Finanzen Nach dem Aus des Vonovia-Megadeals: Suche nach den Schuldigen

00:45  27 juli  2021
00:45  27 juli  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Deutsche-Wohnen-Übernahme: Vonovia muss weiter um Fusion bangen

  Deutsche-Wohnen-Übernahme: Vonovia muss weiter um Fusion bangen Der Immobilienkonzern konnte die Übernahme von Deutsche Wohnen noch nicht vollziehen. Zum Ablauf der Annahmefrist fehlten dem Konzern die nötigen Anteile. © Foto: Roland Weihrauch/dpa Die Firmenzentrale von Vonovia in Bochum (Nordrhein-Westfalen) Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia muss um die milliardenschwere Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen noch länger bangen. Mit Ablauf der Annahmefrist in der Nacht zum Donnerstag konnte der Bochumer Konzern noch nicht Vollzug melden, weil ihm bisher nicht ausreichend Deutsche-Wohnen-Aktionäre ihre Papiere angedient haben. "Es wird knapp.

Das Scheitern der Deutschen-Wohnen-Übernahme hat eine Debatte um die Rolle der ETF und Hedgefonds ausgelöst. Finanzkreise sprechen von einer schlechten Kommunikation der Banken.

Am Montag erklärte der Konzern endgültig das Scheitern der Übernahmeofferte für die Deutsche Wohnen. © dpa Am Montag erklärte der Konzern endgültig das Scheitern der Übernahmeofferte für die Deutsche Wohnen.

Nach dem Aus für die milliardenschwere Übernahme der Deutschen Wohnen durch den Rivalen Vonovia hat am Finanzmarkt eine Debatte über Konsequenzen und eine mögliche Mitschuld der beratenden Banken für das Scheitern eingesetzt. Die Ansprache durch die konsortialführenden Banken habe offensichtlich nicht ausgereicht, um die entscheidenden Bestände für diese Transaktion zu gewinnen, kritisierte am Montag Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte der Fondsgesellschaft DWS.

Vonovia und Deutsche Wohnen: Mega-Deal vorerst gescheitert

  Vonovia und Deutsche Wohnen: Mega-Deal vorerst gescheitert Für Deutschlands größten Wohnungskonzern Vonovia, ist es ein Rückschlag. Zum zweiten Mal hat die Mehrheit der Aktionäre der Deutsche Wohnen dem Übernahmeangebot die kalte Schulter gezeigt.Die Bochumer Vonovia, größter Wohnungsbesitzer in Deutschland, wollte die Nummer eins unter den Berliner Privatvermietern übernehmen - mit Zustimmung des Konkurrenten. Doch die Aktionäre der Deutsche Wohnen haben einen Strich durch die Rechnung von Vonovia-Chef Rolf Buch gemacht. Zumindest vorerst.

Es hätte besser ausgelotet werden müssen, was die Hedgefonds wirklich wollten, moniert auch ein großer Investor. Die Investmentbanken hätten als Berater ihr Hauptaugenmerk auf diese Investoren legen müssen, bei denen die entscheidenden 30 Prozent der Anteile lagen.

Vonovia-Boss Rolf Buch sieht vor allem zwei Gründe, dass der Durchmarsch von Vonovia gescheitert ist. Zum einen hätten einige Hedgefonds zuletzt rund 30 Prozent der Aktien von Deutsche Wohnen gehalten und diese Anteile bei der Übernahme nicht angedient. Zum anderen hätten weitere 20 Prozent in den Händen passiver Fonds gelegen, die wichtige Indizes nachbilden. Passive Investoren können ihre Aktien aber erst abgeben, wenn ein Unternehmen wie Deutsche Wohnen – etwa nach einer Übernahme – einen Index wie den Dax verlässt.

Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen gescheitert

  Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen gescheitert Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia hat sich nicht genug Aktien für die Übernahme der Deutschen Wohnen sichern können. Was passiert nun in Berlin? Zufrieden mit dem Aus ist der Mieterbund.Vonovia hatte am Montag mitgeteilt, dass das Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen das selbst gesetzte Ziel von 50 Prozent verfehlt hat. Der größte deutsche Vermieter konnte sich laut endgültigem Ergebnis 47,62 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen sichern. Der Deutsche Mieterbund begrüßte das zumindest vorläufige Scheitern der Megafusion.

Große Investoren plädieren deshalb für mehr Transparenz in einem Übernahmeprozess. Wenn die Hedgefonds laufend darüber informiert worden wären, wie knapp die Annahmequote unterhalb der Mindestannahmeschwelle gelegen habe, hätten sie vielleicht noch reagiert, meinte ein internationaler Großanleger.

Passiven Investoren seien dagegen die Hände in solchen Fällen gebunden, sagte DWS-Experte Schmidt: „Sie können erst etwas tun, wenn die Entscheidung gefallen ist.“ Auf diese Position berufen sich auch andere internationale Investoren. Wäre die Übernahme allerdings Thema einer außerordentlichen Hauptversammlung geworden, hätten alle – auch die passiven Investoren – abstimmen können, erläuterte Schmidt weiter.

Unterschiedliche Schwellen für aktive und passive Investoren?

„Grundsätzlich muss man sich die Frage stellen, wie man auch regulatorisch mit einem immer stärkeren passiven Anteil unter den Investoren umgeht“, räumt Schmidt ein. „Wenn durch diese Verschiebung der Gewichte am Ende keine Übernahmen mehr durchkämen, wäre das nicht im Interesse eines effizienten Kapitalmarkts.“

Geplatzte Fusion: „Das Angebot von Vonovia war absolut inakzeptabel“

  Geplatzte Fusion: „Das Angebot von Vonovia war absolut inakzeptabel“ Geplatzte Fusion: „Das Angebot von Vonovia war absolut inakzeptabel“Michael Muders ist seit November 2004 bei Union Investment als Portfoliomanagement tätig, wo sein Analyseschwerpunkt zunächst auf deutschen Mid AMPERSAND Small Caps Werten lag. Seit 2009 ist Muders für Automobilwerte zuständig, überdies verantwortet er den Europäischen Strategy Input.

Lesen Sie auch zum Thema:

DSW-Chef über gescheiterte Deutsche-Wohnen-Übernahme: „Das kann noch ein Desaster für Anleger werden“Was das für Mieter und Anleger bedeutetKommentar: Vonovia war schlecht beraten

So gibt es Überlegungen in der Branche, dass es helfen könnte, zwei Annahmeschwellen zu schaffen: eine niedrigere für aktive Investoren und im zweiten Schritt eine für ETF, die sich nach Einsicht der Transaktionsdaten gegebenenfalls dann positionieren könnten, um eine Übernahme noch gelingen zu lassen.

Der Fondsverband BVI hält eine Änderung der Regulierung allerdings nicht für nötig. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass der Markt auch bei einem hohen Anteil passiver Investoren Mittel und Wege gefunden habe, dass Übernahmen möglich seien, heißt es dort. In der Branche gilt der Zusammenschluss des Industriegaseherstellers Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair als ein solches Beispiel.

ETF boomen weltweit

Dass das Thema an Relevanz gewinnt, machen die Zahlen deutlich. Das weltweite ETF-Vermögen hat sich in den vergangenen zehn Jahren versiebenfacht von gut 1,3 auf 9,4 Billionen US-Dollar. Allein im ersten Halbjahr 2021 steckten Anleger weltweit 588,6 Milliarden Euro in die börsengehandelten, Indizes nachbildenden Fonds. Das ist so viel, wie in den vergangenen sechs Jahren nicht und macht knapp 90 Prozent der Zuflüsse des gesamten Jahres 2020 aus.

QIX Dividenden Europa: Vonovia will Deutsche Wohnen-Übernahme nach Scheitern nicht aufgeben

  QIX Dividenden Europa: Vonovia will Deutsche Wohnen-Übernahme nach Scheitern nicht aufgeben Nach dem schwächeren Wochenstart geht es am Mittwoch angesichts weiterer Verluste am Aktienmarkt in China beim QIX Dividenden Europa Index weiter abwärts. Somit liegt der Index am Nachmittag leicht im Minus bei 13.150 Punkten. © Bereitgestellt von Finanzen.net Andrew Burton/Getty Images Wohnungsgesellschaften Vonovia und Deutsche Wohnen bestätigen ihre laufenden Fusionspläne, die jetzt allerdings teurer werden dürften. UPM spürt als Papierzulieferer weltweiten Konjunkturaufschwung und erwartet in diesem Jahr wieder Wachstum und höhere Gewinne.

Im Fall der gescheiterten Übernahme ist nach Ansicht von DWS-Experte Schmidt „die Rolle und das Verhalten der Hedgefonds kritischer zu beleuchten“. Die Frage sei, wer an langfristigem Erfolg interessiert und wer am schnellen Gewinn orientiert sei.

Der Deal sei vor allem gescheitert, weil die Kommunikation mit den Hedgefonds sehr schlecht verlaufen sei, heißt es in Finanzkreisen. Im Erwerbsangebot von Vonovia sei beispielsweise nicht explizit ausgeschlossen worden, dass es in Zukunft vielleicht doch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gebe, deshalb hätten die Hedgefonds auf ein späteres, höheres Abfindungsangebot gehofft.

„Einige Banker haben nicht verstanden, dass Hedgefonds-Manager jedes Wort auf die Goldschale legen. Es gab da Missverständnisse und Spielraum für Interpretationen, die man in der mündlichen Kommunikation hätte ausräumen müssen“, sagte eine mit dem Deal vertraute Person. Wenn man explizit erklärt hätte, dass ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag und ein höheres Gebot für mehrere Jahre ausgeschlossen sind, hätten die Hedgefonds mehr angedient.

Es sei jetzt auch nicht zielführend, dass Vonovia-Boss Buch die Hedgefonds an den Pranger stelle, monierte der Insider. Denn nach dem Scheitern der Übernahme setzen viele Aktionäre auf einen neuen Anlauf von Vonovia. „Es ist klar, dass dafür eine neue und höhere Offerte vorgelegt werden müsste“, schrieb Berenberg-Analyst Kai Klose am Montag in einem Kommentar.

Vonovia mit neuem Anlauf für Deutsche-Wohnen-Übernahme

  Vonovia mit neuem Anlauf für Deutsche-Wohnen-Übernahme Der Plan war knapp gescheitert, nun gibt es einen weiteren Versuch: Europas größter Immobilienkonzern Vonovia greift erneut nach der Deutschen Wohnen. Helfen soll mehr Geld für die Aktionäre.Der Bochumer Konzern unternimmt einen neuen Anlauf und will den Eignern der Deutschen Wohnen 53 Euro je Anteil zahlen und damit einen Euro mehr als zuletzt, wie das Unternehmen in der Nacht zu Montag bekanntgab. Zunächst muss aber die Finanzaufsicht Bafin grünes Licht geben.

Mehr: Vonovia-Chef Buch: „Da haben einige zu hoch gepokert“

Leserfavoriten: Magdalena Martullo-Blocher : Schweizer Milliardärin: „Die deutsche Autoindustrie reitet sich völlig ins Abseits“

Delta-Variante : Wie der Urlaub in der Türkei abläuft

CEO Müllenbach im Interview : Galeria plant strategischen Neustart Ende Oktober – wohl ohne die Marken Karstadt und Kaufhof

Corona-Pandemie : „Amerikaner brauchen keinen Booster-Shot“ – Was für und gegen eine dritte Impfung spricht

Sonntagsfrage : Scholz hängt nach Flut Laschet und Baerbock ab – Union verliert in Insa-Umfrage als einzige Partei leicht

Dritter Übernahmeversuch: Deutsche Wohnen und Vonovia: Was eine Übernahme für Anleger und Mieter bedeuten würde .
Dritter Übernahmeversuch: Deutsche Wohnen und Vonovia: Was eine Übernahme für Anleger und Mieter bedeuten würdeAller guten Dinge sind drei: Nachdem der Bochumer Immobilienkonzern Vonovia bereits zum zweiten Mal an der Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen gescheitert war, erlaubte die Bankenaufsicht Bafin am Donnerstag einen dritten Anlauf. Nun soll es schnell gehen. Noch im August will Vonovia ein neues Angebot machen, dem die Investoren bis Ende September oder Anfang Oktober zustimmen können.

usr: 9
Das ist interessant!