute der Euro-Zone einen direkten Zugriff. © dpa Die EZB-Bankenaufseher haben auf die 113 größten Institute der Euro-Zone einen direkten Zugriff.

Europäische Banken dürfen ab Oktober wieder in größerem Umfang Geld an ihre Aktionäre ausschütten. Die von der Finanzaufsicht erlassenen Dividendenbeschränkungen werden Ende September auslaufen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitagabend mitteilte.

„Die jüngsten gesamtwirtschaftlichen Projektionen bestätigen eine Wiederbelebung der Konjunktur und deuten auf eine geringere Unsicherheit hin“, erklärte die EZB. Die Aussagen zur Kapitalentwicklung der Banken würden dadurch verlässlicher und man könne deshalb zum üblichem Vorgehen bei Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen zurückkehren.

Bitkom: Drei von vier Unternehmen wollen den digitalen Euro - EZB startet Projekt für digitalen Euro

  Bitkom: Drei von vier Unternehmen wollen den digitalen Euro - EZB startet Projekt für digitalen Euro Drei von vier Unternehmen sind für die Einführung eines digitalen Euros, ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. © Bereitgestellt von Finanzen.net KAZUHIRO NOGI/AFP/GettyImages Für einen digitalen Euro spricht aus Sicht der Unternehmen vor allem, dass sonst andere staatliche oder private Digitalwährungen zum Einsatz kommen, die europäische Werte untergraben könnten. Die Europäische Zentralbank will am heutigen Mittwoch über ihre Pläne für einen digitalen Euro informieren.

Die EZB machte jedoch deutlich, dass Geldhäuser weiter Maß halten sollen. „Banken sollten bei der Entscheidung über Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe weiterhin Zurückhaltung walten lassen und die Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells sorgfältig prüfen“, erklärte die EZB. Sie sollten zudem das Risiko nicht unterschätzen, dass es noch zu Verlusten kommen könne, wenn die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen im Zuge der Coronakrise ausliefen.

Wegen der Pandemie hatte die EZB die Banken im März 2020 aufgefordert, ganz auf Dividenden und Aktienrückkäufe zu verzichten. So wollten die Aufseher sicherstellen, dass die Geldhäuser Unternehmen weiter mit Krediten versorgen und drohende Kreditausfälle durch die Coronakrise verdauen können.

EZB: Wie der digitale Euro zum Erfolg werden kann

  EZB: Wie der digitale Euro zum Erfolg werden kann EZB: Wie der digitale Euro zum Erfolg werden kannDanyal Bayaz ist seit Mai Finanzminister in Baden-Württemberg. Zuvor war der Grünen-Politiker Mitglied im Bundestag und dort Start-up-Beauftragter seiner Partei. Bayaz hat zum Thema Finanzmärkte promoviert.

In diesem Jahr durften Großbanken, die es sich leisten können, zwar wieder einen kleinen Teil ihrer Gewinne an ihre Eigentümer ausbezahlen. Die ausgeschüttete Summe durfte jedoch weder 15 Prozent der kumulierten Gewinne aus den Jahren 2019 und 2020 überschreiten noch 0,2 Prozentpunkte des harten Kernkapitals der Bank.

Viele Geldhäuser und Experten hatten das pauschale Vorgehen der EZB kritisiert, weil so aus ihrer Sicht Engagements in europäische Banken für Investoren weniger attraktiv sind. Bankenaufseher halten die Maßnahmen angesichts der Coronakrise dagegen für gerechtfertigt, um die Stabilität der Institute zu erhöhen.

Stresstest beeinflusst Dividendenzahlungen

Die Aufhebung der Dividendenbeschränkungen war allgemein erwartet worden. Andrea Enria, der Chef der EZB-Bankenaufsicht, hatte Anfang Juli bei einer Rede an der Universität von Neapel gesagt: „Falls es zu keinen materiellen negativen Entwicklungen kommt, planen wir unsere Empfehlungen zu Dividenden Ende des dritten Quartals dieses Jahres zurückzunehmen.“ Die Banken hätten in den zurückliegenden Krisenmonaten gezeigt, dass sie robust seien und in der Lage, private Haushalte und Unternehmen zu unterstützen, betonte Enria.

Nach BGH-Urteil: Viele Bankkunden können auf Rückerstattung von Gebühren hoffen

  Nach BGH-Urteil: Viele Bankkunden können auf Rückerstattung von Gebühren hoffen Nach BGH-Urteil: Viele Bankkunden können auf Rückerstattung von Gebühren hoffen

Künftig wird die EZB die Kapitalentwicklung sowie die Dividenden- oder Aktienrückkaufpläne wie üblich im Rahmen des regelmäßigen Austausches mit den einzelnen Geldhäusern besprechen. Dabei will sie auch mit einfließen lassen, wie gut die Banken in ihrer Planung die Risiken durch Kreditausfälle berücksichtigt haben.

Eine wichtige Rolle bei künftigen Ausschüttungen spielt zudem ein europaweiter Bankenstresstest, dessen Ergebnisse Ende Juli vorgelegt werden. Bei der Belastungsprobe wurde unter anderem geprüft, welche Folgen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Geldhäuser hätte.

Die EZB ist federführend für die Kontrolle der größten europäischen Banken zuständig. Um kleinere Institute, darunter die allermeisten Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, kümmert sich die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Diese hatte sich 2020 ebenfalls für Zurückhaltung bei Dividendenzahlungen starkgemacht.

Anders als die EZB hat die Bafin bei dem Thema jedoch bereits im vergangenen Jahr jede Bank individuell betrachtet und in einigen Fällen grünes Licht für eine Ausschüttung gegeben. Voraussetzung dafür war, dass „das jeweilige Institut über eine nachhaltig positive Ertragsprognose verfügt und die Kapitalsituation auch in einer anhaltenden Stressphase weiterhin ausreichende Puffer ausweist“.

EZB: Leitzins bleibt im Euroraum auf Rekordtief

  EZB: Leitzins bleibt im Euroraum auf Rekordtief Sparer müssen weiter auf steigende Zinsen warten. Europas Währungshüter zementieren das Rekordtief und stecken zudem weiterhin Milliarden in Anleihenkäufe.Ein Ende des Zinstiefs im Euroraum ist nach der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag weiterhin nicht in Sicht. Die Notenbank mit Sitz in Frankfurt hält den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld inzwischen seit März 2016. Zugleich müssen Geschäftsbanken nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken.

Aktionäre von deutschen Großbanken schauen in die Röhre

Nach dem Wegfall der Dividenden-Beschränkungen dürfen die Aktionäre von europäischen Großbanken wie BNP Paribas aus Frankreich, ING aus den Niederlanden und BBVA aus Spanien nun auf hohe Ausschüttungen hoffen.

Die Eigner der zwei größten deutschen Privatbanken müssen dagegen noch warten. Die Deutsche Bank hat wegen ihres Umbaus erst für das Geschäftsjahr 2021 wieder eine Dividende in Aussicht gestellt, die dann im Frühjahr 2022 ausbezahlt würde. Die Commerzbank, die erst Anfang des Jahres eine grundlegende Restrukturierung beschlossen hat, plant eine Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen erst für das Geschäftsjahr 2023.

Bereits früher auf Geld hoffen dürfen die Aktionäre der Immobilienfinanzierer Aareal Bank und Deutsche Pfandbriefbank (pbb). Die Aareal Bank hat im Frühjahr wegen der EZB-Restriktionen lediglich eine Dividende von 40 Cent je Aktie ausbezahlt. Für den Fall, dass die Beschränkungen wegfallen, hatte das Wiesbadener Institut jedoch in Aussicht gestellt, im vierten Quartal auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine zusätzliche Ausschüttung von 1,10 Euro je Aktie zu beschließen.

Die Pfandbriefbank hat im Frühjahr 26 Cent je Aktie ausbezahlt, was einer Ausschüttungsquote von 35 Prozent entspricht. Bei einem Wegfall der Beschränkungen hat das Institut angekündigt, eine weiteren Ausschüttung zu prüfen. Im Rahmen ihrer Dividendenstrategie peilt die Bank grundsätzlich eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent regulärer Dividende sowie 25 Prozent Sonderdividende an.

Geldpolitik: Die EZB darf nur in Grenzen grün sein

  Geldpolitik: Die EZB darf nur in Grenzen grün sein Geldpolitik: Die EZB darf nur in Grenzen grün seinDeutlich früher als erwartet hat die EZB Anfang Juli die Ergebnisse der Überprüfung ihrer Strategie veröffentlicht. Im Mittelpunkt stand dabei das neu definierte Inflationsziel, viel Aufmerksamkeit haben aber auch die Passagen zum Klimaschutz erfahren. Als Quintessenz des Maßnahmenplans lässt sich festhalten, dass die europäischen Währungshüter zukünftig Klimaschutzaspekte in die Geldpolitik einfließen lassen werden.

Mehr: Bei diesen europäischen Banken können Anleger auf Dividenden hoffen.

Leserfavoriten: +++ Corona-News +++ : EU-Arzneibehörde EMA lässt Moderna-Impfstoff für Jugendliche ab 12 Jahren zu

Corona-Pandemie : IT-Experten finden Sicherheitslücke bei digitalen Impfnachweisen – Ausstellung durch Apotheken gestoppt

Geldpolitik : EZB passt Ausblick an – Zinserhöhung kaum vor dem Jahr 2023

Corona-Maßnahmen : Dramatisch steigende Inzidenz: Italien bevorzugt Geimpfte im öffentlichen Leben

Lebensmittelhersteller : Lösung nach langem Streit: Familie teilt Oetker-Gruppe auf

Girokonto: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen“: Sparkassen kritisieren „Chaos“ infolge des Bankgebühren-Urteils .
Girokonto: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen“: Sparkassen kritisieren „Chaos“ infolge des Bankgebühren-Urteils

usr: 1
Das ist interessant!