Sport Klare Worte zum Verkauf von Newcastle United: Christian Streich ist erst Mensch, dann Trainer

20:00  14 oktober  2021
20:00  14 oktober  2021 Quelle:   tagesspiegel.de

Darum ist der SC Freiburg das Musterbeispiel für die Liga

  Darum ist der SC Freiburg das Musterbeispiel für die Liga Platz 4 und nur ein Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München. Was machen die beim SC Freiburg bloß? Nichts Neues - und sind gerade deshalb so erfolgreich. Ein Text über beispiellose Beständigkeit. © picture alliance / Pressefoto Rudel Der Dirigent beim Sport-Club: Coach Christian Streich. Platz 4 des Streich-Teams ist alles andere als ZufallEs kommt selten vor, dass der vom Wesen her eher pessimistische, meist relativierende und verbal bremsende Christian Streich rundum zufrieden ist. Am Donnerstag voriger Woche war so ein Tag. Streich erzählte eine Anekdote.

Freiburgs Trainer zeigt immer wieder eine klare Haltung zu wirklich wichtigen Themen. Auch jetzt wieder. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen. Ein Kommentar.

Christian Streich ist seit fast zehn Jahren Trainer des SC Freiburg. © Foto: dpa Christian Streich ist seit fast zehn Jahren Trainer des SC Freiburg.

Der Fußball deformiert. Nicht nur den Körper, sondern manchmal auch den Geist. In ganz besonderem Maße gilt das für den Profifußball.

Zum Glück gibt es auch in dieser Branche Ausnahmen. Eine heißt Christian Streich und ist Trainer beim Bundesligisten SC Freiburg. Obwohl Streich seit fast zehn Jahren im Profifußball tätig ist, hat er sich nie verbiegen lassen. Das mag mit dem besonderen Biotop im Breisgau zu tun haben, mit der Verlängerung des Uni-Proseminars in den Strafraum.

Soccer-Fans ekstatisch Ich habe unseren Club zurück bekommen ".

 Soccer-Fans ekstatisch Ich habe unseren Club zurück bekommen © Reuters / Lee Smith Newcastle United Übernahme Der Kauf, der zu einem Ende der tief unpopulären Regierungszeit des Eigentümers Mike Ashley gebracht wurde, der sich seit langem aufgehört hatte, Favoriten zu sein, was die meisten als Mangel an Investitionen im Club sahen. © Reuters / Lee Smith Newcastle United Übernahme "Yesssssssss. Wir können es wagen, wieder zu hoffen," twitterte ehemaliger Newcastle Captain Alan Shearer, der ein Gesangskritiker der Ashley-Verwaltung war.

Vor allem aber liegt es daran, dass Streich – allen Verheerungen zum Trotz, denen man im Fußballbetrieb ausgesetzt ist – ein normaler Mensch geblieben ist.

Während seine Trainerkollegen in den sogenannten Spieltagspressekonferenzen über die Unterschiede von Vierer- und Fünferkette referieren (oder wortreich gar nichts sagen), widmet sich Streich bei diesen Pflichtveranstaltungen immer wieder auch den wirklich wichtigen Dingen.

In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz 05 hat er sich zur Übernahme des englischen Premier-League-Klubs Newcastle United durch ein Konsortium aus Saudi-Arabien geäußert. Noch ein Schurkenstaat, zumindest indirekt, der sich durch sein Engagement im Fußball ein bisschen reinzuwaschen hofft.

Netzreaktionen zur Newcastle-Übernahme: "Wir können wieder hoffen"

  Netzreaktionen zur Newcastle-Übernahme: Newcastle United hat den Besitzer gewechselt und gehört nun einem Konsortium unter saudi-arabischer Führung.Wer es mit Newcastle United hält, hat in diesen Tagen Grund zur Freude - sofern man es mit moralischen Bedenken nicht allzu genau nimmt. Denn die Magpies, immerhin vierfacher englischer Meister (letztmals 1927) und zuletzt zur Fahrstuhlmannschaft verkommen, werden mit den neuen Scheich-Millionen in höhere Sphären eintreten.

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Die Bilder jubelnder und feiernder Newcastle-Fans nach der Übernahme haben einen nicht nur am menschlichen Verstand zweifeln lassen, sie haben auch die generelle Skepsis gegenüber dem Profifußball weiter verstärkt. Insofern ist es schön, dass Christian Streich diese Skepsis nicht nur teilt, sondern dass er auch die Traute hat, sie öffentlich zu äußern.

„Da passieren immer wieder Dinge im Fußball, die jegliches Maß überschritten haben“, hat Streich gesagt. Unfassbar sei es, wer in diesem Konsortium alles dabei sei, Personen, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verstrickt seien. „Da muss ich sagen, wenn die Leute damit ein Problem haben, dann kann ich mich zu diesen Leuten dazuzählen.“

Die Bedeutung solcher Sätze ist gar nicht hoch genug einzuschätzen – gerade in einer Zeit, in der die 50+1-Regelung im deutschen Fußball gern als gefährlicher Anachronismus dargestellt wird. Denn genau das ist sie nicht. 50+1 ist und bleibt die effektivste Maßnahme, um zu verhindern, dass wir unseren Fußball an Leute verlieren, an die wir ihn ganz sicher nicht verlieren möchten. Es ist die 50+1-Regelung, die uns vor einem echten Dilemma bewahrt: dass wir irgendwann einem fiesen Schurken zu tiefem Dank verpflichtet sein müssen, weil er unserem Klub diesen wunderbaren Stürmer spendiert hat.

Die Null bei den Jokern ist eine von Hütters Baustellen .
Mönchengladbach. Nach neun Spieltagen haben Gladbacher Einwechselspieler noch keinen Treffer beigesteuert. Dabei ist die Bank der Borussen stets namhaft besetzt. Was den Jokern momentan noch fehlt. © Federico Gambarini Diese elf Spieler könnte Adi Hütter am Mittwoch, 27. Oktober (20.45 Uhr) im DFB-Pokal gegen Bayern München beginnen lassen. Es wäre eine Änderung im Vergleich zum 0:1 bei Hertha BSC. Es ist nicht so, dass Borussias Einwechselspieler keine Szenen in Berlin gehabt hätten.

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