Sport Thomas Bach: Die Strategie war: Aussitzen und Beten

23:05  25 märz  2020
23:05  25 märz  2020 Quelle:   sueddeutsche.de

Olympische Spiele: Die Lage ist ein Desaster für Bach

  Olympische Spiele: Die Lage ist ein Desaster für Bach Der IOC-Chef beharrt für die Tokio-Spiele auf seiner Hinhaltetaktik. Gegen den Kurs spricht der Sport immer fester mit einer Stimme. Die Lage ist ein Desaster für BachUm das Jetzt zu verstehen, kurz ein Schwenk ins Jahr 1980. Die Sommerspiele in Moskau standen bevor, die Sowjetunion war gerade noch mal eben in Afghanistan einmarschiert. Der Westen drohte, Olympia fernzubleiben. Und Thomas Bach, der Mannschafts-Olympiasieger im Fechten von 1976, erlebte eine Lektion, "die durch nichts zu ersetzen ist", wie er später erzählte.

IOC-Präsident Thomas Bach sieht sich selbst als Russlandversteher. Doch die Vorwürfe ließen sich nicht aussitzen . „Es war schon immer die Strategie von Thomas Bach , auf Zeit zu spielen“, sagt Ines Geipel, ehemalige Weltklasseläuferin und Opfer des DDR-Staatsdopings.

Seit 2013 ist Thomas Bach Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Die Manschafts-Goldmedaille im Florettfechten 1976 war der Auftakt einer langen olympischen Karriere für den gebürtigen Würzburger.

In Erklärungsnot: Thomas Bach © AFP In Erklärungsnot: Thomas Bach

• Der in die Kritik geratene IOC-Präsident Thomas Bach schließt bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten seinen Rücktritt aus.

• Es wird deutlich, dass es im Anblick der Corona-Pandemie nie eine substantiellere Strategie gab als Aussitzen, für ein Wunder beten - und die zwischen Quarantäne und Tokio-Träumen zerrissenen Athleten wochenlang unter Beschäftigungsdruck zu halten.

• Neue Zahlen der WHO hätten ihn zum Umdenken bewegt, sagt Bach.

Die Strategie war: Aussitzen und Beten

Thomas Bach ist kein großer Redner. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) neigt zu gewundenen, in anstrengender Gelassenheit vorgetragen Statements, und so ließ er am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz mit 400 Journalisten aus aller Welt auch die heftige Kritik an seinem Krisenmanagement rund um die nun auf Mitte 2021 verschobenen Tokio-Spiele 2020 verpuffen. Eine präzise, überraschend kurze Antwort fand der deutsche Wirtschaftsanwalt an der Spitze des Olymps allerdings auf eine Frage. "Nein!", sagte Bach reflexhaft auf die Nachfrage, ob er angesichts seiner heftig kritisierten Verzögerungsstrategie an Rücktritt denke.

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  Göring-Eckardt kritisiert verfrühte Debatte um Exit aus Corona-Lockdown Berlin. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring Eckardt hat die Debatte um ein Ende der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus‘ kritisiert: „Statt zu früh über eine Lockerung der Maßnahmen zu spekulieren und damit falsche Hoffnung zu erwecken, würde ich mir von Teilen der Regierung eine verlässlichere Kommunikation wünschen.“ Das sagte Göring-Eckardt unserer Redaktion. Das sei unabdingbar für das nötige Vertrauen. „Wir brauchen Klarheit, Verlässlichkeit und eine Strategie für die Zeit danach, um die Bevölkerung auf dem schwierigen Weg durch die Krise mitzunehmen“, betonte sie.

Thomas Bach - zerlegt mit Hilfe der Olympischen Charta. Natürlich dürfte der IOC-Präsident russische Doper kollektiv sperren - so steht es in den Richtlinien. Der Kurs von IOC-Chef Bach ist komödiantisch. Kommentar von Thomas Kistner. Neuer Report zum Staatsdoping.

Thomas Bach - Informationen und Hintergründe. Als IOC-Präsident ist Thomas Bach seit fünf Jahren der einflussreichste Sportfunktionär der Welt. Er äußert sich zur Krise der Olympischen Spiele und sagt, warum seine Mitarbeiter manchmal unter ihm…

Das war zu erwarten. Doch nährt die schussartige Replik ohne weitere Ausführung die Vermutung, dass der Blick des IOC-Chefs weiterhin nicht über die Fassade des Prunksitzes der Bewegung am Genfer See hinausreicht. Das hat Bachs Krisenarbeit in Zeiten des Corona-Virus über die vergangenen Wochen verdeutlicht. Stur hielt er am Spiele-Termin im Juli fest; anschwellende Proteste an der Basis, besonders im Lager der Athleten, beirrten ihn so wenig beirren wie die wachsende Kritik in Medien und Gesellschaft.

So hat es Bach schon gehalten, nachdem die russische Staatsdoping-Affäre aufflog und die Sotschi-Winterspiele 2014 durch systematischen Betrug der Gastgeber entwertet worden waren. Während betrogene Athleten und Verbände im Einklang mit dem Gros der Öffentlichkeit harte Sanktionen forderten, führte Bachs IOC die Aufklärung der Kreml-Umtriebe nur im Munde - und pflegte eine Art fürsorglichen Täterschutz.

Olympischer Fackellauf startet ohne Fackel und Zuschauer

  Olympischer Fackellauf startet ohne Fackel und Zuschauer Der Fackellauf der Olympischen Spiele in Tokio wird am Donnerstag in der Präfektur Fukushima unter Ausschluss der Öffentlichkeit ohne Fackel, ohne Fackelträger und ohne jegliche Zeremonie starten. © Foto: --/kyodo/dpa Der olympische Fackellauf soll am Donnerstag starten - allerdings ohne Fackel. Die olympische Flamme, die am 12. März aus Griechenland eingetroffen war, werde in einer Laterne getragen und von einem Fahrzeug entlang der von den Organisatoren erhofften leeren Straßenränder transportiert. Das berichteten der nationale TV-Sender NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo .

: Thomas Bach . © Mladen Antonov/ Getty Images. Thomas Bach , Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, ist zu Gesprächen nach Nordkorea gereist. Die Olympischen Spiele brauchen eine neue Strategie .

Wie lange ein Skandal ausgesessen werden kann ist demnach also keine Entscheidung des Politikers selbst. Er gilt für viele als Paradebeispiel des Aussitzens . Über Jahre hinweg überstand er Krisen, an Medienberichte ausblenden, Kritik abprallen lassen, auf Zeit spielen. Mit diesen Strategien kann

Seit 24 Jahren sitzt Bach in IOC- Spitzengremien, seit 2013 ist er Präsident. Eine Karriere aus der sportpolitischen Retorte, der mächtige kuwaitische Olympiafunktionär Ahmad al-Sabah hatte 2013 verraten, Bachs Weg an die Spitze sei schon 2001 beschlossen worden. In so einem geschlossenen System hat der Boss einen gewaltigen Apparat hinter sich. Genauer: unter sich - weil er den Apparat fast nach Belieben für seine politischen Ziele benutzen kann. Er besteht aus den Sportweltverbänden sowie in den 206 Nationalen Olympischen Komitees (NOK); fast alle hängen am Tropf der Sommer- und Winterspiele. Existentiell. Deshalb kann der Mann, der diese Geldmaschine bewegt, den Sport mit einer Stimme sprechen lassen; im Bedarfsfall mitder eigenen, wie so viele relevante Beschlüsse in der Ära Bach gezeigt haben.

Der Patron bestimmt, alle folgen. So war es bis Mitte vergangener Woche, als das IOC mit Vertretern der Verbände und NOK´s zum Thema Spiele-Verschiebung konferiert hatte. Als sich Bach am Mittwoch des Vorwurfs erwehren muss, er habe zu lange die Ängste und Bedenken vieler Athleten und von immer mehr Verbänden ignoriert, als er dabei auf den einseitig erklärten Spieleverzicht des kanadischen Olympiateams zu Wochenbeginn angesprochen wird, da verweist er auf jene Sitzung: "Am Ende der Telefonkonferenz letzte Woche gab es eine Einzelabstimmung für jedes NOK und jeden Verband zur Frage, ob sie mit der Strategie des IOC-Exekutivkomitees einverstanden sind. Wir bekamen die einstimmige Unterstützung - inklusive der des kanadischen NOK."

Olympische Spiele in Tokio: IOC-Präsident Thomas Bach steckt in der Zeitfalle

  Olympische Spiele in Tokio: IOC-Präsident Thomas Bach steckt in der Zeitfalle Olympische Spiele in Tokio: IOC-Präsident Thomas Bach steckt in der ZeitfalleEs ist Thomas Bach, der noch immer kategorisch daran festhält, die Olympischen Spiele in diesem Sommer in Tokio stattfinden zu lassen. Nahezu die gesamte Sportwelt ist im Zuge der Coronakrise zusammengebrochen. Fußball-Bundesliga, Formel 1, Champions League, der Giro d‘Italia – alle abgesagt. Gar eine Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli ist jetzt im Gespräch. Krisensitzung statt Stadionbesuch.

Thomas Bach ist der typische Sportpolitiker. In der Russland-Frage traf er ein schändliches Urteil. Nun sieht die Welt, wofür er steht: außer Karriere für nichts. Sicher, das war keine leichte Entscheidung, aber auch gemessen daran werten viele Bachs Urteil als eine juristische wie moralische Katastrophe.

Fünf Jahre ist Thomas Bach nun Chef des Internationalen Olympischen Komitees. Die Zahlen stimmen, doch die Diskussionskultur ist schlecht Thomas Bach ist der höchste Sportfunktionär der Welt, doch das scheint dem Deutschen nicht mehr zu reichen. Die Spiele in Südkorea nutzt Bach , um

Sind die Kanadier Umfaller? Und ihre Olympiakollegen in Australien, Norwegen und den USA, die der Boykottankündigung folgen? Der Vorgang zeigt nur die Schwachstelle des olympischen Herrschaftssystems: In großer Runde ist der Herdendruck gewaltig, keiner rudert gegen den politischen Mainstream. Auch, was den wachsenden Widerstand der Athleten betrifft, verweist Bach auf eine(fruchtlose) Konferenz, die er abgehalten habe - und kann auch vermeintlich Demokratisches vorschieben: Die IOC-Athletenkommission. Die ei jaständig in Gespräche und Abstimmungen involviert gewesen sei. Allerdings steht für diese hauseigenen Athletenvertreterschar niemand symbolischer als die russische Sportikone Jelena Issinbajewa. Die hat nicht nur gegen Sanktionen wider das russische Staatsdoping gekämpft, sie ist mit der Kreml-Spitze so eng, dass Wladimir Putin sie sogar in den Kreis jener Gesellschaftsvertreter berufen hat, die ihm via Verfassungsänderung eine möglichst ewige Amtszeit bescheren sollen.

Bis Montagfrüh seien WHO-Meldungen eingetroffen, sagt Bach

Auch im IOC hat de facto fast nur einer das Sagen. Und der, Thomas Bach, hat versagt, als er erstmals auf einen Gegner traf, der weder über Machtpolitik noch mit diskreter Hinterzimmer-Diplomatie einzudämmen ist. Beim Medientermin am Mittwoch offenbarte Bach unversehens, dass es im Anblick der Corona-Pandemie nie eine substantiellere Strategie gab als Aussitzen, für ein Wunder beten - und die zwischen Quarantäne und Tokio-Träumen zerrissenen Athleten wochenlang unter Beschäftigungsdruck zu halten. Erst am Sonntag hatte der IOC-Vorstand einen Beschluss für die nächsten vier Wochen in Aussicht gestellt. Dass ihn dann die Absetzbewegung im eigenen Lager, die Erosion bei den Athleten über Nacht zum Umdenken gezwungen habe, will Bach nicht gelten lassen.

Japans Präsident kontert Trump: Keine Olympia-Verschiebung

  Japans Präsident kontert Trump: Keine Olympia-Verschiebung Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump zu einer Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio abgelehnt. © Foto: Jae C. Hong/AP/dpa Die Olympischen Spiele sollen im Sommer wie geplant in Tokio stattfinden. Trotz der Coronavirus-Pandemie seien die Vorbereitungen für die Sommerspiele in Japans Hauptstadt weiter im Plan, sagte Abe einem Sprecher zufolge Trump in einem Telefonat. Trump hatte zuvor in einer Medienrunde im Weißen Haus zu den Olympischen Spielen gesagt: «Vielleicht, aber das ist nur meine Meinung, verschieben sie sie um ein Jahr.

Offenbar war Bach der Diplomatenpass nicht genug. Der Ausweis kann recht hilfreich sein bei Reisen durch die Welt. Bei Unternehmungen nach oder von Deutschland aus aber bringt er allenfalls etwas Wartezeit-Verkürzung, weil es für die Passinhaber eigene Kontrollfenster gibt.

Beten ist Ausdruck von Vertrauen, dass Gott da ist und das Leben der Menschen in seiner Hand hält, was auch immer passiert. Der Göttinger evangelische Theologe Thomas Kaufmann erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2020 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Bis Montagfrüh, führte er aus, seien Meldungen der Weltgesundheitsorganisation WHO eingetroffen, die auf eine "dynamische, dramatische Entwicklung des Virus" hingewiesen habe - das habe den Ausschlag gegeben. Nur: War die Entwicklung in den Wochen zuvor, all die verfügten Ausgangssperren nicht dramatisch genug? Bach erkärt, die Pandemie habe ja nun auch Afrika erreicht. Aber hat dies das Spiele- Risiko herhöht? Und wie sahen die Ratschläge der WHO an das IOC über all die Wochen aus? Am Ende dient nicht nur die WHO als Sichtblende für das IOC, sondern auch Donald Trump. Der habe jüngst Lockerungen der Restriktionen im April in Aussicht gestellt, hebt Bach hervor, auch andere Staatschefs hätten ihre Maßnahmen bis Anfang Mai limitiert.

Und jetzt? Muss der Blick nach vorne gehen. Die Olympischen Spiele sind auch 2021 nach Tokio 2020 benannt, eine Geste an die Werbepartner, die schon Milliarden in diese Marke investiert haben. Am Mittwoch ruft Bach alle Teile der Sportgesellschaft auf, mitzuhelfen, dass die Spiele ein "Symbol der Hoffnung" werden. Klingt wie die nächste olympische Kommerzidee, aus der sich bald wieder Gold schürfen lässt.

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