Sport Doping-Experte: "Bei Nadal habe ich einen Dauerverdacht"

19:02  16 januar  2020
19:02  16 januar  2020 Quelle:   sport1.de

Wie überlebt man eine Bärenattacke?

  Wie überlebt man eine Bärenattacke? In Filmen wie „The Revenant“ gehören Bärenangriffe zum Alltag. Doch wie realistisch sind solche Attacken? Wie kann man sie verhindern und notfalls überleben? Diese Tipps können Ihnen bei einem Bärenangriff das Leben retten … © iStock-USO 1_Tierangriff „Der Bärenangriff in ‚The Revenant‘ ist sehr nah an der Realität“, sagt Dr. Tom Smith, Experte für Polar-, Grizzly- und Schwarzbären. Smiths Tipps? Nur in Gruppen in großen Wäldern wandern gehen. „Bären sind risikoscheu. Sie greifen eher einzelne Personen als mehrere an.“ Außerdem sollte man sich immer bemerkbar machen. „Sie müssen keine Opern singen.

Experte Frtz Sörgel (r.) spricht über den Doping-Verdacht im Tennis - auch bei Rafael Nadal © SPORT1-Montage: Getty Images/Imago Experte Frtz Sörgel (r.) spricht über den Doping-Verdacht im Tennis - auch bei Rafael Nadal

Doping-Hammer kurz vor Beginn der Australian Open!

Der Chilene Nicolas Jarray wurde wegen eines positiven Dopingtests vorläufig gesperrt, auch der Kolumbianer Robert Farah (Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste) wurde positiv getestet.

Für Professor Fritz Sörgel sind diese Befunde der aktuellste Beleg dafür, dass im Tennis häufiger gedopt wird als in den meisten anderen Sportarten (DATENCENTER: Australian Open).

Der angesehene Doping-Experte vom Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg begründet im SPORT1-Interview, warum er Tennis für eine Sportart hält, die sehr anfällig für Dopingpraktiken ist. Er skizziert Vertuschungsmaßnahmen und sagt, warum er gegen Rafael Nadal einen Verdacht hegt. 

Kult-Trainer Peter Neururer: „St. Pauli muss das Ziel Bundesliga haben“

  Kult-Trainer Peter Neururer: „St. Pauli muss das Ziel Bundesliga haben“ Aber in dieser Saison langt es nur für Platz acht bis zwölfEr glaubt, dass die Braun-Weißen nichts mit dem Abstieg zu tun haben, am Ende dieser Saison „irgendwo zwischen Platz acht und zwölf landen werden“. Mehr sei nicht drin. Aber damit dürfe man künftig nicht mehr zufrieden sein: „Wenn es immer nur reichen sollte in der 2. Liga zu spielen und nicht abzusteigen, dann wird dieser tolle und außergewöhnliche Verein alltäglich, fast langweilig. Und ich frage mich, wie lange die Fans das mitmachen.

"Tennis in Top vier, wenn es um Doping geht"

SPORT1: Herr Sörgel, ein doppelter Doping-Skandal erschüttert den Tennissport. Sowohl Nicolas Jarray als auch Robert Farah, immerhin die Nummer eins der Doppel-Weltrangliste, wurden positiv auf anabole Substanzen getestet. Wie lautet Ihre Einschätzung?

Sörgel: Anabolika sind Klassiker im Tennis. Insofern überrascht es mich nicht. Ich beobachte das Geschehen seit Jahrzehnten und habe mir ein Bild gemacht.

SPORT1: Und wie sieht dieses Bild aus?

Sörgel: Tennis ist in den Top vier, wenn es um Doping geht.

SPORT1: Woran machen Sie das fest?

ATP Cup: Spanien mit Nadal weiter makellos

  ATP Cup: Spanien mit Nadal weiter makellos Davis-Cup-Sieger Spanien hat beim ATP Cup in Australien seine weiße Weste gewahrt. Das Team um Starspieler Rafael Nadal setzte sich am Montag in Perth mit 3:0 gegen Uruguay durch und führt die Tabelle der Gruppe B souverän mit zwei Siegen nach zwei Spieltagen an. Nadal ließ seinem Kontrahenten Pablo Cuevas beim 6:2, 6:1 keine Chance, Roberto Bautista Agut eilte zu einem 6:1, 6:2-Erfolg gegen Franco Roncadelli. Im Doppel behielten Pablo Carreno Busta/Feliciano Lopez gegen Ariel Behar/Juan Martin Fumeaux die Oberhand. Für Spanien geht es am Mittwoch (Ortszeit) gegen die ebenfalls unbesiegten Japaner um den Gruppensieg.

Sörgel: An der Belastung. Es gibt den Verdacht, dass es anabole Substanzen in größerem Ausmaß im Tennis gibt. Und der Verdacht ist durchaus berechtigt. Der Grund ist die Intensität des Sports. Das ist nicht nur reine Spekulation, sondern die Betrachtung aller Zusammenhänge innerhalb und außerhalb der Turniere.

SPORT1: Jarray wurde positiv auf Ligandrol und Stanozolol getestet, Farah auf Boldenon. Letzterer beteuert, er habe die Substanz versehentlich durch Fleischkonsum in Kolumbien zu sich genommen. Wie sehr glauben Sie ihm?

Sörgel: Gar nicht. Das sind alles Ausreden, ein Déjà-Vu im Tennis. Es versehentlich zu sich genommen zu haben, ist die Standard-Ausrede. Es gab genug Fälle, in denen die Sportler es auch geschafft haben, damit durchzukommen, sogar vor dem CAS. Aber es bleibt eine Ausrede. Dass sie auffliegen, liegt meist daran, dass sie Fehler gemacht haben. Zum Beispiel berechnen sie die Zeit falsch, zu der sie wieder clean sein müssen.

Hamilton spendet halbe Million Dollar

  Hamilton spendet halbe Million Dollar Köln. Zahlreiche Tennisstars haben bereits ihre finanzielle Hilfe angekündigt - und auch Lewis Hamilton will bei der Bekämpfung der verheerenden Buschbrände in Australien helfen. Der Formel-1-Weltmeister greift dafür tief in die Tasche und ruft zu weiterer Hilfe auf. © Frederico Gambarini/dpa Lewis Hamilton. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton reiht sich in die Liste der Groß-Spender ein, um die Folgen der verheerenden Buschbrände in Australien abzumildern. Der 35 Jahre alte Brite kündigte via Twitter an, 500.000 Dollar als "Unterstützung der Tiere, der freiwilligen Helfer und ländlichen Feuerwehrleute" beizusteuern.

SPORT1: Wie sieht es mit den großen Namen im Tennis aus? Dopen die nicht oder werden sie nur nie erwischt?

Sörgel: Es gibt in der Vergangenheit schon berühmte Fälle. Mats Wilander oder Martina Hingis, die mit Kokain erwischt wurden, Wilander wurde mit drei Monaten Sperre milde bestraft, ein Kavaliersdelikt quasi. Hingis soll die Droge in den Orangensaft gemischt worden sein, sie wurde immerhin zwei Jahre gesperrt. Und bei André Agassi wurde CrystalMeth nachgewiesen, es galt als Partydroge und hatte keine Sperre zur Folge.

Doping-Experte: Darum werden Stars nicht positiv getestet

SPORT1: Das ist lange her, wie sieht es heute aus?

Sörgel: Dass in letzter Zeit keiner der Großen positiv getestet wurde, liegt an zwei Dingen. Zum einen werden diese bestens betreut und beraten, sodass keine Auffälligkeiten auftreten können. Zum anderen schützen die Verbände ihre Stars. Wenn es nie rauskommt, nie publik wird, kann man es auch nicht kommentieren, nur den Verdacht hegen. Das ist das Bedauerliche. Es fällt trotzdem auf, gerade jemandem wie mir, der die Szene seit Jahren verfolgt.

Novak Djokovic auf Sinnsuche und Titeljagd

  Novak Djokovic auf Sinnsuche und Titeljagd Novak Djokovic hat mit Serbien auch den ATP-Cup gewonnen. Der Tennisstar will aber mit mehr in Erinnerung bleiben als mit Erfolgen. Der 32-Jährige will einen Sinn in seiner Profession finden und ein Erbe hinterlassen. © picture-alliance/dpa/S. Christo Provided by Deutsche Welle Natürlich es nie ein ganz normales Match. Entsprechend enthusiastisch reckte Novak Djokovic am Sonntag seine Faust in Richtung Himmel, als er den Matchball im ATP-Cup-Finale gegen Rafael Nadal verwandelt hatte. Mit 6:2, 7:6 (5) besiegte der Serbe den Spanier. Es war das 55. Aufeinandertreffen der beiden Tennisstars - und der 29.

SPORT1: Sie sprechen von Betreuung und Beratung. Was meinen Sie damit im Speziellen?

Sörgel: Einflussreiche Sportler haben um sich herum ein "professionelles Umfeld", wie man sagt, das sich um eine optimale Versorgung der Spitzenathleten von der Ernährung und Einnahme von zunächst Erlaubtem bis hin zu ausgefeilten Physiotherapieformen kümmert, das genau weiß, wie der Körper ihres Schützlings funktioniert und wann Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht sind, die mit legalen Mitteln nicht überschritten werden können. Es gibt genug Techniken, um dann verabreichtes Doping zu verschleiern.

SPORT1: Und die wären?

Fünf Monate Haft auf Bewährung für Ex-Langläufer Baldauf

  Fünf Monate Haft auf Bewährung für Ex-Langläufer Baldauf Der im Zuge der «Operation Aderlass» aufgeflogene Ski-Langläufer Dominik Baldauf ist vom Landgericht Innsbruck wegen gewerbsmäßigen schweren Sportbetrugs zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. © Foto: Zeitungsfoto.At/Daniel Liebl/APA/dpa Der ehemalige Ski-Langläufer Dominik Baldauf gab Doping vor Gericht zu. Zuvor hatte sich der 27-jährige Österreicher bei dem Prozess teilweise schuldig bekannt und Blutdoping sowie die Einnahme von Wachstumshormonen zugegeben. Baldauf gehört zu insgesamt 23 Sportlern, die in den Blutdopingskandal um den Erfurter Mediziner Mark S. verwickelt sind.

Sörgel: Angenommen, eine Substanz kann nur bei dem Wert von 1 ermittelt werden. Dann nimmt der Sportler einfach fünf verschiedene Substanzen mit dem Wert von 0,2. Diese ergeben dann die Summe 1, mit derselben Wirkung, können aber nicht positiv getestet werden. Aber, das muss man beherrschen, Jarrays Berater aber scheinbar nicht. Er hat zumindest zwei Präparate gemischt, die er für nicht nachweisbar hielt. Beim Ligandrol wundert es mich nicht, dass es schief gegangen ist. Die Substanz ist chemisch etwas ganz anderes wie die bekannten Steroid-Anabolika und ist wissenschaftlich im Vergleich zu Letzteren wenig untersucht.

Sörgel: "Nadal hat Auffälligkeiten gezeigt"

SPORT1: Bei welchem großen Tennisspieler hegen Sie einen Verdacht wegen Dopings?

Sörgel: Rafael Nadal hat einige Auffälligkeiten gezeigt. Da habe ich einen Dauerverdacht. Bezüglich Regeneration und seiner gesamten Athletik. Hinzu kommt, dass er auch noch aus Spanien kommt, einem Land, das nicht gerade dafür bekannt ist, seine Helden besonders genau zu verfolgen. Anabole Substanzen wären die Kandidaten.

SPORT1: Sie sagten, Tennis sei für Sie in den Top vier des Dopingmissbrauchs. Welche Sportarten zählen Sie noch dazu?

Sörgel: Ganz oben steht der Wintersport mit seinen Langlaufdisziplinen und Biathlon. Das hat die "Operation Aderlass" letztes Jahr gezeigt, die in Erfurt ihren Anfang nahm. Darunter kommt die Leichtathletik, gefolgt vom Radsport. Und ja, dann kommt auch schon Tennis. Dass ich mich nicht irre, zeigt der Fall Sharapova aus dem Jahr 2016. Die war tatsächlich in der Spitze. Es ist ja nicht so, dass noch kein Großer aufgefallen ist. Auch Sharapova hat versucht sich zu erklären, aber das war ebenso eine Ausrede. Die Substanzen in ihrem Körper waren kein Zufall, die milde Sperre betrug 15 Monate. Ebenso wie der Fall Sara Erani ein Jahr später, die angeblich aus Versehen das hormonell wirkende Krebsmittel ihrer Mutter einnahm, was zu einem positiven Dopingbefund führte und mit dieser Ausrede Erfolg hatte: ganze zwei Monate Sperre. Eigentlich ein riesen Skandal, der relativ wenig Aufmerksamkeit hervorrief. Man kann seit einigen Jahren eine gewisse Abstumpfung der Öffentlichkeit gegenüber positiven Dopingtests im Sport beobachten. So kommt es oft zu milden Strafen. Die Aufmerksamkeit der Medien ist von enormer Bedeutung.

Jan Ullrichs Mentor packt aus: Coladosen und Milchpakete – Wie im Radsport gedopt wurde

  Jan Ullrichs Mentor packt aus: Coladosen und Milchpakete – Wie im Radsport gedopt wurde Mit einem Buch über Dopingpraktiken im Radsport sorgt Rudy Pevenage für Wirbel. Der frühere T-Mobile-Teamchef ging mit ausgeklügelten Methoden zu Werke. © Foto: Gero Breloer/dpa Wer zuletzt lacht: Rudy Pevenage (rechts) und Jan Ullrich bildeten lange Zeit ein Gespann. Doppelwandige Coladosen, Blutbeutel in Milchpaketen oder Codenamen für Doping-Kuriere: Was das Zeug für einen Spionage-Streifen hätte, beschreibt lediglich die ausgeklügelten Doping-Praktiken im Radsport. Rudy Pevenage, langjähriger Mentor von Jan Ullrich, hat ausgepackt.

SPORT1: Sie sprachen vom Radsport. Nach den ganz großen Dopingfällen ist es nun etwas stiller geworden. Glauben Sie an Besserung?

Sörgel: Zunächst habe ich daran geglaubt. Aber im Fall Froome wurde sich verrechnet und plötzlich schlägt der Wert doch wieder aus. Die Verbände versuchen den Sport reinzuwaschen. Da verschwindet einiges und die Sperren, falls überhaupt, fallen sehr milde aus. Froome hat große Zweifel in mir geweckt, dass es sich im Bereich der Top-Athleten wirklich gebessert hat.

Mehr auf MSN

Australian Open: Zverev siegt locker, Kerber hat zu kämpfen .
Zwei deutsche Tennisprofis erreichen bei den Australian Open das Achtelfinale. Gegen Fernando Verdasco hat Alexander Zverev keine Probleme, Angelique Keber ringt Camila Giorgi nieder.• Rafael Nadal zieht ohne Satzverlust ins Achtelfinale ein.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke
usr: 6
Das ist interessant!