Sport Rea-Crewchief exklusiv: Warum 2021 Kawasakis WSBK-Dominanz zu Ende ging

17:40  01 oktober  2021
17:40  01 oktober  2021 Quelle:   motorsport-total.com

"Nicht wirklich stilvoll" - Redding über Kawasaki-Protest gegen Razgatlioglu

  Im Rahmen des WSBK-Events in Barcelona äußern sich die Beteiligten zum Protest in Magny-Cours: Toprak Razgatlioglu fühlt sich durch die Strafe zusätzlich motiviertDucati-Pilot Scott Redding beobachtete den kontroversen Zwischenfall von außen und hat eine klare Meinung: "Man fährt Rennen, geht Risiken ein und verschiebt die Grenzen. Toprak bekam eine Strafe, weil er auf den grünen Bereich kam. Dadurch verlor er aber Zeit, denn Jonathan überholte ihn in der darauffolgenden Kurve. Ich verstehe das nicht so richtig. Er hatte keinen Vorteil.

Muss Jonathan Rea im kommenden Jahr wieder mit der Nummer 65 starten? © Kawasaki Muss Jonathan Rea im kommenden Jahr wieder mit der Nummer 65 starten?

Superbike-Weltmeister Jonathan Rea reiste mit 20 Punkte Rückstand zum finalen Europa-Event der WSBK-Saison 2021 nach Portimao. Am vergangenen Wochenende in Jerez gewann Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu beide Rennen und baute damit seinen Vorsprung aus. Jonathan Rea und Kawasaki konnten seit Juli kein Hauptrennen für sich entscheiden. Wir haben uns in Portimao mit Crewchief Pere Riba getroffen und hinterfragt, warum die Titelverteidigung in diesem Jahr so schwierig ist.

"Was passiert ist, ist für mich logisch und normal", beginnt Pere Riba zu erklären. "Wir beendeten die Saison 2020 und konzentrierten uns wie immer darauf, Verbesserungen für das Folgejahr zu erzielen. Uns war klar, welche Bereiche wir verbessern müssen. Kawasaki arbeitete im Winter sehr hart."

WSBK Barcelona: Rinaldi gewinnt Lauf zwei, Sykes landet im Krankenhaus

  WSBK Barcelona: Rinaldi gewinnt Lauf zwei, Sykes landet im Krankenhaus Ducati-Sieg in Lauf zwei: Michael Ruben Rinaldi setzt sich gegen Toprak Razgatlioglu durch - Jonathan Rea nicht in den Top 5 - Jonas Folger kommt als Letzter ins ZielDurch den Sieg im Sprintrennen am Sonntagvormittag stand Jonathan Rea auf der Pole. Toprak Razgatlioglu und Alvaro Bautista (Honda) komplettierten die erste Startreihe. Jonas Folger (Bonovo-BMW) ging von Startplatz 17 ins zweite Hauptrennen.

Pere Riba deutet die kontroverse Drehzahleinstufung der 2021er-Kawasaki an und erklärt, wie er die Situation erlebt hat: "Wir bereiteten uns vor und fuhren den ganzen Winter über mit einem Motor, der 500 Umdrehungen mehr hatte im Vergleich zum Ende der Saison 2020. Das beeinflusst das komplette Motorrad."

Angespannte Stimmung vor dem Saisonstart im Mai

"Es wirkt sich auf den Charakter des Motors, die Übersetzung, die interne Getriebeübersetzung, die Arbeit mit der Elektronik und das komplette Paket aus. Wir konnten einen Fortschritt machen. Es waren kleine Fortschritte. Man sucht nach einer oder zwei Zehntelsekunden. Zwei Zehntelsekunden pro Runde sind in einem Rennen vier Sekunden. Das ist ein massiver Unterschied. Es entscheidet darüber, ob man gewinnt oder auf Platz vier ins Ziel kommt", bemerkt der Kawasaki-Crewchief.

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Kawasaki

  Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Kawasaki Kawasaki mit dem Rücken zur Wand: Jonathan Rea konnte seit Juli kein Hauptrennen für sich entscheiden und verliert in Jerez viele Punkte auf Toprak Razgatliogluhinter uns liegt ein emotionales Wochenende. Als ich gestern Abend das Fahrerlager des Circuito de Jerez verließ, war ich irgendwie erleichtert, diesen Ort zu verlassen. Normalerweise bin ich eher traurig, wenn ein Renn-Wochenende zu Ende geht. Dieses Mal war das anders. Ganz anders.

"Wir hatten einen guten Winter und verfügten über ein solides Paket. Eine Woche vor dem ersten Rennen bekam ich die Information, dass wir nicht mit der Homologation fahren können, mit der wir uns vorbereitet haben", schildert Pere Riba.

"Ich musste alles neu organisieren. 500 Umdrehungen weniger führten zu Änderungen am Getriebe, an der Elektronik und an der Balance der Maschine. Wir mussten einen Schritt zurück machen. Gleichzeitig war es für die Fahrer nicht gerade zuträglich, wie man sich vorstellen kann", erklärt der Spanier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Plötzlich war Yamaha der größte Herausforderer von Kawasaki

Nach vielen Jahren, in denen Ducati der härteste Gegner war, fand Kawasaki in diesem Jahr einen neuen Herausforderer vor: Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu zeigte im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Steigerung und war auf allen Strecken schnell.

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  WSBK Portimao FT2: Kawasaki-Duo vorn, keine BMW in den Top 10! Jonathan Rea holt sich bei der Superbike-WM in Portimao am Freitag die Tagesbestzeit - BMW-Pilot Jonas Folger landet auf Position 16Bereits am Vormittag führte Rea die Wertung mit einer 1:41.542er-Zeit an (zum FT1-Bericht). BMW-Pilot Jonas Folger landete im FT1 auf der 17. Position und hatte 2,666 Sekunden Rückstand. Folger konnte zuvor noch nie in Portimao fahren und musste den anspruchsvollen Kurs am Freitagvormittag erst lernen.

"Jeder in diesem Fahrerlager kennt das Potenzial von Toprak. Das war bereits vor drei Jahren klar. Er zeigte schon damals, dass er sehr viel Potenzial hat", kommentiert Pere Riba. "Er musste sich nur noch weiterentwickeln. Bereits bei Kawasaki entwickelte er sich sehr gut und besiegte Jonathan Rea mit dem gleichen Motorrad. Das zeigt, dass Potenzial vorhanden war. Yamaha konzentrierte sich voll auf Toprak."

"Yamaha startete auf einem ordentlichen Niveau in die Saison. Doch sie konnten sich weiter steigern. Bei uns stagnierten die Leistungen, weil wir mit dem gleichen Material fahren müssen und das Motorrad bereits sehr gut kennen", berichtet Pere Riba.

Auch die Reifen spielten Yamaha in die Karten

"Dann präsentierte Pirelli neue Reifen. Es gab einen neuen SCX-Hinterreifen", nennt der Kawasaki-Crewchief einen weiteren Faktor. "Unser Motorrad verfügt über sehr viel mechanische Traktion. Deshalb nutzen wir den harten Reifen sehr gut. Die Yamaha aber profitiert von diesem zusätzlichen Grip (des weichen Reifens). Sie konnten damit einen guten Schritt machen."

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  WSBK Portimao: Profitiert Kawasaki von einer kontroversen Reifensituation? Pirelli untersagt in Portimao die Verwendung des SCX-Reifens in den Hauptrennen: Diese Entscheidung dürfte Yamaha zurückwerfen und Kawasaki helfenDer WSBK-Reifenlieferant sorgt sich um die Haltbarkeit der Reifen. Besonders die langgezogene Schlusskurve in Kombination mit den hohen Asphalttemperaturen und Geschwindigkeiten in Portimao belastet den Hinterreifen stark. Die Entscheidung, den SCX-Reifen für die beiden Hauptrennen aus dem Aufgebot zu ziehen, soll die Sicherheit gewährleisten.

"Ich sage nicht, dass sie Glück hatten mit diesem Reifen oder dass sie ohne diesen Reifen nicht in der Lage wären dazu", stellt Pere Riba klar. "Es ist aber keine Überraschung, wenn man alles zusammenbringt: Yamahas Entwicklung nach einem Jahr mit Toprak, das Wissen und die Bemühungen von Yamaha und die Reifen."

"Ich muss Yamaha loben. Sie arbeiten als Werk richtig gut. Sie haben das Werksteam und das Satelliten-Team. Beide Teams sind sehr gut vernetzt. Alle Fahrer arbeiten zusammen und bringen Informationen ein. Sie arbeiten sehr gut. Das muss ich anerkennen", lobt der Kawasaki-Crewchief.

Eine schnelle Kawasaki gegen drei schnelle Yamahas

In den vergangenen Jahren war Jonathan Rea stets die Speerspitze von Kawasaki. Der Brite setzte sich teamintern klar gegen Tom Sykes, Leon Haslam und zuletzt auch gegen Alex Lowes durch.

"Bei Kawasaki haben wir Jonathan Rea. Alex Lowes ist ebenfalls ein Spitzenfahrer. Das wissen wir. Er ist sehr schnell. Doch er erlebt kein gutes Jahr auf Grund seiner Verletzungen", kommentiert Pere Riba.

"Alex kann sein Potenzial nicht zeigen. Ich bin mir sicher, dass es eine Hilfe sein könnte, wenn wir die Informationen von fünf verschiedenen Fahrern auf hohem Niveau hätten. Doch wir haben nicht die Struktur, die Yamaha hat", bedauert der Spanier und betont: "Kleine Details machen aber einen Unterschied aus. Oft kommen Toprak und Jonathan innerhalb einer Sekunde ins Ziel."

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  WSBK Portimao: Kontroverser Crash von Razgatlioglu & Rea-Sieg in Lauf 2! WM-Leader Toprak Razgatlioglu fliegt beim zweiten Lauf der Superbike-WM in Portimao bei hohem Tempo ab - Kein versöhnlicher WSBK-Abschied von Jonas FolgerRazgatlioglu schied durch einen merkwürdigen Sturz aus, der offensichtlich durch einen Defekt des vorderen Kotflügels verursacht wurde. Jonas Folger (Bonovo-BMW) fuhr in Portimao sein vorerst letztes WSBK-Rennen. Der Abschied von der WM-Bühne verlief nicht besonders versöhnlich.

"Auf einigen Strecken ist Jonathan schneller als im Vorjahr. Er leistet tolle Arbeit. Er ist der beste Johnny, den es je gab. Doch auf einigen Strecken und unter einigen Voraussetzungen reicht das nicht mehr", stellt Pere Riba fest.

Kawasaki nach Jahren der Dominanz noch hungrig genug?

Seit der WSBK-Saison 2015 dominierte Kawasaki die Serie und holte sechs Jahre in Folge den Titel. Ist das Team noch so hungrig wie zu Beginn der Rea-Ära? "Wenn man immer gewinnt, dann kann das auch negativ sein. Vielleicht lehnt man sich ein bisschen mehr zurück. Und andere machen keine Pause", grübelt Pere Riba.

"Es ist verrückt, wenn man im Rennsport so viel gewinnt, wie es bei uns in den vergangenen sechs Jahren der Fall war. Doch dieser Traum war real. So etwas ist nicht normal. Doch wenn dann jemand kommt, der seine Werkzeuge perfekt nutzt und man selbst nichts mehr in der Tasche hat, dann kreiert das Stress, Nervosität und Druck. Druck ist in keinem Sport hilfreich. Es arbeitet gegen einen", erklärt der Kawasaki-Crewchief, der eine Analogie zu 2019 erkennt, als Alvaro Bautista auf der damals brandneuen V4-Ducati von Sieg zu Sieg fuhr.

Erinnerungen an die WSBK-Saison 2019

"2019 wurden wir bei elf Rennen von einem anderen Motorrad und einem anderen Fahrer klar besiegt. Das können wir nicht vergessen. Wir sind nicht die einzigen in dieser Meisterschaft. Wenn Jonathan nicht gewinnt, dann fragen sich alle, was los ist. Doch es ist möglich, dass andere gut arbeiten und einen Schritt nach vorn machen und wir stagnieren", bemerkt Pere Riba.

'Ich bin die geheime Mittelgewichte Bedrohung!'

 'Ich bin die geheime Mittelgewichte Bedrohung!' Bradley Rea sagt, er ist die "geheime" Bedrohung im Mittelgewicht, glaubt aber glaubt, dass britische Rivalen nach einem blasenvollen Stillstandssieg bereits über seine brutalen Absichten wissen. Der 23-jährige zeigte seine rücksichtslosen Instinkte mit dem Boden von Lee Cutler an drei Gelegenheiten während eines ersten Sieges im März, und er kehrt in diesem Samstag-Hughie Fury vs Christian Hammer Bill zurück, live am Himmelsport.

"Die Situation jetzt erinnert an 2019. Wir reisten damals von Australien nach Thailand und danach nach Aragon und wir wurden bei jedem Wochenende knallhart besiegt. Ich versuchte damals, Johnny so gut es geht zu beruhigen. Es ist wichtig, keinen Stress zu empfinden", erklärt der Crewchief des Weltmeisters.

"Doch es ist normal, Stress zu empfinden, wenn plötzlich jemand kommt, der mit zehn Sekunden Vorsprung gewinnt, obwohl man selbst derjenige war, der jahrelang gewann. Damals war es ähnlich wie jetzt", erkennt Pere Riba. "Doch damals konnten wir sie unter Druck setzen und das hat Fehler verursacht. Jetzt ist es anders, weil wir bereits seit dem Saisonstart kämpfen."

An diesem Wochenende hat Kawasaki eine gute Chance, den Rückstand zu verringern. Portimao zählt zu den absoluten Paradestrecken von Jonathan Rea. "Die Meisterschaft ist noch nicht zu Ende. Es stehen noch drei Wochenenden bevor und wir geben nicht auf", betont Pere Riba.

Bringt Kawasaki für 2022 ein überarbeitetes Superbike?

Und wie geht es Kawasaki weiter? Gibt es bei der 2021er-Ninja noch Raum für Verbesserungen? "Wir nutzen bereits das volle Potenzial der Maschine aus", winkt Pere Riba ab und fügt hinzu: "Die Superbikes haben alle ihren eigenen Charakter."

"In der MotoGP können die Hersteller von einem Event zum nächsten den Rahmen austauschen. Hier kann der Charakter des Motorrads nicht verändert werden. Man kann sich von Strecke zu Strecke die Abstimmung ändern, doch der Charakter bleibt gleich. Einige Strecken liegen dem jeweiligen Charakter besser als andere", erklärt der Crewchief des Rekord-Weltmeisters.

Rea über Shitstorm-Folgen: "Es ist schwierig, sich mental davon zu erholen" .
Unverschämte Kommentare und Beleidigungen prallen auch an den WSBK-Spitzenfahrern nicht einfach ab: Jonathan Rea widmet sich ausführlich dem Thema"Heutzutage ist es vor allem durch die sozialen Netzwerke recht einfach, seine Meinung kundzutun. Ich spreche aus Erfahrung, denn nach Magny-Cours hatte ich einige Probleme mit den sozialen Netzwerken, nachdem die FIM das Ergebnis des Superpole-Rennens geändert hatte", bemerkt Rea.

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