Sport Keller zum Holocaust-Gedenken: "Der Fußball hat sich mitschuldig gemacht"

20:15  24 januar  2020
20:15  24 januar  2020 Quelle:   msn.com

Steinmeier besucht Israel - Gedenken an Auschwitz-Befreiung

  Steinmeier besucht Israel - Gedenken an Auschwitz-Befreiung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt an diesem Mittwoch nach Israel, um dort am internationalen Holocaust-Gedenken in Yad Vashem teilzunehmen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Auf dem Weg nach Israel: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel. Dazu werden am Donnerstag Staatsgäste aus fast 50 Ländern in Jerusalem erwartet, unter ihnen die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Emmanuel Macron und Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence und der britische Thronfolger Prinz Charles.Anlass ist der 75.

Fritz Keller ist seit Ende September 2019 DFB-Präsident © Bereitgestellt von AFP Fritz Keller ist seit Ende September 2019 DFB-Präsident

DFB-Präsident Fritz Keller hat zum Holocaust-Gedenken mit eindringlichen Worten an die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs erinnert. "Dieses unfassbare Grauen, dieses beispiellose Leid, das den Menschen angetan wurde, schmerzt umso mehr, weil der Fußball, der heute für Verständigung und Vielfalt einsteht und gegen Rassismus und Diskriminierung, sich damals nicht widersetzt hat", sagte Keller. "Im Gegenteil: Er hat sich mitschuldig gemacht."

Daraus leitete Keller die besondere Pflicht ab, "dafür zu sorgen, dass diese Verbrechen niemals in Vergessenheit geraten. Gerade heute, da sich nicht mehr jeder in Deutschland daran erinnern will." Dies sei man "nicht nur den Millionen Opfern schuldig, sondern auch den kommenden Generationen".

Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in Frankreich

  Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in Frankreich Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in FrankreichDer Untersuchung zufolge wissen 57 Prozent der Franzosen nicht, dass rund sechs Millionen Juden während des Holocaust getötet wurden. Bei Jüngeren mit Geburtsdatum ab 1980 sei diese Unwissenheit mit 69 Prozent noch deutlich stärker ausgeprägt. Von diesen sogenannten Millennials und der nachfolgenden "Generation Z" nehmen demnach 44 Prozent an, dass es nicht einmal zwei Millionen Tote gab.

Keller erinnerte daran, dass der frühere DFB-Präsident Felix Linnemann aktiv an der Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz beteiligt gewesen ist. "Wir spüren eine besondere Verantwortung", sagte er. Die Rolle des Deutschen Fußball-Bundes im Nationalsozialismus hatte der Verband 2005 in einer wissenschaftlichen Studie ("Fußball unterm Hakenkreuz") untersuchen lassen.

Am Montag wird der 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz begangen. Der deutsche Fußball richtet aus diesem Anlass zum 16. Mal den "Erinnerungstag" mit zahlreichen Aktionen aus. Unter anderem rufen die Nationalspieler in einem Videoclip zum Eintreten für Menschlichkeit, Respekt und Vielfalt auf.

Keller lobte die Vorbildfunktion von Eintracht Frankfurt in der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Die Hessen erwägen, ihrem Ex-Präsidenten Rudolf Gramlich posthum die Ehrenpräsidentschaft zu entziehen. Der frühere Nationalmannschaftskapitän war Teil der Waffen-SS und Profiteur von Enteignungen. Auch der DFB will prüfen, ob frühere Ehrungen wie die Goldene Ehrennadel und die DFB-Ehrenmitgliedschaft widerrufen werden können.

Holocaust-Gedenken in Auschwitz: "Wo wart ihr, wo war die Welt?" .
Am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers mahnen die letzten Überlebenden des Holocaust. Polens Präsident Duda ruft dazu auf, das Gedenken an die Gräueltaten zu bewahren.• Die 95 Jahre alte Überlebende Batsheva Dagan erinnerte daran, dass die Welt vom Judenmord gewusst, aber nichts getan habe, um das Morden zu stoppen.

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