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FinanzenFinanzbranche: Griechische Banken fürchten eine neue Kapitalflucht

11:31  11 februar  2019
11:31  11 februar  2019 Quelle:   handelsblatt.com

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Wir frumben Landsknecht fürchten uns nit, wir Landsknecht han einen eigenen Schnitt. Heiho, heiho, heihei, Fußvolk und Reiterei! Wir lugen wohl in gar

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Finanzbranche: Griechische Banken fürchten eine neue Kapitalflucht © Reuters Infolge der achtjährigen Rezession kämpfen die Institute mit immensen Kreditrisiken.

Die Geldinstitute warnen vor einer übereilten Aufhebung der Kapitalkontrollen. Sie sorgen sich, dass viele Griechen ihr Geld ins Ausland bringen.

Sie waren der Rettungsring, der die griechischen Banken im Krisensommer 2015 vor dem Untergang bewahrte: die Kapitalkontrollen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni drehte Premierminister Alexis Tsipras den Griechen den Geldhahn zu. Die Banken wurden für drei Wochen geschlossen, an den Geldautomaten gab es nur 60 Euro pro Tag. Damit gelang es der Regierung, die Kapitalflucht zu stoppen.

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Die Banken auf der Insel sind wegen der engen Verflechtungen mit der griechischen Finanzbranche ins Schlingern geraten. „Wenn wir so weitermachen, droht ein Schrecken ohne Ende, weil die Banken wegen massiver Kapitalflucht anfällig bleiben werden.“

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Seit Griechenland vor fast sechs Monaten das Hilfsprogramm beendete, wird auch über ein Ende der inzwischen schrittweise gelockerten Kapitalkontrollen nachgedacht. Tsipras könnte damit im beginnenden Wahlkampf punkten: Eine Aufhebung der Beschränkungen würde in sein Narrativ passen, wonach er das Land aus der Krise und zurück zur Normalität geführt hat.

Das Thema Kapitalkontrollen beschäftigte die Chefs der griechischen Geschäftsbanken bei einem Treffen mit dem Notenbankchef Yannis Stournaras am vergangenen Freitag. Die Banker warnen vor übereilten Schritten.

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In den Beratungen mit Zentralbankchef Yannis Stournaras sollen sie sich einhellig dafür ausgesprochen haben, die noch bestehenden Einschränkungen beim Kapitalverkehr mit dem Ausland vorerst beizubehalten, berichten Teilnehmer des Treffens. Die Banker fürchten bei einer vorzeitigen Lockerung das Risiko einer neuen Kapitalflucht – wie im Frühjahr 2015.

Damals steuerten Premier Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis mit ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber den Gläubigern Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts. Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme und dem Zusammenbruch der Banken plünderten die Griechen ihre Konten.

Binnen sechs Monaten schrumpften die Einlagen um ein Fünftel. Die Geldinstitute drohten auszubluten. Erst die Schließung der Banken und die Kapitalverkehrskontrollen beendeten den Aderlass.

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Die Beschränkungen wurden inzwischen schrittweise gelockert. Barabhebungen sind seit Oktober 2018 wieder in unbegrenzter Höhe möglich. Überweisungen ins Ausland bleiben allerdings auf 2000 Euro monatlich für Privatpersonen und 100.000 Euro für Firmen begrenzt.

Unternehmen fordern weitere Lockerung

Größere Transaktionen müssen in jedem Einzelfall von den Banken, Überweisungen von einer Million Euro aufwärts sogar vom Finanzministerium genehmigt werden – ein bürokratisches, zeitraubendes Verfahren.

Die Unternehmen wünschen deshalb eine weitere Lockerung. Aber bei den Banken gibt es die Sorge, dass viele Griechen ihre Guthaben ins Ausland transferieren, wenn die Beschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr aufgehoben werden. Das könnte zu neuen Liquiditätsengpässen führen.

In den Krisenjahren verloren die Banken fast die Hälfte ihrer Einlagen. Die Depositen fielen von 237,5 Milliarden Euro im Vorkrisenjahr 2009 auf 122,2 Milliarden Mitte 2015. Inzwischen sind sie zwar wieder auf 134,5 Milliarden gestiegen. Aber in Bankenkreisen schätzt man, dass die Griechen immer noch rund 28 Milliarden Euro Bargeld in Schließfächern und Wohnungen bunkern – aus Angst um die Zukunft der Geldinstitute.

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Tatsächlich sind die Banken noch weit von einer Normalität entfernt. Infolge der achtjährigen Rezession kämpfen die Institute mit immensen Kreditrisiken. Fast 47 Prozent aller ausgereichten Darlehen werden nicht mehr bedient oder sind akut ausfallgefährdet. Es geht um Forderungen von knapp 85 Milliarden Euro. Davon entfallen 27 Milliarden auf Hypothekenkredite.

Hier kämpfen die Banken mit besonderen Problemen. Denn mit Blick auf die spätestens im Oktober fälligen Wahlen verschleppt die Regierung seit Monaten neue gesetzliche Regelungen für Privatinsolvenzen. Premier Tsipras will damit überschuldete Hausbesitzer vor Zwangsvollstreckungen schützen. „Keine Wohnung in der Hand der Banker“ war schon der Slogan, mit dem das Linksbündnis Syriza 2014 in den Wahlkampf zog.

Gewaltiger Kraftakt ist nötig

Bisher brauchen Schuldner, deren Immobilien bis zu 250.000 Euro wert sind, in der Regel kaum Zwangsvollstreckungen zu fürchten. Die Banken fordern, diese Grenze auf 100.000 Euro abzusenken. Sie befürchten, dass sonst noch mehr Schuldner ermuntert werden, ihre Kredite nicht bedienen, obwohl sie es könnten.

Experten schätzen, dass schon jetzt bis zu einem Drittel der faulen Hypothekenkredite auf das Konto solcher „strategischer Schuldner“ geht.

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Vizepremier Giannis Dragasakis warnte jetzt bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage, die im Laufe der Krisenjahre bereits drei Mal rekapitalisierten Banken könnten neue Kapitalspritzen benötigen.

Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Ob die privaten Aktionäre noch einmal Kapital nachschießen, ist mehr als fraglich. Sie stehen ohnehin vor riesigen Verlusten. Die Bankaktien haben seit der letzten Rekapitalisierung Ende 2015 bereits wieder 80 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Dass die Euro-Partner noch einmal Hilfsgelder für die Rettung der griechischen Banken locker machen, ist ebenfalls unwahrscheinlich.

Schlimmstenfalls könnte es zu einem Bail-in kommen. Dann könnten in letzter Konsequenz auch Einleger mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro herangezogen werden. Vor dem Hintergrund dieses Schreckensszenarios ist verständlich, dass die Banken von einer Aufhebung der Kapitalkontrollen derzeit noch nichts wissen wollen.

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