Sport Jean Todt exklusiv: FIA darf keine Details zu "Ferrarigate" nennen!

22:20  08 april  2020
22:20  08 april  2020 Quelle:   formel1.de

Coronakrise: FIA ruft "Ausnahmezustand" aus

  Coronakrise: FIA ruft Der Motorsport-Weltverband FIA hat auf die Coronakrise reagiert und eine Art Ausnahmezustand ausgerufen. Um die aktuellen Herausforderungen "ohne Verzögerung und im Einklang mit den Statuten" zu meistern, wird unter anderem die Macht von FIA-Präsident Jean Todt offiziell und zeitlich begrenzt ausgebaut. Der Franzose darf dringende Entscheidungen, die den Ablauf der Saison 2020 betreffen, nun quasi im Alleingang treffen. Jeder Maßnahme soll aber eine Beratung mit den Kollegen in der FIA-Führung vorausgehen.

FIA-Präsident Jean Todt würde gerne Einzelheiten zum kontroversen Ferrari-Motor von 2019 mitsamt Bestrafung veröffentlichen, darf es laut Ferrari aber nicht

Jean Todt würde gerne detailliert über © LAT Jean Todt würde gerne detailliert über "Ferrarigate" reden, darf aber nicht

Was hat Ferrari im Zusammenhang mit dem Motor des SF90 aus der Formel-1-Saison 2019 zu verbergen? Diese Frage muss sich der italienische Rennstall mehr denn je gefallen lassen, denn FIA-Präsident Jean Todt, der über die Details in der Kontroverse Bescheid weiß, würde mit eben diesen Details am liebsten an die Öffentlichkeit treten.

Doch wie Todt gegenüber 'Motorsport-Total.com' betont, ist ihm genau das seitens Ferrari untersagt worden: "Wenn Sie mich fragen, würde ich gerne alle Einzelheiten der Situation schildern, aber sie [Ferrari] waren dagegen", so Todt und weiter: "Sie wurden sanktioniert, aber Details zur Sanktion können wir nicht nennen."

Teams in Krisenzeiten (fast) einig: Budgetgrenze soll weiter nach unten

  Teams in Krisenzeiten (fast) einig: Budgetgrenze soll weiter nach unten Bei einem Meeting am Montag haben sich die Formel-1-Teams darauf verständigt, die Budgetgrenze auf 150 Millionen Dollar zu senken - Weitere Verschiebung diskutiertDabei trafen sich Ross Brawn, Chase Carey und FIA-Präsident Jean Todt am Nachmittag virtuell mit den Teamverantwortlichen, um über weitere Schritte in der Coronakrise zu diskutieren. Über eine Senkung der Budgetgrenze auf 150 Millionen Dollar - inklusive weniger Ausnahmen - sind sich die Teams bereits formal einig. Eine weitere Senkung auf 125 Millionen Dollar wird diskutiert.

Mit "Sanktion" bezieht sich der FIA-Präsident auf das, was die kurze FIA-Pressemitteilung vom 28. Februar zum ominösen Deal zwischen Ferrari und der FIA beinhaltete - beziehungsweise eben nicht beinhaltete.

Der Titel jener Mitteilung lautete damals: "FIA beendet Analyse der Formel-1-Power-Unit der Scuderia Ferrari". Im Text war dann lediglich von einer "Einigung" der beiden Seiten die Rede, und dass die Details dazu nicht weitergeben werden dürften.

Todts heutige Sicht darauf: "Natürlich hätten wir auch gar nichts sagen können. Wir waren aber der Meinung, dass es falsch gewesen wäre, es nicht anzusprechen, dass der Fall Ferrari diskutiert wurde und dass es Sanktionen für das gegeben hat, was unserer Ansicht nach nicht legal war."

Jean Todt exklusiv: FIA darf keine Details zu "Ferrarigate" nennen!

  Jean Todt exklusiv: FIA darf keine Details zu FIA-Präsident Jean Todt würde gerne Einzelheiten zum kontroversen Ferrari-Motor von 2019 mitsamt Bestrafung veröffentlichen, darf es laut Ferrari aber nichtDoch wie Todt gegenüber 'Motorsport-Total.com' betont, ist ihm genau das seitens Ferrari untersagt worden: "Wenn Sie mich fragen, würde ich gerne alle Einzelheiten der Situation schildern, aber sie [Ferrari] waren dagegen", so Todt und weiter: "Sie wurden sanktioniert, aber Details zur Sanktion können wir nicht nennen.

In diesem Zusammenhang betont der FIA-Präsident ausdrücklich, dass das nicht legale Verhalten - in den Augen der FIA - "das Ziel" von Ferrari war. "Ehrlich gesagt", so Todt weiter, "ist es ganz einfach. Wir haben uns so sehr bemüht, zu unseren Schlussfolgerungen zu kommen, welche sie aber nicht teilen."

Mit "sie" meint Todt in diesem Zusammenhang nicht etwa Ferrari, sondern die Konkurrenz. Denn sieben Teams hatten als Reaktion auf die ominöse FIA-Mitteilung vom 28. Februar ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht und mit rechtlichen Schritten gedroht. Diese sieben Teams waren Mercedes, Red Bull, Renault, McLaren, Racing Point, AlphaTauri und Williams.

Mercedes allerdings hat sich inzwischen aus dem Thema ausgeklinkt. Todt, der auf einige der Beschwerden geantwortet hat, bedauert: "Leider ist es in technischer Hinsicht eine Tatsache, denn unsere Techniker sagen: 'Wir können nicht mit Gewissheit so viel beweisen wie wir sollten, dass sie [Ferrari] nicht legal unterwegs waren.'"

Brawns Formel-1-Pläne: Geisterrennen, Oktober-Deadline, bis zu 19 Events

  Brawns Formel-1-Pläne: Geisterrennen, Oktober-Deadline, bis zu 19 Events Europas Top Talente: Best of Alexander Isak | DAZN La Liga

"Ich habe mit einigen der sieben Teams einzeln gesprochen", so der FIA-Präsident, um mit Blick auf Mercedes anzufügen: "Eines der Teams hat sich entschieden, dass sie völlig außen vor seien, obwohl sie einer der Anführer waren. Seitdem habe ich nie wieder von einem Sinneswandel gehört. In der Presse habe ich gelesen, dass es eine Diskussion zwischen zwei Vorsitzenden gab."

"Als Antwort auf meinen Brief", so Todt weiter, "habe ich ich einen Brief erhalten, in dem sie [Mercedes] bestätigen, dass sie die Position der FIA verstehen. Das bedeutet aber nicht, dass sie mit der Position der FIA glücklich sind. Sie würden es begrüßen, wenn Ferrari die Offenlegung des Falles zulassen würde."

"Das würde auch mir gefallen", unterstreicht der FIA-Präsident, um mit Verweis auf den Deal mit Ferrari abzuschließen: "Das können wir aber nicht."

"Haben keine Lehren gezogen": Formel-E-Boss Agag mit Kritik in Coronakrise .
Alejandro Agag sieht durch die Coronakrise ein Rennseriensterben kommen, glaubt aber, dass die Formel E gut aufgestellt ist und blickt weit in die Welthistorie zurück "Wir werden in der Motorsportindustrie eine starke Konsolidierung erleben. Und ich glaube, das wird jetzt notgedrungen geschehen, denn einige Rennserien werden aus eigener Kraft nicht überleben", sagt Agag im exklusiven Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' für unsere Interviewreihe #thinkingforward mit Führungspersonen der internationalen Motorsportszene.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke
usr: 3
Das ist interessant!