Sport: Eine historische Arbeitsverweigerung - PressFrom - Deutschland

SportEine historische Arbeitsverweigerung

22:35  20 april  2019
22:35  20 april  2019 Quelle:   sueddeutsche.de

Gottschalks Vokabel der Wut

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Eine historische Arbeitsverweigerung © dpa Fassungslos: Spieler des VfB Stuttgart stehen nach dem 0:6 vor ihren Fans.

• Der VfB Stuttgart kann nach dem 0:6 in Augsburg eigentlich nur noch in der Relegation den Abstieg in die zweite Liga verhindern.

• Sportvorstand Thomas Hitzlsperger lässt die Zukunft von Trainer Markus Weinzierl offen.

• Der sagt selbst, dass er "keine Argumente" gesammelt habe.

Wo soll man anfangen? Bei Rani Khedira, dem ehemaligen Stuttgarter, der in der 11. Minute plötzlich so grotesk viel Platz hatte, dass er diesen Platz gleich mal für ein Traumtor nutzte? Beim Stuttgarter Torwart Ron-Robert Zieler, der sieben Minuten später aus seinem Tor Richtung Mittellinie gerannt kam, um seine Mitspieler zu beschimpfen, die ihm gerade durch unterlassene Hilfeleistung das 0:2 eingebrockt hatten? Bei Timo Baumgartl, der kurz vor der Halbzeit beim Einwurf einen Mitspieler suchte, aber nur den Kollegen Kempf sah, der demonstrativ davon lief und dann den Kollegen Pavard, der demonstrativ nach unten schaute? Oder nochmal bei Baumgartl, der kurz nach der Halbzeit den Ball beim Einwurf gleich ganz aus den Händen rutschen ließ?

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LIVE: Historischer Triumph? Woods bei Masters auf Siegkurs Am letzten Tag des prestigeträchtigen Masters in Augusta hat Tiger Woods die historische Chance, seinen 15. Majortitel einzufahren - und damit seinen ersten seit elf Jahren. Zuletzt hatte er 2008 die US Open gewonnen. SPORT1 begleitet die letzten Löcher am Schlusstag im TICKER und mit dem LIVE-LEADERBOARD: +++ HIER AKTUALISIEREN +++ Leaderboard LIVE 1. Tiger Woods (-14, nach 16 Löchern) 2. Dustin Johnson (-12, Runde beendet) 2. Xander Schauffele (-12, nach 17 Löchern) 2. Brooks Koepka (-12, nach 16 Löchern) 5. Jason Day (-11, Runde beendet) 5. Tony Finau (-11, nach 16 Löchern) ... 51. Martin Kaymer (+2, Runde beendet) ... 63.

Man kann auch bei Markus Weinzierl anfangen, dem sogenannten Trainer dieser sogenannten Mannschaft, der mit jedem neuen Gegentor immer tiefer in seinen Sitz rutschte, oder bei den Stuttgarter Fans, die die Tore zum 0:5 und 0:6 mutmaßlich auch schon in ihren Sitzen erlebten, und zwar in denen ihrer Autos auf dem Heimweg über die A8. Vielleicht ist es aber doch am besten, man beginnt bei der Anzeigentafel. Dort stand nach jenen 90 Minuten, in denen ein enges Kellerduell erwartet worden war: Augsburg 6, Stuttgart 0.

Was nicht dort stand: Es war die zweithöchste Niederlage in der Stuttgarter Vereinsgeschichte, nur knapp geschlagen von einem 1:7 gegen Borussia Dortmund in der Saison 1963/64. Was auch nicht dort stand: Es hätte die höchste Niederlage der Stuttgarter Vereinsgeschichte werden können. Darf man das sagen nach einem 0:6? Ja? Also gut: Der Augsburger Sieg war am Ende um ein bis drei Tore zu niedrig ausgefallen.

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Sportvorstand Hitzlsperger will sich "gründlich Gedanken machen"

Und was sowieso und erst recht nicht dort stand: Dass der Stuttgarter Trainer Weinzierl beim nächsten VfB-Heimspiel gegen Mönchengladbach mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr der Stuttgarter Trainer sein wird. "Mir rattern permanent die Dinge durch den Kopf", sagte der Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nach dem Spiel und bat sich in der Frage aller Fragen etwas Bedenkzeit aus. Es sei "jetzt nicht der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt, um die Frage klar zu beantworten", sagte er, als die unvermeidliche Trainerfrage kam. Er wolle sich "auf der Heimfahrt gründlich Gedanken machen, ein paar Gespräche führen und dann mal schauen".

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Notre-Dame-Feuer: Superstars trauern mit Superstars äußerten sind tieftraurig, nachdem ein Feuer die Kathedrale Notre-Dame stark beschädigte. Das historische Gebäude in der französischen Hauptstadt Paris ging am Montagabend (15. April) plötzlich in Flammen auf. Wenig später brannte das Dach komplett nieder und ein kleinerer Glockenturm stürzte ein. Bisher meldeten sich zahlreiche Superstars zu Wort, um ihre Anteilnahme zu bekunden, unter anderem Schauspielerin Glenn Close, die bereits mehrmals in der "Stadt der Liebe" drehte.

Und Markus Weinzierl selbst? Der sagte dasselbe: Man müsse "sprechen und dann mal schauen". Er wisse, dass er "heute keine Argumente geliefert habe", er meinte: für sich und seinen Job. Das eine wie das andere klingt: nach Trennung.

Tatsächlich sind in 56 Jahren Bundesliga zahlreiche Trainer schon für weit weniger entlassen worden, die Leistung sei "peinlich" gewesen, sagte Torwart Zieler. Er könne sich für diese Leistung "nur entschuldigen", sagte Weinzierl, der allerdings mit einer wieder mal skurrilen Aufstellung zum Misslingen dieses Nachmittags beigetragen hatte. Die besten und torgefährlichsten VfB-Spieler, Daniel Didavi und Anastassios Donis, saßen wieder mal auf der Bank, und der Angreifer Alexander Esswein spielte so etwas Ähnliches wie einen Rechtsverteidiger.

Der FC Augsburg hat sich nach diesem Sieg übrigens so gut wie gerettet, bei nun zehn Punkten Vorsprung auf den VfB. Man habe "die Stadt heute zum Lachen bringen" wollen, dichtete der neue Trainer Martin Schmidt später in angemessenem Überschwang. Seine Augsburger hatten tatsächlich tadellos gespielt an diesem Nachmittag, hübsche Kombinationen hatten sie angezettelt und ins Ziel gebracht, auch ohne den wegen einer schweren Sehnenverletzung ausgefallenen Torjäger Alfred Finnbogason. Aber sie hatten tadellos gespielt gegen einen Gegner, der ihnen freundlich aus dem Weg gegangen war. Selten dürfte es Rani Khedira (11.), Andre Hahn (18.), Martin Max (29., 58.) und Marco Richter (53., 68.) so leicht gefallen sein, in einem von Berufsfußballern betriebenen Fußballspiel ein Tor zu schießen. Der VfB ließ das alles nicht nur zu, er ermunterte die Augsburger sogar. Man habe die Zweikämpfe "nicht geführt", weil man sie "gar nicht erst gesucht" habe, sagte Weinzierl später und hatte damit ausgesprochen Recht.

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Bleibt die Frage: Warum?

Auf diese Art der tariflich nicht gedeckten Arbeitsverweigerung hatte tatsächlich wenig hingedeutet. In den vergangenen Spielen hatten die VfB-Profis sich und ihr Publikum zwar auch gequält, aber nur, weil ihnen so wenig Kreatives eingefallen war; das Alltagspensum hatten sie dagegen durchaus pflichtbewusst erledigt. "Unerklärlich" nannte Zieler diesen plötzlichen Verlust an Anstand und Seriosität, "das war ja heute die letzte Chance auf den direkten Klassenerhalt". Aber die Wahrheit ist ja auch die: Wegen der parallelen Niederlage des 1.FC Nürnberg bleibt der VfB Stuttgart 06 weiterhin Tabellensechzehnter - und hat weiterhin die Chance, sich über die Relegation zu retten.

Dass der VfB sich über die Relegation in der Liga hält, ist in dieser Verfassung nur schwer vorstellbar

Es ist dieses geradezu tröstliche Szenario, das nun unmittelbaren Einfluss auf die Vereinspolitik haben dürfte: Mit einer Leistung wie der in Augsburg würden die Stuttgarter auch ein Relegationsspiel gegen einen Regionalliga-Tabellenführer kaum überstehen, und so wird ein verantwortungsbewusster Chef wohl tun müssen, was ein verantwortungsbewusster Chef tun muss. Wer Thomas Hitzlsperger kennt, weiß, dass er Entlassungen nicht mag, er mag Kontinuität und Konstanz, aber natürlich hat auch er gesehen, was nicht zu übersehen war: dass hier eine Mannschaft und ein Trainer dramatisch aneinander vorbei leben - und dass man in dieser Konstellation entweder direkt absteigt oder dann halt in der Relegation gegen Paderborn, Union Berlin oder den HSV runter muss.

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Man wolle es miteinander durchziehen bis zum Saisonende: So lautete die Sprachregelung vor diesem erschütternden 0:6. Am liebsten wäre es den Leuten beim VfB gewesen wohl gewesen, Verein und Trainer hätten sich gemeinsam irgendwie gerettet und wären dann wie vernünftige Menschen auseinander gegangen. Der Trainermarkt ist im April ja noch leerer ist als sonst, aber nach diesem erschütternden 0:6 dürfte der Markt kein Argument mehr sein. Zu den Dingen, die Hitzlsperger jetzt durch den Kopf rattern, dürfte vor allem die Frage gehören, wem man diese Mannschaft jetzt einigermaßen guten Gewissens für vier Bundesliga- plus eventuell zwei Relegationsspiele anvertrauen kann.

Am Sonntagmorgen hätte Hitzlsperger in einer Fußball-Talkrunde sitzen sollen, aber diesen Termin hat er jetzt sicherheitshalber storniert. Der Sportvorstand sagt, es sei "schon besser, jetzt in Stuttgart zu sein".

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