Sport Ruhnert: "Nicht so, dass wir Subotic hier nicht mehr sehen wollen"

23:03  20 august  2020
23:03  20 august  2020 Quelle:   kicker.de

Kruse: "Bin nicht hier, um mich um das Nachtleben zu kümmern"

  Kruse: Am Donnerstag wurde Max Kruse als Neuzugang von Union Berlin bekanntgegeben, einen Tag später wurde er offiziell vorgestellt. Der Angreifer erklärte, warum er sich für die Eisernen entschieden hat - und machte klar, dass es ihm nur um Fußball geht. © imago images Max Kruse (li, hier zusammen mit Geschäftsführer Oliver Ruhnert) wird bei Union die Nummer 10 tragen. Vor den Fragen der Journalisten standen Fotos an. Dort war zu sehen, dass Kruse seine gewohnte Rückennummer 10 erhalten wird.

Anders als etliche andere Bundesligisten hat Union Berlin die Transferaktivitäten bereits weit vorangetrieben. Im ersten Teil des kicker-Interviews spricht Manager Oliver Ruhnert über die Personalplanung, Wechselkandidat Sebastian Andersson und den möglichen Abgang von Neven Subotic.

Union Berlins Manager Oliver Ruhnert kann sich Neven Subotic auch in der kommenden Saison im Union-Dress vorstellen. © imago images Union Berlins Manager Oliver Ruhnert kann sich Neven Subotic auch in der kommenden Saison im Union-Dress vorstellen.

Oliver Ruhnert hatte einiges zu tun. Auch am Donnerstagvormittag beteiligte sich der Manager des 1. FC Union an der Pflege der Trainingsplätze im Vorbereitungscamp im Allgäu. Weil die Rasenplätze auf der Anlage in Bad Wörishofen zu weich sind Mittelfeldspieler Grischa Prömel sprach davon, dass es teilweise so sei, "als würden wir auf Sand trainieren - fliegen hin und wieder größere Rasenstücke heraus. Deshalb ist auch Ruhnert bisweilen als Greenkeeper im Einsatz.

Union gewinnt im ersten Test 3:1 in Cottbus

  Union gewinnt im ersten Test 3:1 in Cottbus Viertligist FC Energie Cottbus fordert Bundesligist Union Berlin. Die Eisernen starten mit einem Sieg in die Testspiel-Serie vor dem Saisonstart - und mit fünf neuen Spielern.Ohne die prominenteste Verstärkung Kruse, der sich noch mit einer leichten Verletzung plagt und dem auch zwei Corona-Tests fehlen, wechselten die Gäste zur Pause fast komplett durch. Die Tore für Union erzielten Neven Subotic (26. Minute), Berkan Taz (60.), der in der Vorsaison an den FC Energie ausgeliehen war, und Marius Bülter (77./Foulelfmeter). Für die Gastgeber traf Marcel Hoppe (87.).

Keine Lücken hat der Manager der Eisernen dafür derzeit bei der Kaderplanung zu stopfen. Mit den acht Neuzugängen Andreas Luthe, Robin Knoche, Nico Schlotterbeck, Sebastian Griesbeck, Niko Gießelmann, Keita Endo, Cedric Teuchert und Max Kruse haben die Berliner ihre Transferaktivitäten bereits weit vorangetrieben.

Sie sind trotz der Folgen der Corona-Krise schon recht weit mit der Kaderplanung, viele andere Klubs haben sich hingegen bisher sehr zurückgehalten auf dem Transfermarkt. Was unterscheidet den 1. FC Union, der erst in seine zweite Bundesligasaison geht, von seinen Rivalen, Herr Ruhnert?

Das kann ich gar nicht genau beantworten. Vielleicht hatten andere Klubs nicht so viele auslaufende Verträge wie wir. Vielleicht waren deren Kader auch schon so gut, dass sie gesagt haben, die Spieler behalten wir. Sicherlich ist es zudem der Situation mit Corona geschuldet, dass es momentan auf dem Transfermarkt läuft, wie es eben läuft. Wir haben bis auf Marius Bülter, bei dem wir die Kaufoption noch in der vergangenen Saison gezogen haben (im Mai, d. Red.), und bei Keita Endo, für den wir eine Leihgebühr zahlen, ausschließlich ablösefreie Spieler verpflichtet und hatten eine sehr, sehr klare Sichtweise auf die Dinge, weil Union sehr auf die finanziellen Dinge achten muss. Wir haben sehr wirtschaftlich gearbeitet, auch in dieser Transferperiode.

Abwehrspieler verlässt den 1. FC Union: Neven Subotic geht als mündiger Profi

  Abwehrspieler verlässt den 1. FC Union: Neven Subotic geht als mündiger Profi Subotic brachte Erfahrung und sogar etwas Star-Qualität nach Köpenick. Mit seinem Engagement eckte er aber auch an. Nun ist für ihn kein Platz mehr bei Union. © Foto: Andreas Gora/dpa Auf Wiedersehen: Neven Subotic verlässt den 1. FC Union. Der kleine Junge in Reichenwalde strahlte vor Aufregung. Im Rahmen ihres Brandenburger Trainingslagers vor ein paar Wochen trainierten die Profis des Fußball-Bundesligisten 1. FC Union auf dem Rasen eines Dorfvereins. Und besonders bei einem Spieler konnte der Junge seinen eigenen Augen kaum trauen.

Wenn man Zugänge wie Max Kruse in diesem Sommer oder Christian Gentner und Neven Subotic im vergangenen Jahr nimmt, wie lassen sich solch prominente und erfahrene Verstärkungen mit der von Ihnen angesprochenen Wirtschaftlichkeit vereinbaren?

"Die Spieler wissen, auf was sie sich einlassen, wenn sie zu Union kommen." - Oliver Ruhnert

Das ist für uns kein Problem, solche Spieler können ja am Ende des Tages auch absagen. Wir können nicht mehr tun, als mit ihnen zu sprechen und ihnen unser Angebot zu machen. Die Spieler wissen, auf was sie sich einlassen, wenn sie zu Union kommen.

Oder ist Union gar nicht der finanzielle Underdog, als welcher der Klub gerne gesehen wird?

Wenn man sich die Verteilung des TV-Geldes anschaut, da sind wir so weit weg vom Drittletzten in diesem Ranking, dass sich die Frage fast erübrigt. Im Vergleich mit 16 anderen Bundesligisten sind wir deutlich begrenzter in unseren Möglichkeiten.

Union Berlin startet ins Trainingslager

  Union Berlin startet ins Trainingslager Union Berlin war auch im dritten Testspiel siegreich. Gegen Dresden gab es ein 2:0 im vermeintlichen Abschiedsspiel von Neven Subotic. Es bahnen sich weitere Abgänge bei den Köpenickern an.Er durfte noch mal eine Halbzeit ran, wurde von den Köpenickern für das Trainingslager aber freigestellt und kann sich einen neuen Verein suchen. «Für mich persönlich gilt es, das Beste aus dem Leben zu machen - noch ein paar Jahre in diesem Geschäft», sagte Subotic: «Ich will einen Verein finden, mit dem ich diese Schritte gehen kann.» Er habe mit Union eine «historische Saison in allerlei Hinsicht» erlebt: «Die Fanszene wie es sie hier bei Union gibt, ist schon etwas außerordentlich Schönes.

Sie wollen den Kader noch verkleinern. Sebastian Andersson ist ein Wechselkandidat. Wie sehr hängt die weitere Kaderplanung von seinem Verbleib ab?

Gar nicht. Ich sage ja immer, dass der ganze Kader bis zum Ende der Transferperiode fragil ist. Wann immer gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten für Spieler bestehen, sind wir als Verein in der Situation, dass wir überlegen müssen, wie mir damit umgehen.

Sie sagen auch immer, dass jeder Spieler bei Union Berlin bei einem entsprechenden Angebot gehen kann.

Wenn der Spieler das möchte, dann ist das so, ja.

Haben Sie den Eindruck, dass Andersson gehen will?

Ruhnert: Keine Probleme zwischen Union und Andersson

Nein, überhaupt nicht. Im Verhältnis zwischen Sebastian Andersson und Union Berlin gibt es auch überhaupt keine Probleme. Ganz im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass Sebastian, wenn er nach seiner Magen-Darm-Erkrankung wieder zu 100 Prozent fit ist, hier spielt.

Zu Beginn der Vorbereitung sagten Sie im Kurztrainingslager in Bad Saarow, dass Sie mit Andersson planen, wenn er die Ausstiegsklausel nicht zieht. Da das nicht geschehen ist, ist die Tür für einen Wechsel bei ihm jetzt zu?

Wenig Hoffnung für Kroos: Union sieht sich "im Mittelfeld besetzt"

  Wenig Hoffnung für Kroos: Union sieht sich Am 28. Juni hatte der 1. FC Union acht Spieler verabschiedet, deren Verträge nicht verlängert wurden. Die Mittelfeldspieler Christian Gentner und Felix Kroos waren nicht darunter. Mit Routinier Gentner einigten sich die Eisernen schnell auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit, mit Kroos ist das bis heute nicht geschehen. Die Kommunikation in der Personalie überrascht. © imago images Hat wohl keine Zukunft mehr bei Union: Felix Kroos. Einen Tag nach Saisonende hatte der 1. FC Union per Pressemitteilung zu Gentner und Kroos mitgeteilt: "Mit beiden Spielern werden Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geführt.

Nein, wie gesagt, die Tür ist für keinen Spieler zu. Wir planen erst mal mit dem Kader, den wir haben. Wir sind ja mit unserer Kaderplanung relativ weit, und dann gucken wir mal, was sich in den nächsten zwei, drei Wochen noch ergibt.

Etwas klarer als bei Andersson ist die Situation bei Neven Subotic. Er ist nicht mit ins Trainingslager gereist, um sich einen neuen Verein zu suchen. Warum passt es nach einem Jahr nicht mehr zwischen ihm und Union?

An der Stelle muss ich erst mal erwähnen, dass wir, als Neven damals zu uns kam, gesagt haben, dass wir uns nach der ersten Saison zusammensetzen und die Dinge besprechen. Er hat immer gesagt, dass er gucken muss, ob Union was für ihn ist und wir was für ihn sind. Neven hat uns vor allem natürlich mit seinem Auftreten in der Hinrunde unglaublich stabilisiert und geholfen. Dass wir dann nach der Saison gemeinsam zu der Einschätzung gekommen sind, dass der Spieler noch mal etwas Anderes machen möchte, ist aus meiner Sicht eine Geschichte, die von Anfang an im Bereich des Möglichen war. Dass er sich jetzt umschaut, geschieht mit unserem Einverständnis und es passiert auf Wunsch von Neven. Das ist eine Frage der Einhaltung von Zusagen. Mit Christian Gentner haben wir es übrigens genauso gemacht.

Das heißt konkret?

Wir haben mit ihm vor einem Jahr das Gleiche besprochen wie mit Neven mit einem Unterschied. Gentner hatte auf eigenen Wunsch nur einen Einjahresvertrag. Bei Subotic war das anders.

Bei Dietz wundert sich Ruhnert über die 2. Liga

  Bei Dietz wundert sich Ruhnert über die 2. Liga Von Urlaub will Oliver Ruhnert zwar nicht sprechen, aber weniger stressig als die Vorwochen ist das Trainingslager des 1. FC Union schon. © imago images Erst Lotte, dann Köln - wohin verschlägt es Lars Dietz 2020/21? Zumindest für den Manager der Eisernen, der bereits vor dem Camp im Allgäu den Großteil der Transferaktivitäten erledigt hatte und deshalb die Kaderplanung als "relativ weit" fortgeschritten bezeichnet. Was in den kommenden Wochen noch passiert, hängt nicht zuletzt davon ab, wer die Eisernen noch verlässt.

Ruhnert über Subotic: "Es gehören immer zwei Seiten dazu"

Ist das denn nicht ein Widerspruch, wenn man mit Subotic einen Zweijahresvertrag schließt, aber sagt, wir gucken nach einem Jahr, ob es noch Sinn macht?

Bei Subotic, der auch ein anderes Alter als Gentner hat (Subotic war damals 30, Gentner 34, d. Red.) haben wir eben ein anderes Modell gewählt. Das hängt auch immer mit den Wünschen der Spieler zusammen. Vielleicht haben wir damals auch schon vereinbart, dass Neven trotz eines weiterlaufenden Vertrags nicht ablösepflichtig ist.

Kann er jetzt also ablösefrei gehen?

Vielleicht. Eines möchte ich an der Stelle aber auch noch mal klar sagen: Wenn Neven nicht wechselt, wechselt Neven nicht. Es ist nicht so, dass wir sagen, wir wollen ihn hier nicht mehr sehen.

Wenn Sie ihn für sportlich unverzichtbar hielten, hätten Sie dann nicht versucht, ihn zum Bleiben zu bewegen?

Natürlich ist die Einschätzung immer eine, die auch beim Spieler eine sportliche Erwartungshaltung betrifft. Aber diese sportliche Erwartungshaltung ist keineswegs so, dass wir einen Spieler wie Neven Subotic nicht mehr brauchen könnten. Aber, noch einmal, es gehören immer zwei Seiten dazu.

Der zweite Teil des Interviews mit Oliver Ruhnert erscheint am Freitag. Darin äußert sich der Manager des 1. FC Union zum Umgang mit Max Kruse und den Planungen auf der Torhüter-Position nach dem Abgang von Rafal Gikiewicz und der Verpflichtung von Andreas Luthe.

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