Finanzen Elektromobilität: Daimler-Chef bestätigt Stellenabbau bei Mercedes-Benz

22:46  01 august  2021
22:46  01 august  2021 Quelle:   t3n.de

Daimler-Aktie dreht ins Plus: Daimler rechnet mit Autoabsatz nur auf Vorjahresniveau - Zuversichtlicher für Lkw-Sparte

  Daimler-Aktie dreht ins Plus: Daimler rechnet mit Autoabsatz nur auf Vorjahresniveau - Zuversichtlicher für Lkw-Sparte Der Auto- und Lkw-Bauer Daimler sieht nach einem starken zweiten Quartal nun auch für seine Lastwagensparte etwas mehr operativen Gewinn in diesem Jahr. © Bereitgestellt von Finanzen.net Ralph Orlowski/Getty Images Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler vermeldet wieder üppige Milliardengewinne wie in besten Zeiten, will aber an seinem Sparkurs festhalten. Früheren Berichten zufolge sollen allein über diesen Weg zwischen 20 000 und 30 000 Jobs wegfallen.

Auch wenn es neue hochqualifizierte Jobs geben werde, so müsse doch ehrlich zugegeben werden, dass der Umstieg auf die Produktion von Elektro-Autos Arbeitsplätze kosten werde.

Daimler-Chef Ola Källenius bereitet Belegschaft auf Einschnitte vor. © dpa Daimler-Chef Ola Källenius bereitet Belegschaft auf Einschnitte vor.

Daimler-Chef Ola Källenius ist der Welt am Sonntag gegenüber deutlich geworden: „Man muss auch ehrlich mit den Menschen sein. Die Montage eines Verbrennungsmotors bringt mehr Arbeit mit sich als der Bau einer Elektroachse. Selbst wenn wir den kompletten elektrischen Antriebsstrang selbst bauen würden, werden wir am Ende der Dekade weniger Menschen beschäftigen.“

Daimler verbucht Milliardengewinn

  Daimler verbucht Milliardengewinn Fast acht Milliarden Euro Reingewinn im ersten Halbjahr - und dennoch geht der in der Krise verschärfte Personalabbau weiter? Der Daimler-Konzern sorgt mit diesem Vorgehen für Aufsehen.«Weder können wir noch wollen wir das schwäbische Gen des Sparens aufgeben», sagte Konzernchef Ola Källenius am Mittwoch und ging auf Konfrontation zum Betriebsrat, dessen Chef Michael Brecht angesichts bestens laufender Geschäfte ein Einlenken gefordert hatte. «Wenn wir volle Auftragsbücher haben und die Gewinne sprudeln, wie soll die Belegschaft da Verständnis haben für Sparmaßnahmen, die über Jahre laufen sollen?», sagte Brecht der «Automobilwoche».

Weniger Jobs, aber höher qualifizierte

Gleichzeitig kündigte er neue und „hochwertigste“ Jobs im Zuge der Umstellung an. Damit dürfte er Software-Entwickler, Batterie-Experten und anderen Spezialisten in Fragen der Elektrifizierung von Antrieben meinen, die das Unternehmen seit einem guten Jahr für das Unternehmen zu akquirieren sucht.

Schon im November vergangenen Jahres hatte Källenius in einem Reuters-Format formuliert: „Unser industrieller Fußabdruck wird sich im Zuge des Umstiegs auf den elektrischen Antriebsstrang fundamental verändern.“ Damals hatte er noch in den Zusammenhang gestellt, dass ein geringerer Umwelt-Fußabdruck Teil des modernen Luxus-Versprechens sei. Das bestimme sich künftig vor allem durch Nachhaltigkeit und Effizienz und nicht mehr durch opulente Gestaltung und Leistung im Übermaß.

Daimler erhöht bei Mercedes-Benz die Elektroschlagzahl - Aktie stark

  Daimler erhöht bei Mercedes-Benz die Elektroschlagzahl - Aktie stark Der Autobauer Daimler erhöht bei seiner Stammmarke Mercedes-Benz die Schlagzahl für den Umbau hin zu Elektrofahrzeugen deutlich. © Bereitgestellt von Finanzen.net MIKE CLARKE/AFP/Getty Images Im Jahr 2025 wollen die Stuttgarter rund 50 Prozent ihrer Verkäufe mit vollelektrischen oder Plug-in-Autos erzielen und damit doppelt so viel wie bisher, wie der DAX-Konzern Daimler am Donnerstag mitteilte. Im Jahr 2025 führt Mercedes drei neue reine Elektroarchitekturen als technische Basis für die Autos ein.


Video: Der neue Mercedes-Benz EQS - auf einen Blick (AutoMotoTV)

Källenius aktuelle Aussage lässt wenig Interpretationsspielraum, ist aber letztlich nur logisch. Denn unstreitig ist, dass die Herstellung eines Elektromotors weniger industrielle Fertigung, weniger Manpower als die Herstellung eines konventionellen Verbrennermotors erfordert. Während ein Verbrennungsmotor nebst Getriebe aus mindestens 1.400 Teilen zusammengesetzt wird, besteht ein Elektromotor nebst Batterien nur aus rund 200 Komponenten.

Erst im Juli hatte sich Daimler deutlich ambitioniertere Ziele für die Einführung eines E-Portfolios gesetzt und dabei für die Pkw-Stammmarke Mercedes-Benz den baldigen Abschied vom Verbrennungsmotor angekündigt. Unter dem Leitbegriff „Electric-only“ soll künftig das ganze Mercedes-Geschäft auf elektrisches Fahren ausgerichtet werden. Schon im Jahr 2025 sollen rund 50 Prozent der Neuverkäufe vollelektrisch oder hybrid fahren. Das ist eine Verdoppelung der bisherigen Planung.

Daimler erhöht bei Mercedes-Benz die Elektroschlagzahl - Daimler-Aktie in Grün

  Daimler erhöht bei Mercedes-Benz die Elektroschlagzahl - Daimler-Aktie in Grün Der Autobauer Daimler erhöht bei seiner Stammmarke Mercedes-Benz die Schlagzahl für den Umbau hin zu Elektrofahrzeugen deutlich. © Bereitgestellt von Finanzen.net TANNEN MAURY/AFP/Getty Images Im Jahr 2025 wollen die Stuttgarter rund 50 Prozent ihrer Verkäufe mit vollelektrischen oder Plug-in-Autos erzielen und damit doppelt so viel wie bisher, wie der DAX-Konzern Daimler am Donnerstag mitteilte. Im Jahr 2025 führt Mercedes drei neue reine Elektroarchitekturen als technische Basis für die Autos ein.

Betriebsrat sieht keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb

Auch der Daimler-Betriebsrat sieht keine Alternative zur Elektromobilität. „Man kann nicht gegen den Strom schwimmen, wenn die ganze Welt gerade den batterieelektrischen Antrieb vorantreibt“, meint Arbeitnehmervertreter Michael Brecht, räumt aber auch ein, dass das nicht jeder in der Belegschaft so sehe. „Einige Kollegen hängen schon noch dem Glauben an, dass wir noch eine Weile so weitermachen könnten.“

Wie hoch der Arbeitsplatzverlust ausfallen wird, hat bislang weder der Betriebsrat noch die Unternehmensführung offen kommuniziert. Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group hatte zuletzt für rund die Hälfte der rund 1,7 Millionen Stellen in der Automobilindustrie und angrenzenden Industriezweigen mindestens eine Änderung des Berufsbildes vorhergesehen. Bei rund 500.000 Stellen bestünde ein Weiterbildungsbedarf, so die Analysten. Wie der indes angesichts der gewaltigen Umstellungen allein in der Motorentechnik aussehen sollte, bleibt unklar.

Bisher sind deutlich über 90 Prozent aller von Daimler verkauften Autos mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet. Im ersten Halbjahr 2021 betrug der Anteil der vollelektrischen Fahrzeuge am Verkauf gerade einmal drei Prozent. Der Anteil der Hybride lag knapp darüber. Aufgrund der sich rasch wandelnden Vorgaben aus der Politik gehen die Hersteller allerdings davon aus, dass sich diese Zahlen mittelfristig und dann recht schnell in Richtung Elektrofahrzeuge verschieben werden.

Mercedes-Hersteller: Daimler-Betriebsräte wollen schwere Lkw-Motoren auch an Konkurrenten verkaufen .
Der weltgrößte Truck-Hersteller setzt verstärkt auf Elektroantriebe. Zugleich fordern Gewerkschafter ein „Last-man-standing“-Konzept bei Verbrennern. © dpa Die Zukunft des Dieselmotorengeschäfts wird stark diskutiert. Es ist eine Zäsur. Daimler Truck, der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt, verabschiedet sich nach fast einem Jahrhundert allmählich vom Dieselmotor. Nach der Pkw-Sparte will auch die Lastwagendivision des Mercedes-Herstellers den Großteil seiner Investitionen bis 2025 umlenken – weg vom Verbrenner, hin zu elektrischen Antrieben.

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