Kultur & Showbiz Darum wurde Jan Böhmermann beim Bundeswehr-Zapfenstreich übel

15:40  14 oktober  2021
15:40  14 oktober  2021 Quelle:   rollingstone.de

Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigt Afghanistan-Einsatz

  Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigt Afghanistan-Einsatz »Sie haben sich in Gefahr begeben und viele Menschenleben gerettet«: Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat zusammen mit Kanzlerin Merkel die Afghanistan-Mission und den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr gewürdigt. © FRIEDEMANN VOGEL / EPA Annegret Kramp-Karrenbauer hat vor Soldaten den fast 20 Jahre dauernden Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gerechtfertigt. Nach dem Ende dieses Einsatzes müsse aber auch »offen und ehrlich« Bilanz gezogen werden, sagte die Verteidigungsministerin bei einem Appell für Teilnehmer der Evakuierungsmission aus Kabul.

Auf Twitter fragt der „ZDF Magazin Royale“-Moderator, warum denn im Land der Tüftler nicht mal auf eine andere Zapfenstreich-Symbolik kommen kann.

Jan Böhermann © Bereitgestellt von www.rollingstone.de Jan Böhermann

Auf Twitter fragt der „ZDF Magazin Royale“-Moderator, warum denn im Land der Tüftler nicht mal auf eine andere Zapfenstreich-Symbolik kommen kann.

Am Mittwoch (13. Oktober) wurde in Berlin vor dem Reichstag an den inzwischen beendeten Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr erinnert. Gedacht wurde der 59 Soldaten, die während dieser Zeit umkamen, zugleich wurde vor politischer Prominenz an die Bedeutung der Mission erinnert.

Ärger um „ZDF Magazin Royale“-Tweet über Mark Zuckerberg – Jan Böhmermann entschuldigt sich

  Ärger um „ZDF Magazin Royale“-Tweet über Mark Zuckerberg – Jan Böhmermann entschuldigt sich Der Inhalt des mittlerweile gelöschten Tweets war von vielen Nutzer*innen als antisemitisch interpretiert worden. Böhmermann und seine Redaktion distanzierten sich daraufhin von solch einer Lesart. © Bereitgestellt von www.musikexpress.de Jan Böhmermann Der Inhalt des mittlerweile gelöschten Tweets war von vielen Nutzer*innen als antisemitisch interpretiert worden. Böhmermann und seine Redaktion distanzierten sich dar Jan Böhmermann ist derzeit eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen Satire-Landschaft.

Dazu gehörte auch ein traditioneller Fackelmarsch als Teil des Zapfenstreichs der Bundeswehr. Bilder, die mit dem geschulten Auge der Medienkompetenz (und zahlreichen ZDF-Dokumentationen zum Thema Nationalsozialismus) ungute Erinnerungen an eine andere Zeit wecken könnten. So ging es jedenfalls TV-Satiriker Jan Böhmermann.

„Fackelmärsche vorm Reichstag – let‘s agree to disagree“, schrieb er auf Twitter. „Ich finde Fackelmärsche von Uniformierten vorm Reichstag richtig, richtig scheiße.“

Bundeswehr beim Zapfenstreich für den Afghanistan-Einsatz vor dem Reichstag in Berlin © Bereitgestellt von Rolling Stone Bundeswehr beim Zapfenstreich für den Afghanistan-Einsatz vor dem Reichstag in Berlin

Neue Zapfenstreich-Symbolik gesucht

In einem weiteren Tweet legte der Comedian noch nach, dass allen unwohl bei Fackelmärschen sei, aber alle dennoch ein respektvolles Ritual für die Bundeswehr forderten. Insofern könne sich das „Land der Tüftler“ doch eine neue „Zapfenstreich-Innovation“ ausdenken.

Afghanistan-Einsatz kostete mehr als 17,3 Milliarden Euro

  Afghanistan-Einsatz kostete mehr als 17,3 Milliarden Euro Mit dem Sieg der militant-islamistischen Taliban ist der westliche Einsatz am Hindukusch weitgehend gescheitert. Was daraus zu lernen ist, soll noch bilanziert werden. Die Kosten stehen dagegen nun fest. © Maurizio Gambarini/dpa/picture-alliance Deutsche Flagge und ISAF-Wimpel im Bundeswehr-Feldlager Feisabad (2008) Der 20 Jahre dauernde Einsatz deutscher Soldaten und Entwicklungshelfer in Afghanistan hat nach Angaben der Bundesregierung mehr als 17,3 Milliarden Euro gekostet. Den weitaus größten Posten machte dabei das Militär aus.

Böhmermann war nicht der einzige, der im Netz sein Unwohlsein über das Bundeswehr-Ritual bekundete. So schrieb etwa Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele auf Twitter: „Was soll das militaristische Ritual aus Preußen und NS-Zeit. In dem Krieg starben über 175.000 Mensch – meist Zivilisten. Nichts ist gut in Afghanistan. Was gibts da zu feiern.“

Während es im Fall von Jan Böhmermann neben einiger Zustimmung auch Kritik an seinem emotionalen Statement gab, reagierte inzwischen auch das Verteidigungsministerium auf die Diskussion im Netz. „Vergleiche mit dem dunkelsten Kapitel Deutschlands enttäuschen uns“, hieß es auf der Twitter-Seite des Ministeriums am Donnerstag (14. Oktober). Die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee. „Als diese hat sie ihren Platz inmitten der Gesellschaft – bei besonderen Anlässen auch vor dem Reichstagsgebäude.“ Ein Erklärvideo zur historischen Bedeutung des Zapfenstreichs wurde ergänzt.

Bundeswehr: Generalinspekteur Eberhard Zorn warnt vor falschen Schlüssen aus Afghanistan-Einsatz

  Bundeswehr: Generalinspekteur Eberhard Zorn warnt vor falschen Schlüssen aus Afghanistan-Einsatz Sind Missionen wie die der Bundeswehr in Afghanistan generell zum Scheitern verurteilt? Nein, meint der Generalinspekteur der Truppe – trotz des Durchmarschs der Taliban. © Wolfgang Kumm / dpa Westliche Militärinterventionen in Konfliktgebieten sind aus Sicht des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Eberhard Zorn, nicht prinzipiell hoffnungslos. Das gelte trotz der raschen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan.

#wehrmacht trendet bei Twitter

Nachdem CDU-Politiker Peter Tauber Jan Böhmermann in seiner Aufforderung, ein neues Zapfenstreich-Ritual zu finden, direkt anging („Meine Güte. Wenn Sie mögen, erkläre ich Ihnen mal den historischen Kontext. Da brauchen Sie offenkundig eh dringend Beratung.“), antwortete dieser mit dem impliziten Verweis darauf, dass die Bilder im Ausland durchaus mit einem Gefühl des Unheimlichen aufgenommen würden: „Die Bilder von gestern Abend funktionieren doch ganz fabelhaft sogar ohne historischen Kontext. Weltweit!“

Hunderte Twitter-User beteiligten sich allein an Jan Böhmermanns Twitter-Beitrag. Unter dem Hashtag #wehrmacht fand der Diskurs zusätzlich eine recht eindeutige Richtung im Verlaufe des Mittwochabends und Donnerstagmorgens.

SeanGallup Getty Images

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Fackelzug vor Reichstag: Nutzer vergleichen Zapfenstreich der Bundeswehr mit Wehrmacht .
Ein Tweet des Verteidigungsministeriums führt zu Diskussionen auf Twitter.„Vor dem Reichstagsgebäude ehren wir die Soldatinnen und Soldaten, die für unser Land in Afghanistan im Einsatz waren“, schreibt das Bundesverteidigungsministerium zu dem Tweet, „20 Jahre war die Bundeswehr am Hindukusch. 20 Jahre, die Deutschland geprägt haben.“ Der traditionelle Zapfenstreich der Bundeswehr fand am Mittwochabend vor dem Reichstag in Berlin statt.

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