Finanzen Tarifkonflikt: GDL beklagt Blockadehaltung der Bahnmanager und kündigt siebentägigen Streik an

11:11  31 august  2021
11:11  31 august  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Gewerkschaft deutscher Lokführer droht weiter mit Streik

  Gewerkschaft deutscher Lokführer droht weiter mit Streik Berlin. Die Atempause für die Fahrgäste könnte bald vorüber sein: Im Tarifkonflikt bleiben die Fronten verhärtet, nun droht die GDL auch vor der Bahn-Zentrale mit Streik - lässt sonst aber alles offen. © Christoph Soeder Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigt weitere Streiks an. Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen weiterhin einen Streik befürchten. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneuerte am Dienstag die Drohung mit einem Arbeitskampf.

Die Lokführergewerkschaft verschärft im Tarifkonflikt die Gangart. Der Streik soll am Mittwoch im Güterverkehr beginnen – und bis kommenden Dienstag dauern.

Im eigentlichen Tarifkonflikt liegen die Bahn und die GDL nicht weit auseinander. © dpa Im eigentlichen Tarifkonflikt liegen die Bahn und die GDL nicht weit auseinander.

Bahnreisende müssen erneut wegen eines Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. GDL-Chef Claus Weselsky kündigte im laufenden Tarifstreit mit der Bahn den dritten und längsten Streik im Personenverkehr ab Donnerstag, 2. September um 2 Uhr an. Dieser werde bis zum 7. September dauern, erklärte er am Montag in Frankfurt. Der Güterverkehr wird bereits ab diesem Mittwoch um 17 Uhr bestreikt.

Bahnstreiks: Wo GDL-Chef Weselsky recht hat

  Bahnstreiks: Wo GDL-Chef Weselsky recht hat Bahnstreiks: Wo GDL-Chef Weselsky recht hatClaus Weselsky weiß zu provozieren – schon von der allerersten Minute an. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte für 11 Uhr am Freitag zur Pressekonferenz in die Friedrichstraße in Berlin-Mitte geladen. Rund ein Dutzend Journalisten folgte seiner Einladung, auf die Minute ging es los. Weselsky setzt sich auf den Stuhl vor der Wand mit dem GDL-Aufsteller und kommentiert: „Lassen Sie uns loslegen – pünktlich wie die Eisenbahn früher einmal war.

„Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich“, sagte Weselsky. „Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen.“ Unbefristete Streiks stünden derzeit aber nicht zur Debatte, betonte Weselsky.

GDL-Chef Weselsky hatte schon mit dem Ende der zweiten Streikwelle am vergangenen Mittwoch angekündigt, dass der nächste Arbeitskampf noch länger und heftiger werde, sollte sich das Management der Deutschen Bahn nicht bewegen. Seitdem ist die Bahn-Spitze nicht auf die GDL zugekommen. Konzernchef Richard Lutz hatte vielmehr betont, der GDL vorerst kein neues Angebot unterbreiten zu wollen.

Tarifstreit: Bahn legt GDL neues Angebot vor und betont: „Gibt jetzt keinen Grund mehr für Streik“

  Tarifstreit: Bahn legt GDL neues Angebot vor und betont: „Gibt jetzt keinen Grund mehr für Streik“ Wenige Stunden vor dem Beginn des Streiks im Personenverkehr macht die Deutsche Bahn der Lokführergewerkschaft einen neuen Vorschlag – darunter eine konkrete Corona-Prämie. © dpa „Wir erfüllen zentrale Forderungen der GDL“, sagt der Bahn-Personalvorstand. Die Deutsche Bahn hat der Lokführergewerkschaft GDL nun doch ein neues Angebot vorgelegt, um den bevorstehenden Streik im Personenverkehr in letzter Sekunde abzuwenden. Dies teilte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Mittwoch in Berlin mit.

Dabei hatte schon die zweite Streikwelle erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. An den Arbeitskämpfen beteiligten sich laut einem internen Bericht der Deutschen Bahn 8486 Mitarbeiter. Im Fernverkehr fielen an den beiden Streiktagen Montag und Dienstag jeweils etwa 550 Züge komplett aus. Im Regionalverkehr waren es 8000 Züge, eine ähnlich hohe Zahl kam im S-Bahn-Verkehr dazu. In normalen Zeiten fährt die Bahn rund 850 Fernverkehrs- und 21.000 Nahverkehrszüge (inklusive S-Bahnen) täglich.

Bahnchef Lutz goss am Wochenende sogar weiteres Öl ins Feuer. „Wie Herr Weselsky in dieser Situation agiert und vor allem wie er redet, ist absolutes Gift für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eisenbahnerfamilie. Da werden gerade Wunden geschlagen, die nur schwer wieder verheilen“, sagte Lutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ich verstehe nicht, warum ein Eisenbahner, der das Unternehmen seit Jahrzehnten kennt und genau weiß, wie wichtig Zusammenarbeit und Zusammenhalt für das Funktionieren der Eisenbahn ist, die Belegschaft bewusst spalten will.“

Antwort auf Bahn-Angebot bleibt aus - Streik beginnt

  Antwort auf Bahn-Angebot bleibt aus - Streik beginnt Eine Antwort der Lokführergewerkschaft GDL auf die Offerte der Deutschen Bahn gab es in der Nacht nicht. So bleibt es bei den Plänen für den bisher längsten Ausstand in dem laufenden Tarifkonflikt.Bis in die frühen Morgenstunden blieb eine offizielle Antwort der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf den Vorstoß aus der Bahn-Zentrale aus. Der Arbeitskampf im Personenverkehr sei wie geplant um 2.00 Uhr angelaufen, teilte die Streikleitung der Gewerkschaft auf Anfrage mit. Weitere Angaben zum Fortgang des inzwischen dritten Ausstandes innerhalb weniger Wochen machte die GDL zunächst nicht.

Für Reisende – in aller Kürze:

Reisende können Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben. Auch eine Erstattung des Tickets ist laut Deutscher Bahn möglich. Die Bahn rechnet damit, dass sie im Fernverkehr etwa ein Viertel des üblichen Angebots fahren kann, im Regional- und S-Bahn-Verkehr etwa 40 Prozent.

Auch warf er dem GDL-Chef Falschaussagen vor – etwa in Bezug auf Behauptungen, die Führungskräfte würden in der Krise nicht verzichten. „Denen jetzt vorzuwerfen, dass sie sich die Taschen vollstopfen, ist unredlich und schlicht falsch“, so Lutz. Vor wenigen Tagen hatte der Bahn-Vorstand erklärt, wie schon im Vorjahr auch 2021 auf Boni zu verzichten. Das hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen gefordert.

Solche Aussagen dürften Weselsky zusätzlich provozieren. Der Gewerkschaftsführer machte jedenfalls in den zurückliegenden Tagen keine Anstalten, den Druck vom Management zu nehmen, und sieht die Belegschaft voll hinter sich: „Wenn das Management meint, sie halten den Frust der Bürger länger aus als die Mitarbeiter, dann sage ich ihnen: Sie verschätzen sich.“

Deutsche Bahn geht gerichtlich gegen Streik vor

  Deutsche Bahn geht gerichtlich gegen Streik vor Berlin. Der Lokführerstreik beschäftigt nun die Justiz. Die Deutsche Bahn hat das Gericht eingeschaltet, nachdem GDL-Chef Weselsky einem neuen Angebot der Bahn eine Absage erteilt hatte. Das Frankfurter Arbeitsgericht berät noch am Donnerstag. © Peter Kneffel Ein Mann wartet an einem Gleis (Symbolfoto). Die Deutsche Bahn geht juristisch gegen den Streik der Lokführergewerkschaft GDL vor. Der Konzern hat vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Arbeitskampf eingelegt, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. „Das Streikrecht ist ein hohes Gut.

GDL und EVG kämpfen um die Machtverteilung bei der Bahn

Dabei sind beide Seiten im eigentlichen Tarifkonflikt nicht so weit auseinander. Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn. Das bietet die Bahn auch, allerdings verteilt über eine längere Laufzeit und in Schritten.

Das wiederum will die GDL nicht akzeptieren. Denn im ersten Schritt würde das Bahn-Angebot gemessen an der aktuellen Inflation ein Minus für die Bahner bedeuten. Weselsky ist jedoch mit dem Versprechen angetreten, anders als die größere Konkurrenzgewerkschaft EVG keine Nullrunde hinnehmen zu wollen.

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Im Hintergrund schwelt zudem ein Kampf zwischen GDL und EVG um künftige Machtverhältnisse. Das Tarifeinheitsgesetz legt fest, dass die Arbeitnehmervertretung mit den meisten Mitgliedern in einem Betrieb auch die Tarifverhandlungen führen darf. Das ist bei der Bahn in den allermeisten Fällen die EVG. Die GDL will deshalb mehr Mitglieder auch jenseits der Lokführer gewinnen, um ihre Zukunft zu sichern. Das geht in der Logik eines Gewerkschaftlers am besten, in dem man mehr rausholt als die rivalisierende Arbeitnehmervertretung.

Doch es birgt die Gefahr eines Wettlaufs um den lukrativsten Tarifvertrag. Die EVG, die Ende vergangenen Jahres einen Krisentarifvertrag mit der Bahn vereinbarte, hat bereits angekündigt, Nachforderungen zu stellen und notfalls mit Arbeitskämpfen durchsetzen zu wollen, sollte die GDL mehr erstreiken. Das geht, weil in dem geltenden Tarifvertrag eine entsprechende Öffnungsklausel enthalten ist, die die Friedenspflicht aufhebt.

Tarifstreit: „Existenzvernichtung der GDL“: Weselsky lehnt Bahn-Angebot ab – Bahn geht juristisch gegen Streik vor

  Tarifstreit: „Existenzvernichtung der GDL“: Weselsky lehnt Bahn-Angebot ab – Bahn geht juristisch gegen Streik vor Tarifstreit: „Existenzvernichtung der GDL“: Weselsky lehnt Bahn-Angebot ab – Bahn geht juristisch gegen Streik vorDer Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL eskaliert: Der Staatskonzern geht juristisch gegen den laufenden GDL-Streik vor. Das Unternehmen stellte am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Arbeitskampf.

Wie sich der Wettstreit der Gewerkschaften lösen lässt, ist offen. Nur in einem Punkt sind sich GDL und EVG einig: Die Politik muss sich aus dem Konflikt heraushalten. „Aktuelle Versuche, politisch auf die Tarifpartner einzuwirken, sind nicht geeignet, den Konflikt zu entschärfen“, hatte EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel in der vergangenen Woche an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschrieben.

„Wir wenden uns mit diesem Schreiben deshalb direkt an Sie und fordern Sie eindringlich auf, jede politische Einmischung in diesen Tarifkonflikt zu unterlassen“, so Hommel weiter. „Besonders weisen wir Forderungen zurück, die auf eine Einschränkung des Streikrechts abzielen.“

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Kann die Bahn eine neue Streikrunde der GDL verhindern? Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen der Lokführer-Gewerkschaft einen weiteren Schritt entgegengekommen.«Mit dem neuen Angebot bewegt sich das Unternehmen einen weiteren, großen Schritt auf die GDL zu.» Personalvorstand Martin Seiler forderte die GDL erneut zu Verhandlungen auf. «Es liegen tragfähige Lösungen auf dem Tisch.» Die Gewerkschaft hatte angekündigt, von Montag an den nächsten Streik vorzubereiten, sollte die Bahn bis dahin kein «verhandlungsfähiges Angebot» vorlegen.

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